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Steve Cropper & The Midnight Hour (USA) – Watching the Tide

Für alle, die die Wurzeln und Verzweigungen amerikanischer Musik kennen, war der Tod von Steve Cropper im Dezember 2025

Steve Cropper & The Midnight Hour (USA) – Watching the Tide

Für alle, die die Wurzeln und Verzweigungen amerikanischer Musik kennen, war der Tod von Steve Cropper im Dezember 2025 ein einschneidendes Ereignis. Als Gitarrist, Songwriter, Produzent und Toningenieur prägte Cropper die DNA der Nachkriegsmusik wie nur wenige andere. Mit Booker T. & The M.G.’s schrieb er Stax-Geschichte, als Teil der Blues Brothers Band wurde er einem breiten Publikum bekannt, und auf den Soloalben von Künstlern wie Otis Redding, Etta James, Ringo Starr und John Lennon hinterließ er ebenfalls seine unverkennbare Spur. Zwei Grammys krönten eine Karriere, die sich über mehr als sechs Jahrzehnte erstreckte.

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Nun erscheint mit „Watching the Tide“ ein posthumes Album, das Cropper noch einmal in beeindruckender Höchstform zeigt. Es ist kein nostalgisches Pflichtprogramm und schon gar kein müder Nachruf, sondern eine lebendige, warme und erstaunlich vitale Platte. Cropper verbindet darauf die glühende Leidenschaft seiner Jugend mit der Gelassenheit und Weisheit eines alten Meisters. Seine Gitarre drängt sich nie unangenehm in den Vordergrund, ist aber ständig präsent: ein trockener Akkord hier, eine geschmackvolle Verzierung dort, dann wieder ein kurzer, punktgenauer Lick, der mehr sagt als manch ausuferndes Solo.

Der Albumtitel spielt natürlich auf den berühmtesten Song an, den Cropper gemeinsam mitgeschrieben hat: Otis Reddings Klassiker „(Sittin’ On) The Dock of the Bay“. Das Wasserbild ist dabei mehr als eine hübsche Anspielung. „Watching the Tide“ ist ein Album über Bewegung und Erinnerung, über das Kommen und Gehen von Zeiten – und darüber, wie Musik selbst die Jahrzehnte überdauert.

Gemeinsam mit dem renommierten Songwriter und Produzenten Jon Tiven sowie Roger C. Reale, dem Sänger von The Midnight Hour, hat Cropper Songs geschrieben, die tief im R&B, Memphis Soul und Blues verwurzelt sind, ohne sich darin zu verlieren. Die Stücke klingen vertraut, aber nicht altbacken. Man hört den Geist von Stax, die Erdigkeit des Southern Soul und den lässigen Groove des klassischen Rhythm & Blues. Gleichzeitig besitzt die Produktion genug Luft und Klarheit, damit jedes Instrument seinen Platz bekommt.

Aufgenommen wurde im historischen RCA Studio C in Nashville – einem Ort, der allein schon genügend musikalische Geschichte atmet, um eine ganze Platte zu inspirieren. Die Band ist entsprechend hochkarätig besetzt. Ana Grosh sorgt mit ihrem Gesang für zusätzliche Wärme, Nioshi Jackson liefert präzise, druckvolle Schlagzeugarbeit, während Eddie Gore an Keyboard und Percussion die Arrangements farbig ausleuchtet. Dazu kommen prominente Gäste: Eric Clapton, Billy F. Gibbons, Brian May und Ronnie Wood. Sie alle bringen ihren eigenen Ton mit, ohne das Album in eine bloße Gitarren-Starparade kippen zu lassen.

Gerade darin liegt eine der großen Stärken von „Watching the Tide“: Die Gastauftritte wirken nicht wie aufgeklebte Prestige-Momente, sondern fügen sich organisch in Croppers musikalische Welt ein. Claptons bluesige Eleganz, Gibbons’ rauer Texas-Ton, Brian Mays singende Melodielinien und Ronnie Woods lässiger Rock’n’Roll-Touch erweitern den Klang, bleiben aber dem Song verpflichtet. Im Mittelpunkt steht nie das Ego des Einzelnen, sondern der Groove. Natürlich ist nicht jeder Moment gleich zwingend. Manche Passagen bewegen sich sehr bewusst in vertrauten Bahnen, und wer radikale Überraschungen oder moderne Soundexperimente sucht, wird hier kaum fündig. Doch genau das wäre auch am Wesen dieser Musik vorbeigedacht. Cropper ging es nicht darum, seine Vergangenheit zu verleugnen. Er zeigt vielmehr, dass diese Vergangenheit noch immer Kraft besitzt.

„Watching the Tide“ ist deshalb ein würdiger Abschied – und zugleich weit mehr als das. Steve Cropper mag uns verlassen haben, doch dieses Album beweist, dass seine musikalische Stimme noch lange nachklingt. Eine geschmackvolle, beseelte und wunderbar entspannte Platte für alle, die wissen möchten, wo amerikanische Popmusik herkommt und warum ihre besten Songs niemals wirklich alt werden.

  1. Tandoori Chicken
  2. Ticket First (feat. Eric Clapton)
  3. My Angels Are Calling (feat. Brian May and Billy Gibbons)
  4. Until Now (feat. Ronnie Wood)
  5. Blood From A Stone
  6. Here & Gone (feat. Ana Grosh)
  7. It‘s Gonna Get Worse
  8. Down & Out
  9. Stand Right Here (feat. Billy Gibbons and Ana Grosh)
  10. Tipoff To The Ripoff
  11. House Of Cards
  12. Tandoori Chicken Part 2

Label: Provogue Records/Artone Label Group

VÖ: 28.08.2026

Laufzeit: 41:53 Min.

Herkunft: USA

Stil: Soul/Rock

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