rekkorder Goes Mali / 3.9.-9.9.2018 oder: the hottest tour in my life

rekkorder Goes Mali / 3.9.-9.9.2018 oder: the hottest tour in my life

📁 Allgemein, Interviews, Live, Musik, News, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔13.September 2018
rekkorder Goes Mali / 3.9.-9.9.2018 oder: the hottest tour in my life

rekkorder GOES MALI 2018 oder:

 my hottest tour in life“

Montag früh, 3. September 2018, war es endlich soweit:

Ich durfte die Band rekkorder auf ihren Trip nach Mali begleiten. Theoretisch 3 Konzerte in 2 UN Camps, zu denen die Bundeswehr einlud. 2017 sollte das bereits geschehen, doch ein tragisch-tödlicher Unfall vor Ort, machte Feiern unmöglich, und so saß die Band dort ihre Zeit einfach nur ab. Umso größer die Freude, dass bis zum Abreisetag nichts passiert ist.

Schade nur, dass Air France etwas dagegen hatte, und den Flieger einfach mal abgesagt hat. Nach sehr langem Hin und Her, fand dann endlich die Umbuchung statt. So durfte ich leider erst 24 Stunden später zur Band stoßen. rekkorder selbst, konnten indes bewacht, die Hauptstadt Bamako (in gepanzerten Fahrzeugen / mit kugelsicherer Weste) begutachten, während ich es mir inzwischen, im UN Transit Camp Midgard gemütlich gemacht habe. Hier sollte ja eigentlich Dienstag Abend, das 1. Konzert stattfinden…sollte?

Ja, denn das Equipment wurde direkt ins 2. Camp geliefert. Also musste am Abend, ein kleines friedliches Gitarrenbattle mit holländischen Soldaten reichen.

Mittwoch früh hieß es dann: Abflug mit einer kl. Propellermaschine (für die Nerds: Typ Beech Craft), ins 1200 Km entfernte Gao im Norden Malis. Dort wächst derzeit das größte UN Camp in Mali – Camp Castor. Etwa 900 Soldaten und Beschäftigte der Bundeswehr, arbeiten Hand in Hand mit knapp 300 Kameraden und Kollegen aus u.a. Holland, Belgien, Schweiz, Kanada, u.v.m.

Die Reise nach Mali, war nicht nur aus musikalischer Sicht spannend. Als wir (auch im gepanzerten Spezialfahrzeug) vom Flughafen kommend im Camp Castor eintrafen, lernten wir Oberstabsfeldfewebel Morris („…ohne Philip…“) kennen. Sehr freundlich und geduldig, beantwortete er (fast) alle Fragen, bevor wir sie stellen konnten, und zeigte uns die Chalets für die nächsten Tage. So heißen die zu Zimmern, bzw. Stuben, umgebauten Container. Das Haus, in dem sich unsere Chalets befanden, wurde Treurenburg getauft (holländisches Städtchen). Danach lud uns Morris zu einer kleinen Camprunde ein, damit wir mal einen kleinen Blick auf das bekommen, was hier hier eigentlich getan wird. Er erklärte uns die Aufgaben, die Fahrzeuge, die wir hier zu Gesicht bekommen, die Gerätschaften, die Camp-Infrastruktur (unglaublich beeindruckend, was hier in der Wüste, in der Sahara, geschaffen wurde), und vieles mehr. Um es mal kurz mit eigenen Worten zu erklären:

Der Krieg in Mali ist seit einigen Jahren vorbei! Und Krieg führen ist anders! Hier wird hauptsächlich überwacht, und das ist auch gut so. Dass das in einem von Bürgerkrieg gebeutelten Land nicht immer nur friedlich von statten geht, ist selbstredend. Doch um Infrastrukturen zu schaffen wie Schulen bauen, Polizei ausbilden, Krankenhäuser bauen, u.s.w., benötigt man umfassenden Frieden. Leider gibt es immer wieder Querköpfe, die das anders sehen…und so wird alles noch überwacht und ich denke, Mali wird noch eine Zeit lang, Hilfe benötigen…

Bei etwa 40-45°C (in der Sonne auch gern viel mehr), liefen wir eine sog. kleine Runde und entdeckten auch den Container, in dem das Band-Equipment untergebracht war. Und lernten ganz nebenbei, wie wichtig Wasser ist, denn selbst spazieren gehen, ist extrem schweißtreibend. So war auch jeder, immer mit einer Flasche ausgestattet.

Wir ließen aber den Mittwoch recht ruhig ausklingen, lernten noch unseren direkten Ansprechpartner Oberfeldwebel Robin kennen, der am Abend noch ein Meeting mit der Camp-eigenen Band arrangierte. Die 4 Herren nennen sich DIE CASTORS und spielten für uns spontan ein kleines 3-Song-Konzert in ihrem, ähh…Probecontainer! Wir kamen mit den sehr freundlichen und versierten Hobbymusikern ins Gespräch und hörten von den Problemen, die man hier in der Wüste als Musiker hat. Sei es die Instrumentenbeschaffung, die Halbwertzeit von Saiten bei den Klimaverhältnissen, welcher Kollege nicht mitproben kann, weil er grad im Einsatz ist…oder seine Zeit im Camp einfach abgelaufen ist.

