Interview mit FERDY DOERNBERG zum neuen Solo-Album „Before the sun goes down“ und vieles mehr

Interview mit FERDY DOERNBERG zum neuen Solo-Album „Before the sun goes down“ und vieles mehr

📁 Allgemein, Interviews, Musik 🕔12.Oktober 2020
Interview mit FERDY DOERNBERG zum neuen Solo-Album „Before the sun goes down“ und vieles mehr

Picture: Maike Wolff

Ferdy Doernberg ist einer der umtriebigsten Musiker, die ich kennenlernen durfte. Ein sehr angenehmer Mensch, mit dem es Spaß macht, nicht ausschließlich über Musik zu sprechen, doch hier und heute, in unserem Gespräch, sollte es schon um Musik gehen. Um seine Musik – Ferdy´s aktuellem Solo Studioalbum „ Before the sun goes down“. Wem Ferdy Doernberg tatsächlich immer noch kein Begriff ist, hier ein kleiner Einblick in den beruflichen Part:

Multiinstrumentalist Ferdy himself ist mit seiner Progressive Rock & Metal / Progressive Oi Pop Band Rough Silk seit Jahrzehnten unterwegs und ist inzwischen auch seit vielen Jahren ein fester Bestandteil als Mann an den Tasten bei Axel Rudi Pell. Zudem betreibt der Weltbürger und Produzent sein eigenes Tonstudio, und bildet in einer Musikschule hungrige Talente aus.

Der klassisch ausgebildete Musiker wirkte zudem auf über mehr als 300 Alben verschiedenster Stilrichtungen, wie z.B. Avantasia, Ian Paice´s Purpendicular ( Deep Purple ), Howard Carpendale, Crimson Glory, Chris Caffery, Holy Moses, Destruction, David Hasselhoff, Rotz & Wasser, Volxsturm, David Reece, Roy Black, Desperados, Krawallbrüder, Eden´s Curse, Kevin Russell, Martens Army, Madonna, Peter Alexander, Sodom, Kärbholz, Herzlos, Frei.Wild, Gary Barden ( MSG ), Kevin M. Buck, John Wesley Harding, Accept, Sweet, Helloween und Masterplan sowie diversen Soundtracks für Film und Fernsehen, mit.

Er realisierte 2017 zusammen mit Anke Sobek unter Mitwirkung prominenter Gäste wie Sascha Pierro (Marquess), Chris Laut (Ohrenfeindt), Henny Wolter (Nitrogods, Thunderhead), Christof Stein-Schneider (Fury In The Slaughterhouse), Sebi Stomper (Stomper 98), Jeff Kollman (UFO, Chad Smith´s Bombastic Meatbats, Glenn Hughes), Helge Engelke (Fair Warning), Roland Grapow (Masterplan, Helloween), Steve Mann (Sweet, Eloy, MSG), Sabina Classen (Holy Moses), Mike Terrana (Yngwie Malmsteen, Tony Mac Alpine, Rage, Tarja, etc…) und Martin Huch (Heinz Rudolf Kunze, Reinhard Mey, Stoppok) das Kinderrockmusical „Käpt´n Helge zieht auf´s Land“.

Er tourte in Europa, Südamerika und den USA, u.a. mit und für Uli Jon Roth (ex-Scorpions), Therion, John Wesley Harding, Julian Dawson, Joseph Parsons, Robbie Krieger (The Doors), Jeff Kollman, Freedom Call, Vengeance, Craig Robinson (Bassist von John Lee Hooker ), Metalium, Crimson Glory, Kärbholz, Rotz & Wasser, David Paitch (& Bobby Kimball ( Toto ), Kevin Russell´s Veritas Maximus, Karel Gott, Warren De Martini ( Ratt ), Graham Bonnett ( Rainbow ), John Lawton ( Uriah Heep ), Costa Cordalis, Rob Rock ( Driver ), Rod Gonzales (Die Ärzte), Gamma Ray, Jon Oliva (Savatage), Emma Bunton (Spice Girls), Olivia Newton-John (TV-Show “Wetten Dass”), Gottlieb Wendehals, Terry Lee Hale, Max Weinberg (Drummer von Bruce Springsteen´s “E-Street-Band”), Mike Vescara (Yngwie Malmsteen, Loudness), Volxsturm, Anna Popovich und begleitete seinen Jugendhero Jason Ringenberg ( Frontmann der legendären Jason & The Scorchers).

Nun präsentiert der deutsch-englische virtuose Slidegitarrist, Keyboarder & Singer/Songwriter Ferdy Doernberg aus der Lockdown-Isolation, sein persönliches Corona-Tagebuch: „Before the sun goes down“! Die Liste der Gastmusiker und Gastbeiträge ist ellenlang, wir kommen auch noch darauf zu sprechen. Natürlich sind die 19 Songs nicht nur in den letzten Monaten, sondern in den 4 Jahren seit Doernberg´s letztem Solo-Album „Orexigenic songs for overfed people“ (2016) entstanden und behandeln deshalb nicht nur die Corona-Krise, sondern verschiedene Themen, wie z.b. auch klare Statements gegen Extremismus, Rassismus oder auch den leider immer salonfähigeren Rechtspopulismus, der Ferdy Doernberg als Deutsch-Engländer mit jüdischen Wurzeln (dessen Vater als jüdischer Junge in letzter Minute den Nazis entkommen konnte – seine Großeltern überlebten hingegen nicht!), zunehmend beunruhigt.

Nachdem wir beide dann unsere Ladekabel zusammen hatten, ging es locker mit einem gut gelaunten Ferdy Doernberg los, gute Unterhaltung.

Hallo Ferdy, lass´ uns beginnen. Ich finde es großartig, was Du via Facebook alles von dir Preis gibst, die Gedanken und Sorgen die Du teilst, aber vor allem auch deine vielen kleinen musikalischen Einlagen unterhalten (nicht nur) mich.

Hallo Totti. Achja, in der jetzigen Zeit, kann man ja auch mal ruhig etwas mehr schreiben, warum auch nicht?

Das betreibst Du ja zum Glück schon ein ganzes Weilchen und schaffst es dadurch, Ferdy Doernberg Nerds wie mich, immer auf dem Laufenden zu halten. Als großer Freund deiner Soloalben fand ich es auch an der Zeit, für ein neues Werk. 4 Jahre sind eine lange Zeit seit „Orexigenic songs for overfed people“, da wird sich doch so Einiges bei dir angesammelt haben. Dafür sprechen ja 19 Tracks, bzw. 17 Songs, sieht man mal von Intro / Outro ab, oder?

Ja, aber ich schreibe ja eigentlich immer Songs und dann packe ich die beiseite. Und dann schaue ich, ob es zu Rough Silk oder eher zu meiner Soloscheiben passt. Vieles ist tatsächlich neu geschrieben, so viel Schublade ist es gar nicht.

Die aktuellen Ereignisse bieten ja auch ausreichend Stoff. Es ist ja nicht nur Corona, es ist die gesamte Weltsituation.

Ja, wobei, das jetzt auch keine reine Corona-Platte ist. Es kommt eins / zweimal mal vor, ist aber nicht das handelnde Thema auf dem Album. Aber es stimmt, auf dieser Platte ist mehr politisches Zeug drauf, als man es von meinen eher persönlichen Soloalben kennt. Mich haben aber viele Sachen aus der Gesellschaft geärgert, und das musste da jetzt mit rein.

Auch unter anderem die Erfahrungen, die Du bei Facebook gemacht hast?

