Hansen (D) – Born With A Hammer
Ein Metal-Veteran mit Lust auf neue Abenteuer. Kai Hansen muss niemandem mehr beweisen, dass er Metal-Geschichte geschrieben hat. Als Mitbegründer
Ein Metal-Veteran mit Lust auf neue Abenteuer. Kai Hansen muss niemandem mehr beweisen, dass er Metal-Geschichte geschrieben hat. Als Mitbegründer von Helloween, Gründer von Gamma Ray und prägende Figur des europäischen Power Metal hat er seinen Platz im Genre längst sicher. Trotzdem klingt „Born With A Hammer“ nicht wie das Pflichtprogramm eines verdienten Altmeisters. Im Gegenteil: Das Album wirkt überraschend frei, spielfreudig und neugierig. Hansen blickt nicht zurück, sondern zeigt, dass sein musikalischer Antrieb noch immer ungebrochen ist.
Der knapp achtminütige Titeltrack bildet das Zentrum des Albums. „Born With A Hammer“ ist ein eigenwilliges, großes Metal-Epos, das sich Zeit nimmt und immer wieder neue Richtungen einschlägt. Der Song beginnt nicht einfach, um dann geradlinig auf ein Finale zuzusteuern. Stattdessen entwickelt er sich ständig weiter, öffnet neue Türen und verbindet unterschiedliche musikalische Ideen zu einem erstaunlich geschlossenen Ganzen. Man könnte den Titeltrack als Kai Hansens persönliches „Bohemian Rhapsody“ bezeichnen. Der Vergleich ist natürlich groß, aber nicht völlig abwegig. Wie Queens legendärer Klassiker lebt auch Hansens Stück von Kontrasten, überraschenden Übergängen und einer gewissen Lust am Übertreiben. Allerdings wirkt „Born With A Hammer“ nicht wie der Versuch, ein möglichst monumentales Schaulaufen abzuliefern. Der Song bleibt trotz seiner Länge direkt, lebendig und angenehm ungekünstelt. Jede Wendung fühlt sich organisch an – und genau das macht ihn so stark.
Diese Freiheit findet sich auch in den übrigen neun Songs wieder. Hansen verbindet kraftvollen Heavy Metal mit treibendem Hard Rock, eingängigen Melodien und einer deutlich spürbaren Punk-Attitüde. Dazu kommen kleine unerwartete Details, die den Stücken Charakter verleihen. Das Album ist abwechslungsreich, ohne beliebig zu werden. Hansen probiert verschiedene Farben aus, verliert dabei aber nie den eigenen Sound aus den Augen. Natürlich sind seine musikalischen Wurzeln überall hörbar. Fans von Helloween und Gamma Ray werden vertraute Elemente entdecken: markante Gitarren, große Refrains, dynamische Arrangements und diese besondere Mischung aus Härte und Melodie. Trotzdem ist „Born With A Hammer“ keine bloße Wiederholung vergangener Erfolge. Das Album klingt nicht wie eine nostalgische Rückschau, sondern wie die aktuelle Momentaufnahme eines Musikers, der weiterhin etwas zu sagen und vor allem viel Lust am Spielen hat.
An der Entstehung waren neben Hansen Eike Freese und Alexander Dietz beteiligt, die das Album gemeinsam mit ihm produzierten. Eingespielt wurde es außerdem mit Freese an der Gitarre, Dietz von Heaven Shall Burn am Bass, Carcass-Schlagzeuger Dan Wilding und Tim Hansen von Induction. Diese Besetzung sorgt für ein kraftvolles und modernes Fundament. Besonders die Rhythmusarbeit treibt die Songs energisch nach vorne, während die Gitarren genügend Raum für Melodie, Druck und kleine Überraschungen lassen. Stimmlich zeigt sich Hansen ebenfalls überzeugend. Seine Stimme ist nicht auf Hochglanz poliert, sondern besitzt Charakter und Wiedererkennungswert. Sie passt damit hervorragend zu einem Album, das nicht auf Perfektion um jeden Preis aus ist, sondern auf Persönlichkeit. Gerade in den etwas raueren Momenten entsteht der Eindruck, dass hier jemand singt, weil er es unbedingt tun möchte – und nicht, weil er eine bestimmte Erwartung erfüllen muss.
Fazit: Nach der erfolgreichen Helloween-Reunion und den großen internationalen Tourneen wirkt „Born With A Hammer“ wie eine Rückkehr in Hansens ganz eigene musikalische Welt. Das Ergebnis ist kein Alterswerk im klassischen Sinn, sondern ein energisches, selbstbewusstes und erstaunlich frisches Album. Es trägt die gesamte Geschichte seines Schöpfers in sich, lässt sich von dieser Geschichte aber nicht festhalten. Nicht jeder Song erreicht zwangsläufig die Wirkung des Titeltracks, doch als Gesamtwerk überzeugt das Album durch seine Mischung aus Erfahrung, Instinkt und Spielfreude. „Born With A Hammer“ ist deshalb vor allem eines: ein ehrliches, abwechslungsreiches Metal-Album eines Künstlers, der seinen Platz in der Geschichte längst gefunden hat – und trotzdem noch immer neugierig genug ist, weiterzusuchen.
- Feeding The Beast
- Welcome To Life
- Don’t Care
- Wait And See
- Born With A Hammer
- I.D.G.A.F.
- End Of The Road
- Triple Trouble
- Invaders
- Wonderland
Label: earMUSIC
VÖ: 18.09.2026
Laufzeit: 45:42 Min.
Herkunft: Deutschland
Stil: Power Metal




