RINGS OF SATURN – „Gidim“

RINGS OF SATURN – „Gidim“

📁 Allgemein, Reviews 🕔26.November 2019
RINGS OF SATURN – „Gidim“

RINGS OF SATURN – „Gidim“

Label: Nuclear Blast Records

Laufzeit: 44:34 min

VÖ: 25.10.2019

Genre: progressiver technischer Death Metal mit Gehirnverschwubelungsgarantie

Die Amerikaner RINGS OF SATURN legen mit „Gidim“ bereits ihr fünftes Album seit 2009 vor. Ich kannte die drei Herren bisher nicht, die eine wirklich sehr einzigartige Musik machen. „Gidim“ enthält zehn Songs voller progressiver, extremer harter Musik, die sich für mich bei aller Unberechenbarkeit im großen Bereich des Death Metal einordnet. Aber das ist und kann nur ein grober Anhaltspunkt sein. Denn bei RINGS OF SATURN ist nichts so, wie es scheint. Das beginnt schon beim Namen. Ich werde nicht der Einzige sein, der die CD einschiebt, sich gemütlich zurücklehnt und auf abgedrehten Hippierock wartet. Was dann losgeht, das ist abgedreht, das ist völlig wahnsinnig, aber auf eine gänzlich andere Weise.

Wer Musik liebt, die sich nur schwer fassen lässt, die jederzeit überraschend und völlig unberechenbar daherkommt, der wird mit „Gidim“ sehr glücklich werden. Eingetrommelt von Trommelwunder Herrn Marco Pitruzzella (Six Feet Under) als Gast und begleitet vom genretypischen tiefen, wütend growlenden Gesang von Herrn Ian Bearer, sind diese doch nur winzige Meteoriten im Kosmos von RINGS OF SATURN. Denn hier dreht sich alles um die beiden Herren Lucas Mann und Joel Omans. Was die hier auf und mit ihren Gitarren angestellen, das ist einfach nur technisch herausragend. Hier gibt es nicht nur haufenweise harte Riffs und teilweise wunderschöne Melodien, sondern vor allem beängstigende Tonfolgen. Oftmals wunderschön wie im erstaunlich stringenten „Mental Prolapse“ mit dieser melancholisch singenden Melodie, ergeht sich das dann für mich doch leider zu oft in bloßer Saitenwichserei. Seht Euch nur mal die Videos bei Youtube an, dann wisst Ihr, was ich meine. Da reichen eben keine sechs Saiten mehr, da müssen es dann schon neun sein, um all die Flitzefingerfertigkeiten, die Fingerverknotungen und Achterbahnfahrten über ein Griffbrett heraus zu posen, das in seiner Dimension eher an eine Zither gemahnt. Den Liedern fehlt es mir insgesamt zu oft an Struktur, an Kontur, an Nachvollziehbarkeit. Für mich zeigt „Gidim“ – und dies sage ich mit einem hell leuchtenden Leider – all zu deutlich das, was progressive Musik eben nicht sein soll. So beeindruckend technische Leistung an sich ist, sie verkommt zur Lächerlichkeit, wenn sie sich selbst reduziert auf überragendes Handwerk und nur und ausschließlich um ihrer selbst willen dargeboten wird. Das ist nicht nur arrogant und egozentrisch, sondern auch eine Verunglimpfung von Musik. Viel zu selten erreichen RINGS OF SATURN mein Herz und meine Seele, viel zu selten fühle ich Leidenschaft und Fließen. „Gidim“ wird dennoch seine Hörer finden, denn es gibt garantiert für diese Musik eine Nische, in der sich all die Enthusiasten und Mitglieder der Musikerpolizei finden und an ihrem Können ergötzen werden.

Fazit: RINGS OF SATURN legen mit „Gidim“ ein Album vor, das nur so strotzt vor extremer, progressiver Musik. Bei aller technischen Finesse fehlt es mir an Plausibilität, vor allem aber an Seele. Letztlich muss hier aber jeder für sich entscheiden, ob ihm dieser handwerkliche Wahnwitz befriedigt. Denn überragend gespielt ist das alles allemal.

Liederliste:

1. Pustules (4:29)
2. Divine Authority (3:32)
3. Hypodermis Glitch (4:27)
4. Bloated and Stiff (4:36)
5. Tormented Consciousness (5:02)
6. The Husk (4:56)
7. Mental Prolapse (4:33)
8. Genetic Inheritance (3:56)
9. Face of the Wormhole (3:41)
10. Gidim (5:22)

Quelle Bild: www.facebook.com/RingsofSaturnband/

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