Steve Hackett & Steve Hogarth (UK) – The Roaring Waves
Mit „The Roaring Waves“ treffen zwei Titanen der progressiven Rockmusik aufeinander: Steve Hackett, bekannt als prägender Gitarrist von Genesis,
Mit „The Roaring Waves“ treffen zwei Titanen der progressiven Rockmusik aufeinander: Steve Hackett, bekannt als prägender Gitarrist von Genesis, und Steve Rothery, langjähriger Gitarrist von Marillion. Das am 28. August 2026 über Inside Out Music erscheinende Album ist allerdings nicht bloß ein weiteres Gitarrenduell zweier großer Namen. Vielmehr handelt es sich um eine außergewöhnliche, atmosphärische Instrumentalreise, in der zwei unverwechselbare Musikerpersönlichkeiten ihre individuellen Stärken zu etwas Neuem verbinden.
Sieben Kompositionen umfasst das Album, das über beinahe ein Jahrzehnt hinweg in Etappen entstand. Aufnahmen im Racket Club wechselten sich mit Sessions in den Heimstudios der beiden Musiker ab. Dieser lange Entstehungsprozess ist der Musik deutlich anzuhören: Nichts wirkt überstürzt, kalkuliert oder auf technische Virtuosität reduziert. Stattdessen entfalten sich die Stücke organisch, als wären sie aus gemeinsamen Improvisationen, vorsichtigen Annäherungen und immer neuen Klangideen heraus gewachsen.
Dabei unterscheidet sich „The Roaring Waves“ von vielen Instrumentalalben, die sich vor allem über spektakuläre Soli definieren. Hackett und Rothery begegnen einander nicht im Wettstreit, sondern im Dialog. Ihre Gitarren kommentieren, ergänzen und umkreisen sich. Mal tritt eine Stimme in den Vordergrund, während die andere einen schimmernden Hintergrund schafft; mal verschmelzen beide so eng, dass kaum noch auszumachen ist, welcher Klang welchem Musiker zuzuordnen ist. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Album seine besondere Reife.
Hackett bringt seine unverkennbare Fähigkeit ein, Melodien mit erzählerischer Tiefe zu versehen. Seine Gitarrenlinien besitzen oft etwas Gesangliches, zugleich aber auch eine leicht entrückte, traumartige Qualität. Selbst in den stilleren Passagen bleibt ein Gefühl von Bewegung erhalten – als würde sich unter der Oberfläche jederzeit eine neue musikalische Landschaft öffnen. Rothery wiederum überzeugt mit seinem charakteristischen Gespür für Atmosphäre und Klangfarbe. Seine oft lang gezogenen, leuchtenden Töne tragen eine melancholische Weite in sich, die man aus vielen Marillion-Momenten kennt, die hier jedoch in einen noch freieren, kontemplativeren Rahmen gesetzt wird.
Die Musik bewegt sich fließend zwischen dem Intimen und dem Filmischen. Manche Passagen wirken wie persönliche Erinnerungen, andere wie die Vertonung weiter Küstenlandschaften oder gewaltiger Naturbilder. Der Titel ist dabei Programm: Das Meer erscheint nicht nur als Motiv, sondern als musikalische Kraft. Wellen, Strömungen, Wind und Horizont werden nicht konkret illustriert, sondern in Dynamik und Stimmung übersetzt. Die Kompositionen wachsen, brechen ab, kehren verändert wieder und erzeugen so einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Besonders bemerkenswert ist der malerische Ansatz, den beide Musiker verfolgen. Rotherys Aussage, man wolle eine Atmosphäre schaffen, „als würde man ein Bild malen“, beschreibt das Album treffend. „The Roaring Waves“ verlangt keine vordergründige Aufmerksamkeit, sondern lädt zum Eintauchen ein. Die Musik lässt Raum für eigene Bilder und Erinnerungen. Jeder Hörer kann in den sieben Stücken eine andere Reise erkennen: eine nächtliche Überfahrt, eine verlassene Küste, einen Abschied oder schlicht den Moment, in dem man sich von äußeren Geräuschen löst.
Dass Hackett selbst betont, es handle sich nicht um die Art von Album, die Gitarristen normalerweise gemeinsam aufnehmen, ist nachvollziehbar. Hier geht es nicht um demonstrative Virtuosität, sondern um Atmosphäre, Geduld und gegenseitiges Zuhören. Gerade darin liegt die Einzigartigkeit dieser Zusammenarbeit: Hackett und Rothery bleiben jederzeit sie selbst, stellen ihre unverwechselbaren Fähigkeiten jedoch vollständig in den Dienst einer gemeinsamen Klangwelt.
Fazit: „The Roaring Waves“ ist somit ein eindrucksvolles, anspruchsvolles und zugleich zugängliches Album. Es zeigt zwei außergewöhnliche Gitarristen nicht als Solisten auf getrennten Bühnen, sondern als sensible musikalische Partner. Wer progressive Musik als Möglichkeit versteht, Geschichten ohne Worte zu erzählen, findet hier ein besonders stimmungsvolles Beispiel dafür.
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Label: Inside Out Music
VÖ: 28.08.2026
Laufzeit: 45:07 Min.
Herkunft: UK
Stil: Prog Rock



