UNMASKED – „behind the mask“

UNMASKED – „behind the mask“

📁 Allgemein, Reviews 🕔18.Februar 2019
UNMASKED – „behind the mask“

UNMASKED – „behind the mask“

Label: Boersma Records

Laufzeit: 39:26 min

VÖ: 06.01.2019

Genre: mitreißender und intensiver Melodic Dark Death Metal

UNMASKED aus Bonn legen mit „behind the Mask“ ihr Debüt vor. Zu hören gibt es in fünf recht langen Liedern – vier knacken die Marke von acht Minuten – harte Musik, die ich als Melodic Dark Death Metal bezeichne. Und der ist packend, kraftvoll, mitreißend und verdammt fett umgesetzt.

Instrumental ist das alles überaus kompetent. Das beginnt bei den Gitarren. Die fahren mächtige Gebirge voller harter, dunkler Riffs auf, die sich vor dem Hörer undurchdringlich und massiv erheben und die Lieder unaufhörlich nach vorne schieben. Immer wieder fällt diese Gewalt abrupt in sich zusammen und macht Platz für gefühlvolle Leadgitarren, die filigrane, ja zarte Linien voller berührender Melancholie in unsere Herzen und Seelen fließen lassen. Und dann kommen da diese zu Tränen rührenden Soli, allen voran am Ende von „Home“: Das ist so herzzerreißend wie magisch! Diese traurige Eingängigkeit erwächst zudem aus dem Einsatz von Keyboard und Synthies in verschiedensten Variationen, allen voran den dominierenden Pianomelodien, die oftmals die Lieder mit einem zarten Thema eröffnen („Home“, „Gaia“, „Drenched in Blood“). Ab und an werden aber auch wabernde Synthieteppiche eingesetzt, die allerdings so originell wie gewöhnungsbedürftig sind. Entwickelt der krasse Kontrast aus fiesem Plastikmelodieteppich zu brachial sägendem Riff im abschließenden „Behind the Mask“ noch einen obskuren Charme, wirken die raumgreifenden Synthiewellen in „Drenched in Blood“ zu zuckrig und kleistrig, vor allem aber überflüssig, da die schweren Gitarren, die besondere Rhtyhmik und der variable Gesang den Song gemeinsam mit der wunderschönen Pianomelodie ausreichend tragen. Aber das mag auch Geschmacksache sein. Zu begeistern wissen auch Bass und Schlagzeug. Der Bass muss gegen die schiere Übermacht aus diesen massiven dunklen Rhythmusgitarren ankämpfen, kann sich aber bravourös und selbstbewusst behaupten. Und das Schlagzeug ist druckvoll und wuchtig, abwechslungsreich akzentuiert, und in den schnellen Teilen so brutal treibend wie in den walzenden Parts breitbeinig groovend. Auch der Gesang zeigt sich vielschichtig. Neben einem oft rezitativen Growlen (schön aggressiv in „Behind the Mask“) in mittlerer Tonlage wird immer wieder ein gemäßigt krächzender Gesang eingesetzt, der sich an manchen Stellen auf ein heiseres Flüstern reduziert („Home“). Im Ergebnis erinnert die Stimme gerne an Jon Nödtveit (R.I.P.) und Mille Petrozza auf dem leider sträflich unterbewerteten „Endorama“.

Und mit den späteren Dissection (Reinkaos“) und Kreator in ihrer melodischen Phase (neben dem genannten „Endorama“ auch „Outcast“ und „Renewal“) ist auch die Musik von UNMASKED ganz gut vergleichbar – und das sind ja wahrlich keine Heroen, für die man sich schämen muss. Vor allem in ihrer wirklich sehr stimmigen Symbiose aus dunkler Atmosphäre, kraftstrotzender Härte und melodischer Eingängigkeit reichen UNMASKED an die Genannten heran. Vor allem aber gelingt es der Band, ihre Musik stets spannend und überraschend zu gestalten, so dass die allesamt langen Stücke stets kurzweilig bleiben. Dabei nutzen UNMASKED die Länge kompositorisch geschickt für sich aus, in dem sie den Melodien und der Struktur der Lieder auch Zeit zur Entfaltung geben und so für eine ungemein lebendige Dynamik sorgen. Das führt dann zu solch großartigen Stücken wie dem mächtigen und mit einer mystischen Aura auf und ab wogenden „Gaia“, vor allem aber dem unglaublich dichten und hart stampfenden „Home“. Was für ein Brecher!

Fazit: UNMASKED gelingt mit „behind the mask“ ein fulminantes Debüt, in dem sich brutale Härte, flirrende Dunkelheit, tiefste Melancholie und berührende Melodik zu so komplexer und durchdachter wie mitreißender und großartiger harter Musik verbinden. Das ist moderner Melodic Dark Death Metal, der Leidenschaft, Hingabe, Begeisterung und Intensität atmet. Und er macht vor allem eines: ganz großen Spaß! Glückwunsch – und weiter so!

Liederliste:

1. No Regrets (8:10)
2. Home (5:47)
3. Gaia (8:20)
4. Drenched in Blood (8:30)
5. Behind the Mask (8:39)

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