Dathomirror Doors (USA) Abandon Love
Knapp zwanzig Minuten reichen für eine ordentliche Beziehungskrise. Dathomirror Doors geben ihrer EP mit „Abandon Love“ jedenfalls einen Namen,
Knapp zwanzig Minuten reichen für eine ordentliche Beziehungskrise. Dathomirror Doors geben ihrer EP mit „Abandon Love“ jedenfalls einen Namen, der wenig Raum für romantische Missverständnisse lässt. Das amerikanische Duo aus Joey Depp und Ant Demico bewegt sich zwischen Gothic Rock, metallischen Zuspitzungen und elektronischen Klanganteilen. Fünf Songs, fünf ziemlich unangenehme Ansagen: Wer die Trackliste liest, findet weder ein Friedensangebot noch einen freundlichen Abschiedsgruß. Interessant wird diese Ausgangslage dort, wo sich hinter ihrer demonstrativen Unversöhnlichkeit etwas Widersprüchliches zeigt. Schließlich beschäftigt sich auch eine Absage an die Liebe weiterhin mit der Liebe.
Der Abschied steht schon auf dem Türschild
Der Titeltrack eröffnet mit weit gezogenen Gitarren und einer nervösen rhythmischen Grundlage. Der Gesang formuliert dazu den Verlust von Vertrauen. „Burned Alive“ verschiebt anschließend die Gewichtung: etwas weniger Härte, dafür wiederkehrende Gesangslinien und reichlich Hall. Der Einstieg der EP führt damit von einer ausdrücklichen Zurückweisung in eine stärker atmosphärisch bestimmte Umgebung.
Schon die Formulierung „Abandon Love“ verdient einen zweiten Blick. Sie klingt wie ein Befehl, obwohl Gefühle bekanntlich keine besonders folgsamen Untergebenen sind. Man kann eine Beziehung beenden, Telefonnummern löschen und Erinnerungsstücke entsorgen. Ob damit auch die innere Bindung verschwindet, steht auf einem anderen Blatt. Genau in dieser Differenz liegt eine reizvolle Lesart des Titels: Die behauptete Entschlossenheit könnte ebenso gut der Versuch sein, sich selbst von etwas zu überzeugen.
Die freundlichen Worte sind aufgebraucht
Mit „Die Alone“ werden Bass, Rhythmus und vokaler Angriff bestimmender. „Evil Spell“ bildet den besonders harten Abschnitt, ausgehend von einem dröhnenden Intro. Zum Schluss bündelt „Suffer You Will“ rhythmische Präzision und scharf vorgetragenen Gesang. Die musikalische Entwicklung rückt damit zunehmend die aggressive Seite des Projekts ins Blickfeld.
Sprachlich betrachtet verschärft sich die Situation ebenfalls. Zwischen dem Verzicht auf Liebe und der Ankündigung fremden Leidens liegt ein erheblicher Unterschied. Der erste Gedanke betrifft die eigene Zukunft, der zweite beansprucht Macht über jemand anderen. Liest man die Titel als zusammenhängende Folge, entsteht das mögliche Bild einer Kränkung, die nach außen weitergegeben wird. Das muss keine beabsichtigte Konzeptgeschichte sein. Als gedankliche Verbindung zwischen den Stücken funktioniert diese Perspektive jedoch durchaus.
Fluch oder Ausrede?
„Evil Spell“ setzt innerhalb dieser Titelfolge einen eigenen Akzent. Ein böser Zauber verspricht eine Erklärung für etwas, das sich scheinbar nicht kontrollieren lässt. Als Metapher für eine zerstörerische Bindung wäre das nachvollziehbar. Zugleich steckt darin eine bequeme Versuchung: Wer alles einer fremden Macht zuschreibt, muss die eigene Beteiligung nicht mehr untersuchen. Gerade solche Doppelbödigkeiten machen eine Beschäftigung mit der Bildsprache interessant. Eine vollständige Interpretation der Lyrics lässt sich aus den Songnamen allein allerdings nicht ableiten.
Auch das Bild des lebendigen Verbrennens in „Burned Alive“ gehört zu einer Sprache der Übertreibung. Für düstere Rockmusik ist das vertrautes Terrain. Ihre Figuren dürfen dramatischer, rachsüchtiger und verzweifelter auftreten, als es ein vernünftiges Gespräch erlauben würde. Darin liegt eine Stärke dieses Ausdrucks: Unangenehme Empfindungen bekommen einen Platz, ohne deshalb automatisch zu Handlungsempfehlungen zu werden. Ein zorniger Song darf zornig bleiben. Er schuldet niemandem eine abschließende Lebensberatung.
Keine Versöhnung auf Bestellung
Die entscheidende Frage hinter dieser Ästhetik lautet deshalb weniger, ob hier ausreichend Dunkelheit geboten wird. Interessanter ist, was die entschiedenen Formulierungen verdecken oder freilegen. Ist der Rückzug ein notwendiger Schritt? Wird aus Selbstschutz irgendwann Abschottung? Und wie unabhängig ist jemand, dessen Gedanken weiterhin um Vergeltung kreisen? Als Fragen an „Abandon Love“ führen diese Überlegungen weiter als die bloße Feststellung, dass Gothic Rock eben gern von kaputten Beziehungen handelt.
Unser Fazit
Dathomirror Doors liefern mit „Abandon Love“ einen kompakten Anlass, sich mit der unschönen Seite emotionaler Bindungen auseinanderzusetzen. Der spannendste Widerspruch steckt bereits im Namen: Eine so nachdrückliche Verabschiedung kann verraten, wie sehr das Verabschiedete noch beschäftigt. Zwischen Gothic Rock und metallischer Aggression steht damit eine durchaus ergiebige Frage im Raum. Wann endet eine Liebe tatsächlich – beim letzten Gespräch oder erst dann, wenn selbst die Wut keine Rolle mehr spielt?

Trackliste
- Abandon Love
- Burned Alive
- Die Alone
- Evil Spell
- Suffer You Will
Credits
Interpret: Dathomirror Doors
Titel: Abandon Love
Herkunft: USA
Format: EP | digital
VÖ: 11. September 2026
Spielzeit: 19 Minuten und 42 Sekunden
Genre: Gothic Rock | Gothic Metal
℗ 2026 Dathomirror Doors
Besetzung
Joey Depp
Ant Demico
Produktion
Joey Depp – Mix und Mastering
Dathomirror Studios – Studio