Na gut, ich trenne das ja gar nicht so. Ich meine, Facebook ist ja nur ein Spiegel der Gesellschaft. D.h., die Sachen die einen bei Facebook ärgern, ärgern einen ja im normalen Leben auch, und umgekehrt. Wenn ich mich bei FB über Rassisten ärgere, dann mache ich das im richtigen Leben natürlich auch. Das kann man in der heutigen Zeit auch gar nicht mehr trennen, weil die sozialen Medien auch sehr viel Alltag widerspiegeln. Speziell wenn man jetzt so viele verschiedene Freunde hat, die man teilweise auch gar nicht persönlich kennt, weil es ja auch Fans der jeweiligen Bands sind. Also ich kenne nicht persönlich alle, darum ist das Wort „Freund“ bei Facebook auch ein wenig relativ. Natürlich sind da auch richtige Freunde bei – aber auch sehr viele, die ich gar nicht kenne.

Das Wort Freunde, spielt ja auch auf dem aktuellen Werk „Before the sun goes down“ eine wesentliche Rolle, liest man die Liste der Gastmusiker und Gastbeiträge. Wie bist Du auf die Leute gekommen? Fragen dich die Menschen ob sie bei dir mitmachen dürfen, einen Part / ein Solo, etc., einspielen können, wie muss man sich das vorstellen?

Na gut, man kennt sich halt. Mit Mark (Zonder, Drums / Fates Warning) habe ich schon öfter zusammen gespielt, wir waren mit Rough Silk auch Vorgruppe für Fates Warning. Während des Lockdowns war es wohl auch nicht gestattet, mit anderen Studiomusikern zusammenzuarbeiten, obwohl eine Glasscheibe vorhanden ist. Ich erkundigte mich via FB ob jemand darüber Bescheid weiß, und das hat wohl Mark mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms gelesen und mir geschrieben. Er saß auch zuhause rum und langweilte sich. So kam das zustande und das ist ja wirklich das Schöne daran: es ist im Prinzip eine Businesslose Platte. Es sind ja eigentlich immer alles Freunde von mir die mit mir spielen, ich habe noch nie irgendwelche fremden Studiomusiker für mich gebucht. Das sind Freunde mit denen man sich darüber unterhält und daraus entwickeln sich dann Gespräche und Fragen wie zum Beispiel: Hey, brauchst Du noch was, eine bestimmten Gitarrenpart? Brauchst Du noch einen Bass?

Oder ich frage halt gezielt Leute, die ich cool finde oder der Meinung bin, für den und den Song brauche ich jetzt den Drummer, usw. Dann frage ich in meinem Umfeld ob das jemand machen möchte, eigentlich sehr unspektakulär alles. Ich meine ja auch, meine Solosachen sind jetzt kein Big Business, das sind einfach nur Freunde, die darauf mit mir spielen. Das ist einfach so mein Soloding, damit strebe ich jetzt nicht die große Weltkarriere an. Ich bin halt nicht Bon Jovi, hahaha, bin aber völlig zufrieden. Zwischendurch haben sich die älteren Alben wieder sehr gut verkauft, sogar besser als ich erwartet habe. Speziell die „Travelling Light“, was aber daran liegt, dass sie auch in Amerika veröffentlicht wurde. Ich hatte zu dem Zeitpunkt einen Endorsementdeal mit DEAN GUITARS und die haben wirklich viel für mich getan. Die Erwartungen hatten mich um ein Vielfaches übertroffen.

Wie es in der heutigen Zeit laufen wird, weiß man natürlich gar nicht. Ich verkaufe meine CD´s von der Bühne aus, es gibt aber derzeit keine Konzerte. Also abwarten und gucken, was so über das Internet geht. Das ist für auch ein großes Fragezeichen, ich kann das überhaupt nicht einschätzen.  Aber das ist ja nicht der Hauptgrund, warum ich so eine Platte mache. Das ist Selbstverwirklichung. Ich wollte auch nicht in der Corona-Zeit zuhause rumsitzen und die ganze Zeit lang Filme gucken. Ich wollte etwas Produktives in der Zeit schaffen und das hat sich auch bewährt. Dadurch war ich beschäftigt und weniger frustriert, das war schon sehr gut.

Was als erstes an dem Album auffällt, ist die sehr schöne Aufmachung des wirklich bilderreichen Booklets…

Das Coverkonzept war meine Idee, das habe ich mit meiner Freundin und vielen Fotos hier umgesetzt, und ein Freund von mir, der Grafikdesigner Ecki Hüdepohl (Bass, u.a. It´s ME), der kann das richtig, er hat mit mir das Booklet gemacht, weil auch er Lockdown-gebunden freie Zeit hatte. Nach all meinen selbstgebastelten Booklets für die Soloalben, ist dies das erste richtige professionelle Cover. Es ist den Programmheften der frühen kommunalen Kinos in und um Hannover angepasst. Es gab diesen Filmstreifen mit Szenen und dazu noch einen Kurzbericht. Dieses Konzept haben wir versucht zu kopieren um das Booklet wie ein Monatsprogrammheft der damaligen Kinos aussehen zu lassen. Jeder Song ist also ein Film, mit den passenden Bildern und dem dazugehörigen Text.  Das war dann auch ein bißchen aufwändiger als ein normales Booklet, deshalb habe ich auch gesagt, dass es ein 24-seitiges Booklet werden soll. Die letzte Größe die noch geht, die noch unter diese „CD Nasen“ durchgeschoben werden kann, ohne dabei schnell kaputt zu gehen. Weil die Maschinen mit dieser Dicke aber nicht klarkommen, mussten die Booklets alle von Hand gefaltet werden. Kostet etwas mehr, aber ich dachte, das gebe ich mir jetzt mal, das ist mir es wert.

Oha, das höre ich so auch zum ersten Mal.

Ich habe das davor auch nicht gewusst, war auch ein bißchen teurer in der Herstellung aber ich finde es auch doof, wenn Bands in der heutigen Zeit aus Kostengründen nur einen Zweiseiter fertigmachen. Und man sollte sich dann nicht wundern, wenn die Leute sich dann wirklich nur noch alles runterladen, brennen, denn es ist ja fast keine Wertigkeit mehr vorhanden. Ich finde, wenn man sein kleines Büchlein mit Texten, mit Bildern, und so weiter dabei studieren kann, dann ist diese Geschichte bedeutend wertiger als ein beigelegter Flyer mit Link zur Homepage um alles nachzulesen…

Die Industrie hat es ja selbst mal mit abgespeckten Versionen versucht und diverse Alben ohne Booklet, bzw. nur Flyer / Sticker auf den Markt geschmissen.

Das ist aus meiner Sicht Schwachsinn, dann darf man sich nicht wundern….

Kaufst Du noch CD´s?

Ja, ich bin so altmodisch, hahaha Ich habe tatsächlich weder einen Download- noch Streamingaccount.

Ohje…ich kann mich für´s Streaming auch nicht begeistern.

Es killt halt das Musikbusiness, das ist das Problem. Wenn die CD nun langsam ausstirbt, wird es wohl ganz schön bitter, so wie es aussieht. Da hängt soviel dran. Plattenfirmen werden zwar immer verteufelt, aber sie sind auch Förderer. Ohne Plattenfirma hat eine junge Band kaum eine Chance eine Platte herauszubringen, auf Tour zu gehen.

Das alte System lief ja so, dass eine Plattenfirma der Band einen Vertrag vorsetzt und alles vorschießt. Ein Produzent wird gestellt , der ja auch gerade für junge Bands ein Coach ist. Ehrlich, ich will nicht wissen wie schlecht ich als Musiker geworden wäre, wenn unsere ersten beiden Platten nicht von Stefan Kaufmann (Accept, Drums) und Dieter Dirks (Produzent) produziert worden wären, wo ich extrem viel gelernt habe. Wir waren ja damals völlig „grün“, Eine junge Band ist ja wie ein Rohdiamant und der Produzent bringt das dann in einem professionellen Rahmen ins Studio und kann dann auch mal sagen: Hey, das ist ja schön und gut, geiler Song, aber der Refrain kann nicht erst nach 5 Minuten kommen, da müssen wir jetzt mal was ein bißchen umarrangieren…“, usw. Das war früher der Job eines Produzenten. Der war gleichzeitig Psychologe, Arrangeur und Toningenieur, bzw. gab es meist einen separaten Toningenieur. Heute sind das Leute zu denen die Band ins Studio kommt, dann wird das mal eben schnell alles aufgenommen so wie es ist, ohne irgendwas zu sagen, und das war es. Das ist die eine Variante – kostet zwar nicht so viel, bringt die Band auch nicht wirklich weiter außer, dass das Ergebnis u.U. eine bessere Audioqualität hat.

