HATE THEM ALL – „Defender of the Black Throne“

HATE THEM ALL – „Defender of the Black Throne“

📁 Allgemein, Reviews 🕔04.Januar 2019
HATE THEM ALL – „Defender of the Black Throne“

HATE THEM ALL – „Defender of the Black Throne“

Label: Old Temple

Laufzeit: 29:25 min

VÖ: 23.03.2018

Genre: schön ranziges Gemenge aus Black Metal, Punk und Rock’n’Roll

„Recorded live in basement – noc cut + no copy + no midi – Just Pure Fucking Metal“.

So, das wäre schon einmal geklärt. Nicht nur zum Sound (dazu später mehr), sondern auch zum Selbstverständnis und zur Attitüde der unbekannten und mit Sturmhauben verhangenen drei Herren von HATE THEM ALL. Zu hören gibt es eine wüste Mischung aus Black Metal, Punk und Rock’n’Roll. Mal wieder haben Old Temple für einen schön hässlichen Batzen Musik gesorgt. Das hier ist purer, unverfälschter Underground im besten Sinne, da rumpelt und krawalliert ein Schlagzeug unverzagt und ungezügelt voran, gerne auch mal etwas hektisch und ungehalten, ohne jeglichen Firlefanz, im furiosen Doublebass-Galopp und mit schickem Einsatz von Crash- und Ridebecken. Der Bass zeigt sich knurrig, trocken, durchsetzungsstark, und steht da breitbeinig und selbstbewusst mit einem äußerst individuellen Spiel (besonders imposant in „The Scares of Death“). Die Gitarren schrubben schmierige, primitive Riffs, reduziert auf eine düstere und rohe Eingängigkeit, und in bester Punk-Tradition werden die Akkorde schön assig rausgerotzt. Und dann ist da ja noch der unbekannte Grölomat an der Gitarre. Der Gesang ist ein wütendes, kehliges, spuckendes, kotzendes Krakeelen, angepisst, lärmend, dabei aber auch irgendwie sehr eigenartig. Das klingt so, als hätte der gute Mann beim Singen immer ein altes Brötchen im Mund. Also einfach einzigartig und wunderschön.

Die Lieder sind kurz und knackig, klar strukturiert, basisch, eingängig. Das ist ohne jeden Ballast, ohne überflüssige Sekunde, das ist genau auf den Punkt, rein, unmissverständlich, die Struktur geradlinig und unumstößlich. Das ergibt Musik, die immer so klingt wie all diese anderen wunderbaren Black’n’Roll Bands, wie Lik, Nattefrost, Midnight oder die polnischen Brüder von Moloch Letalis, wie nach Ramones und Motörhead, die (R.I.P.!) zusammen in der Hölle eine feuchtföhliche Party feiern. Aber es fehlt auch nicht an Abwechslung, an epischer Melodik und mystischer Mächtigkeit („The Scares of Death“, „The Throne of Fire“). Einziger Wermutstropfen ist der Sound. Bei aller Liebe und allem Verständnis für den Underground und DIY, es gibt genügend Beispiele dafür, dass auch dann ein kraftvoller und harter Sound machbar ist. Hier gibt es aber ziemlich dünne Gitarren, einen flachen Sound und einen zu laut und irgendwie von den Instrumenten losgelösten Gesang. Das wirkt nicht stimmig, nicht geschlossen. Schade. Aber stört das? Nein. Verdammt, HATE THEM ALL überzeugen mit guter Musik, mit Stimmung, mit dicken Backen, mit bösartiger, düsterer, vulgärer, bluttriefender, stinkender Aura. Und das ist es ja, was wir lieben.

Fazit: HATE THEM ALL bereichern mit „Defender of the Black Throne“ unser Leben mit einer halben Stunde Glück. Das setzt sich zusammen aus Black Metal, Rock’n’Roll und Punk, aus Schmutz, Fürzen und Krawall, aus Bier, Kotze und abgestandenem Nudelsalat. Vor allem aber aus Hingabe, Motivation, Ehrlichkeit und Leidenschaft. Und was macht das? Eben. Das macht glücklich. Danke, ihr unbekannten Herren!

Liederliste:

1. Hatehammer (2:02)
2. Czas chwały (2:34)
3. Day of Rope (2:39)
4. I Saw the Devil (1:50)
5. The Scares of Death (2:55)
6. Doctrine of Hell (1:43)
7. Time of Hate (2:40)
8. Dark Lord (2:12)
9. Krwawe ścierwa (2:51)
10. Black Metal Terrorist (1:17)
11. Bastion (2:50)
12. The Throne of Fire (3:52)

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