Party-San Open Air 2019

Party-San Open Air 2019

📁 Allgemein, Live, Musik, Reviews 🕔01.September 2019
Party-San Open Air 2019

Happy Birthday P:S:O:A! Bereits zum 25ten Mal findet im beschaulichen Thüringen  – in diesem Jahr vom 08-10.August-  eines der härtesten Festivals des Sommers statt. Seit jeher besticht das Party-San Open Air mit fanfreundlichen Preisen, gutem Bier und Catering und einer extrem entspannten, ja familiären Stimmung. Kein Wunder das die Fahrt nach Schlotheim für die vielen Dauerbesucher ein Pflichttermin geworden ist, dem man aber nur allzu gerne nachkommt. Auf diese essentiellen Grundpfeiler, die so manchem Mitkonkurrenten über die Jahre abhanden gekommen sind schafft es die Crew Jahr um Jahr ein facettenreiches Line-Up zu pflanzen. Die Death und Black Metal lastige Ausrichtung mit teils sehr exotischen Bands,  wird immer wieder gekonnt mit Highlights aus anderen Genres gespickt. 

Hier gehts zur Galerie: Party-San 2019 Galerie

TAG 1: 

Dank der unglaublich Guten Baustellenplanung von Bund und Ländern und den damit einhergehenden Staus eröffneten für uns erst SOILWORK am frühen Donnerstagabend die Geburtstagssause. Mit brandneuem Album und einer gehörigen Portion Hummeln im Hintern ein würdiger Auftakt. Die Schar vor der Bühne sah das ähnlich und feierte die Schweden ordentlich ab.

Ähnliches galt auch für die Österreicher Black Metal Institution BELPHEGOR.  Der Mob tobte vor der Bühne, die Pyros brannten ununterbrochen, die Lightshow großes visuelles Kino. Nur die Mannen um Helmuth wirkten etwas lustlos. Passend dazu endete die Messe dann auch zur Überraschung vieler ziemlich abrupt zehn Minuten früher als geplant.

Dafür entschädigte Tom G. Warrior mit seinem TRIUMPH OF DEATH Projekt die Anwesenden.  Revelations of Doom, das mächtige Crucifixion oder Visions of Mortality zeigten klar auf, warum Hellhammer (aka Triumph of Death) in Sachen Thrash Black Metal  DIE Kultkapelle schlechthin sind. Düster,  bedrohlich, intensiv  rollt das tiefschwarze Gewitter von der Bühne aus über das P:S:O:A hinweg  und hinterlässt einen dauerhaft bleibenden Eindruck bei allen die dieser Lehrstunde in Sachen Black/Thrash ihre Aufwartung gemacht haben.

Nahezu fröhlich wirkt danach  HYPOCRISY, die den ersten Abend als Headliner beenden. Schon beim Opener Fractured Millennium wird klar: das wird ganz großes Kino: Vom Medley ‘Pleasure of Molestation / Osculum Obscenum / Penetralia‘ aus ganz frühen Tagen, bis hin zu aktuellem Material gab es vom offensichtlich gut gelauntem Peter Tätgren eine amtliche Best-Of Dusche, quer durch den gesamten Backkatalog der Band. Mit dem göttlichen ‘Roswell 47‘ wurde der erste Tag mehr als würdig beendet, zumindest auf den Bühnen. Auf dem Campground und im Partyzelt wurde bis in den frühen Morgen kräftig gefeiert.

 

Tag 2

Und was macht man als Veranstalter, wenn man seine Pappenheimer kennt? – Man lässt zur morgendlichen Frühschoppenbeschallung den durch geknallten Grindcorefünfer GUTALAX aus Tschechien zu Katerbekämpfung spielen. Gut muss den Tatortreiniger/Klobürstencore nicht zwangsläufig finden, aber eines muss man den Jungs lassen: Sie schaffen es ein ganzes Festival mit extremster Musik wachzurütteln. nEin Umstand, von dem auch die folgenden Bands wie THE CROWN und SOLSTICE sicher profitieren. Konnten THE CROWN sich noch auf ihre treue Fanschar stützen, so ist es für die Doomer sicher um einiges schwerer gewesen. Aber beide konnten auf Ihre Art überzeugen.