Die zweite Variante ist der Produzent der alles allein macht, das gibt es auch. Der programmiert alles und die Band darf eigentlich gar nichts im Studio machen. Vielleicht darf höchstens noch der Sänger mal singen, den Rest erledigt der Drumcomputer, etc. Das gibt es ja heutzutage im Powermetal ganz oft, wo einem zum Beispiel die Band vom Cover anlächelt und nicht eine Note auf dem Album persönlich gespielt hat. Das ist auch nicht cool.

Nur erkennen das leider die Wenigsten und wird eher gegenteilig von den Metalfans mit vollen Häusern und Chartplatzierungen honoriert.

Das ist das Problem, Live kommt es dann vom Playback, und man darf sich darüber nicht wundern. Wir leben in einer Fastfoodwelt. Wenn die Menschen heute sagen, die Kultur geht durch Corona kaputt, dann sage ich ganz ehrlich: die Kultur ist schon vorher kaputt gegangen! Weil es zum Beispiel keine Plattenfirmen mehr gibt, weil es keine CD´s mehr gibt, weil sich die Leute das alles fast umsonst im Internet streamen und runterladen. Schaust Du dir etwas bei Youtube an, hat weder die Plattenfirma noch die Band was davon. Somit fallen sozusagen die Förderer weg. Natürlich verdient eine Plattenfirma sehr gut an einen internationalen Aufhänger, aber wer achtet darauf, wieviel Geld in junge Bands in der Zeit investiert wurde, die es nicht geschafft haben?

Die haben da Geld investiert, das ging nicht gut. Da ist das halt eine Mischkalkulation. Das wird bei der Verteufelei immer gern vergessen. Von FB Likes kann man nicht leben während eine Plattenfirma dafür sorgt, dass getourt wird.

Es gab Zeiten, da nahm sich ein Label 3-4 Flops Zeit und setzte trotzdem auf die Band, die mit Album 5 dann endlich den Welterfolg feiern konnte. Das ist heute undenkbar, das gibt es nicht mehr. Heute wird ´ne Band rausgeschmissen, wenn die 1. Single nicht so läuft, wie man es sich erhofft hat. Es ist eine andere Zeit, es ist halt alles sehr kurzlebiger geworden. Und mal ehrlich: was bringt es dich weiter, wenn du 7000 FB Likes hast, und man beim genaueren Hinsehen erkennt, dass die Hälfte der Stimmen aus dem Senegal kommen. Das sind doch keine Fans, die deine CD´s und Shirts kaufen. Das sind gekaufte Likes. Die kennen womöglich nicht mal die Band, die bekommen ein paar Cent dafür, dass sie dir ein Like geben, das ist doch nicht das Gleiche! Auch die große Freude über kurzzeitige Chartplatzierungen einiger Bands kann ich nicht verstehen. Vor einigen Jahren wäre man mit den Verkaufszahlen nicht mal in die Charts gekommen. Es ist ja nicht so, dass diese jetzt mehr Platten verkaufen, sondern dass die Anzahl der überhaupt verkauften Platten extrem gesunken ist. Wenn ich in den Saturn- / Mediamarkt gehe, habe ich das Gefühl, die betreffende Abteilung halbiert sich und ich denke, dass das jetzt auch relativ schnell gehen wird. DAS ist aus meiner Sicht viel schlimmer für das Musikbusiness. Zumindest für die Musiker die eigene Songs machen und Platten veröffentlichen. Diese Corona-Geschichte legt alles nur temporär lahm, ist aber nicht allein schuld an den Absatzzahlen.

Im Livebereich ist es doch ähnlich. Die Clubs sind voll mit Cover- und Tributebands und zu den eigenen Bands geht keiner mehr hin. Weil die Leute verwöhnt sind und nur noch das fressen wollen, was sie sowieso kriegen. Die Leute lesen, dass heute Abend eine Guns ´N´Roses Coverband spielt, wissen wahrscheinlich nicht mal den Namen der Band, aber egal. Guns `N´Roses. Für die Clubbesitzer ist das natürlich geil, der Laden ist voll. Er muss nur Guns `N` Roses schreiben, bräuchte nicht mal den Bandnamen zu nennen, muss nicht mal Werbung machen.

Bei einer anderen Band mit eigenen Songs muss er schon wieder mehr schreiben, auch werben und dann gehen 13 Leute dahin, während bei einer Coverband der Laden ausverkauft ist. Aus Sicht der Clubbesitzer kann ich das durchaus verstehen. Nur wenn man jetzt sagt, dass man nach Corona wieder zur Kultur zurückkehren kann, und wieder nur Coverbands die Clubs füllen…was dann?

Für mich ist Kultur mehr als nur covern. Kultur ist für mich auch eigene Songs schreiben und spielen, Kunstwerke kreieren, usw., und dafür ist unsere Zeit einfach zu schnelllebig und Fastfood-orientiert. Das heißt, die Leute sind gar nicht bereit, sich auf Kunst einzulassen. Es gab da jetzt eine interessante Analyse die aussagt, dass die Leute im Internet im Schnitt nur eine Songminute hören. Und dementsprechend wird auch produziert. Die erste Minute ist wichtig, danach gibt es nur noch Copy & Paste! Auch in Top-Produktionen. Es fängt mit dem Chorus an, gefolgt von einem kurzen Intro, Refrain, kurze Strophe, wieder Refrain -eine Bridge gibt es heutzutage gar nicht mehr- dann kommt die kopierte Strophe, der kopierte Refrain, vielleicht noch ein kurzer Zwischenteil, Solos gibt es auch nicht mehr. Wozu auch ein tolles Gitarrensolo einbauen, wenn die Leute sowieso nur eine Minute lang hören. Und das ist unsere jetzige Kultur, in der wir leben.

Und innerhalb dieser 60 Sekunden benötigen die „Zuhörer“ nur noch 3-6 Sekunden um zu entscheiden, ob sie dir ein Like dafür da lassen. Wofür du dir nichts kaufen kannst. Von einem Menschen, der vielleicht 10 Sekunden deinen Song gehört hat.

Genau, es ist halt nur noch Schnellfutter, unser Problem. Und dann gibt es solche Menschen wie mich, die versuchen, den Leuten ein 3-Gänge-Menü im Fastfoodrestaurant zu verkaufen. Aus wirtschaftlicher Sicht eindeutig kein cleverer Zug.

Mir tun in dem Fall die jungen Bands leid. Es wird nie wieder eine richtige coole Stadionband geben. Ich glaube Coldplay waren die letzten Stadionrockstars, und das war es jetzt. Weil auch diese ganze Infrastruktur wegbricht. Es geht dabei auch nicht nur um Rock und Metal, es geht dabei um alles. Pop, Jazz, usw. Vielleicht wird das noch was mit einem Quereinsteiger aus einer TV Soap oder so, aber Fernsehen wird es in der jetzigen Form irgendwann auch nicht mehr geben.

Und dazu verschieben sich ja auch ein wenig die Prioritäten bei den Menschen. Comedy macht derzeit die Stadien voll.

Warum auch nicht, da gibt es auch gute Leute. Wobei mir die deutschen Comedians persönlich nicht so viel geben, da ist mir vieles zu platt. Es gibt ein paar coole Ami-Comedians, und auch Engländer. Das ist aber letztendlich auch eine Geschmacksfrage.

