TRISTE TERRE – „Grand Œuvre“

TRISTE TERRE – „Grand Œuvre“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔14.März 2019
TRISTE TERRE – „Grand Œuvre“

TRISTE TERRE „Grand Œuvre“

Label: Les Acteurs de L’Ombre Productions

Laufzeit: 65:18 min

VÖ: 15.03.2019

Genre: Doom Black Metal voller Atmosphäre – ein Meisterwerk!

TRISTE TERRE legen mit ihrem „Grand Œuvre“ Album nach mehreren EP nun ihr Debüt bei meinen lieben französischen Freunden von Les Acteurs de L’Ombre Productions vor. Solch großartige Bands wie Monolithe, Blurr Thrower und Void laufen bei mir ständig rauf und runter. Und ich wage es ja gar nicht zu sagen, aber auch TRISTE TERRE liefern uns wunderbare Musik.

Zu hören gibt es in etwas mehr als einer Stunde sechs lange Stücke, die in ihrer völlig natürlichen symbiotischen Verbindung von Black Metal, Doom, Atmosphäre und sakraler Erhebung gänzlich einzigartig sind. Und ein größeres Kompliment ist Musik heute nicht mehr zu machen.

Flirrende Gitarren, orchestrale Einschübe, in sich zusammenfallende Gewalt, sich träge dahinwälzende Riffkaskaden, Blastbeateruptionen, tote Körper über blutigen Beton schleifende Grooves – all das wird schlüssig und glaubwürdig zu großer Kunst zusammengefügt. Es sind gerade diese Kontraste zwischen Schnell und Langsam, zwischen Wahnsinn und Meditation, zwischen Licht und Dämon, die eine dichte und packende Atmosphäre erschaffen. Erzeugt wird dies mit übereinander geschichteten Riffs und disharmonischen Gitarrenlinien, mit einem druckvollen Schlagzeug, dass all die Tonmonumente brutal vor sich her treibt – und mit einer Stimme, die abstößt, fesselt, die in ihrem Umherirren zwischen lamentierendem Kreischen, anklagendem Flehen und tobsüchtigem Geifern erschaudern lässt. Das ist so erschreckend wie wunderschön. Herr Naâl muss über eine wahrhaft überbordende dunkle Phantasie verfügen, die unbedingt hinaus will in unsere Welt. Und die bricht sich Bahn in solch grandiosen Stücken wie dem eröffnenden „Œuvre au Noir“, dass mich nach wenigen Minuten in sich aufsaugt und bis zum Ende des Albums nicht mehr loslässt aus einer so dunklen wie warmen und liebkosenden Umarmung. Entrückende Magie erschaffen dabei die von einer Orgel aufsteigenden mächtigen sakralen Melodien, die sich hier wie in „Grand architecte“ schwer und massiv auf Brustkorb wie Seele legen. Und auch der düster sakrale Männerchor in „Lueur Emérite“ verzaubert ebenso mit seiner hymnischen Mystik wie die repetitiven und mantraartigen Rhythmen in „Nobles luminaires“. Dabei atmen die Lieder eine filigrane und unverfälschte Reinheit, und zu keiner Sekunde stellt sich hier ein Gefühl von Länge ein. Im Gegenteil, TRISTE TERRE scheinen die Zeit aufzulösen und in pure Emotionen zu transformieren. All das wird dargeboten in einem so natürlich dunklen wie transparenten Sound, der die leuchtende Schwärze der Musik bis in kleinste Details einfängt und hoch hinauf in den Kosmos wirft.

Fazit: TRISTE TERRE ist mit ihrem Albumdebüt „Grand Œuvre“ nichts weniger als ein Meisterwerk gelungen. Das ist ein einzigartiger Doom Black Metal voller Atmosphäre, Mystik und Magie. Diese Musik verlangt viel, sie verlangt den Verzicht auf Kontrolle, verlangt völlige Offenheit und Vertrauen. Aber dann, wenn Du bereit bist, Dich fallen zu lassen, zu springen, hinab in den Nebel, in das Unsichtbar ganz tief in Dir, dann wirst Du belohnt werden mit Liebe, mit Wahrheit und Glück. Nichts mehr – aber auch nichts weniger. Es ist Deine Entscheidung. Und ich sage Dir: Habe Mut! Wage!

Danke, Monsieur Naâl!

Liederliste:

1. Œuvre au noir (12:45)
2. Corps glorieux (9:06)
3. Nobles luminaires (11:28)
4. Grand architecte (8:57)
5. Lueur émérite (12:29)
6. Tribut solennel (10:29)

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