LACRIMAS PROFUNDERE – Interview mit Olly über die Zeiten vor und während „Bleeding the Stars“!

LACRIMAS PROFUNDERE – Interview mit Olly über die Zeiten vor und während „Bleeding the Stars“!

📁 Allgemein, Interviews, Musik, Tipp der Redaktion 🕔04.August 2019
LACRIMAS PROFUNDERE – Interview mit Olly über die Zeiten vor und während „Bleeding the Stars“!

MG:
Olly, Du sprichst von einer Art „Befreiungsschlag“, wenn Du über die „neue Zeit“ mit & bei Lacrimas Profundere (L.P.) redest, bzw. darauf angesprochen wirst. Ist es eher, dass es eine Last gewesen sein mag, was die Jahre vor „Bleeding the Stars“ anbelangt oder wie kommst Du zu diesem Gefühl der „Befreiung“?! Ich mein, schließlich habt ihr bei „Hope is Here“ alles andere als ein gewöhnliches L.P.-Album veröffentlicht, welches zu recht abgefeiert worden ist?!

Olly:
Hey mein guter, ja unter Befreiung verstehe ich auch eher die Zeit nach „HOPE IS HERE“. Auch, wenn vorher schon einiges nicht nach meiner Zufriedenheit abgelaufen war, finde ich das Album, bis auf Kleinigkeiten die ich jetzt anders machen würde, an sich doch sehr gelungen. Etwas „proggy“ und nicht für´s nebenbei hören gemacht, aber das war ja auch der Plan. Dass in dem Album nicht nur im Titel sondern auch in den Köpfen meiner Jungs sehr viel Hoffnung steckte, wieder an erfolgreichere Tage anknüpfen zu können, wurde mir erst viel später bewusst. Auch wenn es nie ausgesprochen wurde, war es wohl für alle eine Art „make it or break it“-Album, nur mir hat es eben keiner erzählt:-)! Der erhoffte Erfolg blieb jedoch abermals aus; klar tourten wir wieder wie wild und waren sogar u.a. in Tokyo, Shanghai, Bejing und Dubai, aber seine Rechnungen zu Hause konnte trotzdem keiner davon bezahlen. Daher gab es im Jahr 2017 viele Diskussionen in der Band. Kurz gesagt, die Luft war einfach raus. Eine selbst auferlegte Pause brachte ebenfalls keine Ruhe in die Sache. Rob wollte eine komplett andere Musik machen und wir konnten uns beide leider nicht so verbiegen, dass am Ende ein zufriedenstellendes Album hätte herauskommen können. Mir wurde also bewusst, dass wenn ich eine weitere Platte in dieser Besetzung aufnehme, der Name Lacrimas Profundere auf Dauer darunter leiden würde. Rob fiel der Abschied nicht leicht, ebenso mir, die Band steht jedoch über allem und so musste das unvermeidliche ausgesprochen werden. Nach Robs Abgang hatte ich den anderen vorgeschlagen einen neuen Sänger ins Boot zu holen, jedoch waren unsere Zwillinge Steel und Clea auch eher dabei den Gang zurück zu schalten als in den 6. von der Landstraße auf die Autobahn abzubiegen. Mein langjähriger Sidekick Tony, hatte seine Liebe in der Fotografie entdeckt. So nahm einer nach dem anderen seinen Hut, bis ich plötzlich komplett alleine dastand. Es wäre gelogen zu sagen, dies ist spurlos an mir vorübergegangen, war ich Wochen am zweifeln, ob ich die Kraft eines abermaligen Neustarts aufbringen würde. Bei einem Treffen mit unserem Produzenten Kohle Kohlmannslehner haben wir uns dann auf die künftige Marschrichtung festgelegt, ich zog mich anschließend zurück und schrieb das Material, welches ursprünglich auf Robs Stimme ausgelegt war. Verwarf jedoch dann etliche Songs und komponierte komplett befreit drauflos was mir in den Sinn kam. Danach sah es danach aus, als ob ich wohl drei neue Sänger benötigen würde. Mein Bruder Christopher, war jedoch sofort angesteckt von den ersten Demos und ich will behaupten wir haben zusammen ganz nebenbei unsere beste Platte geschrieben.

 

MG:
Wie bist Du diesmal an die Songs rangegangen, zumal es etwas länger gedauert hat, aus den eben erwähnten Ereignissen. Was ist für Dich neu, anders in dieser Zeit gewesen, als Du mit den Songs angefangen hast, nachdem eben bekannt war, dass Du neue Leute suchen musst und wie hast Du diesmal den Songwriting-Prozess gestartet, um sich wieder etwas „härter“ in die Sache zu begeben; zumal der neue Sänger Julian ja einige Vocalparts-Arten zu bieten hat?!