Ein anderer Humor wird in Deutschland ja auch oft nicht verstanden.

Das stimmt, aber wenn ich jetzt die Wahl zwischen „keine Namen“ und Helge Schneider hätte, dann nehme ich doch Helge Schneider, hahaha Den finde ich gut. Das ist schon Dadaismus was er macht. Auch Comedian sein ist Kunst. Nimm Monty Python oder wen auch immer, das waren halt Leute die mit Reimen umgehen konnten, die mit Sprache umgehen konnten, die konnten 30 Minuten im Schnellrhythmus sprechen ohne sich zu verhaspeln, und dann hast Du heute Leute dabei, die nicht mal einen ganzen Satz sprechen können. Die sind dann Youtuber. Das ist halt eine ganz andere Generation. Es ist jetzt das erste Mal, dass Leute die nichts können erfolgreicher sind, als Leute die was können – egal was es ist. Oder wenn Du die alten Schlagersänger nimmst: die konnten alle noch was, die konnten alle richtig singen und haben ihr Handwerk von der Pike auf an gelernt. Und wir leben wir in einer Zeit, in der man nichts mehr können muss, das zieht sich durch alle Bereiche unserer Gesellschaft. Früher wurde eine Band gnadenlos ausgebuht, wenn Chöre oder das Keyboard vom Band kamen. Die Fans wollten ihr Geld zurück, Metal ist ja eine ehrliche Musik und so weiter…

Ich erinnere mich nur zu gut.

…und heute ist es den Leuten scheißegal. Nimm doch nur mal die ganzen modernen Poppowermetalbands, da kommen 80 % vom Band. Das verbinde ich nicht mit ehrlicher handgemachter Rockmusik, da nützt auch das hochgehaltene Schwert nichts.

Und trotzdem verkaufen diese Bands wie blöde Tickets und es wird ja auch nicht besser.

Nöö, ich denke auch das es schlechter wird. Alle haben jetzt Angst wegen Corona und meinen, dass das danach alles besser wird, aber ich glaube, das ist jetzt eher die Ruhe vor dem Sturm. Ich bin gespannt, was danach ist. Ich meine im Livesektor wird die Hälfte der Clubs pleite sein, das Musikbusiness wäre sowieso über kurz oder lang den Bach runter gegangen. Das geht aber jetzt aber jetzt noch schneller den Bach runter, weil die Leute – die sich davor immer brav CD´s gekauft haben und nichts gestreamt haben – sich vielleicht Corona-bedingt doch den einen und anderen Account zugelegt haben, weil die Läden ja salle geschlossen sind! Corona ist der Katalysator, aber nicht die Ursache.

Ich bin mir sicher, dass es immer Musik geben wird, bin aber auch gespannt wie sich das entwickeln wird. Die Industrie hat es damals leider verschlafen, sich das Internet zunutze zu machen. Man verließ sich zu sehr auf CD Verkäufe, das lief wunderbar, das Netz wurde regelrecht ignoriert. Und schon waren da die Computernerds, die sich ihre Tauschbörsen und Portale bastelten, ohne die Plattenfirmen / Bands zu beteiligen. Als die Firmen dann merkten, warum es die üblen Verkaufseinbrüche gab, war es natürlich schon zu spät. Die Leute hatten sich daran gewöhnt, dass Musik keinen Wert mehr hat sondern nur ein einfaches Computerfile ist, was man sich einfach so aus dem Netz zieht und auch genauso einfach löscht. Bei den jüngeren Menschen hat Musik schon gar keinen Wert mehr. Warum sollen sie auf Portal XY etwas zahlen, wenn es doch auf Portal YZ gratis ist? Die Sache ist doch echt durch, das hat die Industrie ganz allein verpennt.

Auch dadurch werden die Konzerte immer größer, immer aufwändiger, immer teurer…

Ja, oder das Gegenteil, sie werden ganz klein. Groß und aufwändig schaffen ja nur noch Superstars, die auch wirkliche Superstars sind. Die wird es aber demnächst nicht mehr geben. Da sind die alten Bands die langsam aussterben, aber es kommt nichts mehr nach. Es gibt auch gute neue Bands, aber die werden nicht mehr so groß, weil es die Infrastruktur nicht mehr geben wird. Eigentlich denke ich sogar, dass es wieder ganz klein wird. So wie früher mal. Straßenmusiker, Straßenkonzerte,…

Und ich denke, Festivals werden eine Menge auffangen.

Die werden in der Größe auch kaum noch funktionieren können, ohne bekannten Nachwuchs. Es gibt noch große Headlinerbands, aber einige derer Musiker sind bereits über 70 Jahre alt.

Das war die Analyse, jetzt brauchen wir ein Rezept!

Gibt´s nicht. Ich weiß auch nichts, ich lasse mich überraschen. So wie sich die ganze Gesellschaft verändert, so verändert sich dementsprechend die Musiklandschaft. Und ich denke, dass das noch viel schwieriger wird.

Verroht die Gesellschaft, zerfällt die Gesellschaft noch mehr?

Also ich sage dir ganz ehrlich, jede Hochkultur ist immer an irgendetwas gescheitert. Und ich glaube, wir sind die erste Hochkultur, die schlichtweg an Verdummung scheitert.

Viele Kids lernen nicht mehr richtig schreiben, die Schulbildung geht Richtung Null, es sei denn, da stehen meist clevere Eltern hinter. Und es gibt Abiturienten bei denen man froh sein muss, das sie allein ihren Namen schreiben können. Und je mehr Verdummung stattfindet, trifft man auch Verrohung und Polemisierung, + politische Unzufriedenheit weil der Mittelstand ausstirbt, was leider wieder guter Nährboden für Extremismus beider Seiten ist und ich hoffe, dass das mal alles nicht böse endet.

Wie zufrieden bist denn mit den Pandemie-Entscheidungen unserer Politik?

Es gibt politische Entscheidungen, die ich auch nicht nachvollziehen kann. Da wird die komplette Veranstaltungsbranche lahmgelegt, andererseits füllt man die Flieger in alle Welt. Es ist ein ernstzunehmender Virus, auch von mir liegt ein Freund derzeit im Krankenhaus und es geht ihm gar nicht so gut.

Aber warum geht das eine und das andere nicht? Lobbyistenarbeit? Aktionärsgeklüngel? Nun steigen die Zahlen wieder seit einiger Zeit, sind das die Urlaubsrückkehrer? Das verstehe ich nicht, bin aber auch NICHT der Meinung, dass wir hier in einer Corona-Diktatur leben! Ich mache mich nicht verrückt, habe aber größten Respekt vor dem Virus und halte mich auch an die Maßnahmen.

Und wie siehst Du die Demonstrationen gegen die Maskenpflicht, Abstände, Lockdown, und so weiter?

Von mir aus kann man auch gegen diese Maßnahmen demonstrieren, aber in dem Moment, in dem ein Neo-Nazi mit einer Reichskriegsflagge neben mir steht, frage ich mich doch, ob ich hier richtig bin und gehe nach Hause.

Und das ist es, was mich am meisten erschreckt an der ganzen Sache. Linksesotherische Hippiejünger und Alternative stehen neben Reichsbürger und Neo-Nazis in einer Reihe und schreien, dass sie ihre Grundrechte zurück wollen. Das ist a) absurd und b) auch beängstigend. Da erkennt man sehr sehr gut, dass sich letztendlich jeder Extremismus gleicht, ob nun von links oder rechts. Am Ende geben die sich die Hand und stehen Hand in Hand im Regenbogenshirt und Reichskriegsflagge vor dem Reichstag. Und das ist natürlich nicht ok!