Grundsätzlich möchte ich auch erwähnen, dass uns die Mitarbeiter und die Streitkräfte in den Camps, superfreundlich behandelt haben. Nicht ein einziges Mal Großmäuligkeit, Überlegenheitstum oder arrogantes Gehabe, und was es sonst noch alles gibt. Zugänglich, gesprächsfreudig, zu jeder Zeit hilfsbereit…Musik verbindet!

Robin zeigte uns noch die Castor Bar, in der rekkorder am Donnerstag spielen sollen. Auf dem Platz vor der Castor Bar, sollte dann Freitag der große Gig steigen. Total abgefahren auf einem Trailer (recht flachliegender LKW-Anhänger) der holländischen Freunde, der noch angekarrt wird. Doch es zeigten sich noch 1-2 Probleme, was das Filmen und Fotografieren betrifft, welches natürlich in einem UN Camp ohne Sondergenehmigungen (logisch) verboten ist (auch die Verschärfung der Datenschutzgesetze spielt dabei eine wesentliche Rolle). Auch zum Thema Bekleidung war noch nicht wirklich das letzte Wort gesprochen, denn für die Soldaten besteht grundsätzliches Verbot für Shorts im Dienst. Im „Speisesaal“ sowieso,…und wir hatten alle irgendwie nur 1 lange Hose dabei.

In Mali wird es derzeit sehr früh, zwischen 18 Uhr und 18.30 Uhr (und sehr schnell) dunkel, so dass wir alle gegen 21.30 Uhr den Weg ins Bett fanden.

Recht gut ausgeruht, kamen wir am Donnerstag nach dem Frühstück, schnell zum Tagesgeschäft. Robin organisierte für uns einen Termin im Drohnen-Hangar. Wir konnten ziemlich exklusiv die aktuelle HERON Drohne „begutachten“ (ja, sogar anfassen!) und dem freundlichen Herrn von Airbus (Wartung) Löcher dazu in den Bauch Fragen, die er uns auch (fast) alle beantworten konnte. Wir waren alle erstaunt, wie groß so ein Gerät tatsächlich ist und was es alles kann! Zur Info: hier sind nur waffenfreie Drohnen unterwegs! Aber um die Sicherheit gewährleisten zu können, rund um die Uhr. Kameras & Elektronik – made in germany!

Doch wir kamen nicht drumherum, und das Material, musste ja aus dem Container, in die Bar geschafft werden. Auch hier half die Bundeswehr wieder mit allem, was zur Verfügung stand. Zwischendurch lernten wir einen 10–minütigen Regen a la Mali kennen. All das hierher geflogene Material, muss erstmal zur Bühne werden. So wurde 5,5 Stunden lang gebaut, geschoben, getragen, gehoben, gebastelt und verkabelt. Nun sind wir alle auch Veranstaltungstechniker! Noch einen schnellen Soundcheck, Kameraaufbau und knapp 30 Minuten, bis es offiziell beginnen sollte. Fix essen, umziehen und um 18.45 Uhr war es dann endlich soweit!

Der Großteil der Zuschauer waren Kanadier, die nicht nur Höflichkeitsapplaus spendierten, sondern auch einen sehr zufriedenen Eindruck machten, als rekkorder Mali dann endlich zeigen konnte, wie moderner Rock zu klingen hat. Es waren nicht viele Soldaten aus Deutschland anwesend, doch die in der Castor Bar an dem Abend waren, zeigten sich auch sehr zufrieden, mit dem musikalischen Gewitter auf der Bühne.

Eigentlich ein kleines Wunder, denn wer schon mal bei den Temperaturen mehr als sein Körpergewicht rumschleppen musste, weiß, was die Herren aus Hamburg geleistet haben. Die Temperaturen sind mehr als gewöhnungsbedürftig und wir schüttelten alle nur den Kopf, als wir die Männer bei der Hitze laufen sahen.

Respekt, nach wahrscheinlich max. 5 Minuten wäre ich wohl desertiert. Letztendlich haben sich Nina, Bernd, Nic, Antonio und Nils nicht weniger verausgabt, als die Sportler hier… Das Wasser lief in Strömen doch rekkorder zeigten trotz aller Strapazen alle Spiellust, um diesen Warm-Up Gig so fett (und laut!) wie möglich zu gestalten. Die knappen 40 Minuten vergingen wie im Flug und die Dame konnte mit ihren 4 Bandkollegen, selbstredend von sich überzeugen. Pech für diejenigen, die die Bar ziemlich pünktlich zum Gig verließen…

Setlist:

Save What’s Left

Hello

Leave

Locked

October

Sound Of Light

Upside Down

New Day

Nephilim

Heat

Public Enemy

The Right Way

Daylight’s Fading

Back In Black

Die anwesenden 60-70 Nasen fanden es geil, haben geklatscht und wollten mehr! Es wurden noch diverse Gespräche mit Soldaten aus aller Herren Länder geführt, und natürlich entstanden dabei auch Gespräche, die über die Musik hinaus führten. Aber der Warm-Up war aus meiner Sicht gelungen. rekkorder haben hier eine sehr gute Visitenkarte hinterlassen. Komplett nassgeschwitzt (natürlich funktioniert derzeit keine Klima-Anlage in der Bar), zog es uns alle zum 2-Minuten-Wässern unter die Duschen.

