OKKULTIST – „Reinventing Evil“

OKKULTIST – „Reinventing Evil“

📁 Allgemein, Reviews 🕔14.März 2019
OKKULTIST – „Reinventing Evil“

OKKULTIST – „Reinventing Evil“

Label: Alma Mater Records

Laufzeit: 36:07 min

VÖ: 15.03.2019

Genre: Death Metal – so gutklassig wie routiniert

Die aus Lissabon stammenden OKKULTIST legen mit “Reinventing EVIL“ nach ihrer 2017 erschienenen EP „Eye Of The Beholder“ nun ihr Debüt vor. Zu hören gibt es kraftvollen Death Metal, der in jeder Beziehung state oft he art ist. Soll heißen: Da gibt es zunächst eine dichte und brutale Produktion, die ebenso aggressiv wie transparent daherkommt, ohne jedoch steril zu wirken. Das ist energetisch und brachial, und kann im besten Sinne als modern bezeichnet werden. Mann, ist das fett!

Allen voran glänzen OKKULTIST mit ihrer herausragenden Gitarrenarbeit. Die Riffs sägen nicht nur herrlich fies, sondern sind zumeist eingängig, auch wenn mir manches bekannt vorzukommen scheint. Und immer wieder gibt es schicke Gimmicks in den Gitarrenlinien, die aufhorchen lassen und die Zuhörenden fesseln. Und ja, es gibt auch schön schräge Soli, so, wie ich sie liebe. Dazu kommen ein prägnanter Bass, der mit einer knochentrockenen Lässigkeit und wummerndem Druck für Akzente sorgt, und ein wuchtiges Schlagzeugspiel, das den Liedern jeweils genau das gibt, was sie brauchen. Das wechselt zwischen brutalen Doubelbassbeschuss, stoischem Uffta-Galopp und fleischigen Midtempo-Grooves, ist aber stets arschtight und zwingend vorgetragen. Aushängeschild von OKKULITIST ist jedoch ganz klar Sängerin Beatriz Mariano. Die setzt sich nicht nur optisch mannigfaltig in Szene (Schaut Euch mal im Internet um, dann wisst Ihr, was ich meine!), sondern überzeugt auch mit einem kratzig fiesem und stets hochenergetisch vorgetragenen Growlen, wie wir es von Britta Görtz (Critical Mess), Alissa White-Gluz (Arch Enemy), Lauren Hart (Once Human) oder auch Otep Shamaya (Otep) kennen und schätzen.

Aus all diesen hervorragenden Zutaten machen OKKULTIST einen Death Metal, der in seinen Riffs und seiner Rhythmik gekonnt auf Tradition setzt, diese aber mit einem modernen Sound und durchdachten Strukturen klar im Hier und Jetzt verortet. Dabei variieren OKKULTIST immer wieder geschickt das Tempo und bleiben hier überraschend und frisch. Songs wie der unbarmherzig voranpeitschende Opener “Reinventing Evil” oder die mächtigen Dampframmen „Sign of the Ripper“ und „Grave Digger“ wissen zu gefallen. Aber mehr eben auch nicht. Das ist bei aller großartigen Machart eben keine Neuerfindung, sondern einfach gut gemachter Death Metal. Und der rauscht leider recht stromlinienförmig an mir vorbei, denn es fehlen die Widerhaken und vor allem eines: eingängige Refrains, hypnotische Hooks, diese Momente, die sich in das Hirn fräsen und nie wieder aus diesem verschwinden wollen.

Fazit: OKKULTIST legen mit „Reinventing Evil“ ein Debüt vor, das gutklassigen modernen Death Metal im Stile neuerer Carcass, Sonic Syndicate oder Once Human bietet. Das ist druckvoll und brachial und könnte der Beginn einer hoffnungsvollen Reise sein. Dazu bedarf es allerdings noch etwa mehr Eigenständigkeit und wiederkennbarer Elemente in Riffarbeit und Gesang. Das Ticket ist gelöst, jetzt gilt es, spannend nachzulegen und zu beweisen, dass da mehr ist als bloße, wenn auch verdammt gut gemachte Interpretation.

Liederliste:

1. Reinventing Evil (4:17)
2. Back from the Dead (3:21)
3. Sniff the Blood (4:03)
4. Sign of the Ripper (5:22)
5. I Am the Beast (3:34)
6. Grave Digger (4:40)
7. Plasmodium Nocturnus (3:53)
8. Rise and Reign (4:46)
9. Satan Is My Master (Bathory cover) (2:11)

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