Hörbuch: Peter „Peavy“ Wagner (D) – Soundchaser: Mein Leben mit Rage
40 Jahre Rage und 60 Jahre Peter „Peavy“ Wagner – das ergibt zusammen 100 Jahre voller Musik, Wahnsinn, harter
40 Jahre Rage und 60 Jahre Peter „Peavy“ Wagner – das ergibt zusammen 100 Jahre voller Musik, Wahnsinn, harter Arbeit und ziemlich verrückter Geschichten. In seiner offiziellen Biografie „Soundchaser“, die Peavy gemeinsam mit Autor Timon Menge verfasst hat, blickt der Rage-Sänger auf ein bewegtes Musikerleben zurück. Das Buch erschien bereits am 6. Dezember 2024, nun ist die Geschichte endlich auch als Hörbuch erhältlich. Gelesen wird sie von Ralf Richter – und das passt erstaunlich gut.
„Soundchaser“ ist weit mehr als eine gewöhnliche Bandbiografie. Natürlich geht es um Rage, um Alben, Besetzungswechsel, Tourneen und wichtige Stationen der Bandgeschichte – von Avenger und „Prayers of Steel“ aus dem Jahr 1985 bis hin zu „Afterlifelines“ von 2024. Aber im Mittelpunkt steht vor allem der Mensch hinter der Musik: ein Mann aus dem Ruhrgebiet, der seinen Traum vom Leben als Musiker verfolgt und sich dabei weder von Rückschlägen noch von schwierigen Zeiten dauerhaft aufhalten lässt.
Schon der Prolog macht klar, was die Hörer erwartet. Gleich drei Geschichten werden angerissen: eine bizarre Situation in Argentinien, bei der Rage in einem Hotel von bewaffneten Polizisten umstellt wurden, der Auftritt beim 30. Wacken-Jubiläum und Peavys allererster Bühnenauftritt mit seiner ersten Band Dark Lights. Anschließend erklärt er, was die Metalszene seiner Meinung nach ausmacht. Das ist persönlich, direkt und angenehm unprätentiös – genau wie die gesamte Erzählweise.
Besonders unterhaltsam sind die Kapitel, in denen Peavy abseits der klassischen Bandgeschichte unterwegs ist. In „Der Knochenmacher“ erzählt er von seiner Leidenschaft für Knochenpräparation. Er berichtet, wie dieses ungewöhnliche Hobby entstanden ist, welche Unterstützung er von seinem Vater bekam und warum ihn die Arbeit mit Tieren und ihren Skeletten so fasziniert. Das ist sicherlich nicht das, was man in einer typischen Metalbiografie erwartet – gerade deshalb bleibt dieses Kapitel im Gedächtnis.
Auch die Erlebnisse in Japan gehören zu den Höhepunkten des Hörbuchs. In den Neunzigern waren Rage dort offenbar echte Popstars und spielten vor tausenden kreischenden Teenagern. Peavy erzählt von einem betrunkenen Irrlauf durch ein japanisches Hotel, der „Nagoya Chicken Wings Challenge“ und einer japanischen Band, die verblüffend nach Bayern klingt. Gleichzeitig wird deutlich, dass Rage Japan nicht nur als kurze Station zwischen zwei Konzerten erlebt haben. Die Band kam auch in Gegenden, die vielen westlichen Musikern verborgen bleiben.
Deutlich härter und emotional belastender ist das Kapitel über Russland. Ein Busunfall wird zur Tragödie: Der Drumtech Ulsch überlebt nur knapp, der Busfahrer stirbt. Peavy begleitet ihn inmitten der russischen Prärie auf seinem letzten Weg, während der Mann verzweifelt nach seiner Mutter ruft. Diese Szene ist nichts für nebenbei. Sie zeigt, dass das Leben auf Tour nicht nur aus Applaus, wilden Partys und spannenden Begegnungen besteht, sondern auch aus Angst, Verlust und Situationen, die man nie wieder vergisst.
Natürlich kommen auch die großen Namen und Momente vor: Treffen mit Lemmy, Tourneen rund um die Welt, Auftritte in Wacken und Japan, Shows mit Orchestern, der Bundesvision Song Contest und sogar die Verbindung zu „Der Schuh des Manitu“. Besonders interessant dürfte für viele Fans Peavys Sicht auf die Trennung von Victor Smolski sein. Erstmals schildert er seine Perspektive auf diese wichtige und lange diskutierte Phase der Bandgeschichte.
Ralf Richter verleiht dem Hörbuch eine markante, raue Stimme, die gut zur Welt von Rage passt. Seine Interpretation wirkt nicht übertrieben inszeniert, sondern eher wie ein passender Begleiter für Peavys Erzählungen. Manchmal hätte man sich vielleicht gewünscht, Peavy selbst stärker zu hören, schließlich ist es seine Geschichte. Trotzdem funktioniert die Sprecherwahl insgesamt sehr gut.
„Soundchaser“ ist ehrlich, abwechslungsreich und angenehm bodenständig. Peavy stilisiert sich nicht zum unfehlbaren Rockhelden, sondern erzählt auch von Fehlern, Krisen, Abstürzen und persönlichen Herausforderungen. Gerade dadurch wirkt die Biografie glaubwürdig. Für Rage-Fans ist das Hörbuch ohnehin Pflichtprogramm. Aber auch wer mit der Band bisher nur am Rande zu tun hatte, bekommt einen unterhaltsamen Einblick in ein Musikerleben voller Höhen, Tiefen und unvorhersehbarer Wendungen.
Fazit: „Soundchaser“ ist eine lockere, spannende und teilweise sehr emotionale Hörbuchbiografie über Rage und ihren unverwüstlichen Frontmann. Viele Anekdoten dürften selbst eingefleischte Fans überraschen. Ein authentischer Rückblick auf 40 Jahre Metalgeschichte – mit viel Humor, Herz und gelegentlich ziemlich düsteren Momenten.
Label: Steamhammer/Open GmbH
VÖ: 28.08.2026
Laufzeit:
Herkunft: Deutschland
Stil: Hörbuch



