CRITICAL MESS – „Man Made Machine Made Man“

CRITICAL MESS – „Man Made Machine Made Man“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔04.August 2019
CRITICAL MESS – „Man Made Machine Made Man“

CRITICAL MESS – „Man Made Machine Made Man“

Label: Metalville Records

Laufzeit: 48:35 min

VÖ: 21.06.2019

Genre: eine wahre Großtat des High End Death Metal

Endlich! Das möchte ich laut rufen, auch wenn es nur etwas über ein Jahr her ist, dass uns CRITCAL MESS mit ihrem Debütalbum erfreut haben. Aber – Endlich! – schieben sie mit “Man Made Machine Made Man” ihren Zweitling hinterher. Und auch der wird allen gefallen, die Death Metal lieben, der brutal, technisch hochwertig und dazu in den meisten Momenten klar strukturiert und ja, sogar eingängig daherkommt.

Was hat sich getan seit ihrem Debüt? Irgendwie nicht viel, aber doch eine ganze Menge. Gewohnt großartig ist zunächst der Sound. Der springt mich auch dieses Mal so aggressiv wie transparent aus den Boxen an und zerkratzt mir mit fiesen Fingernägeln genüsslich das Gesicht. Das ist purer Druck, rasiermesserscharf und gewalttätig. Dazu glänzen CRITICAL MESS wieder mit einem so durchdachten wie spannenden textlichen Konzept. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich einmal in Ruhe die Texte vorzunehmen und sich in diese Gedankenwelt zu vertiefen.

Ansonsten haben CRITICAL MESS in vielem eine ganz gewaltige Schippe draufgelegt. Für mich hat sich zunächst das technische Können der Herren noch einmal deutlich gesteigert, ihre Musikalität hat ein halsbrecherisches Niveau erreicht, auf dem sich Bands wie Immolation, Dying Fetus und Suffocation tummeln. Das sind diese schnellen, akzentuierten Riffs und ein Bass, der eigenständig und spannend agieren darf. Und das ist ein Schlagzeug, das in einer unfassbaren Präzision mal gnadenlos voranpeitscht, um sich dann in einem unerbittlichen Groove stoisch voranzuwälzen und immer wieder mit einer geradezu lässigen Eleganz schwindelerregende Breaks abzufeuern. Und dann ist da Frau Görtz. Die liefert nichts weniger ab als die Performance ihres Lebens. Es scheint, als hätten die gemeinsamen Konzerte mit Six Feet Under und dem famosen Herrn Barnes bei Frau Görtz Eindruck hinterlassen. Sie singt, kreischt, quiekt, kotzt, rülpst, growlt, wütet und bellt sich mit einer solchen Verve durch die Lieder, dass mir jedes Mal die Freudentränen kommen vor Verzückung. Das ist groß, das ist magisch, das ist einfach Weltklasse!

Und nicht zuletzt führt das alles dann erfreulicherweise auch zu Musik, die nochmals deutlich fokussierter und eigenständiger daherkommt als auf dem Debüt. Ich rede hier nicht von den beiden komplexen Rasereien zum Beginn. „Revolution“ und „Echo“ sind verschachtelter, vielschichtiger Tech Death Metal, in dem sich die vier Herren austoben können. Hier überfallen mich gefühlt 30 Riffs pro Song und hektische Blastbeatattacken, die allein vom Gesang zusammengehalten werden. Hier wollte jemand zeigen, was er draufhat. Geschenkt. Denn ab „ANDR“ legen CRITICAL MESS dann auch die kompositorische Messlatte ganz weit nach oben. Lieder wie „Bias”, “WOTF” und das abschließende Doppel aus Titelsong und „Prequel“ sind Death Metal Walzen, die nicht von Instrumentenonanie oder Geschwindigkeitsrekorden leben, sondern von einem dynamischen Songaufbau, der Riffs und Strukturen atmen lässt, der Können und Gefühl verbindet, und der vor allem eine Eingängigkeit erzeugt, die weit weg ist von simpler und stumpfer Muffigkeit. Hier werden Riffs über einen dreckigen Betonboden gezerrt wie verrottende Kadaver, um im nächsten Moment durch einen fauchenden Fleischwolf gedreht zu werden. Hier ergibt sich Gewalt, Massivität und ein Gefühl beklemmender Bedrohlichkeit durch spannend inszenierte Gegensätze, durch die Ambivalenz von stoischem Groove und gnadenloser Knüppelei, aus melodischer Leadgitarre und fies dissonanten Soli, aus tonnenschwer übereinander gestapelten Riffkaskaden und Momenten individuellen Leuchtens (immer wieder der sich selbstbewusst erhebende Bass oder das melodische Solo in „Prequel“). Und dann gibt es mit „Cut the Cord“ und seinem sich unwiderstehlich in meinen Schädel einschmeichelnden „Wake Up“ einen echten Hit. Grandios!

Fazit: CRITICAL MESS bleiben mit ihrem zweiten Werk „Man Made Machine Made Man” nicht stehen, sondern gehen ihren Weg unbeirrbar weiter. Das ist brutaler Death Metal in höchster Qualität, das ist schwer, brachial, bösartig und einfach nur in seiner Düsternis hell strahlend. Ich wiederhole mich gerne, aber CRITICAL MESS leben nicht von Können, sondern von Hingabe, Authentizität, Spannung, Eindringlichkeit und purer Energie. Diese Band muss nicht mehr groß werden – sie ist es! Verstecken gilt nicht, hier heißt es, sich selbstbewusst neben den Genregrößen einzureihen. Ich kann nur eines sagen: Danke – und herzlichen Glückwunsch!

Liederliste:

1. Revolution 5 (4:51)
2. Echo (3:52)
3. ANDR (4:11)
4. Bias (4:25)
5. Cut the Cord (4:24)
6. Demise (4:49)
7. WOTF (3:26)
8. Generation Fork (4:26)
9. No Gods (3:44)
10. Man Made Machine Made Man (6:04)
11. Prequel (4:23)

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