Das Ganzkopfmützen ein anhaltender Trend im Schwarzheimer Metal sind, sollte bekannt sein. Leider macht es die Live-Shows nicht besser und visuell austauschbar. jegliche Emotion und Interaktion von der Bühne dem Mystikwahn anheimfällt ist bedauerlich. Da können sich auch MIDNIGHT nicht von freisprechen. Ich liebe die Musik auf CD, aber Live zündet es einfach nicht. Da können sich die Jungs aus Cleveland noch so sehr mühen. Das Gros der Anwesenden mag das allerdings anders empfunden haben, denn die Party vor der Bühne war beachtlich. Positiver Nebeneffekt: unser alljährliches Brutz und Brakel Stelldichein wurde dadurch ein ganz entspanntes Schnappes schlürfen ohne Gedrängel.

Wie man es richtig macht, zeigen dann NIGHTDEMON. Der Wundertüteneffekt  der ersten Jahre mag durch die starke Präsenz des Trios in unseren Gefilden etwas verloren gegangen sein, aber trotzdem ist jede Show eine Augenweide. Es wird gerockt als ob es der letzte Auftritt vor  Ragnarök wäre. Die Kalifornier wissen definitiv, wie man die Leute an den Eiern packt und vor die Bühne zerrt. Einfach göttlich diese Spielfreude und Präsenz. Ihr Auftritt auf dem P:S:O:A macht da keine Ausnahme.

Während im Anschluss ROTTING CHRIST ihre Show zur Begeisterung der Fans spielten, war es für den Verfasser dieser Zeilen Zeit, das gute und kostengünstige Catering anzuchecken, im Anschluss –nach einem Plausch am Signing session Zelt –  die Merchmeile unsicher zu machen und mit Merch bepackt wieder Richtung Bühne zu schlendern.

Zurück vor der Bühne, ließen MGLA gerade ihr Intro auf die in freudiger Erwartung ausharrende Meute los. Wie die Band letztlich ausgesprochen wird, war auch auf dem P:S:O:A nicht final zu klären. Von Müggler über Mhh’gwa bis mmmm‘Wah war alles dabei. Worin die Fans sich allerdings einig waren, war der Umstand dass die  Polnischen Schwarzheimer eine unglaublich mitreißende Show ablieferten. Der düster bedrohlich wirkende Klangteppich, den die Jungs über den unheiligen Acker legten war sicher eines der Highlights des Jubiläumsfests. Das auch am Himmel bedrohliches aufzog, mögen viele noch als Teil der Show gewertet haben…

… aber spätestens ‘When Satan rules his world‘ ist es allerlei kirchlichen Würdenträgern wie Papst oder HerrnGott persönlich einiges daran gelegen, dies unter möglichst widrigen Bedingungen stattfinden zu lassen. Als ob es ein Feuer zu löschen galt, wurde der Auftritt des Death Metal Urgesteins DEICIDE um Vorzeigeantichrist Glenn Benton in Regen gehüllt. Aber ein Mr. Benton lässt sich nicht beirren, und las wie immer äußerst nachdrücklich die Messe. Einmal quer durch den umfangreichen Schaffenskatalog wurde hier mit jedem Ton und jeder Silbe gegen die Kirche gewettert; sehr zur Freude der zahlreichen Fans, die im Regen dem Belzebub in persona lauschten.

Die finale Verlesung des heutigen TESTAMENTs wurde dann leider eine richtig Nasse Angelegenheit. Der Regen nahm mittlerweile ziemlich heftige Ausmaße  an, so dass die Abwanderungswelle deutlich zunahm. Chuck Billy mühte sich redlich, aber dass die Band  ein unerwartetes Highlight auspacken würde, glaubten nur wenige.  Recht sollten sie behalten. Schade für die Oakland Thrasher, das der Auftritt dem immer stärker werdenden Regen zum Opfer fiel.

 

Tag 3

Am folgenden Tag war der Spuk dann allerdings vorüber. Bei bestem Festivalwetter durften die Südafrikaner VULVODYNIA den letzten Tag lautstark und brutal zum Vergnügen der Fans eröffnen.Im Anschluss hatten die Isländer SVARTIDAUDI ihren Gaudi an der Veranstaltung, und  konnten mit einer gehörigen Black Metal Kante zur Mittagszeit vollauf punkten.

Hätten JUNGLE ROT im Anschluss auch gekonnt, wenn der Sänger nicht mit seinem inflationären „OldSchool“ Rufen und Palaver die ganze Schose derart ins nervige gelabert hätte das selbst der oldschooligste Oldschooler in OldSchool DeathMetal Kreisen genervt die Lauscher zugeklappt hätte. Schlecht war es musikalisch jedenfalls nicht.

VOMITORY hingegen sind OLDSCHOOL und müssen das nicht einmal betonen. Seit 1989 liefert die Band beständig qualitativ hochwertigen OldSchool Death schwedischer Prägung (na klar). Ohne Schnörkel, ohne viel Palaver ein Best-of Programm voll auf die zwölf. Genau so muss das! – Perfekter Auftritt.

