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Steven Wilson (UK) – Requiem For A Village

Steven Wilson – "Requiem For A Village": Willkommen im Dorf: intim, ambitioniert und angenehm exzentrisch

Steven Wilson (UK) – Requiem For A Village

Steven Wilsons neuntes Album „Requiem For A Village“ ist kein gewöhnliches Studioalbum. Es ist eher ein akustischer Spaziergang durch einen Ort, den es vielleicht nie gegeben hat – oder den man besser nicht bei Nacht besuchen sollte. Seit dem 6. November 2026 ist das Werk bei Fiction Records erhältlich und entführt seine Hörerinnen und Hörer 54 Minuten lang in eine Welt zwischen englischer Folklore, Geistergeschichte und psychedelischem Kunstrock.

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Schon das gedankliche Bühnenbild ist eindrucksvoll: In der Galerie hängen Bilder von Stanley Spencer, in der Bibliothek warten M. R. James und Algernon Blackwood, während auf dem Marktplatz die „Kinder der Steine“ spielen. Wer dabei an „The Wicker Man“ denkt, liegt nicht falsch. Wilson erschafft eine Atmosphäre, die zugleich idyllisch und unheimlich wirkt. Über allem liegt ein Sepiafilter, als hätte man eine vergessene Filmrolle aus einem staubigen Archiv gezogen.

Musikalisch überrascht „Requiem For A Village“ vor allem durch seine bewusst unperfekte, organische Produktion. Wilson wollte, wie er selbst sagt, zu einer Musik zurückkehren, deren „metaphorische Fingerabdrücke“ hörbar bleiben. Das gelingt ihm bemerkenswert gut. Statt jede Unebenheit digital auszubügeln, lässt er den Instrumenten Luft zum Atmen. Analoge Synthesizer flackern und schwanken, Instrumente sind nicht immer klinisch sauber intoniert, und manche Einsätze wirken eher ertastet als ausformuliert. Genau das macht den Reiz aus.

Wilson spielt auf dem Album unter anderem Geige, Oboe und Schlagzeug – Instrumente, die er nach eigener Aussage nicht vollständig beherrscht. Das klingt zunächst nach einem Risiko, erweist sich aber als zentrale Stärke des Albums. Die Musik wirkt dadurch nicht beliebig, sondern neugierig. Man hört einem Musiker zu, der sich selbst in unbekanntes Gelände begibt und aus kleinen Fehlern neue Farben gewinnt. Dadurch entsteht ein in sich geschlossenes Kunstwerk, das sich dem Hörer nicht sofort offenbart.

Die Mitwirkenden fügen sich stimmig in diese Klanglandschaft ein. Randy McStine steuert seine vielseitigen Instrumentalkünste bei, während Russell Holzman auf „Requiem For A Village“, „Now Departing“, „A Basket Of Bees“ und „Wheel“ für ein Schlagzeugspiel sorgt, das weniger auf demonstrative Wucht als auf Atmosphäre setzt. Katherine Priddy verleiht „Murmuration“ mit ihrer Stimme eine fragile, beinahe schwebende Qualität. Ihre Beteiligung gehört zu den stillen Höhepunkten des Albums.

Besonders ungewöhnlich ist die erzählerische Ebene. Eine Geschichte von Andy Partridge, dem Kopf von XTC, zieht sich durch das Album und wird von David Tennant gesprochen. Tennants markante Stimme verleiht den Zwischentönen und Passagen eine zusätzliche filmische Dimension. Dadurch fühlt sich „Requiem For A Village“ tatsächlich wie ein Kinoerlebnis für die Ohren an. Die Musik illustriert die Erzählung jedoch nicht bloß, sondern lässt genügend Raum für eigene Bilder.

Ganz ohne Geduld funktioniert das Album allerdings nicht. Wer nach sofort eingängigen Refrains oder klar abgegrenzten Singles sucht, könnte sich zunächst etwas verloren fühlen. Wilson setzt auf Übergänge, Stimmungen und Details. Einige Passagen wirken eher wie Szenen als wie traditionelle Songs. Doch gerade darin liegt die Konsequenz des Konzepts: Dieses Album möchte nicht nebenbei konsumiert werden und verlangt dem Hörer auch recht viel ab.

Fazit: „Requiem For A Village“ ist intim, ambitioniert und angenehm exzentrisch. Steven Wilson kehrt hier nicht einfach zu früheren Stilmitteln zurück, sondern entdeckt das Unfertige als kreative Möglichkeit neu. Das Ergebnis ist ein geheimnisvolles, warmes und gelegentlich verstörendes Album – ein musikalisches Dorf, in dem hinter jedem Fenster eine Geschichte beginnt. Die Bewohner wirken freundlich. Trotzdem sollte man vielleicht nicht zu lange bleiben.

  1. Swirl In A Lark’s Eye
  2. Requiem For A Village
  3. The Same River Twice
  4. Now Departing
  5. Hiraeth
  6. On Chapel Slope
  7. Murmuration
  8. Curcus Fingerprint
  9. A Basket Of Bees
  10. Great Green Map
  11. Wheel
  12. The Old God Is Buried

Label: Fiction Records/Virgin Music

VÖ: 06.11.2026

Laufzeit: 54:10 Min.

Herkunft: UK

Stil: Art Rock

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