Auf der Platte ist die Textzeile „there are communists and fascists walking hand in hand…“, („Living happily ever after in the grey zone“) und die ist älter als das, was auch in den Nachrichten und Zeitungen zu sehen war. Ich habe das davor geschrieben, weil es mir darum ging, dass ich jeden Extremismus gleichermaßen scheiße finde. Aber das hat ja nun mal mehr Aktualität bewiesen, als ich je hätte ahnen können, leider! Jede Form von Extremismus ist gefährlich.

Ein guter Übergang zum Album. Ein Song der besonders hervorsticht, ist „Gentleman with a thing“. Soviel Beatles schwangen bis dato nicht mit, wenn Du den britischen Vibe ausgelebt hast.

Genau, Beatles, Queen, usw., das ist richtig. Aber wie Du schon sagst, es ist ja nicht das erste Mal und als Halb-Brite gibt es ja da viele Einflüsse für mich. Auf der vorigen Platte habe ich doch mit „Sometimes my penis is a little bit cleverer than my brain“ auch schon Beatlesklänge angeschlagen, und ich bin ja auch ein großer Fan der Beatles. Und wie gesagt, es gibt ja in dem Sinne keine Beatles Akkorde, das stammt alles aus der Klassik. Die Beatles haben diese Harmonien nicht neu erfunden. Und ich habe auch schon immer damit gespielt. Auf dem letzten Rough Silk „Progressive Oi!-Pop“ ist mit „In a transcendental universe“ auch ein Song ähnlicher Art dabei, das ist für mich wirklich nicht neues.

Ein weiterer Song der aus dem Rahmen fällt, sind „The Corona-diaries“ und das abschließende „Encore: No music – no business!“

Da geht es im ersten Teil um mein Corona-Tagebuch und im zweiten Teil geht es dann um die Downloads und so weiter. Der Refrain ist auch ein bißchen HipHop-angelegt, der fällt halt ein bißchen aus der Platte raus, deswegen kommt er auch zum Schluß.

Wie bist Du auf den Beat gekommen, hast Du dir den selbst gebastelt oder bekamst Du den von einem befreundeten HipHopper?

Den habe ich mir selbst gebastelt. Ich bin ja auch großer alter HipHop Fan, Wu Tang Clan, Run DMC, und all so was. Ich mag das oldschoolige Zeug. Die Trompete im ersten Teil ist an Miles Davis gelehnt, der ja auch noch eine HipHop Platte kurz vor seinem Tod gemacht hat. Also der erste Part ist eher eine Mischung aus Jazz und HipHop. Der 2. Teil geht dann schon eher in Richtung Hardcore, in der Art von Agnostic Front. Wobei da auch ein bißchen HipHop drin steckt und das wollte ich damit auch zeigen. Im Hardcore steckt nicht nur Metal und Punk sondern auch schon immer etwas HipHop. Besonders im New York Hardcore steckt schon immer eine Menge Groove drin.

Das Intro ist deinen neuen Hausfreunden gewidmet…

Genau, haha…der Kater ist eine halbe Wildkatze, deshalb klingt er auch etwas anders als normale Katzen. Er hat etwas größere Zähne und es klingt vor allem eher wie ein leiser Tiger, nicht wie das typische Hauskatzen-Miau. Das war für mich sehr ungewöhnlich, deshalb habe ich das benutzt. Und damit es der Katze nicht unfair gegenüber ist, durfte sie auch während des Bürstens ihren Senf dazu geben.

Dann geht es auch recht beschwingt und gut gelaunt mit „Before the sun goes down“ weiter, einer sehr coolen Westcoastnummer.

Das ist eine der beiden Nummern die Mark Zonder getrommelt hat, der ja auch Kalifornier ist, insofern hat das ja auch gut gepasst. Ich bin ein alter Jackson Brown Fan und in dem Stil sollte es dann auch sein. Vom Text her, ist das aber weniger klischeehaft, sondern sehr gesellschaftskritisch. Obwohl die Musik sehr „easy going“ ist.

Dann kläre mich doch mal bitte zu „See you when it made through“ auf.

Hast Du den Text verstanden?

Wenn Du mich so fragst, wohl eher nicht…

Das ist im Prinzip wie so ein Lebenslauf mit vielen Absurditäten, aber im Endeffekt wird erst im allerletzten Satz klar, worum es geht. Der „Ich“-Erzähler ist sozusagen der Schutzengel der ihn sein Leben lang begleitet. „See you when it made it through“, also wenn er sein Leben hinter sich gebracht hat, sehen sie sich im nächsten Leben wieder. Und ganz am Ende stellt sich heraus, dass der Schutzengel gar kein Schutzengel sondern ein Schutzdämon ist. Und das ist mit Absicht gemacht, es wird wirklich erst in der letzten Zeile klar, worum es geht. Das fand ich mal sehr cool, hahaha, ist mal was anderes.

Unless all paganism fails“ ist nicht ausschließlich eine Hymne auf Skandinavien? Zumindest klingt es nach Huldigung an Norwegen, Fjorde, Land,…

Nöö, es kommt zwar Skandinavien drin vor, doch es geht eher um die alten Wikinger. Von der Musik her ist das wohl der poppigste Text den ich je gemacht habe, aber zwischendurch wird es ja auch mal ein bißchen mystisch, teilweise würde ich auch sagen, dass es hier und da textlich Black Metal Züge hat, haha. Text und Musik passen eigentlich gar nicht zusammen, aber irgendwie doch wieder.

Grundsätzlich hast Du schon recht, denn er handelt ja auch von Norwegen, ganz klar. Bestimmt nahm auch die Tatsache Einfluß, dass meine Freundin halbe Norwegerin ist.

…I´m just a lonely skinhead who likes to smell the flowers“ ist eine meiner absoluten Highlightzeilen in dem Song „Living happily ever after in the grey zone“ auf dem Album. Klingt für jemanden, der dich nicht kennt, bestimmt befremdlich, haha.

Weißt Du woher diese Zeile kommt, was das ist?

Ähh…öhhm..Nein.

Es gibt ein englisches Kinderbuch namens „Ferdinand the bull“ und daraus hat mir mein Vater früher immer vorgelesen. Ferdinand ist ein großer, böse aussehender Stierkampfbulle der aber lieber auf der Wiese sitzt und an den Blumen riecht. Seine Züchter wollen ihn an einen Stierkampf verkaufen, aber das geht nicht weil er ja nur lieb auf der Wiese sitzt. Als dann wieder mal die Talentscouts“ vorbeikamen, saß er wieder auf seiner Wiese, doch diesmal stach ihm eine Biene in die Nase und Ferdinand ist so richtig abgegangen. Die Stierkämpfer waren begeistert und nahmen den Bullen mit zum Stierkampf. Dort sollte er dann auf den Matador losgehen, ging aber nicht. Er steht lieber rum, guckt, freut sich und geht lieber zu den Frauen im Publikum mit den Blumen in den Händen, an denen er schnuppert. Dann sind sie alle frustriert und bringen Ferdinand zurück auf seine Wiese, wo er in Ruhe weiter schnuppern kann. Und weil die Skinheads in der heutigen Zeit auch so verteufelt werden, fand ich dieses Bild sehr lustig. Ich arbeite sehr viel mit Skinheads und kann sagen, dass ich dort weitaus weltoffenere und weniger rechtsradikale Menschen kennengelernt habe, als in der Metalszene. Der Song handelt von der „Trveness der Szene“ und all so einen Blödsinn. Als ich in den 90ern unter anderem mit einigen Schlagergrößen zusammengearbeitet habe, wurde ich von der Metalszene angefeindet; ich wäre ja kein Metal nur weil ich auf einer Peter Alexander und Howard Carpendale Platte gespielt habe. Von den Singer / Songwritern werde ich abgelehnt weil: so einen tätowierten Heavy Metal Typen wolle man nicht, und so weiter. In jeder Szene haben die so ihre Gesetze und wollen auch nichts von außen haben. Das ist der eine Punkt. Der andere Punkt ist, dass das Wort „Grauzone“ heutzutage eher ein Schimpfwort ist, oder sagen wir mal vorsichtig: negativ behaftet. Aber ich sage mir, dass die Welt ja nicht nur schwarz und weiß ist. Und ich bin weder links- noch rechtsradikal, ich sehe mich tatsächlich in der Mitte. Ich lebe gern in einer Demokratie und möchte dies auch weiterhin tun, dementsprechend bin ich doch „Grauzone“, weil ich weder links noch rechts bin. Darum geht es in diesem Song.

