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Passenger (UK) – Wild Love

Passenger – "Wild Love": Zwischen Aufbruch, Zweifel und dem Mut zur Nähe

Passenger (UK) – Wild Love

Passenger, bürgerlich Mike Rosenberg, ist bekannt für gefühlvolle Folk-Songs, warme Gitarren und Geschichten, die oft gleichzeitig persönlich und erstaunlich allgemeinverständlich wirken. Mit „Wild Love“, seinem ersten vollwertigen Album seit „Songs For The Drunk and Broken Hearted“ aus dem Jahr 2021, widmet sich der Multi-Platin-Künstler und Ivor-Novello-Preisträger einem besonders bewegten Thema: der Liebe in all ihren widersprüchlichen Formen.

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Das Album entstand aus Rosenbergs Erfahrungen als Ehemann und Vater. Dabei geht es nicht nur um romantische Glücksmomente, sondern ebenso um Unsicherheit, Veränderung und die Angst, sich auf einen neuen Lebensabschnitt einzulassen. „Wild Love“ klingt deshalb wie ein musikalisches Tagebuch über die Höhen und Tiefen einer Beziehung – ehrlich, nachdenklich und trotzdem erstaunlich leichtfüßig und authentisch.

Schon der Titelsong macht deutlich, worum es auf dem Album geht. „Wild Love“ ist eine zarte, vom Piano getragene Country-Nummer, in der sich Euphorie und Beklommenheit begegnen. Rosenberg beschreibt den Moment, in dem die Entscheidung für eine Beziehung gefallen ist: aufregend, aber auch beängstigend. Seine Stimme bleibt dabei angenehm unaufgeregt. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Stück Glaubwürdigkeit. Statt große romantische Gesten zu inszenieren, lässt Passenger Zweifel und Hoffnung nebeneinanderstehen.

Einen deutlichen Kontrast dazu bildet „Boomerang“. Der Song gehört zu den direktesten und energiegeladensten Momenten des Albums und wirkt wie eine aufmunternde Ode an Veränderung. Mit eingängiger Melodie und einem treibenderen Arrangement besitzt er viel Live-Potenzial. „Boomerang“ zeigt Passenger von seiner optimistischeren Seite und dürfte zu den Titeln gehören, die im Konzert besonders gut funktionieren. Gleichzeitig bleibt die Botschaft typisch für ihn: Veränderung kann unbequem sein, aber manchmal führt kein Weg daran vorbei.

Als Vorgeschmack auf das Album erschien „It Was Gonna Be You“. Der Song erzählt von einem früheren Kapitel und davon, wie Beziehungen zerbrechen können. Musikalisch klingt er allerdings überraschend hell und beschwingt. Klavier, Gitarrenriffs mit Americana-Einschlag und eine leichtfüßige Produktion sorgen dafür, dass der Titel nicht in Schwermut versinkt. Gerade dieser Gegensatz funktioniert gut: Inhaltlich geht es um Verlust, klanglich um Bewegung und einen gewissen Trost. Der Song zeigt, dass Liebe bei Passenger nicht nur als glückliche Ankunft, sondern auch als Erinnerung und Abschied existiert.

Ergänzt wird das Album durch eine Interpretation von Taylor Swifts „Willow“. Passenger nähert sich dem Stück mit seinem charakteristischen Folk-Gefühl und fügt es ohne größere Brüche in die Atmosphäre von „Wild Love“ ein. Coverversionen können auf einem persönlichen Album schnell wie Fremdkörper wirken, hier passt der Song jedoch erstaunlich gut zu den Themen des Albums: Anziehung, Hingabe und die Bereitschaft, sich auf etwas Ungewisses einzulassen. Letztlich ist ein ganz großer Anteil am Gelingen der wie immer eindringliche und warme Gesang, diese tief gehende Stimme.

Natürlich bleibt Passenger seinem vertrauten Stil treu. Wer auf radikale musikalische Experimente oder große stilistische Überraschungen hofft, wird vermutlich nicht fündig. „Wild Love“ setzt eher auf organische Instrumentierung, klare Melodien und emotionale Geschichten. Manchmal wirken die Arrangements etwas vorhersehbar, und nicht jeder Titel besitzt die unmittelbare Kraft von „Boomerang“ oder „It Was Gonna Be You“. Dafür überzeugt das Album als geschlossenes Gesamtbild.

„Wild Love“ ist kein Album über die perfekte Liebe, sondern über die echte: kompliziert, manchmal beängstigend, oft wunderschön und immer in Bewegung. Passenger gelingt es, persönliche Erfahrungen so zu erzählen, dass sie nicht privat oder schwer zugänglich wirken. Seine Songs bleiben offen genug, damit man eigene Erinnerungen und Gefühle darin wiederfinden kann.

Fazit: Wer Passenger bereits für seine warmherzigen Folk-Balladen schätzt, dürfte sich auf „Wild Love“ schnell wohlfühlen. Das Album liefert keine radikale Neuerfindung, aber eine reife und sympathische Weiterentwicklung seines Songwritings. Zwischen Piano, Akustikgitarren und Americana-Anklängen entsteht ein ehrliches Porträt von Nähe, Wandel und dem Mut, sich trotz aller Zweifel auf die Liebe einzulassen.

  1. Boomerang (Extended)
  2. It Was Gonna Be You (Extended)
  3. Caution To The Wind
  4. Catherine Wheel
  5. Wild Love (Extended)
  6. Willow
  7. California
  8. Lightning Strikes
  9. Bonnie’s Song
  10. Ghosts (Extended)
  11. It Was Gonna Be You
  12. Boomerang
  13. Ghosts
  14. Wild Love

Label: 100%/Bertus

VÖ: 06.11.2026

Laufzeit: 55:15 Min.

Herkunft: UK

Stil: Folk Rock

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