Da es doch tatsächlich mal regnete, die harte rote afrikanische Erde nicht viel Wasser aufnahm, und das Camp schnell wie die Seenplatte in Mecklenburg Vorpommern aussah, hofften alle auf einen trockenen Freitag, denn der Hauptgig Open-Air stand bevor, und dafür hat sich die Bundeswehr etwas ganz besonderes ausgedacht…

An dieser Stelle angemerkt: festes Schuhwerk ist auch in Afrika, manchmal Gold wert!

Freitag:

Nach einer weiteren guten Portion Nachtschlaf und einem ausgiebigen Frühstück, ging es weiter im Terminplan. Zuerst stand ein kleines Interview und Viedeoaufnahmen mit unserem „Unterhaltungsmanager“ Robin an, der uns wirklich viel ermöglicht hat. Mit dem Beauftragten für Datenschutz, etc., wurde man sich auch einig. An dieser Stelle nochmal einen dicken Dank für den Einsatz, denn nun hatte ich das offizielle „Ja“, um die Band auch auf dem Platz vor der Castor Bar, auf diesem Trailer, zu filmen und zu fotografieren. Die Bundeswehr stellte 2×2 Container neben dem Trailer, bzw. hinter die Bühne, und schon gab es überhaupt keine Probleme mehr. Kein Teil des Lagers musste mitgefilmt werden und die Frage, wie man das Banner der Band befestigt, wurde damit auch automatisch beantwortet (sieht man mal von der Kletterei ab, die uns aber erspart geblieben ist). Doch wichtiger war in dem Fall der Datenschutz. Keinen Soldaten fotografieren ohne schriftl. Erlaubnis und schon gar nicht irgendwelche Teile vom Gelände, Fahrzeuge, etc., fotografieren. Es war nicht leicht, die betreffenden Offiziellen mit Engelszungen davon zu überzeugen, dass ich wirklich nur die Band auf der Bühne filmen und fotografieren möchte. Klar wäre es interessant gewesen, vor ´nem Panzer o.ä. zu posieren, aber das war nie der Plan und dafür gibt es letztendlich ja auch Museen. Man muss diesen UN Auftrag nicht wg. solchen Blödsinn riskieren, denn hier herrscht immer noch die höchste Sicherheitsstufe.

Das große Bangen um die Wetterprognose dauerte bis 12.30h! Sollte es nur einen Funken Deutung geben, dass es regnet, würden wir wieder in der Bar spielen. Bleibt es trocken, wird es der erste Gig für rekkorder unter freiem Himmel in West-Afrika.

Total abgefahren auf einem Trailer des holländischen Kontingents, mit BBQ und (fast) allem drum und dran! Fast? Ja, denn auch zu solchen Feierlichkeiten, gibt es nichts anderes als alkoholfreie Getränke, doch Dank der kanadischen Freunde, und den mit dem rekkorder infizierten Virus angesteckten deutschen Soldaten seit gestern Abend, sind wir guter Dinge gewesen, was das Publikum betrifft.

Während die Band in der Wüste Malis, in der prallen Sonne, tonnenschweres Equipment durch die Gegend schleppen und aufbauen musste (wieder waren zig Helfer der Bundeswehr parat um mit anzupacken), zeigte mir Morris einen anderen Teil des Camps, damit ich auch mal ein bisschen was vom Land sehen kann. Und es sah aus, wie man es sich vorstellt und auch aus zig Dokus kennt: Platanen, Wüste und ein paar Lehmbauten, mitten in der Sahara, in Mali. Auch hier gab es leider wieder keine Fotos, was mir ja auch von vornherein bewusst und klar war. Trotzdem sind es im Kopf gespeicherte Bilder, die ich hoffentlich nie vergessen werde, denn wer weiß, ob ich in meinem Leben je noch mal dazu komme, ein Konzert in der Wüste aufzubauen und zu erleben!

Egal, ist mehr Platz auf sämtlichen Speicherkarten, für das abendliche Geschehen. Inzwischen gab es auch viele Zusagen anderer Soldaten, und durch die Lautstärke der Band am Vorabend, wurden immer mehr Menschen im Camp neugierig auf das, was sie hörten. Robin sagte, dass es heute wohl knackig voll wird. Der Platz vor der Castor Bar wurde mit Stehtischen ausgerichtet, damit die vielen Damen und Herren auch schön nah vor die Bühne kommen (was sie auch alle glücklicherweise getan haben). Das Set war nach knapp 5 Stunden aufgebaut und die Lampen positioniert. In der Dunkelheit wird es garantiert noch Nacharbeiten geben, damit die Bühne so einigermaßen vernünftig für die Hamburger Modern Rock Show ausgeleuchtet wird (was natürlich nicht so gekommen ist, aber irgendwie doch gereicht hat).