Das Kinderbuch wurde unlängst auch animiert und modern in die Kinos gebracht. Natürlich filmgerecht aufgebaut, denn das Buch hatte 8 Seiten und ein paar Zeichnungen. Da wurde neue Stories drumherum gebaut, usw. Für mich hat der Film mit dem Charme des uralten Buch nichts mehr gemein.

Und jetzt kenne ich jemanden, dem aus diesem alten Buch vorgelesen wurde, hahaha

Genau, und da ich auch Ferdinand heiße, kurz Ferdy, ist das natürlich auch mein Buch, hahaha

No good-just bye!“ ist ein sehr schönes Wortspiel, was steckt denn dahinter?

Das ist stumpf eine Abrechnung mit einer Dame, mit der ich mal zu tun hatte. Diese Dame ist Akademikerin /Doktorin, und ich war ihr wohl nicht… Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass Akademiker sehr arrogant sind. Nach dem Motto: wer nicht studiert hat, kann nichts. Man wird gefragt:

Ach sie machen Musik, haben sie das studiert“?

Und Du sagst:“Nee, ich spiele nur.“

Ja dann können sie das ja nicht richtig“.

Darum geht es! Und ich fand dieses Wortspiel sehr geil. Ich habe das gegoogelt, und es nicht gefunden. Ich habe erwartet, dass das schon viele Leute benutzt haben, aber ich bin tatsächlich der erste Mensch, der „No good -just bye!“ offiziell in einem Song benutzt. Es geht aber eigentlich nur um diese Akademikerarroganz.

Die Aufzählung der verschiedenen Genre und ihre Herkunft, sind in dem Song nur sekundär. Ich finde ein Song muss auch eine gewisse Form haben, so dass nicht nur eine Geschichte erzählt wird, sondern der Text eine Form hat. In dem Fall sind es die Genre und ihre Ursprungsorte, welche diese Form bilden. Das ist aber nicht der Inhalt. Unter dem Strich bedeutet das nur, dass ich ganz viele Musikrichtungen mag, und auch aus ganz vielen verschiedenen Ländern. Und dass ich mich als Weltbürger sehe! Aber wie gesagt, das ist nicht der Grundtenor dieses Songs.

Astronauts & private detectives“ ist deine ganz persönliche Hommage an Udo Lindenberg?

Ich bin seit früher Jugend bekennender Udo Lindenberg Fan, das ist mein Tribut an ihn. Ich finde ihn auch sehr wichtig, weil er einer der ersten deutschsprachigen Rockmusiker hierzulande war. Ohne diesen Pionier gäbe es sehr vieles gar nicht. Ich hatte diese Akkorde die mich sehr an Lindenberg erinnerten, also bastelte ich den Song daraus und ersetzte den Text größtenteils mit Udo Lindenberg Zitate. Musikalisch ist es eher 70er Jahre, wobei der Refrain ja Reggae ist. Hat zwar nicht viel mit Udo zu tun, aber ich hatte auf der Platte noch nichts Reggae-artiges. Und hier hat es wunderbar hingepasst. Und der Mann mit dem Hut ist zum einen natürlich Udo, und zum anderen bin ich das doppeldeutig auf dem Cover.

Alles wird gut“, sagt der Mann mit dem Hut…

Wusstest Du, das eines deiner Bilder ganz leicht dem Artwork der Melodicrockband The Storm ähnelt?

Nein, aber das hat mir bereits dein Chefredakteur erzählt, der Christoph. Das Bild selbst ist ein Schnappschuss von den Videodreharbeiten und existiert so als Bild nicht wirklich. Das kann ich ja schon mal verraten: ich bin ja nicht so der große Videokünstler, aber in der Corona-Zeit muss man ja auch mal andere Wege gehen. Also haben meine Freundin und ich die Flucht nach vorn ergriffen und sind einfach ein bißchen hier bei mir in der Gegend herumgefahren und haben aus dem Filmmaterial das Video gebastelt. Man kann derzeit ja auch nirgendwo großartig hinreisen, bzw. hinfahren, um etwas professionelles zu drehen. Aber ich finde, es ist ganz cool geworden. Es ist ja auch ein Statement zu vielen geschlossenen Clubs, dieses Kultursterben zur Zeit, und das finde ich sehr gelungen. Dann hatte ich mich tierisch über so ein paar Leute geärgert, da habe ich dann gleich den Punksong hinterhergeschoben, das war allerdings auch sehr schnell zusammengeschnitten. Das war jetzt wirklich nicht sehr aufwändig, da habe ich Livematerial von früher zusammengeschnitten, dann war das in 2 Stunden gemacht. Ich fand es sehr cool, denn perfekt ist nichts daran, aber Punkrock muss auch nicht perfekt sein. Es geht in dem Song wirklich um die Aussagen, deshalb habe ich das auch mit Untertitel gemacht, damit jeder alle Textzeilen mitlesen kann, das war mir sehr wichtig!

Nun haben wir Spaß daran gefunden und machen auch zum „Gentleman…“ ein Video. Wir finden das inzwischen richtig cool und verstehen so ein Video nicht mehr als nur ein notwendiges Übel. Das ist ja auch ein Kunstwerk für sich, und dementsprechend gehen wir das Video mit dem Mann mit der Melone auch deutlich aufwändiger an. Mehr verrate ich jetzt aber nicht.

Aber das Album von The Storm kannte ich gar nicht. Das Cover ist sehr ähnlich, aber das Bild von mir taucht ja eigentlich nirgends auf. Hätte ich es als Cover genommen, wäre es vielleicht peinlich geworden, denn ich kannte es wirklich nicht. Aber der Melonenmann taucht ja auch bei Pink Floyd auf…

Die Leute sagten beim Videodreh häufig Pan Tau, für mich war die Melone immer eher die Fernsehserie „The Avengers“ mit Diana Rigg als Emma Peel, Patrick Macnee als John Steed, usw. Hier hieß die Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“. Das war ja auch die Grundidee beim Frontcover. Es sollte very british nach Film aussehen, wie zum Beispiel Edgar Wallace. So leicht wie ein 60er Jahre britischer Kriminalfilm, war da die Idee.

Weiter geht es mit „If you can´t be bad – be carefull“.

Das sagt eigentlich schon alles aus. Wenn Du nicht böse sein willst, dann sei vorsichtig. Ich hatte einfach mal die Idee und Bock das so zu schreiben und der Text ist ja auch etwas abstrakt. Witzigerweise wirst Du ja im Text immer unterbrochen und dadurch wirkt es absurd, aber wenn Du weiterliest, bzw. auch den Text im Booklet als Ganzes siehst und liest, macht das alles schon Sinn. Musikalisch ist der Song ein bißchen Westcoast / Country-artig geworden. Was mir auch noch wichtig ist: mein Freund Matthias Dieth, der früher u.a. bei U.D.O. Gitarrist war, bot mir an mitzuwirken und das habe ich mit Kusshand angenommen. Dementsprechend ist auf diesem Song ein Solo von ihm, was ich persönlich auch sehr gelungen finde. Matthias spielte u.a. auf dem Album „Faceless World“ von U.D.O. mit, was ich für eine der besten und perfektesten deutschen Platten halte, die jemals gemacht wurden. Ich würde nicht mal behaupten dass es Heavy Metal ist sondern sogar eher aus dem Poprockbereich kommt. Ich bin ein riesiger Fan dieser Platte und wenn Du mich so nach den wichtigsten Platten in meinem Leben fragst, dann ist „Faceless World“ eine davon.