Eher das Prädikat „was soll das denn?“ war im Anschluss der Auftritt der NWOBHM Legende Satan. Die Lustlosigkeit der Band war sichtbar, kein Bemühen die genialen Hymnen treffsicher beim Publikum landen zu lassen. Job machen, weg. So wirkte es und so kam es leider auch. Schade!

Dann doch lieber bei DAMNATION DEFACED im Zelt vorbeischauen und sich eine ordentliche Packung Melodischen Prog-Death in die Ohren blasen lassen.  Das war ziemlich großes Kino was die Jungs aus Celle da abgeliefert haben. Respekt!

DESTRUCTION zeigen dann im Anschluss wie man die Hauptbühne amtlich bespielt. Das war Energie pur. Die Songs? – Einmal von „Infernal Overkill“ bis zum aktuellen Opus „Born to Perish“ Das Schmier und seine Mitstreiter auch  im 37ten Jahr nichts von Ihrer Agilität und Aggressivität auf der Bühne eingebüßt haben, beweisen Sie heuer auf dem P:S:O:A mehr als eindrucksvoll. Ein ganz großer Auftritt des deutschen Thrash Metal Urgesteins.

NAGLFAR sind eine dieser Bands die zum P:S:O:A passen wie die berühmte Faust aufs Auge. Ab und zu mal präsent, aber irgendwie doch mehr unter dem Radar der breiten Masse können die Schweden sich auf eine eingefleischte Fangemeinde stützen. So richtig groß ist NAGLFAR allerdings nie geworden, dabei ist der Melodic Black Metal den sie zelebrieren von außerordentlicher Qualität. Und das stellen sie an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis. Begleitet von einer ordentlichen Pyroshow liefert der Fünfer aus Umea eindrucksvoll unter dem Jubel des Publikums.

Das was sie am besten können machen im Anschluss auch LEGION OF THE DAMNED: Begleitet von einer fulminanten Lichtshow und einem Pyrofeuerwerk knallen sie den Besuchern das geballte Best-of  Programm um die Ohren. Vom Opener ‘Legion of the Damned‘ bis zum finalen ‘Son ofthe Jackal‘ werden auf und vor der Bühne keine Gefangenen gemacht. Chapeau!

Im völligen Kontrast dazu standen die Isländer SOLSTAFIR. Von den Black Metal lastigen Tönen vergangener Tage hat die Band sich Schwerpunktmäßig in Richtung Post-Rock verabschiedet, wobei die Wurzeln nie ganz verleugnet werden. Und genau darin liegt vermutlich auch die breite Akzeptanz die die Band beim P:S:O:A Publikum genießt. Die ruhigen Passagen werden immer wieder von  Brachialen „Wake-Up!“ Parts durchbrochen, kurz bevor der zerrockte Besucher am dritten Tag allzu früh entschlummert. Fazit: Das Kontrastprogramm funktioniert.

Zum Abschluss ein Blutbad bitte: BLOODBATH dürfen das diesjährige P:S:O:A als Headliner beenden. Und den Job erledigt die schwedisch/englische Death Metal Institution mit tödlicher Präzision. Der ‘Fleischmann‘ ist ein würdiger Opener. Mit ‘So you Die‘, ‘Breeding Death‘ oder ‘Cancer of the Soul‘ bedienen BLOODBATH die alten Klassiker, während neben dem Opener Kaliber der Sorte ‘Let the Stillborn come to me‘ oder eben dem Opener stellvertretend für die Ära Old Nick stehen mögen. Das agile Stageacting der Schweden wird von einer fulminanten Lichtshow begleitet und verlangt den P:S:O:A Besuchern noch einmal alles ab. Großes Kino von BLOODBATH, die Ihrem Headlinerstatus vollauf gerecht werden und einen würdigen Abschluss der Jubiläumssause hinlegen.

 

Unterm Strich steht mal wieder ein rundum gelungenes Party-San Open Air, das keine Wünsche offen gelassen hat: Fantastische Bands, Friedliches Publikum, entspanntes Gelände, laut, gutes Essen und kühles Bier. Was will man mehr? -Besser geht nicht.

Wir danken den Veranstaltern, wünschen noch einmal „Happy Birthday“ und freuen uns auf das Jahr 2020. Das erste Announcement, kein geringerer als die Schwedischen  Death Metal Legende DISMEMBER,  lässt Großes erahnen und hoffen.

 

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