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The Imperial Mustard (D) Turn The Stone

Zugegeben bei dem Namen dieser Frankfurter Formation muss man erst etwas schmunzeln, jedoch musikalisch ist das solider Stoff: Krautrock

The Imperial Mustard (D) Turn The Stone

Zugegeben bei dem Namen dieser Frankfurter Formation muss man erst etwas schmunzeln, jedoch musikalisch ist das solider Stoff: Krautrock mit Psychedelic– und Space-Rock-Ambition, retro und zugleich zeitlos und das aus Deutschland. The Imperial Mustard präsentieren auf „Turn The Stone“ neun Tracks, die nicht geschniegelt auf Effekt gebürstet sind, sondern nach Schweiß, Verstärkerhitze und nächtlicher Eingebung klingen. Das ist Musik, die sich lieber in Trance schraubt, als nach dreißig Sekunden um Aufmerksamkeit zu betteln. Und genau das macht den Reiz dieses Albums aus: Es packt dich nicht mit dem Holzhammer, sondern zieht dich mit Groove, Wiederholung und einer erstaunlich präzisen Klangarchitektur immer tiefer hinein.

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Hört hier „Turn The Stone“ von The Imperial Mustard kostenlos an

Krautrock mit psychedelischem Flair Retro? Ja! Aber verdammt authentisch!

Schon „Black Sunday“ macht klar, dass The Imperial Mustard keine Lust auf geschniegelt aufgepumpte Retro-Simulation haben. Der Track marschiert mit Druck los, die Gitarren schneiden scharf durch den Raum und darunter arbeitet eine Rhythmussektion, die genau verstanden hat, wie man stoische Bewegung spannend hält. „On The Line“ zieht die Schraube danach dunkler an, wirkt nervös, latent angefressen und lebt stark vom Wechselspiel aus zäher Spannung und eruptiven Gitarrenfiguren. Der Titelsong „Turn The Stone“ nimmt anschließend Tempo raus, aber nicht Intensität. Das Ding schwebt, flimmert und saugt sich mit jedem Durchlauf tiefer in den Kopf. Gerade hier zeigt sich, wie gut das Sounddesign dieses Albums funktioniert: Delay, Raum und Dichte werden nicht als Dekoration benutzt, sondern als tragende Bestandteile der Komposition.

Auch Suse Michel ist dabei ein echter Trumpf. Ihr Gesang liegt nicht geschniegelt über den Tracks wie eine brave Vordergrundfigur, sondern sitzt mitten im Geschehen, rauchig, beschwörend und manchmal fast wie ein weiteres Instrument. Das passt zu einer Platte, die lieber Atmosphäre baut, als einem jeden Refrain einen Leuchtrahmen zu verpassen. „Hot Smoke“ kriecht herrlich unerquicklich aus den Boxen, „Beautiful Day“ spannt den Raum weit auf und zeigt, dass diese Band auch lange Läufe tragen kann, ohne komplett in Selbstverliebtheit zu ersaufen. Das Arrangement bleibt beweglich, die Gitarren kommunizieren ständig miteinander und der Bass hält den ganzen Laden mit trockenem Zug auf Schiene.

Improvisation, die tatsächlich trägt

Das Schöne an „Turn The Stone“ ist, dass die Platte zwar aus Improvisation geboren wurde, aber eben nicht nach beliebiger Jamsession klingt, bei der man nach fünf Minuten denkt: Ja danke, reicht jetzt. „Easy“ groovt angenehm schief und funky, „Deep Down“ bringt Verdichtung und Direktheit hinein, und „Orient V8“ zieht als instrumentaler Brocken eine hypnotische Linie durch den Raum, die auf Monotonie setzt und gerade deshalb funktioniert. Hier liegt die eigentliche Stärke von The Imperial Mustard: Wiederholung wird nicht als Ausrede genutzt, sondern als Werkzeug. Kleine Verschiebungen, ein anderer Gitarrenakzent, eine angespitzte Drum-Figur, eine neue Färbung im Hall – genau daraus entsteht Spannung.

Klar, nicht jede Passage schlägt gleich hart ein, und wer nur auf schnelle Hooks oder sauber abgesteckte Songstrukturen wartet, dürfte zwischendurch unruhig auf dem Stuhl herumrutschen. Aber das wäre auch die falsche Erwartung an so eine Platte. „Goodbye“ beschließt das Album mit einer angenehm schwermütigen Note und zeigt noch einmal, dass The Imperial Mustard Komposition und kollektives Spiel ziemlich genau austarieren können. Gerade deshalb bleibt am Ende nicht der Eindruck einer verkopften Kunstübung, sondern der eines Albums, das seine eigene Sprache gefunden hat. Krautig, psychedelisch, manchmal störrisch, oft hypnotisch und vor allem sauber gebaut. Kein Blenderstoff, sondern Musik mit Charakter, Reibung und ziemlich viel Sog.

Unsere Wertung:

7,25 von 10 Punkten

Unser Fazit:

The Imperial Mustard lassen mit. „Turn The Stone“ ist eine Platte zwischen Krautrock, Psychedelic Rock und spacigem Indie-Charme, die vor allem durch Sounddesign, kollektiven Groove und kluges Arrangement punktet. Wer Musik gern etwas offener, tiefer und hypnotischer mag, liegt hier ziemlich richtig.

Trackliste

CREDITS

Interpret: The Imperial Mustard
Titel: Turn The Stone
Herkunft: Frankfurt am Main, Deutschland
Format: Album
VÖ: 5. Dezember 2025
Genre: Krautrock | Psychedelic Rock | Space Rock | Indie Rock
Label: SLAGrec
Line-up: Suse Michel – Voice | Hank Wagner – Guitar | Carsten Eckermann – Bass | Gene Deja – Guitar | Stefan Myschor – Drums

Recorded and mixed at NextToGerard by: Hank Wagner & Carsten Eckermann

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Bandcamp

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