Marty Friedman (USA) – Tokyo Jukebox 3

Marty Friedman (USA) – Tokyo Jukebox 3

📁 Allgemein, Musik, Reviews 🕔17.April 2021
Marty Friedman (USA) – Tokyo Jukebox 3

Geboren in Washington D.C., erlangte Friedman zunächst Aufmerksamkeit mit der Band Cacophony, die er zusammen mit dem ebenso rätselhaften und mittlerweile legendären Gitarristen Jason Becker gründete. Sie veröffentlichten zwei hoch bewertete Alben und dann wurde er 1990 von Megadeth rekrutiert und wirkte in den nächsten zehn Jahren auf einigen der einflussreichsten Metal-Alben aller Zeiten mit. Seine atemberaubende Bandbreite und seine unorthodoxen musikalischen Beiträge zu „Rust In Peace“ im Jahr 1990 und „Countdown To Extinction“ zwei Jahre später machten ihn zu einer Ikone und verhalfen Megadeth zu ihrem Höhepunkt. Seit 2003 lebt Friedman in Tokio, wo sein Name auch außerhalb der Musikwelt zu einem Begriff geworden ist. Seit er nach Japan gezogen ist, ist er in über 700 japanischen Fernsehsendungen aller Art sowie in Kinofilmen und Werbespots aufgetreten. Außerdem wurde er kürzlich von der japanischen Regierung zum Botschafter des japanischen Kulturerbes ernannt. Paralell veröffentlichte Marty weiterhin seine Soloalben und tourte mit diesen weltweit. Seit seinem Solodebüt ‘Dragon’s Kiss’ von 1988 bringt er regelmäßig neues Material heraus, welches immer sehr gut von Fans und Kritikern aufgenommen wird. Sein jüngstes Album ‘Tokyo Jukebox 3’ ist wie der Titel schon sagt, das dritte Album aus dieser Serie von Coverversionen japanischer Songs. Die Vorgänger erschienen 2009 und 2011.

J-Pop ist bekanntlich in unseren Gefilden nicht unbedingt die angesagteste Musikrichtung. Manches klingt dermaßen abgedreht für unsere Ohren, dass es uns häufig schwer fällt Zugang zu der Musik zu bekommen. Doch Marty Friedman schafft es durch die Instrumentierung und Arrangements eine neue musikalische Welt zu erschaffen, seinen Fans eine Kultur näher zu bringen, die uns Europäern doch häufig so fremd erscheint. Seine Liebe zur Musik wird nur noch durch seine Verliebtheit in Details übertroffen. Wirft man einen Blick auf das Cover, wird sich das Gesamtbild erst nur schwer erschließen. Das Cover zeigt ein Bild von Marty selbst, und er war entschlossen, es so authentisch wie möglich aussehen zu lassen. „Ich muss zugeben, dass es ein höllischer Prozess war. Es hätte leicht wie ein Kerl in Frauenkleidern und damit ziemlich dumm aussehen können. Man braucht schon eine sehr ernsthafte Einstellung und Herangehensweise, um das richtig hinzubekommen. Bei den ersten beiden ‚Jukebox‘-Alben hatte ich Kabuki-Make-up aufgelegt. Es wurde überhaupt kein Photoshop verwendet, und genau deshalb kamen sie auch ziemlich gut heraus. Diesmal musste ich das, was vorher gemacht worden war, noch verbessern. Ich holte mir die absoluten Top-Profis auf dem Gebiet der traditionellen japanischen Kimonos und des Make-ups, um sicherzustellen, dass wir etwas hatten, das nicht nur so authentisch wie möglich aussah, sondern auch auf die richtige Weise auffiel. Ich glaube, wir haben einen Volltreffer gelandet.“ Alleine diese Details sind es, die sich dann letztlich auch in den Songs wiederfinden lassen. Zumal es in Japan ungleich schwerer ist einen Song, egal welcher Art, einfach so zu covern. Friedman investierte viel Energie in die Auswahl der richtigen Songs für das Album, wie er erklärt: „In Japan muss man die Erlaubnis für die Aufnahme und Veröffentlichung von Coverversionen einholen, und das kann ein sehr kniffliger und langer Prozess sein. Das Letzte, was ich tun wollte, war, um die Erlaubnis für einen Song zu bitten, die Erlaubnis zu bekommen und ihn dann aus irgendeinem Grund nicht aufzunehmen. Das wäre sehr unhöflich. Also habe ich mehrere Wochen damit verbracht, Songs auszuwählen und sie zu demontieren, um zu sehen, ob ich Versionen erstellen kann, die mich begeistern können, bevor ich überhaupt an irgendwelche Verlage herantrete. Ich kam auf eine kurze Liste von 20 Songs und wählte daraus etwa 15 aus, von denen ich wusste, dass ich mit ihnen wirklich punkten konnte, und machte mich dann daran, die Erlaubnis für die Aufnahmen einzuholen.“ Das Ergebnis mag überraschend sein, denn die Songs klingen fast schon vertraut, zeigen, dass es der Mühe wert war. Vielleicht ist das Album nicht für jeden Hörer gedacht und gemacht. Doch hat man erstmal Zugang gefunden, erscheinen alle Songs in ihrem jeweiligen Licht und erstrahlen dabei in voller Größe. Selbst der Shredding-Anteil dürfte Nicht-Musikern gefallen, denn selten hat ein Instrumentalalbum dermaßen viel Zugang gewähren können.

Fazit: Hier wird J-Pop, Anime und japanische Kultur auf musikalische Art und Weise kredenzt, die sogar süchtig machen kann.

  1. Makenaide
  2. Senbonzakura
  3. Gurenge
  4. Kaze Ga Fuiteiru
  5. Echo
  6. The Perfect World (Feat. Arufakyun)
  7. U.S.A.
  8. Shukumei
  9. Ikuze Kaitou-Shoujo
  10. Sazanka
  11. Time Goes By
  12. Japan Heritage Official Theme Song

Label: Mascot Records

VÖ: 16.04.2021

Laufzeit: 52:02 Min.

Herkunft: USA

Stil: Hardrock/Metal/Shredding

Webseite: https://www.martyfriedman.com/

Facebook: https://www.facebook.com/martyfriedman.official

 

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