PEST EMPIRE – Liberty Death (EP)

PEST EMPIRE – Liberty Death (EP)

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔06.Juni 2019
PEST EMPIRE – Liberty Death (EP)

PEST EMPIRE – „Liberty Death“ (EP)

Label: Eigenveröffentlichung

Laufzeit: 28:54 min

VÖ: 10.03.2019

Genre: schwarzmajestätischer Black Death Doom – die pure Magie!

Die deutschen PEST EMPIRE wagen sich mit ihrer dritten EP „Liberty Death“ ins dunkle Licht der Welt. Und das machen sie richtig so, denn die drei Eigengewächse nebst einem Cover wissen ausnahmslos zu begeistern.

Zu hören gibt es einen erhabenen, tonnenschweren, zähflüssigen Doom, der auf breiten Schultern getragen wird von Black und Death Metal. Da gibt es zumeist schwere Riffs, die sich dunkel und zähflüssig über mich ergießen. Das wabert und walzt sich grandios voran wie ein monströser Lindwurm, alles verschlingend, zerdrückend. Mit einem solchen Riff-Ungetüm beginnt es bereits im eröffnenden „X“, das sich im Laufe seiner knapp fünf Minuten langsam zu bedrohlicher Größe aufbaut, sich in eine schwarze Undurchdringlichkeit verdichtet, um nach einer kurzen gesprochenen Ansage in einem mächtigen Groove zu explodieren, über dessen stoische Feistigkeit sich ein schwebendes melodisches Gitarrensolo aufschwingt.

Darauf folgt mit „Fly With Black“ ein grandioses Stück Musik. Mit einem wütenden, krächzenden Schreien beginnen acht Minuten einer so finsteren wie erhabenen Gewalttätigkeit. In einem schweren Midtempo drängen dunkle Riffs voran, die mit grimmiger Wucht eine fein ziselierte Leadgitarre und eine heiser krächzende Stimme tragen. Dabei verschmelzen die wunderschöne Melodie der Gitarre und das wütende, aggressive Röcheln, zu dem sich eine zweite, dunkel growlende Stimme ergänzend gesellt, zu einem mystischen Mahlstrom, der in einer mitreißenden und emotionalen Eingängigkeit immer wieder auf und nieder schwillt, bis er erschöpft in sich zusammenbricht. Aus der Asche dieses versunkenen Königreiches erwacht jedoch die Melodie zu einem neuen, sanften Leben und formt sich aus einzelnen Tönen, scheinbar aus sich selbst heraus neue Kraft schöpfend, als schwarz leuchtende doppelköpfige Schlange aus Gitarre und Gesang weit hinaus in den unendlichen Kosmos. Das ist die pure Magie!

Und das abschließende Titelstück fährt schließlich noch einmal alles auf, was PEST EMPIRE ausmacht: Aus einer unverzerrten Gitarre entströmende Töne bauen sich mit einem erwachenden Schlagzeug ruhig und schleppend zu einem dunklen Berg auf, den ein einsamer Wanderer voller Würde und beseeltem Wesen besteigt, dabei mit seiner heiser verharschten Stimme düstere Botschaften reklamierend. Oben setzt er sich als kraftvoller König im rauhen Wind auf einen eisernen Thron, sein Land, seine Seele, sein Reich unter sich liegend. Spröde Riffs, manisch, an düstere Fanfaren erinnernd, roh, derb, darüber packende Melodien, die sich entfalten, verwinden, immer wieder verlieren, zerfasern und dann wieder vereinen können. Dann verdüstert sich der Himmel, verhängt sich mit schweren Wolken, aus denen es Blut zu regnen beginnt. Des Königs Stimme erhebt sich schwer und dunkel, schallt mit voluminöser und unbändiger Entschlossenheit empor, sich dem Schicksal widersetzend, all die Wesen anrufend, die er mit seinen mächtigen Händen zerreißen will. Denn er ist es, er ist der König! Nach einem letzten brachialen Aufbäumen schließt der Herrscher die Augen. Tod. Sieg. Legende.

Nun ja, die Coverversion von „Nightfall Guides Insomnia To Be An Everlasting Torture, With This Being The Consequence“ ist allerdings grandios gescheitert. Ich liebe und verehre Deinonychus, der gnadenlos dunkle Nihilismus eines Marco Kehren ist in seiner Vehemenz und Konsequenz unerreicht und unerreichbar. Aber es ist nicht allein die pure Unmöglichkeit einer auch nur irgendwie gearteten Reproduktion, an der PEST EMPIRE scheitern. Es ist auch die musikalische Umsetzung selbst, denn es fehlt an der Energie, an der zwingenden Härte und so wuchtigen wie punktgenauen Massivität, mit der Deinonychus agieren. Dem musikalischen Scheitern steht jedoch die leuchtende Botschaft gegenüber, denn es ist PEST EMPIRE nicht hoch genug anzurechnen, einen so unterbewerteten Künstler wie Deinonychus aus den dunklen Katakomben unserer Seele wieder in unser Bewusstsein empor zu zerren. Danke!

PEST EMPIRE sind großartig. Hier geht es eben nicht um instrumentale Kabinettstückchen oder egomanischen Musikernarzissmus, hier geht es um Attitüde, Authentizität, Habitus und Substanz. Hier geht es um Gefühle, um Leidenschaft, um Hingabe und Magie. Da ist es auch locker zu verschmerzen, dass das Schlagzeug ab und an wackelt und es dem Sound an Durchschlagskraft mangelt. PEST EMPIRE lassen ihre Musik atmen, lassen jeder Note Zeit, sich zu finden, lassen ihren Ideen Zeit und Raum, sich in die Herzen und die Seele der Hörer zu schmeicheln. Und das gelingt ihnen beeindruckend konsequent und nachhaltig. Es ist bei der Länge der Stücke beeindruckend, wie sehr ich zu jeder Sekunde von einem packenden Spannungsaufbau und einer monumentalen Würde gefangen genommen werde.

Fazit: PEST EMPIRE haben mit „Liberty Death“ großartige Kunst erschaffen. Ihr majestätischer Black Death Doom lebt, packt, umarmt. Er fordert und belohnt, mit Atmosphäre, mit hypnotischer, faszinierender Musik. Ich kann nur sagen: Unbedingt anhören. Das ist ein Befehl!

Liederliste:

1. X (Chapter III) (4:42)
2. Fly with Black (8:15)
3. „Nightfall Guides Insomnia To An Everlasting Mental
Torture, With This Being The Consequence“ (Cover) (6:22)
4. Liberty Death (15:57)

Quelle Bild: www.facebook.com/PestEmpire/

Diesen Artikel in einem Sozialen Netzwerk teilen

Ähnliche Artikel

Der Name der Rose (Serie)

Der Name der Rose (Serie)

Inhalt: Italien im Jahr 1327: Der Franziskanermönch William von Baskerville und sein Adlatus Adson von Melk erreichen ein abgelegenes Kloster in

Weiterlesen