Der Abend rückte immer näher und die Sonne drehte ihre Runde zur guten Nacht! Zur lauten Nacht. Heute wird es garantiert keine gefährlichen Krabbeltiere geben, nur die übliche Überzahl an Mücken und anderen Fluginsekten, die hier meist bedeutend größer sind, als das Viehzeug daheim. Um 19.15 Uhr wurde dem Kontingent, welches Mali verlassen darf, gedankt und die neuen Kameraden / Kameradinnen begrüßt. Kurz nach 19.30Uhr ging es dann endlich los…

Es waren bestimmt keine 1200 Soldaten und Soldatinnen vor Ort, doch der Platz war voll und ich schätze, dass etwa 480-500 Nasen hören und sehen wollten, was da gleich auf der Bühne passiert. Die gefühlten 9 Milliarden Mücken und beißenden Käfer rund ums Licht, hatten leichte Beute, und wir boten ein feines Festfressen für die nächsten, mindestens 12 Wochen. Doch das tat der Spiellaune der Band und der Feierlaune keinen Abbruch.

Es ging los mit „Save What´s Left“ und die Meute wollte mehr! Das gab es: „Hello“, „Leave“ und „Locked“ folgten, garniert mit Ninas Begrüßung und vielen kleinen Ansagen zwischendurch. Ich weiß nicht, was sie gestochen hat, doch sie wollte unbedingt vor den Soldaten Liegestützen machen, und wie man es auch kennt, wurde natürlich immer nur „eins“, „eins“, „eins“, gezählt, anstatt fortlaufend. Die Herren und die Damen im Publikum hatten ihren hellen Spaß daran, auch endlich mal wieder etwas mehr Faxen machen zu können, als der doch meist triste Lageralltag hergibt. ICH hätte bei dem Klima nicht eine einzige Liegestütze gemacht, aber das ist wieder ein anderes Thema! Die Band spielte bei superben Sound weiter und genoss wohl mehr die wenigen Sekunden Pause. Die Songs „October“ & „Sound Of Light“ folgten und ließen selbst die letzten Zweifler unter den Zuschauern endlich etwas aus sich herausgehen und feiern. Große Extrafreude kam auf, als die Sängerin ihr Top auszog und sie sich bei dem Wetter, mehr oder weniger wie am Strand präsentierte (NEIN, nicht das FKK Camp). Hier und da lief doch etwas Sabber aus dem Mundwinkel der männlichen Zuschauer in den ersten Reihen, doch zum Glück hat die kleine Kolumbianerin bedeutend mehr drauf, als mit Soldaten zu flirten, was aber an dem Abend besonders gut ankam und die Leute dann doch bis direkt vor die Bühne lockte! An der Stelle war bereits glasklar: rekkorder haben Mali friedlich und laut erobert! Ob männlich oder weiblich, alle feierten die Band aus Deutschland im Rahmen des Möglichen. „Zu den Songs „Upside Down“, „New Day“, Nephilim“ & „Heat“, gab es nochmal gratis Proteine für alle durch verschluckte Insekten. Auf Grund einiger fehlender Informationen, wurden zwar alle von den Käfern und Mücken regelrecht aufgefressen, aber ich denke, das war es wert. Die Band spielte tight und sicher, und konnte mit eigenen Songs alle überzeugen. Besser, als es manch pure Coverband tut… Doch leider hat alles mal Ende. „Public Enemy“ & „The Right Way“ beschlossen den regulären Gig. Es folgte die Zugabe (und zukünftiger Album Track) „Daylight´s Fading“ und es wird höchste Eisenbahn, dass sich die Band an ihr 2. Album ran macht, denn der musikalische Ausblick in Form des neuen vorgestellten Songs, lässt Großes ahnen! Die Laune war vor und auf der Bühne, durchgehend sehr gut und als kleines Gute Nacht Schmankerl, gab es noch „Back In Black“ von AC/DC, auch vorgetragen von der kleinen Frau mit der großen Stimme, die zu jeder Zeit das Publikum fest im Griff hatte.

Natürlich haben auch die anderen Musiker einen großartigen Job abgeliefert (obwohl auch sie von Mücken und Käfern zerfressen wurden); Bassist Antonio springt wie ein Derwisch über die Bühne und erinnerte ein wenig an die großen durchgeknallten Bassisten dieser Welt; eine leichte Mischung aus R. Trujillo (Metallica, Suicidal Tendencies) und Flea (RHCP). Drummer Nick spielt äußerst leidenschaftlich seinen ganz eigenen Groove, der natürlich wie Faust auf Auge zum allgemeinen Bandsound passt, bzw. mit Antonio eine harte, aber groovende Basis zu dem Modern Rock Sound bildet.Wenn Gitarrist Bernd in die Saiten greift, wirkt er etwas, wie aus einer anderen Welt. Er ist derzeit der Übergang von „Spaß und Krach“ zu „konzentrierten Ruhepol“, ohne dabei das Publikum zu vergessen, um auch mit der Audience gemeinsam feiern zu können. Wirklicher Ruhepol ist Sologitarrist Nils, der ruhig und besonnen, aber mit nicht weniger Spaß, wunderschön soliert. Leider ist dieser Gig in Mali sein letzter mit rekkorder, die danach zu viert weitermachen. Aber welcher Musiker kennt das nicht? Manchmal muss man halt Prioritäten setzen, wenn sich Freundin / Frau, Freizeit oder Job nicht mehr wirklich mit Band vereinen lassen. Ich wünsche Ihm weiterhin alles Gute auf seinem Weg und ich habe großen Respekt, dass er die Reise nach Mali auf sich genommen hat, um die Bandkollegen zu unterstützen.