Zu „Spider cones, hopeless romantics, lovesick aliens, and a lonely sparrow sitting on a branch reflecting on existence“ kann ich sagen, dass dies der typische Reisesong ist – Roaddog natürlich auch – und wie man hört, sehr französisch angelehnt ist. Jede Platte hat mindestens einen „Ferdy reist durch die Gegend“ Song, so ein autobiographisches Ding. Der Song beginnt musikalisch ruhig und sehr stark französisch durch dieses Zigeunerjazzding mit drin, und im Mittelteil wird es dann 70er Jahre filmmäßig französisch / italienisch, mit leichten Ennio Morricone Touch. Mit Jazztrompetensolo, weil ja auch sehr viele amerikanische Jazzmusiker in den 60er Jahren nach Paris gingen, was sich zu einer Art Mekka für Jazzmusiker aus den USA mauserte. Chet Baker verbrachte auch eine sehr lange Zeit in dort, deshalb das Trompetensolo, das ist der Hintergrund. Und zum Text, bzw. Songtitel kann ich sagen, dass „Spider Cones“ Dobro Resonatoren sind, die „lovesick aliens“ basieren auf der Tatsache, dass ich mir eine Alien Ukulele gekauft habe und die praktisch wie eine Figur gesehen habe. Wenn die Ukule neben der Dobro steht, ist das halt „Spider cones“ & der „lovesick alien“. „Hopeless romantics“ ist klar, das bin ich selbst. Der einsamen Spatz entstand durch die Geschichte, dass bei uns ein Spatz aus dem Nest fiel und unsere Nachbarin den gerettet und aufgezogen hat. So passt auch der ins Bild. Und der sitzt natürlich auf einem Zweig und denkt über den Sinn des Lebens nach. Das musste als großer „Per Anhalter durch die Galaxis“ Fan auch noch mit rein.

Großartig, das macht deine Alben bunt, lebendig, abwechslungsreich. Es passiert soviel in der Musik, in den Texten, man kann gar nicht alles sofort verstehen und nachvollziehen, aber jeder Song lässt das Kopfkino rattern. Das macht gute Musik aus und es macht Spaß sich mit dir über deine Songs zu unterhalten.

Danke. Und ich finde es ist auch gar nicht nötig. Ich finde zu leicht verständliche Texte sind ja auch nicht immer ganz so tiefsinnig. Es geht mir auch so; ich lese dann irgendwelche Texte, denke mir dies und das ist gemeint und dann treffe ich die Person und die sagt: Nee, das habe ich ganz anders gemeint. Kunst ist auch das Lesen zwischen den Zeilen, und jeder kann ja seine Erlebnisse mit rein interpretieren. Das ist ja auch der Grund, warum es interessanter ist ein Buch zu lesen, bevor man den Film sieht. Beim Lesen macht man sich selbst seine Vorstellungen, wie die Leute im eigenen Kopfkino aussehen, usw.

Zu „We need to be more punkrock!“ muss man nicht viel sagen, von Beginn an wird ja klar, dass es auch um „So many assholes in this world…“, und dass ich zum ersten Mal in einem Punkrocksong so einen Basslauf / Groove höre.

Da fehlte mir noch was und mir fiel auf, dass sich Punk und Funk reimen. Also machen wir doch einfach so einen Funk-Mittelteil rein. Und weil es im Punk meist ein kurzes Gitarrensolo gibt, dachte ich mir, ich mache das Gegenteil und spiele ein langes Orgelsolo auf diesen Funkpart ein, hahaha Mir hat das sehr gut gefallen, ich fand es lustig, dass sich Punk und Funk reimt und dazu kommt ja, dass dieser Song ja ein Statement gegen Rassismus ist. Funk kommt aus der Schwarzenmusik, Punk eher nicht und daher gefiel mir auch diese Schwarz / Weiß Vermischung sehr gut.

Polyrhythm of the night“ ist mein Gothicsong. Eine Vampir Lovestory, wobei der Vampir auch nur ein Sinnbild ist für Menschen, die außerhalb der Gesellschaft stehen. Sie verkleiden sich, sie versuchen sich anzupassen, werden aber eigentlich im Herzen immer Außenseiter bleiben, darum geht es hier eigentlich. Der Polyrhythmus ist ja eigentlich das Ergebnis, wenn 2 konträr laufende Rhythmen übereinander gesetzt werden, das nennt man Polyrhythmik. Wenn zum Beispiel 2 Drummer spielen, der eine spielt Triolen – der andere spielt Achtel, dann ist das, was da gemeinsam erklingt, ein Polyrhythmus. Und dazu kann man auch nicht tanzen, weshalb es eine Art Absurdität in sich ist. Das ist der Hintergrund.

Zu dem Song „Sometimes the thrill of the hunt is better than the actual catch“ kann ich mir auch keinen Reim machen, da geht einfach zuviel rein.

Der erste Teil ist musikalisch TripHop, das habe ich noch nie gemacht und bewegt sich zwischen Massive Attack und Portishead finde ich, also das war zumindest die Idee. Der Text ist mehr eine facettenreiche Geschichte. Der erste Teil beschreibt noch funktionierendes nächtliches Großstadtleben und dann wird es irgendwann absurd mit der Zombie-Apokalypse, natürlich gleichgesetzt mit der aktuellen Corona-Zeit. Das ist einer der wenigen wirklichen Corona-Songs auf der Platte. Weil das hektische Leben in der Großstadt dann auch versiegt, nur noch Stille herrscht.

Und der letzte Teil, in dem dann diese ganzen HipHop Reime kommen, beschreibt am besten, was nach diesem Wahnsinn passiert; so einige Branchen sind komplett runtergewirtschaftet, teilweise, die Hälfte der Clubs werden wahrscheinlich pleite – gar geschlossen sein, nicht nur generelle Existenzprobleme im Musikbereich, und das es nichts bringt, sich selbst zu bemitleiden, rumzuheulen und den Kopf hängen zu lassen und Frau Merkel für die Pandemie verantwortlich zu machen. Ich bin der Meinung, dass man als Mensch mit den Karten spielen muss, die einem ausgeteilt werden, also das ist meine grundsätzliche Philosophie. Es gibt da ein altes englische Kurzgebet, welches prinzipiell aussagt:

Wenn ich was tun kann, dann bin ich aktiv und mache alles. Wenn nun mal so ein Virus da ist, dann bringt es auch nichts, sich aufzulehnen und gegen den Virus und so zu demonstrieren, dem Virus ist das ziemlich egal. Es nützt ja auch nichts, alten Zeiten hinterherzuheulen, alte Systeme zurückzuwollen. Da muss man seinen Arsch zusammenkneifen und damit leben was man hat, daraus das Beste draus machen. Das ist inhaltlich der letzte Teil des Songs. Dieses Anfangswortspiel bedeutet für mich in dem Sinne, dass es manchmal als Musiker interessanter ist nach oben zu kommen und Erfolg zu haben bis man dann diesen Erfolg hat. Dann sitzt man ganz oben und hat gar kein Ziel mehr, verstehst Du? Der Weg zum Ziel ist manchmal erfüllender als das Ziel selbst, wobei man selbst Ziele haben sollte. Du solltest nie aufhören nach irgendetwas zu streben.

Zu „It takes a whole lotta countrysongs to heal this broken heart“ kann ich sagen, dass der Song nicht wirklich ein Lovesong ist. Es geht um das Spiel, die Spielsucht. Von der ich nicht betroffen bin, keine Sorgen. Es ist eine Metapher für das Leben, hat nichts mit Liebeskummer zu tun. Ich bin ein großer Freund von Waylon Jennings, das war mein erster Versuch, einen echten Countrysong zu schreiben, inklusive der Klischees.

