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Yeast Machine (D) Bad Milk

Stoner Grunge, Alternative Rock und psychedelisch angehauchter Fuzz bilden den Nährboden, auf dem Yeast Machine ihre schweren Gitarren wachsen

Yeast Machine (D) Bad Milk

Stoner Grunge, Alternative Rock und psychedelisch angehauchter Fuzz bilden den Nährboden, auf dem Yeast Machine ihre schweren Gitarren wachsen lassen. Das Quintett aus Tübingen verbindet den schwermütigen Geist der Neunziger mit staubigem Desert Rock, punkiger Angriffslust und einer modernen Produktion. Dabei liegen Seattle und Palm Desert nicht nur geografisch weit auseinander: Yeast Machine holen beide Klangwelten in ihre gemeinsame Rock-Kommune und lassen sie dort ordentlich miteinander kollidieren. Die seit 2021 bestehende Band lebt nicht nur gemeinsam unter einem Dach, sondern formt ihre Musik offenbar ebenfalls als Kollektiv. Zwei Jahre nach dem Debüt „Sleaze“ erscheint mit „Bad Milk“ das zweite Studioalbum und zugleich die erste Veröffentlichung über Noisolution. Zehn Stücke verteilen sich auf kompakte 34 Minuten, darunter ein kurzes Intro und ein kaum längeres Zwischenspiel. Der am 20. März 2026 veröffentlichte Zweitling wirkt rauer, fokussierter und in seinen Kontrasten mutiger als sein Vorgänger. Zwischen schwerem Fuzz, mehrstimmigem Gesang, melancholischen Ruhephasen und überraschend eingängigen Refrains entsteht ein Album, das seine Vorbilder kennt, aber nicht dauerhaft deren Fußspuren folgt.

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Hört hier das Album „Bad Milk“ von Yeast Machine.

Zwischen herabfallenden Felsen und verdorbener Milch

„Globalized Condolences“ lässt das Album zunächst aus einer düsteren, beinahe bedächtigen Atmosphäre heraus entstehen. Hallende Gitarren, eine zurückhaltende Stimme und ein langsam anschwellendes Schlagzeug bereiten den eigentlichen Ausbruch vor. Nach 1:22 Minuten geht die Einleitung nahezu fließend in „Falling Rocks“ über. Hier setzt sich die gesamte Band in Bewegung. Jonas Bischof treibt die Nummer mit einem körperlich spürbaren Groove voran, während Marcel Gundlach dem Gitarrendruck ein deutlich hörbares Bassfundament unterschiebt. Die Fuzz-Riffs der Brüder Fabian und Tobias Köninger klingen breit, behalten jedoch genügend Kontur, um nicht zu einer formlosen Wand zu verschwimmen.

Der zusätzliche Gesang von Polly beziehungsweise The Red Flags bringt einen willkommenen Farbwechsel. Statt lediglich einen Refrain zu verzieren, verbindet die weibliche Stimme Rauheit und Melodie und macht „Falling Rocks“ zu einem der unmittelbarsten Stücke des Albums. Der Titelsong „Bad Milk“ schlägt anschließend eine schwerere Richtung ein. Zäh fließende Akkorde, ein markanter Basslauf und mehrstimmige Vocals erzeugen eine dunkle, leicht hypnotische Grundstimmung. Die Band hält die Spannung über mehrere Lautstärkestufen, bevor der Song in einem der massivsten Momente der Platte aufbricht. Das ist weder klassischer Stoner Rock noch eine bloße Grunge-Rückblende, sondern eine geschickt verzahnte Mischung aus beidem.

Kurzes Durchatmen, dann dreht „Dust on the Radio“ auf

Das nur 38 Sekunden lange „Foreshadowing“ reduziert den zuvor aufgebauten Druck auf eine akustische Gitarre und zurückhaltenden Gesang. Als kleine Verschnaufpause funktioniert das Intermezzo, als eigenständiger Titel bleibt es allerdings zu skizzenhaft. Der Übergang zu „Dust on the Radio“ fällt dafür umso wirkungsvoller aus. Das Tempo steigt, das Schlagzeug schiebt entschlossen und die Gitarren bewegen sich näher an klassischem Desert Rock. Ein kurzes Solo setzt einen gezielten Akzent, ohne den kompakten Aufbau zu zerlegen. Besonders gelungen sind die dynamischen Rücknahmen, nach denen die Band jedes Mal mit zusätzlicher Kraft zurückkehrt.

„Feeding Poison to the Spiders Was Never Really My Thing“ trägt nicht nur den sperrigsten Titel, sondern gehört auch kompositorisch zu den interessantesten Nummern. Der fast verträumte Beginn lässt zunächst viel Raum zwischen den Instrumenten. Nach und nach verdichtet sich das Arrangement, die Gitarren werden schwerer und Bischof erhöht den Druck, bis sich ein erstaunlich großer Refrain öffnet. Genau hier zeigt sich jedoch auch eine kleine Schwäche von „Bad Milk“: Die Band deutet eine widerspenstige, beinahe dissonante Entwicklung an, löst sie dann aber doch recht sicher in einem eingängigen Alternative-Refrain auf. Dieser funktioniert ausgezeichnet, nimmt dem Song jedoch einen Teil seiner möglichen Unberechenbarkeit.

