DEADBORN – „Dogma Anti God“

DEADBORN – „Dogma Anti God“

📁 Allgemein, Reviews 🕔06.Dezember 2018
DEADBORN – „Dogma Anti God“

DEADBORN – „Dogma Anti God“

Label: Apostasy Records

Laufzeit: 35:12 min

VÖ: 07.12.2018

Genre: Death Metal Triumvirat aus Technik, Anspruch und Eingängigkeit

DEADBORN sind die Band, für die der Spruch „Was lange währt, wird endlich gut“ erfunden worden ist. Wieder hat es viel zu lange, Fingernägel zerkauende, Luftlöcher starrende und den Metal Winterschlaf durchschnarchende sechs Jahre gedauert, bis nach „Mayhem Maniac Machine“ nun mit „Dogma Anti God“ ein neues Album erscheint. Und meine Fresse, was ist das wieder für ein brutales Brett geworden!

Zu hören gibt es eine wirklich einzigartige Mischung aus Brutalität, Technik, Schlagzeuggewitter und Eingängigkeit. Dafür sorgen harte Riffs, die sich aggressiv, grimmig und rabiat gebärden, vor allem aber mit einer geradlinigen Stringenz glänzen. Dazu gibt es verdammt schicke Soli, die sich elegant in die Lieder einfügen und für überraschende Momente sorgen („Dogma Anti God“, „Your Symbol Burns“, „Heretic Torment“). Unterstützt wird das von einem mächtigen Bass, der mit einer trockenen Wucht und breitem Selbstbewusstsein für Akzente sorgt (Hört Euch nur mal „Heretic Torment“ an!). Darüber legt sich der Gesang als dunkles Growlen, eine stampfende Maschine, machtvoll, zornig, militant, unerbittlich, rezitativ, ein grimmiger Marsch aneinander gereihter düsterer Worte, die – und das ist kein Paradoxon! – ein wunderbar fließendes Stakkato ergeben. Das ist Death Metal Propaganda! Bestimmt wird das gewalttätige Ganze aber klar vom Schlagzeug, das die Musik mit energetischen Blastbeatsalven und Doublebasskanonaden in einer brutalen Schnelligkeit und einer so unbarmherzigen wie stoischen Kraft nach vorne peitscht, wütet, galoppiert. Das wird aber immer wieder aufgebrochen von brachialen Grooves, die sich walzend und zemahlend gebärden, bevor die Raserei alles wieder mit sich hinwegreißt („Sense of Delight“, „Abortive Interment“, „Your Symbol Burns“). Der Sound ist dazu passend modern, ohne mit purer Lautstärke und Kompression zu erschlagen, soll heißen: brutal, stählern, scharf, energisch, glänzend, transparent.

Begeisternd ist dann aber vor allem die Musik, die DEADBORN aus all ihrem großen musikalischen und kompositorischen Vermögen erschaffen. Die Lieder besitzen eine klare und jederzeit nachvollziehbare Struktur, sind dabei jedoch meilenweit entfernt von jedem Anflug an Primitivität oder Tumbheit. Was im technischen Death Metal oft überfordert und erschlägt, wird hier durch das perfekte Ineinandergreifen von Riffs, Songstruktur, Massivität, Nachvollziehbarkeit und Vorwärtsstreben zu Harmonie und Ausgewogenheit, zu einer einzigartigen Schönheit. Weit entfernt von einer stumpfen Gewaltorgie und einem billigen Riffmassaker errichten DEADBORN aus Kraft, Willen, Können, Dunkelheit und Magie einen tonnenschweren Brocken aus rostigem Metall, undurchdringbar, gigantisch, monolithisch, scharfkantig, unheimlich, archaisch, übersät mit geronnenem Tod, deformierten Spitzen, Dellen, Rissen, vernarbten Geschwüren. Und so viel Neugier mich antreibt, das Innere zu erforschen, so viel Angst hält mich ab vor dem, was mich dort erwartet. Die Kunst von DEADBORN gipfelt im Titelstück „Dogma Anti God“, das nichts weniger ist als die Blaupause für die Symbiose aus Technik, Gewalt und Eingängigkeit. Das ist ein verdammter Hit! Grandios.

Fazit: DEADBORN legen mit „Dogma Anti God“ ein Album vor, dass eindrucksvoll beweist, wie sich höchstes technisches und kompositorisches Talent mit Klarheit, Eindeutigkeit und Schlüssigkeit zu großer Musik verbinden kann. Das ist mitreißend und emotional, das ist erfüllend und befreiend. Ich kann nur sagen: Glückwunsch. Und noch viel mehr: Danke! Und zum Schluss eine unverhohlene Drohung: Ich warte nicht wieder verdammte sechs Jahre!

Liederliste:

1. Veneration (3:59)
2. Sense of Delight (3:19)
3. Canine Devotion (4:04)
4. Dogma Anti God (3:37)
5. Abortive Interment (4:30)
6. Zero Moment of Truth (2:23)
7. Your Symbol Burns (4:33)
8. Heretic Torment (4:09)
9. Prayer in Exigence (4:38)

Diesen Artikel in einem Sozialen Netzwerk teilen