Ich habe zwar als Live-Gitarrist eine Menge Country-Einflüsse, habe aber selbst noch keinen Countrysong geschrieben. Es gab diese Textzeile, sonst keinen wirklichen Aufhänger. Im Mittelteil, der ja eher britisch und weniger Country ist, kommt für für mich die Quintessenz des Songs, der wichtigste Satz im Text. „Okay, you can take whatever you want from me but, please, don´t take my music – ´cause without it I would wither away“. Ich komme klar, mit allen klar aber ohne die Musik würde ich wie eine Blume verwelken. Gewidmet ist dieser Song übrigens Gunter Gabriel. Mit Gunter habe ich auch öfter gespielt und er war ein echter Outlaw, der war mehr Punk als manch Punker, er war authentisch. Viele Leute denken ja oft, Countrysänger wären wie Schlagersänger aber in Wirklichkeit haben zum Beispiel Johnny Cash & Waylon Jennings mehr mit Punkrock gemein, als mit angebiedertem Poprock. In Deutschland wird das gar nicht so gesehen, hier ist Country meist Truck Stop aber Country hat durchaus auch seine bösen Seiten. Gunter war einer der ganz wenigen Countrymusiker, die es geschafft haben, das in unsere Sprache zu transferieren. Er war schon ein schwieriger Charakterkopf, aber immer grade, immer ehrlich, authentisch mit Ecken und Kanten, der auch gern den unbequemen Weg gegangen ist. Viele Menschen kamen mit ihm nicht klar, mochten ihn nicht, aber ich habe ihn sehr respektiert. Wir haben öfter zusammen gespielt. Oft zusammen mit Alex Wenn, der witzigerweise auf diesem Track nicht trommelt.

Der „Roaddog“ ist durch und durch Rock´n´Roll und lässt keine Fragen offen. Oder magst Du etwas loswerden, gibt es Anekdoten?

Den wollte ich ursprünglich Lemmy widmen, den ich auch mal kennengelernt habe, und auch sehr verehre. Aber irgendwie widmet ihm derzeit immer noch jeder einen Song, deshalb habe ich das nicht mit ins Buch geschrieben. Ich habe bis kurz vor Schluss gehadert, ob ich es mit reinschreibe, oder nicht. Bei Udo Lindenberg habe ich es gemacht, weil bis jetzt keiner einen Song Udo geschrieben hat. Und in den letzten Jahren war in jeder 2. CD ein Song Lemmy gewidmet. Da habe ich mir dann gesagt, dass ich das jetzt lasse, doch für mich ist er eine Hommage an ihn. Es ist ja auch die einzige Rock´n´Rollnummer auf der Platte.

Und was hat es mit „Nightbreed Fairytales“ auf sich?

Hahaha, auch sehr obskure Geschichte aus dem Leben, der Text ist wirklich identisch mit dem, was ich vor einigen Jahren nach einer Kulturveranstaltung am Bodensee erlebt habe. Unter anderem spielte auch Konstantin Wecker dort. Nach dem Konzert lud uns ein Hobby-Countrysänger von der Techniktruppe noch in eine Vorstadtkneipe ein, in der er danach noch spielen wird. Und jetzt kommt der obskure Part: der stand dann da wie ein Kunstledercowboy mit Plastikweste und Faschingshut, also richtig lächerlich. Dann hat er zum Playback irgendwelche Countryklassiker gesungen, ZUM PLAYBACK. Zu eigentlich purer handgemachter Musik. Seine Frau war auch verkleidet, und DJ. Sie hat immer auf „Play“ und „Stop“ gedrückt. Das war optisch wie aus einem ganz schlechten Film, erinnerte mich auch ein bißchen an Loriot -“Ich sehe da hinten das aschgrau“-, haha. Das geilste aber war der Laden selbst. Die eine Hälfte war eine richtige spießige 70er Jahre Vorstadtkneipe, mit genau dem entsprechenden Klientel was da saß. All die im Song beschriebenen Figuren saßen da. Ich fragte meinen Kumpel ob er mir mal bitte schnell Zettel und Stift geben kann, denn genau jetzt muss und kann ich einen Text zu der Situation schreiben. Da saß wirklich diese ältere übergewichtige Dame in einem knappen Strickkleid mit Bodybuildinggurt drum. Warum auch immer…aber sie saß da. Und da habe ich mir überlegt, wie ich sie wohl in dem Text nennen werde. Ok, „Overweight Edna“. Dann war da auch ein blonder Typ mit Prinz Eisenherzfrisur, die sich natürlich auch schon obenrum lichtete. Oder Typ der in einer Hand seine Wurst und Zigarre hielt und natürlich in die Zigarre biss…das ist alles wirklich passiert. Ich hatte die Idee, dass die Monster eigentlich die Guten sind, so ein bißchen von Clive Barker inspiriert. Dieser Ort ist nun ein geheimer Unterwelttreff der Monster wo Menschen nichts zu suchen haben, irgendwo Moskauer Seitenstraße. Die Geschichte bekam mit den Namen der Akteure auch einen leicht russischen Touch, weil es ja zu Beginn eher wie eine amerikanische Parodie klingt. Während ich mit Axel Rudi Pell in Russland auf Tour war, kam mir Idee, so klingt es weniger nach einem Abend irgendwo am Bodensee. Aber diese Grundgeschichte ist original so abgelaufen, ich habe dann auch nichts mehr am damaligen Text verändert. Authentischer geht es kaum.

Und das geilste an der Geschichte ist, dass die andere Hälfte dieses Hauses diese Kneipe war, die andere Hälfte ein Bordell. Und die Toiletten wurden geteilt, da trafen sich dann die Gäste zum gemeinsamen urinieren. Das war aber nicht wirklich wichtig und erwähnenswert in dem Text.

Und was riecht seltsam im Heartbreak Hotel?

It smells a little bit strange at Heartbreak Hotel“ ist ein Hotelsong mit abstrakten Momenten, aber ohne wirklichen Tiefgang. Ich bin halt Musiker, immer wieder in Hotels unterwegs und hier geht um ein verwunschenes Hotel. Es ist zwar offen worum es genau geht, aber es könnte auch Liebeskummer sein. Viele Menschen sind im Hotel einsam, ewig Gast. Und viele alte Hotels erzählen ja auch eine Geschichte. Ob nun der früher hier übernachtende Schauspieler auf dem signierten Bild im Foyer der inzwischen tot ist, oder unsere Hotelübernachtung auf der Reeperbahn in Hamburg in dem auch die Beatles zu ihren Starclubauftritten eincheckten,…es fühlt an, als wären die Geister der früheren Gäste dort noch unterwegs und es stellen sich Fragen wie: Gab es das Bett damals schon, hat da vielleicht John Lennon drin geschlafen?

Vielen Dank, dass Du mir wieder etwas mehr Licht in deine Songs, Texte, Gedanken und Hintergründe gegeben hast. Das Album ist in jedem Punkt einfach nur abwechslungsreich und hält den einen und anderen Ohrwurm parat.

Ich bedanke mich, total lieb, dass Du das gemacht hast.

Wir sprachen noch eine Weile über die beteiligten Musiker, das Artwork, Probleme rund und mit Corona – natürlich auch aus Sicht eines bodenständigen und realistischen Musikers und vieles mehr.Wir bedanken uns für das schöne Titelbild bei Maike Wolff.

Das Review zum Album „Before the sun goes down“ findet ihr hier:

FERDY DOERNBERG (DE) – Before the sun goes down

Wir berichteten u.a. auch über:

Anke Sobek & Ferdy Doernberg (D) – Käpt’n Helge zieht auf’s Land

ROUGH SILK (DE) – Progressive Oi!-Pop

 

 

 

 

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