Groove, Honig und ein wackelnder Zauberer

Mit „Karthago“ findet die Platte zurück zu einer kompakteren Form. Der Bass erhält viel Bewegungsfreiheit, während Schlagzeug und Gitarren eng miteinander verzahnt arbeiten. Statt permanent auf maximale Lautstärke zu setzen, baut die Band den Song über rhythmische Verschiebungen und kurze atmosphärische Öffnungen auf. Das macht die Nummer zu einem wichtigen Bindeglied zwischen der ausladenderen Mitte und dem melodischeren Schlussdrittel.

„Honey & Sweat“ zählt zu den direktesten Stücken des Albums. Ein kurzes Drum-Intro gibt das Signal, dann marschiert die Rhytmusgruppe mit schwerem, aber erstaunlich beweglichem Groove los. Der raue Gesang besitzt genügend melodische Wärme, damit sich der Refrain bereits beim ersten Durchlauf festsetzt. Dass Yeast Machine Eingängigkeit beherrschen, steht außer Frage. Angenehm ist vor allem, dass die Band dafür weder ihre Gitarren entschärft noch den Fuzz aus der Produktion nimmt.

Der passend betitelte „Wobbly Wizzard“ schwankt anschließend kontrolliert durch Wah-Wah-Gitarren, psychedelische Effekte und einen federnden Siebziger-Jahre-Groove. Im Hintergrund wabern kleine Klangdetails, während der Bass die Nummer zusammenhält. Trotz aller psychedelischen Ausschmückung bleibt der Song überraschend kompakt. Er besitzt etwas bewusst Schiefes und Überdrehtes, ohne die Form zu verlieren. Gerade diese Mischung aus Lockerheit und Kontrolle hätte dem Album an ein oder zwei früheren Stellen ebenfalls gutgestanden.

„The Golden Cage“ öffnet zum Abschluss die Klangbühne

Mit 5:05 Minuten ist „The Golden Cage“ nicht nur der längste, sondern auch der emotional vollständigste Titel. Der melancholische Einstieg lässt Gesang und Gitarren zunächst atmen. Akustische und zurückhaltend verzerrte Passagen schaffen einen bewussten Gegenpol zu den schweren Riffs des Albums. Sobald die Fuzz-Pedale wieder aktiviert werden, wächst der Song zu einer breiten Klangwand an. Diese Steigerung geschieht nicht plötzlich, sondern wird sorgfältig vorbereitet. Die Stimme bleibt selbst in den massiven Passagen verständlich und trägt eine Verletzlichkeit, die den vorherigen Stücken teilweise fehlt.

Produzent und Mixer Markus Graf hat den gemeinschaftlichen Charakter der Band gut eingefangen. Gitarren, Bass und Schlagzeug klingen organisch und vermitteln den Eindruck einer eingespielten Live-Band, ohne auf die notwendige Studioarbeit zu verzichten. Der Bass darf sich häufig aus der Tiefe lösen, die Gitarren sind im Stereobild breit verteilt und die unterschiedlichen Stimmen bleiben nachvollziehbar voneinander getrennt. Stefan Brüggemann gibt dem Album im Mastering den nötigen Nachdruck. In den dichtesten Fuzz-Passagen stapeln sich die Mitten gelegentlich etwas zu stark, doch insgesamt bleibt der Klang warm, druckvoll und erfreulich lebendig.

Nicht jede Idee wird bis zum Äußersten getrieben

„Bad Milk“ überzeugt besonders dann, wenn Yeast Machine die Gegensätze zwischen Ruhe und Lärm konsequent ausspielen. Der Titelsong, „Falling Rocks“, „Dust on the Radio“ und das Finale zeigen, wie sicher die Band schwere Riffs, Melodien und mehrstimmigen Gesang miteinander verbinden kann. Die kurzen Zwischenspiele unterstützen den Ablauf, tragen für sich genommen aber wenig zum Album bei. Zudem entscheidet sich die Formation bei einigen vielversprechend schrägen Ansätzen letztlich für den gut zugänglichen Refrain. Das sorgt für hohen Wiedererkennungswert, lässt aber gelegentlich den Wunsch entstehen, Yeast Machine würden ihre psychedelischen und dissonanten Ideen noch kompromissloser ausreizen.

Unser Fazit

„Bad Milk“ ist ein kraftvolles, vielseitiges Stoner-Grunge-Album, auf dem Yeast Machine ihre gemeinsame musikalische Sprache weiter festigen. Der warme Fuzz, die bewegliche Rhythmusarbeit und die unterschiedlichen Gesangsstimmen verleihen den zehn Stücken einen eigenständigen Charakter. Kleine Durchhänger und einige zu sicher aufgelöste Spannungsbögen verhindern den ganz großen Wurf, ändern aber wenig am hohen Unterhaltungswert. Mit „Falling Rocks“, „Dust on the Radio“ und „The Golden Cage“ liefert die Tübinger Formation gleich mehrere überzeugende Argumente für ihre Zukunft.

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