Udo Lindenberg (D) – Das Vermächtnis der Nachtigall 1983-1998

Udo Lindenberg (D) – Das Vermächtnis der Nachtigall 1983-1998

📁 Allgemein, Musik, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔06.Dezember 2018
Udo Lindenberg (D) – Das Vermächtnis der Nachtigall 1983-1998

 

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals, am 20. September 1980, als pickeliger Jüngling zu einem meiner ersten Konzerte aufbrach. Gerade mal eben so im Stimmbruch, aber schon auf ein Rockkonzert. Dass meine Eltern das damals mitgemacht haben, wundert mich heute noch. „Die Heizer kommen“ hieß die Tour. Udo Lindenberg war damals schon groß, konnte die Eilenriedehalle in Hannover ausverkaufen. In seiner Band gab es gerade kurz vor der Tour einen Wechsel an der Gitarre gegeben und hatte mit Hannes Bauer einen Neuling an Bord des Panikorchesters zu begrüßen. Begleitet wurde „Uns Udo“ von Helen Schneider, die danach mit „Rock & Roll Gypsy“ richtig durch die Decke ging. Seit dieser Zeit gehört Udo für mich zu den größten Helden meiner Jugend. Auch wenn ich ihn im Laufe der Jahre ein wenig aus den Augen verloren habe, blieb er am Augenrand doch irgendwie immer präsent. Nicht umsonst gehört er zum deutschen Kulturgut wie wohl kein anderer Künstler. Er hat es verstanden mit seiner schnoddrigen Art sowohl jung und alt miteinander zu verbinden und darüber hinaus auch noch zur Völkerverständigung beizutragen. Legendär ist sein Treffen mit Erich Honecker, dem er 1987 eine Lederjacke und Gitarre überreichte und dafür im Gegenzug eine Schallmei erhielt.

 

Geboren 1946 in Gronau an der holländischen Grenze, fing er früh an sich der musikalischen Bildung zu widmen. Mit jungen 11 Jahren wurde er als Gag von der Oldtime-Jazzband engagiert, um sich hinter den Trommeln zu verdingen. Bereits zwei Jahre später gründete er mit den Dixie Devils seine erste eigene Band und gewann ein knappes Jahr später beim „Nordwestdeutschen Jazz-Jamboree“ den ersten Preis als Schlagzeuger.Von 1963 bis 1964 tingelte er mit einer Jazzband durch Frankreich und Nordafrika, kehrte nach Münster zurück und schloß sich der Band The Mustangs an. Danach zog es ihn nach Hamburg, wo er sich noch immer als Schlagzeuger unter anderem bei Klaus Doldingers Passport seine Kröten verdiente. Er spielte mit seinem Freund Steffi Stephan eine erste englischsprachige Platte ein, die aber floppte. Er merkte, dass Englisch nicht seine Sprache ist und wechselte zu Deutsch. 1972 erschien dann schließlich die erste „Lindenberg Platte“, die den Titel „Daumen im Wind“ trug und erste Lorbeeren einfahren konnte. Schließlich erschien 1973 das Album „Alles klar, auf der Andrea Doria“, auf dessen Cover zum ersten Mal groß „Udo Lindenberg und das Panik Orchester“ prangte. Neue Sounds mit einer der Jugend angepassten Sprache, die jeder verstand und gleichzeitig eine tiefe Verbeugung vor der Hamburger Musikszene darstellte, waren das Gebot der Stunde. Von da an ging Udo seinen Weg, produzierte Hits en masse und kann inzwischen auf über 36 Alben zurückblicken. In den neunziger Jahren verlor er wichtigen Boden und seine Songs fanden kaum mehr den Weg in die Charts. Doch wie ein Phönix aus der Asche kehrte er 2008 in die mediale Öffentlichkeit zurück und veröffentlichte mit „Stark wie Zwei“ das erste Album nach einer achtjährigen Abstinenz. Ein Comeback nach Mass, das bis heute anhält und ihn in die größten Stadien der bunten Republik Deutschland führt.

 

Nach seiner Karriere bei Telefunken wechselte Udo 1983 zum renomierten Polydor Label, bei dem er bis 1998 insgesamt 17 Studioalben herausbrachte. Viele dieser Alben waren im Laufe der Jahre nur noch sehr schwer erhältlich, wurden sie doch nie wieder neu aufgelegt. Damit soll nun aber Schluß sein, denn mit dem Boxset „Das Vermächtnis der Nachtigall“ erscheinen sämtliche Alben nun endlich erneut. Dabei beinhaltet die Box neben den regulären 17 Studioalben, alle remastert, auch noch zwei englische Alben, wovon „Casanova“ bis heute unveröffentlicht geblieben und „I Don’t Know Who I Should Belong To“ erstmals als CD erhältlich ist. Daneben gibt es noch ein weitere Raritäten-CD mit seltenen Aufnahmen und raren Mixen. Zusätzlich liegt der Box noch eine DVD bei, auf der 12 Musikvideos aus der Poyldor-Ära versammelt sind. Doch damit nicht genug. Denn eine Box diesen Ausmasses braucht auch eine bildliche Umsetzung und die ist mit dem dicken Hardcover-Buch ebenso vorhanden, wie ein doppelseitiges Poster. Die Linernotes des Buchs wurden verfasst von Musikjournalist Michael Fuchs-Gamböck.

