VYRE – „Weltformel“

VYRE – „Weltformel“

📁 Reviews, Tipp der Redaktion 🕔11.Juli 2018
VYRE – „Weltformel“

VYRE – „Weltformel“

Label: Supreme Chaos Records / Cargo

Laufzeit: 52:18 min

VÖ: 20.04.2018

Genre: Den Kosmos umarmender Melodic Dark Science Fiction Death Metal voller Epik und der Weite der Seele

VYRE sind bisher an mir unbemerkt am Sternenhimmel vorbeigezogen. Das hat sich nun mit ihrer Scheibe „Weltformel“ grundlegend geändert, die mich als ebenso fordernder wie mitreißender und erfüllender Brocken kosmischer Energie gepackt und weit hinaus in das unendliche Universum meiner Seele geschleudert hat. Der pure Wahnsinn!

Vor allem, was jetzt folgt, muss eines klar gesagt werden: Noch viel mehr als sonst ist VYRE Musik, die sich neben allen objektiven und sachlichen Säulen zu großen Teilen allein auf einer sehr subjektiven, emotionalen und den innersten Kern unseres Seins berührenden Ebene erfassen, spüren, erfühlen, berühren lässt. Warum das so ist, ich weiß es nicht, auch wenn ich mich dies jedes Mal frage, wenn ich mich bereit mache, wenn mein Sein mich gar nicht fragt, sondern etwas in mir mich sanft, aber sehr bestimmt drängt, VYRE zu hören, auf meinen innersten Gipfel zu steigen, dort mit weit geöffneten Armen in den Himmel zu rufen und mich dann bereitwillig hinabfallen zu lassen. Denn ich weiß, VYRE fangen mich auf.

Schon der Beginn „Alles auf Ende“ kann mich mit seiner an Jean-Michel Jarre und Ego-Shooter wie Far Cry und Crysis erinnernden Atmosphäre dunkler Bedrohung und gleichzeitiger Verheißung begeistern. Danach folgen fünf zumeist lange Stücke von mindestens sieben bis über 10 Minuten – und ein von Stakkatoriffs und hypnotischen Synthieflächen bestimmtes Instrumental, das von einem schweren Groove unbarmherzig nach vorne gedrückt wird. Die Musik präsentiert sich dabei in einem transparent durchsichtigen Sound voller kraftvoller und raumgreifender Klarheit, und beim Hören stehe ich auf dem steinernen Boden einer großen Kathedrale, und aus einem weit geöffneten Oben ergießt sich ein warm wucherndes Schwarz über, in und durch alle Fasern meines Körpers tief hinein in mein Unterbewusstsein, mich streichelnd mit berührenden Melodien und eingängiger Tonmystik.

Denn genau davon lebt die Musik von VYRE. Von großen Melodiebögen, von wunderbar packenden Refrains, von spannenden Harmonien, durchzogen von einer knackigen Härte, treibenden Grooves, einem harten Schlagzeug, das mit interessanten Rhythmen, Tempowechseln und abwechslungsreichen Breaks eine jederzeit massive Basis liefert. Bestimmt wird die Musik trotz eines mannigfaltigen Einsatzes von Synthies in allen Farben und Formen – aber auch Cello und Violine – stets von Gitarren, von brachialen Riffs, von filigranen Leads, die Gefühle und Stimmungen erzeugen, hoch hinauf türmen, in sich zusammenfallen lassen und in grandiosen Spannungsbögen und Flügen quer durch den weiten Kosmos aus metallischen Eruptionen wieder brutal aufbäumen bis zu einem grandiosen Finale. Und zusammengehalten wird das alles dann von einem grandiosen Sänger. Herr KG Cypher weiß nicht nur mit einem Aggressivität wie Wärme perfekt in sich vereinigenden Growlen zu überzeugen, dass mich an den wunderbaren Michael Stanne von Dark Tranquillity erinnert. Auch mit einer warmen und gefühlvollen Klarstimme erschafft er das, was eine Stimme machen muss – Emotionen, Gänsehaut, Magie. Aus all dem entsteht Musik, die groß ist, die strahlt, die wärmt, die umarmt, die begeistert. Und wem das alles zu abstrakt ist: VYRE liefern Musik im Stile von The Kovenant, Arcturus, Vesania, Shade Empire und Samael. Und sie müssen sich hinter keinem dieser wahrlich großartigen Granden verstecken, sondern leuchten hell in einer Reihe mit ihnen.

Fazit: VYRE legen mit „Weltformel“ ein unglaublich spannendes, großes, weites Werk vor, das ebenso kompositorisch ausgefeilt ist wie berührend, mitreißend, fordernd, emotional. Das ist begeisternd und erfüllend. Hier gibt es nur eines: Musik anmachen, Augen schließen, und sich weit hineinfallen lassen in den warmen, dunklen, umarmenden Kosmos von harter Musik. Das ist ein Versprechen!

Liederliste:

1. Alles auf Ende (4:56)
2. Shadow Biosphere (7:49)
3. Life Decoded (7:52)
4. Tardigrade Empire (8:43)
5. The Hitch (We Are Not Small) (5:46)
6. We Are the Endless Black (7:31)
7. Away Team Alpha (9:41)

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