Olly:
Ehrlich gesagt schwebte mir seit langem schon wieder etwas „härteres“ vor. Jetzt war ich alleine und konnte ganz einfach machen was immer ich wollte. Mit zunehmendem Alter „hasse“ ich das Komponieren immer mehr, daher dauert es immer noch etwas länger, bis ich mich aufraffen kann, meine Gitarre zu schnappen und zu schreiben. Dann kam noch die Suche der Leute und plötzlich sind zwei Jahre rum. Jedoch habe ich in Julian ein Gesangstalent entdecken dürfen, welcher wie du bereits anmerkst, all meine noch so verrückten Ideen umsetzen konnte. Diese „jetzt erst recht“-Attitüde hört man wie ich finde an allen Ecken und Enden. So habe ich meine alten Doom-Platten entstaubt, versucht mich in meine alten Strech-Hosen zu quetschen, okay, man soll´s ja nicht übertreiben…und über alte Anathema, At the Gates und Dark Tranquillity zu My Dying Bride meine Jugend hochleben lassen. Es ist schön mal den Blick zurück zu wagen, wo man musikalisch herkommt und zu sehen, was denn davon noch übriggeblieben war und was soll ich sagen, eine ganze Menge. Aber die scheiß Strech-Hose wandert jetzt endgültig in die Altkleidersammlung:-)!

MG:
Sicher nach so vielen Jahre im harten Musikbusiness ist es nicht einfach immer einer drauf zu setzen, aber irgendwie hast Du mit deinem neuen/alten Team eine Art neue „Lacrimas Profundere-Ära“ eingeläutet, wie ich finde – und damit meine ich nicht nur aufgrund der neuen Bandmember, eher sound- und songtechnisch. Hier und dort gibt es bei „Bleeding the Stars“ den typischen L.P.- Touch, warum sollte es auch anders sein, aber es klingt eben alles doch neu; auch wenn es diesmal einige Songs gibt, die deutlicher härter, düsterer rüberkommen als in den letzten paar Jahren. Ja, es fällt mir nicht leicht die richtigen Worte diesmal zum Album zu finden, dabei habe ich schon seit „Burning: A Wish“ so einiges an Reviews verfasst – und eben über die Alben sagen dürfen. Woher nimmst, schöpfst Du noch diese Energie/Kraft und die Ideen, doch noch etwas anderes heraus zu kitzeln, immerhin hast Du schon etliche Alben/Songs in Petto, seit 1993!?

Olly:
Erstmal herzlichen Dank. Aber ist ganz einfach, ich liebe das was ich tue. Diese Musik spiele ich nicht weil ich damit viel Geld verdiene. Ich würde auch ohne Plattenvertrag diese Art Musik schreiben, nur eben ohne Deadlines und mit noch weniger Erfolg:-)! Ohne meinen Bruder und ersten Sänger Christopher wäre die Platte aber so nicht möglich gewesen, ist er mir doch als erster zur Seite gesprungen und hat unglaubliche Titel, Lines und Texte beigesteuert. Bereits im Studio war da dieses Gefühl hier etwas ganz besonderes erschaffen zu haben und ich kann dir sagen ich bin einfach nur Stolz auf „BLEEDING THE STARS“ und genau wie du sagst, auch mir fehlen die Worte, welch eine Kraft den Songs inne wohnt. Diese arsch-tighte-Band, Benny Richter mit seinen unglaublichen Keyboards, Kohle als Produzent und Tom im Mastering, es hat einfach alles gepasst und dieses Album zum bisherigen Höhepunkt meines Schaffens werden lassen.

MG:
Die Info, dass sich bei der Band einiges getan hat ist schon fast ein Jahr alt, auch die neuen Songs, die endlich am 26.7. das Licht erblickt haben sind schon seit Längerem fertig. Zudem habt ihr Anfang des Jahres bereits eine komplette Tour und bis dato einige Festivalshows absolviert. Soll heißen, die Songs haben schon einige Monate auf dem Buckel und einige Shows bereits „überstanden“. Wie kommen die Songs und der neue Sänger Julian an und vor allen Dingen, wie fühlst Du Dich mit den Songs & Leuten auf der Bühne?

Olly:
Es fühlt sich wundervoll an. Wir sind ja nur noch vier Leute und jeder hat unglaublich „Bock“ auf die neuen Songs, auf die neue Band, auf neue Abenteuer. Wir verfolgen alle ein Ziel und ich reite voraus:-)! Ich denke, ich habe aus meinen Fehlern gelernt, habe jeden ermutigt, sofort zu sagen wenn ihm etwas nicht passt, habe jedem gesagt, wir sind nicht Metallica, sprich wir fahren selbst, bauen unser Zeug selbst auf und wenn es doof kommt tragen wir unsere Backline sogar noch selbst in den zweiten Stock des Clubs im Hinterhof von Wanne-Eickel. Wir haben uns zusammengesetzt, gesprochen was sich jeder erhofft, was er sich aber im Gegenzug als „Mukker“ erwartet und ich denke so, eine gute, ehrliche Basis geschaffen zu haben, für alles was da kommen mag.