Zum Glück hat die Bundeswehr ein knappes Dutzend Männer bereitgestellt, um diese supergeile Bühne auf dem Trailer wieder abzubauen und in die Cases zu verstauen, bzw. die Cases und die Boxen in die Bar zurückzuschleppen, damit am nächsten Tag alles Rückflug-bereit, parat steht. Danach ging es nur noch unter die Duschen, denn satt waren alle durch das nebenbei verschluckte Insektengetier.

Es hagelte von allen Seiten Lob und vor allem Dank, damit geht man gern schlafen.

Samstag, letzter Tag in Mali:

Am nächsten Morgen, hieß es dann Wunden lecken und von noch mehr Seiten Dank einheimsen! Danke für die Musik, für die Show, für´s „Rumkommen“, usw. Das geht selbst mir als begleitender Harry Hirsch sehr nah, das ist rührend und ergreifend. Wir gingen zum Frühstück, besprachen die heutigen Termine (Abreise, u.s.w.) und fingen an, unser (schweißklammes und auch müffelndes) Klamottengerümpel zu verstauen.

Nach dem wirklich herzlichen Abschied aus Gao, flogen wir wieder ins Camp Midgard in Bamako zurück, bis gegen 23 Uhr unser Flieger in Richtung Europa zurück, abhob.

Impressionen:

Es ist schon beeindruckend, was die UN hier auf die Beine gestellt hat. Super Essen, geordnete Infrastruktur im Lager, Frisör, PX Shop, Tante Emma Laden, Feldpost, sehr gemütliche Bar…ich würde es gehobenes Festivalniveau nennen. Nur 2 Minuten Duschzeit sind hart… Vom Land Mali, haben wir leider nicht so viel mitbekommen. Der Frieden steht hier noch auf ziemlich wackligen Beinen, bis 2015 herrschte hier erbitterter Krieg zwischen…gegen wen eigentlich? Zig versch. ethnische Gruppierungen betrieben Territoriums- und Machtkämpfe, irgendwie jeder gegen jeden. Auch die Armut und Vermüllung sind ein nicht klein-zusprechendes Thema (während wir am dekadenten Präsidenten-eigenen Flughafen-Terminal vorbeifahren…). Hätte ich aus dem Flugzeug nicht auch die schönen Seiten sehen können, hätte ich behauptet, wir wären hier auf ´ner großen Mülldeponie, wo jeder seinen Müll anzünden darf, egal was / egal wo! Gerne auch direkt neben Dieseltanks… Neben und mitten den Maisfeldern wurde Müll wirklich JEDER ART verbrannt…Plastik, Autoreifen, uvm. Dann gibt es immer noch Menschen, die mit irgendwas an den Füßen, durch den giftigen Dreck nach nicht verbrannten Edelmetallen wie Kupfer (Kabel, PC Zubehör) und Batterien suchen, die nicht im Feuer explodierten. Auf diesem kontaminierten Boden, legen die Malinesen (oder Maliser?) dann ihre Felder an. Dass das nicht gesund ist, ist denen erstmal egal. Doch mit Hilfe der vereinten Nationen, wird das Land langsam nach und nach befriedet. Natürlich gefällt das nicht allen Völkergruppen, weshalb die UN leider auch nicht immer waffenlos zusehen kann. Doch ich würde behaupten, es geht voran, wenn man die TV Bilder aus den Kriegsjahren im Hinterkopf hat. Was uns dabei noch durch den Kopf ging: die Menschen haben hier eine ungefähre Lebenserwartung von etwa 50 Jahren. Und doch sind wir auch der Meinung, dass viele Menschen hier einfach nur glücklich sind! Im Vergleich zu Deutschland und seinen Einwohnern, wahrscheinlich noch viel glücklicher! Was sind hier die Alltagsprobleme und was macht sich der Mittel-Europäer zum Problem? Wehe, wenn die Kaffeemaschine nicht läuft…oder mal kein warmes Wasser aus dem Hahn an der Wand läuft…+ diverse andere Luxusprobleme. Es interessiert hier niemanden, worauf der Mais wächst, oder ob die Flammen jetzt doch zu nah gegen die parkenden Tanklaster schlagen,…das macht sie doch glücklicher, oder?