 

Endlich kann man sich wieder an Alben wie „Odyssee“, mit dem Kulthit „Sonderzug nach Pankow“ (Glenn Millers „Chattanooga Choo Choo“), „Sündenknall“, mit seinem deutlichen achtziger Jahre Synthie-Sound, „Phönix“, mit seinem größten Hit „Horizont“, den beiden, seinen Eltern gewidmeten Alben „Hermine“ und „Gustav“ erfreuen, darf gemeinsam mit dem „Panik-Panther“ und „Benjamin“ in der „Zeitmaschine“ ab in den „Kosmos“ düsen. Es gibt wohl derzeit keine umfassendere Werkschau eines Künstlers, die auch nur annähernd an dieses Boxset heran reicht. Für Fans heißt es übrigens schnell sein, denn die Box ist auf 4.444 Exemplare limitiert.

 

Dabei gilt es auch Alben (wieder) zu entdecken, die lange Zeit nicht gehört wurden, wobei besonders seine Chansonalben „Hermine“, „Gustav“ und „Belcanto“ eine erneute Würdigung wert sind. An der Entstehung der Box hat Udo selbst mitgewirkt, hat es sich auch nicht nehmen lassen ein paar einleitende Worte zu finden. Man merkt, dass hier auch mit viel Liebe gearbeitet wurde um einem Künstler Ehre zu erweisen, was von Udo auch mit den abschließenden Worten „Ist ja echt alles super liebe- und ehrenvoll aufbereitet hier.“ kommentiert wird. In dieser Werkschau kann man vor allem die musikalische Entwicklung im Laufe der Jahre feststellen, schien sich Udo doch immer wieder neu erfinden zu wollen ohne seinen Wurzeln abzuschwören. Begebt euch auf die Entdeckungsreise und lasst euch vom Panik Panther unterhalten.

 

Fazit: Eine spezielle und zudem limitierte Würdigung eines der größten Künstler aus unserem Lande.

Box Set Inhalt:

 

CD 1:Odyssee (1983)
CD 2: Götterhämmerung (1984)
CD 3: Sündenknall (1985)
CD 4: Radio Eriwahn (1985)
CD 5: Phönix (1986)
CD 6: I Don’t Know Who I Should Belong To (1987) – ausführliches Tracklisting siehe unten
CD 7: Feuerland (1987)
CD 8: Hermine (1988)
CD 9: CasaNova (1988)
CD 10: CasaNova [englische Version] (2018) – ausführliches Tracklisting siehe unten
CD 11: Bunte Republik Deutschland (1989)
CD 12: Ich Will Dich Haben (1991)
CD 13: Gustav (1991)
CD 14: Panik-Panther (1992)

CD 15: Benjamin (1993)
CD 16: Kosmos (1995)
CD 17: Und ewig rauscht die Linde (1996) [Neuer Mix 2018]
CD 18: Belcanto (1997)
CD 19: Zeitmaschine (1998)
CD 20: Raritäten-Album (2018) – ausführliches Tracklisting siehe unten
DVD (Bonus): Musikvideo-Highlights (1983-1998) – ausführliches Tracklisting siehe unten

 

 

CD 6: I Don’t Know Who I Should Belong To (1987)
1. I Don‘t Know Who I Should Belong To

  1. Jonny Boxer
  2. Americans In Europe
  3. When The Sun Sets
  4. The Night
  5. Say No
  6. Germans
  7. Horizon
  8. Spy
  9. Sachliche Romanze

 

CD 10: CasaNova [englische Version] (2018)

  1. Dirty Old Man
  2. Piano Teacher
  3. Airport
  4. Jealousy
  5. KGB
  6. If You Were My Child
  7. Women
  8. Vopo
  9. Goodbye Sailor
  10. Es war einmal eine Liebe (Once Upon A Time There Was Love) (Instrumental)

CD 20: Raritäten-Album (2018)

  1. Nonnen (Klerikal-Radikal Turbo-Mix)
  2. Horizont (Extended Version)
  3. Ich lieb‘ dich überhaupt nicht mehr (Maxi Version)
  4. Ein Kommen und Gehen (Neue Version)
  5. Die Klavierlehrerin (Remix)
  6. Airport (Dich wiedersehn…) (Lange Version)
  7. 16 Jahr (Remix)
  8. Renate von Stich (Wix Mix)
  9. Du bist um die 70 (und gut drauf)
  10. Niemandsland (Version ’92)
  11. Der blaue Planet (Langer Anflug)
  12. Nana M. (Maxi Version)
  13. Ich schwöre (Rock Version)
  14. You can’t run away (SNP 3p Club Mix)

 

 

DVD (Bonus): Musikvideo-Highlights (1983-1998)
1. 98 Luftballons

  1. Bunte Republik Deutschland
  2. Die Klavierlehrerin
  3. Ich lieb dich überhaupt nicht mehr
  4. Germans
  5. Horizont
  6. Panik-Panther
  7. Renate von Stich
  8. Sonderzug nach Pankow – Live
  9. Verführung von Engeln
  10. Wo ich meinen Hut hinhäng…
  11. You Can‘t Run Away

 

Label: Universal Music

VÖ: 07.12.2018

Laufzeit: unglaublich viel

Herkunft: Deutschland

Stil: Rock

Webseite: http://www.udo-lindenberg.de/

Facebook: https://de-de.facebook.com/UdoLindenberg/

 

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