 

MG:
Der dritte Videoclip zu „Kingdom Solicitude“ (nach „Father of Fate“ und „Like Screams…“) wurde neulich veröffentlicht. Irgendwie scheint es euch/dir wichtig zu sein, derzeit schnell Clips zu produzieren. Wie kam es zu diesen Ideen, diese Clips so zu drehen, die auch einen roten Faden zum Artwork als solches zu ziehen scheinen?!

Olly:
Ha ha ha, schnell ist gut, der Clip zu „Kingdom…“ wurde im Oktober letzten Jahres in Island gedreht und ist seit Dezember geschnitten, „Father…“ haben wir auf der Tour im Januar in Köln vor dem Soundcheck gedreht und „Screams…“ in Helsinki, bei Julian zu Hause. Unser Label wollte unbedingt drei Clips; Vorab-Clips haben und die Platte mit extrem viel Vorlauf rausballern. Als Künstler gehst du ins Studio und vier Wochen später willst du die Platte rausstellen. Da wir aber von Marketing keine Ahnung haben, kamen wir schnell an den Punkt, uns zurückzunehmen und unser neues Management wie auch unsere Plattenfirma einfach mal machen zu lassen. Jetzt sieht es so aus, als kämen wir aus den Videodrehs gar nicht mehr heraus, aber die Wahrheit ist eben, dass wir seit´nem knappen Jahr auf dem Material hocken und jetzt nach einander alles veröffentlicht wird. Du kannst dir also vorstellen, seit welch langer Zeit ich hier „auf Kohlen“ sitze um endlich zu hören wie die Songs und Clips angenommen werden.

MG:
Mitten im Sommer (Festivalzeit!) erscheint nun das (für meine Begriffe) vielseitigste, düster-rockigste Werk des Jahres!. Was folgt nun im Hause Lacrimas Profundere, zumal die Fans eine ausgiebige Tournee (mit einer fetten Setlist!) sicherlich heiß erwarten?

Olly:
Alter, das geht runter wie Öl. Ganz lieben Dank für die netten Worte.  Das mit „Sommer“ lese ich immer öfter und ich verstehe es auch irgendwie, aber nicht für mich, höre ich Musik doch nicht in Jahreszeiten. Jedoch auch das haben wir nicht ausgesucht, liegt die fertige Platte doch seit Februar am Tisch unseres Labels. Hier muss ich sogar ein Kompliment aussprechen war der Promoplan doch wirklich gelungen und wenn ich bei einer Platte mal wirklich alles richtig machen wollte, dann bei dieser. OK, das Digipak ist wohl gerade fast überall ausverkauft worüber ich gar nicht begeistert bin, war es in der für uns so wichtigen ersten Woche doch z.B. auf amazon gar nicht mehr zu haben. Aber irgendwann wird die Nachpressung wohl auch ausgeliefert werden (oder?). Auf jeden Fall gehen wir jetzt auf einige Festivals, dann geht’s nach Russland und im November auf große Tour im Vorprogramm von unseren Kumpels THE 69 EYES. Der Kreis schließt sich, haben wir uns doch auf genau der Tour mit unserem finnischen Kollegen 2006 das erste Mal getroffen oder?

MG:
Viel Erfolg mit dem echt geilen Werk „Bleeding The Stars“ (Review). Danke für diese tollen Songs und danke für Deine Zeit mit den Fragen über „Bleeding the Stars“, auf bald.

Olly:
Ich danke dir und metalglory.com! Ich hoffe ich konnte mit meinen Worten einige Eurer Leser die die Band zwar kennen aber noch nicht gehört haben, überzeugt doch mal reinzuhören.

 

Tourtermine mit The 69 Eyes in Deutschland:

02.11.19 LEIPZIG, Hellraiser Leipzig
03.11.19 BERLIN, SO36
05.11.19 HAMBURG, Logo Hamburg
06.11.19 KÖLN, Essigfabrik
07.11.19 STUTTGART, Wizeman Club
08.11.19 MÜNCHEN, Backstage München
19.11.19 TRIER, Mergener Hof
23.11.19 OBERHAUSEN, Kulttempel Oberhausen
24.11.19 FRANKFURT, Zoom Club

Tickets bekommt ihr hier: http://bit.ly/2YM5BNi

 

 

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