Unsere Stuben / Chalets sind nicht viel größer als Zellen gewesen. Gut runtergekühlt (auf 25°C), durch zig Klimageräte in allen Größen. Diese umgebauten Container wurden von außen nochmal geschützt, dadurch hat keins dieser Chalets ein Fenster. 2-4 Betten, Strom (kein WLan), für jeden einen Schrank, muss reichen. Und eigentlich reicht das auch, für ein paar Tage…doch ich kann mir die psychischen Belastungen sehr gut vorstellen, hier vllt. 4-6 Monate untergebracht zu sein. Die Entfernung zu den Lieben daheim, das Klima, das Unerwartete, wenn es auf Wachfahrten geht, überall diese erzhaltig-schmeckende rote Erde Afrikas, deren Staub einen wohl noch Wochen nach Rückkehr verfolgen wird,…ich bin froh, das alles mal persönlich kennengelernt zu haben. Doch soviel Zeit für Langeweile gibt es letztendlich auch nicht, denn die uniformierten Damen und Herren aus aller Herren Länder, haben natürlich alle einen Job, der erledigt werden muss. So gibt es halt wirklich viel Entertainment jeder Art, um alle bei Laune halten zu können, damit sich kein Lagerkoller breit macht.

Es ist schon ein bisschen schade, dass wir nicht wenigstens auf ´nen Turm konnten, um mal wenigstens einen umfassenderen Blick nach draußen werfen zu können, denn wir sind nicht weit entfernt vom Niger (aber entfernt genug, um ihn nicht vom Lager aus zu erkennen). Auch die Flora und Fauna hält einige unbekannte Überraschungen parat: bunte Pflanzen, faustgroße Heuschrecken die auch wunderschöne Farben haben (einen nicht wirklich angreifen, aber sie können mit ihren stacheligen Beinchen einem hübsch die Haut in Streifen reißen), Käfer die man besser wegschnippst anstatt platt zu schlagen (sie sondern dann eine Säure ab, die für starke Verbrennungen, gar Verätzungen sorgen kann), Kamelspinnen die den Schatten mögen (und einen dabei gern im Schatten verfolgen), sowie Eidechsen, von deren Größe manch Hobbyzüchter träumt. Lustige und friedliche Gesellen. Wenn sie Menschen zu nah kommen (oder umgekehrt), plustern sie sich auf, gucken regelrecht blöd aus der Wäsche, und ziehen ratzfatz weiter. Achja, die erwähnten Kamelspinnen werden auch gern mal 15-20 cm groß und sind nicht „nett“, wenn man es drauf anlegt. Viele kleine und große, extrem bunte Vögel haben Stellung auf den Dächern der Chalet-Containerhäusern bezogen und wenn sich ein Hubschrauber o.ä. nähert, verdunkelt sich mal kurzfristig der Himmel. Einfach nur wunderschön anzusehen, was Afrikas Natur zu bieten hat, und das ist ja hier nur ein kleiner Bruchteil. In Bamako zogen nachts gern „Flughunde“ ihre Runden über´s Lager, die der Familie der Fledermäuse angehören – nur 2-3 Nummern größer.

Auch die Gespräche mit einzelnen Soldaten und Mitarbeitern aus dem zivilen Bereich (Küche, Wartung einzelner Geräte wie Drohnen, Kühlanlagen) waren interessant und aufschlussreich, wenn es um die Arbeit, das Leben hier und ihren Gefühlen ging, wenn wir von daheim und den Familien sprachen. Doch sind sie alle gern bei der Bundeswehr, und das aus den verschiedensten Gründen. Für mich eines der Top 3 Abenteuer in meinem Leben. Für die Soldaten lediglich ein Job, der auch recht gut vergütet wird. Dazu noch 2 megageile Konzerte einer Band, die ich bis davor, noch nicht live sah, und dann Premiere, knapp 5000 Km von daheim entfernt.

Aber es wird natürlich eine Liste mit Verbesserungsvorschläge bei der Bookingagentur eingereicht. Nur kurze Klamotten kann man einpacken, wenn man in den Urlaub an den Strand fährt. Beim Militär gibt es nur bei der Marine Shorts, hier herrscht Shorts-Verbot! Zum einen aus hygienischen Gründen, zum anderen für den eigenen Schutz. Auch festes Schuhwerk ist besser, als Sneakers…und so kommt einiges zusammen, was uns zwar hier nicht wirklich Probleme mit dem Veranstalter bereitete, aber einem selbst bedeutend weiterhilft.

Auch empfehle ich zukünftig, ein anderes Insektenschutzspray für den Körper (bei Interesse an den Schreiber wenden).

