NILE – „Vile Nilotic Rites“

NILE – „Vile Nilotic Rites“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔06.November 2019
NILE – „Vile Nilotic Rites“

NILE – „Vile Nilotic Rites“

Label: Nuclear Blast

Laufzeit: 54:54 min

VÖ: 01.11.2019

Genre: Ein Meilenstein des technischen Death Metal!

Was für ein Hammer! Was für ein überirdisches Meisterwerk!

Ende.

Mehr gibt es für mich heute zu „Vile Nilotic Rites“, dem insgesamt neunten Album von NILE nicht zu sagen. Diese fast 55 Minuten Musik sind so randvoll mit Details, Technik, Groove, Atmosphäre, Gewalt, Aura, Licht und Phantasie gefüllt, dass ich wohl Monate, wenn nicht Jahre brauche, all dies irgendwie erfassen zu können. Von verstehen will ich hier lieber erst gar nicht reden.

Beginnen wir bei den irdischen Dingen, die sich zu den 11 Stücken – eins davon ein recht kurzes orientalisch angehauchtes Instrumental – aufzählen lassen. Da sind zunächst die beiden neuen Herren Brad Parris am Bass und Brian Kingsland an der Gitarre. Während Ersterer bereits als Livemusiker die letzte Scheibe „What Should Not Be Unearthed“ auf die Bühnen dieser Welt gebracht hat, ist Herr Kingsland erst seit 2017 dabei. Beide fügen sich nahtlos in die Band ein, und dies betrifft nicht nur ihr großartiges technisches Können, sondern insbesondere auch ihren Gesang, den bis auf den einzigartigen Herrn Kollias bisher stets alle stehenden Instrumentalisten beisteuern durften. Über die beiden Herren Karl Sanders und George Kollias müssen außer den üblichen Lobeshymnen auch weiter keine Worte verloren werden. Es ist das herausragende musikalisches Können, die kompositorische Brillanz, vor allem aber ihre uneingeschränkte ehrliche Leidenschaft und Hingabe, die auch auf „Vile Nilotic Rites“ aus jedem Ton in unsere Herzen und Seelen klingt und uns restlos begeistert. Dazu gibt es einen verdammt massiven und druckvollen Sound, der die düstere und brachiale Härte der Musik wunderbar einfängt. Dabei wirkt alles glasklar und transparent, so dass sich Bass, Gesang und Schlagzeug gut vor dem mächtigen Gebirge aus Gitarrenriffs positionieren können. Dies gibt vor allem Bass und Schlagzeug genügend Raum, um sich an ihrem wie immer offene Münder produzierenden Können zwischen atemberaubender Geschwindigkeit und höchster technischer Raffinesse bis in kleinste Feinheiten ergötzen zu können.

Das Wichtigste ist und bleibt aber die Musik, die NILE erschaffen. Dennn NILE sind viel mehr als diese vier Individuen. NILE sind ein ganzer eigener Organismus, ein altes und unsterbliches Wesen, machtvoll, ehrwürdig und groß. Die Musik ist sein Gehirn und seine Seele. Und die hat es wieder in sich. Mein erstes Fazit fällt so aus: Typisch NILE. Und das schießt mir an Worten in den Sinn, wenn ich das Album höre: Feuer, intensiv, Titan, Sturmflut, vehement, Urgewalt, Bombast, Wahnsinn, Schwerterklirren, heiß, Palast, Katakomben, Zorn, schwarz, Seelenwanderung, Berggipfel, fordernd, apokalyptisch, Demut, Freude, Koloss, undurchdringlich, Staub, Kraft, Sonne, Myriaden, Adler.

Das ist abwechslungsreich bis in die winzigsten atomaren Bestandteile und gleichzeitig ein einziger monströser Brocken aus schimmernder Tonraserei. Zunächst geht es los mit einer der für diese Band typischen völlig entfesselten Gewaltorgien. „Long Shadows Of Dread“ ist bis zum Bersten vollgestopft mit irrwitzigster Tonmeisterei, von flirrenden Hochgeschwindigkeitsriffs über Blastattacken bis zu völlig kranken Gitarrensoli. Herrlich! Als ähnliche Geschwindigkeitsmonster erweisen sich „Oxford Handbook Of Savage Genocidal Warfare“ und „Snake Pit Mating Frenzy“, entfesselt, gnadenlos und technisch wie immer sensationell virtuos. Vor allem aber besinnen sich NILE auch wieder auf ihre Fähigkeit, bei allem Geknüppel und aller instrumentalen Komplexität massive Grooves zu erschaffen, die einen Sog aus Brachialität und Brutalität erzeugen, der sich wie ein tonnenschwerer Steinblock einer Pyramide auf meinen Brustkorb legt und mich langsam zerquetscht. „Vile Nilotic Rites“ und das abschließende „We Are Cursed“ belegen dies eindrucksvoll.

Über allem erheben sich aber „Seven Horns Of War“ und „The Imperishable Stars Are Sickened“, zwei monumentale Epen, die wie unter einem Brennglas die wahre Essenz von NILE freilegen. Das ist progressiv, das ist dynamisch, das ist machtvoll, das ist episch, das ist mythisch, das ist magisch und geheimnisvoll. Das strotzt nur so vor Ideen, vor überraschenden Wendungen, plötzlichen Abbiegungen und tiefen Löchern hinab in das Reich der Phantasie. Dabei strahlt das alles eine unvergleichliche und meisterhafte Eleganz aus, die mich zu jeder Sekunde an die Hand nimmt, umarmt und immer wieder hinaufführt zum Licht. Und ja, jetzt fehlen auch mir einmal die Worte.

Fazit: „Vile Nilotic Rites“ ist ein Meisterwerk! Das ist technischer, progressiver Death Metal in Vollendung. Ich will gar nicht mehr darüber reden oder schreiben, denn jede Sekunde raubt mir kostbarste Zeit, diese grandiose Musik zu hören, zu fühlen, in ihr tief zu versinken. NILE sind intensiv, sie fordern, sie fordern heraus, sie verlangen, begehren, mit Nachdruck und Strenge. Aber sie belohnen uns für unsere Mühen mit einzigartiger Kunst, die uns umfängt, liebkost und beschenkt. Ich kann Euch nur raten: Macht Euren Geist frei, breitet die Arme aus und lasst Euch tief hinein fallen in diese Kunst. Vorbehaltlos. Aufrichtig. Grenzenlos. Völlig.

Liederliste:

1. Long Shadows of Dread (4:07)
2. The Oxford Handbook of Savage Genocidal Warfare (3:09)
3. Vile Nilotic Rites (3:28)
4. Seven Horns of War (8:48)
5. That Which Is Forbidden (5:35)
6. Snake Pit Mating Frenzy (2:48)
7. Revel in Their Suffering (5:44)
8. Thus Sayeth the Parasites of the Mind (1:42)
9. Where Is the Wrathful Sky (4:40)
10. The Imperishable Stars Are Sickened (8:00)
11. We Are Cursed (6:53)

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