BURN DOWN EDEN – „Liberticidal“

BURN DOWN EDEN – „Liberticidal“

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔02.Mai 2019
BURN DOWN EDEN – „Liberticidal“

BURN DOWN EDEN – „Liberticidal“

Label: Kernkraftritter Records

Laufzeit: 35:12 min

VÖ: 12.10.2018

Genre: großartiger Melodic Death Metal voller Brachialität und Finesse

BURN DOWN EDEN legen mit „Liberticidal“ nach dem 2016 erschienenen „Ruins of Oblivion“ ihr zweites Album vor. Und ich muss sagen, da ist den fünf Herren wirklich ein so brutales wie technisch überragendes Stück Melodic Death Metal gelungen.

Herausragend ist zunächst die Gitarrenarbeit. Was die beiden Herren Deacon-Säck und Noack hier anstellen, das ist nicht nur einfach technisch überragend, nicht nur unfassbar hochkomplex, sondern auch jederzeit interessant, überraschend und einzigartig. Das erinnert in seiner herausragenden Virtuosität gerne einmal an Alexi Laiho – ohne sich in dessen selbstverliebter Saitenonanie zu verlieren. Und beim Selbstbewusstsein nehmen sie es locker mit Herrn Laiho auf, denn es zeugt von nichts weniger als einem großen Glauben an die eigenen Fähigkeiten und musikalische Relevanz, mit einer dermaßen lässigen, ja rotzfrechen Chuzpe dem geneigten Hörer beim Einstieg mit einem so kurzen wie wilden Solopart die Saiten um die Ohren zu schlagen. Grandios. Die Riffs sind so brutal, tight und massiv, wie die Melodielinien in einer wunderschönen melodischen Filigranität über diesem monströsen monolithischen Soundquader schweben. Und immer wieder gibt es Haken, Wendungen, irrsinnige Licks und mächtige melodische Soli, in manchen Momenten vielleicht etwas lang, aber jederzeit den Song noch einmal mit einem ganz eigenen Glanz versehend. Dieser machtvoll sägenden Brillanz steht Herr Nowak am Schlagzeug in nichts nach. Der Mann spielt bei all dieser Raserei nicht nur unfassbar präzise und kann in den walzenden Parts verdammt fett grooven, er glänzt vor allem mit einer zwingend stoischen Doublebass („Grotesque Satisfaction“, „Melodies of Memento“) und einer jederzeit frischen Variabilität. Vor allem aber bilden Gitarren und Schlagzeug eine symbiotische Einheit, umschlingen sich mit einem wahrhaft gewalttätigen Liebreiz und geben den Liedern stets genau das an Struktur und Synthesis, was sie brauchen. Darüber agiert Herr Hantsche mit einer genretypisch kraftvollen Stimme. Die wechselt gekonnt zwischen einem dunklen aggressiv krächzenden Shouten und einem tiefen gutturalen Growlen und versprüht Energie und Gewalt. Der größte Applaus gehört allerdings Herrn Schütz am Bass. Wem es gelingt, an dieser Übermacht von Gitarren und Schlagzeug nicht zu zerbrechen, sondern sich mit einem so breitbeinigen wie abwechslungsreichen Pumpen (Hört nur mal „Dystopic Endzeit Panorama“ ab 1:23 min und Ihr wisst, was ich meine!) einen solch breiten eigenen roten Teppich auszurollen, den kann, den muss ich einfach herzlich umarmen.

Ihr großartiges Können nutzen die Herren, um Lieder zu erschaffen, die vor Details sprühen, die zumeist gnadenlos nach vorne preschen, die ebenso intensiv wie nachvollziehbar sind und so sehr fordern wie sie begeistern, mitreißen und packen. Das ist fetter Melodic Death Metal, der das Niveau solcher grandiosen Throninhaber wie The Haunted, The Crown, At The Gates, früher In Flames oder eben Children of Bodom hält. In machen Momenten fehlt es mir an einem oder gerne auch mehr echten Genrehits, an eingängigen Refrains oder knackigen Hooks. Dass die Herren es können, beweisen sie mit dem von schöner Melodik getragenen „Succubus“ und dem von einer so zwingenden wie einzigartigen Lead beherrschten „Grotesque Satisfaction“. Erwähnt werden muss auch „Dämmerung“ mit seiner auf Deutsch intonierten klaren Botschaft. Und dann kommt ja noch „The Carnage Caused by Megalomaniac Gods“. Was für ein majestätischer, hymnischer Brecher voller erhabener Größe und titanischer Macht! Der ist so ganz anders, aber für mich könnte es davon gerne noch mehr geben.

Fazit: BURN DOWN EDEN haben mit „Liberticidal“ ein Werk erschaffen, das höchste technische Klasse mit komplexer Brutalität vereint. Das ist mitreißend, das ist intensiv und packend, und das zeugt zu jeder Sekunde von Hingabe und Leidenschaft, von unverrückbarer Liebe zu harter Musik. Glückwunsch, meine Herren!

Liederliste:

1. Dystopic Endzeit Panorama (3:59)
2. Eternal Youth (2:50)
3. Grotesque Satisfaction (3:38)
4. Of Fortess, Deceit & Dissolution (4:14)
5. Melodies of Memento (3:09)
6. Succubus (3:30)
7. A Tale of Deviant Hypocrisies (3:38)
8. Daemmerung (2:27)
9. Misled Psychogenesis (3:03)
10. The Carnage Caused by Megalomaniac Gods (4:44)

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