Fazit:

Es war sooo geil und dieses Abenteuer landet wie versprochen unter meinen persönlichen Top 3! Wer hat schon mal die Gelegenheit, ganz woanders, vor einem sehr dankbaren Publikum, unter doch recht widrigen Umständen (Sicherheitsstufe, Wüste), zu spielen? Genau, nicht viel! Und ich bin sehr froh, ein Teil dieser Mini-Tour gewesen zu sein. Es war teilweise sehr hart, denn in der Sonne zeigte das Thermometer auch gern mal 65 – 70° C an und wirklich viel Schatten, bietet so ein Wüstencamp nicht. Bei dem klimatischen Verhältnissen eine Bühne zu errichten, das Equipment aufzubauen (Musiker wissen was Bass- und Marshall Boxen wiegen) und wenig später noch zu spielen, ist ein Heidenprogramm, wofür man körperlich recht fit sein sollte. Aber rekkorder sind ja noch jung…

Ich wünsche viel Spaß in der Bildergalerie und habt ein Auge & Ohr auf rekkorder, da kommt noch viel mehr…

Galerie: https://www.metalglory.com/gallery/rekkorder-mali-3-9-9-9-2018-camps-bamako-gao/

Ich bedanke mich bei der Band rekkorder, bei Rock´n´Roll Consulting, bei der Bundeswehr, bei der UN, bei Morris & Robin und natürlich bei allen Beteiligten, die diesen Trip möglich machten, unterstützten und zu einem unvergesslichen Erlebnis machten, welches mir bei mentaler Aufarbeitung, immer noch vor Rührung über die Freude und Dankbarkeit, Tränen in die Augen treibt.

Das Titelbild / Beitragsbild stammt von Totti Jünemann und wurde vom Bundeswehrangehörigen Robin Hunsicker für einen Imagefilm, der kurz vor dem großen Konzert lief, modifiziert. Wir bedanken uns für die Kopie!

Bandstimmen zum Trip:

Hallo rekkorder, schön, Euch alle hier zusammenzuhaben. Erzählt doch mal selbst, wie das Abenteuer hier begann. Gab es nicht anfangs auch Bedenken, was hattet Ihr für Vorstellungen, als man Euch Mali vorschlug, um vor Soldaten aus aller Welt zu spielen, in einem Camp, mitten in der Sahara?

Nic: Für mich war der Punkt, dass man sich halt nichts drunter vorstellen konnte…es war wie ein Raum in dem man dachte: Ok, wir fahren nach Afrika, wir sollen da spielen…sonst googelt man sich die Locations in denen man spielt, doch hier gab es halt mal keine Infos wie sonst. Man fragt sich natürlich, was das für eine Bühne sein wird, wo werden wir spielen, und so weiter. Aber genau diese Ungewissheit, hat das alles auch wieder so richtig spannend gemacht.

Gab es keine kritischen Stimmen oder wenigstens bedenkliche Gedanken von irgendeiner Seite?

Bernd: Natürlich gab es anfangs solche Stimmen, aber weniger in der Band sondern eher von außen, durch Familien und Freunde / Freundinnen. Mali…muss es unbedingt dieses unsichere Land sein, usw.“… „Müsst ihr denn dort Musik machen, könnt ihr das auch nicht in Deutschland irgendwo“…und nachdem wir dann allen klarmachen konnten, dass dies hier kein Himmelfahrtskommando ist, kehrte da langsam Ruhe ein.

Ich schwöre, meine Mutter hat keine Ruhe, bis sie von mir, aus Deutschland den ersehnten Anruf hört: I´m back, hahaha…

Bernd: Wenn das zu irgendeiner Zeit ein Problem gegeben hätte, wäre alles auch noch in letzter Minute abgeblasen worden. Mit schlechter PR kann weder die Bundeswehr noch die UN irgendwas anfangen! Wenn es jetzt hier, in Gao, zu dem Zeitpunkt problematisch geworden wäre, hätte man uns auch nicht hergeflogen. Von daher war uns klar, dass das jetzt nicht ganz so gefährlich sein wird für uns.

Nun seid ihr hier, beide Gigs liegen hinter euch, Gao liegt so gut wie hinter euch…was sind eure Eindrücke, was habt ihr „aufgesaugt“, was nehmt ihr für euch mit, von den Gigs, von den Menschen, von der Umgebung…?

Nina: Ohh…so viel. Es gab ´ne Menge Inspiration für´s komponieren und texten…

Du schreibst jetzt nur noch Anti-Kriegslieder?

Nina: Als wir am Flughafen in Bamako, zum Abholen in die beiden gepanzerten Autos gesetzt wurden und wir durch die Hauptstadt Malis zum 1. Camp fuhren, wurde mir der krasse Unterschied zwischen Afrika und Europa besonders bewusst.

Nils: Ich war äußerst positiv überrascht, wie herzlich man hier von den Leuten aufgenommen wird. Es wurde sich um alles gekümmert, wir wurden wirklich sehr gut betreut. Die Situation hier vor Ort, haben wir wirklich nur in kleinen Ansätzen mitbekommen. Ich hatte zuvor keine konkreten Vorstellungen doch natürlich gibt es da die Gedanken an Krieg, Terror, usw. Die Situation hier im Land ist immer und überall erkennbar und es wird auch zukünftig nicht leicht, hier so etwas wie Normalität reinzubringen, wobei das Tagesgeschehen in Bamako ein anderes ist, als in der Wüste…

Antonio: Es gibt Bilder aus dem Fernsehen, die man von Afrika kennt, und wenn ich hier auf die Straßen schaue, ist das schon eine ganz andere Welt. Die vielen Soldaten hier, sind für mich in dem Sinne nichts besonderes, aber es ist hier wirklich eine andere Welt. Die Menschen hier im Camp behandeln uns wirklich sehr gut, es ist immer jemand nur für uns, in greifbarer Nähe.

Nina: Der positive, schöne Ausgleich für die Augen zu der Armut in den Straßen, war der Anblick, der vielen Soldaten hier, hahaha…

Lasst uns über die Gigs sprechen. Der erste Gig im Camp Midgard in Bamako fiel aus logistischen Gründen ins Wasser…bzw. In den rotbraunen Staub. Der zweite Gig, ging dann in Gao, im Camp Castor, in der Castor Bar über die Bühne. Wie habt ihr euch gefühlt, was ging euch durch den Kopf, wie verlief er aus eurer Sicht? Ihr musstet soweit alles für den Auftritt selbst stundenlang zusammenbasteln und dann kurz danach spielen…vor etwa 65-70 Leuten. Wie waren eure Eindrücke?

Bernd: Natürlich haben wir uns das nicht ganz so vorgestellt…die große Hitze schafft einen wirklich. Erstmal musste all das Zeug vom etwas entfernten Container in die Bar geschafft werden. Dann haben wir das Equipment gecheckt und nach und nach, alles aufgebaut. Auch hier nochmal: dicken Dank an die Bundeswehr, die uns wirklich immer half, wo sie konnte. So konnten die Cases mit mehreren Pritschenfahrten zur Bar geschafft werden. Alles reintragen, auspacken, aufbauen,…und nicht nur unsere Backline, sondern wirklich alles, inkl. Licht. Im Grunde genommen, haben wir den Job von 2 Firmen gemacht, hahaha Und nun sind wir alle Bühnenbauer und Lichttechniker, hahaha… Wenn wir auf Festivals o.ä. spielen, ist ja die komplette Infrastruktur vorhanden, die benötigt wird, um Musik zu machen. Hier mussten wir alles selbst schaffen. Kurz vorm Gig dachten wir uns dann: eigentlich könnten wir uns jetzt auch hinlegen, hahaha… Aber wir haben gewohnt alles gegeben, denn als Musiker will man immer, so gut es geht performen, und haben das auch ganz gut hinbekommen. Übrigens, durch das absolute, und auch berechtigte (!!!) Alkoholverbot hier, kommen Deutsche auch nur schwer in Gang, was das Feiern betrifft. Das ist bei Holländern und Kanadiern anders: die feiern auch spontan und können dabei die Menschen mitreißen. Zum Glück waren an dem 1. Abend viele Kanadier in der Bar, hahaha… Es hat ´nen Moment gedauert, bis die Leute wirklich warm wurden, doch mit jedem weiteren Song, rückten die Leute näher vor die Bühne, wurden es mehr und letztendlich haben wir die Soldaten und Soldatinnen von uns auch überzeugen können. Es wurde nicht auf den Tischen getanzt und bei dem Wetter will auch keiner wirklich pogen, tanzen oder sonst was. Aber Applaus und Zugabenrufe waren uns zahlreich sicher und die Resonanz danach, war schon mal überwältigend. Es war der deutlich schwerere Gig für uns, doch wir wussten danach: wir sind in Mali angekommen.

Antonio: Diesmal habe ich wirklich gemerkt, wieviel Potenzial wir haben, denn zu draußen, Open Air, sind da wirklich große Unterschiede. Es klingt anders und mir persönlich gefällt draußen einfach besser. Drinnen klingt viel zu klein für uns, hahaha…

Nina: Für mich hatte jeder Gig seine ganz eigenen Noten.

Ok, dann sagt doch einfach mal was zu dem gestrigen Gig, auf ´nem Trailer vor der Bar, vor etwa 450-500 Soldaten und Soldatinnen.

(alle zusammen durcheinander): es war geil, es war super, großartig,fett geil, super Bühne, das Publikum war klasse und hat klasse mitgemacht,…

Nils: Ich habe es noch nie erlebt, dass wenn man sagt: kommt mal weiter nach vorn, die Leute das auch wirklich sofort tun.Und plötzlich standen alle direkt vor uns, hahaha…

Bernd: Das waren die Holländer, das muss man ja mal dazu sagen, hahaha…die sind sehr feierwütig und wenn das so abgeht, ist das natürlich auch positives Feedback an die Band. Dementsprechend haben wir auch aufgedreht. Supergeil, wie die Zuschauer auf Nina reagiert haben, das war wirklich toll.

Antonio: Die Holländer haben sich von Nina´s Performance mitreißen lassen und zogen auch die Deutschen mit.

Bernd: Die Kanadier waren auch gut dabei.

Nils: Auch das Set war echt spektakulär. Von so´nem Truck runterspielen, das haben wir davor auch noch nicht gemacht. Die Container mussten extra für das Backdrop angekarrt werden…das war schon alles echt spannend.

Nic: Aber auch aus Sicherheitsgründen. Wir haben ja fleißig gefilmt und damit auch vernünftig gefilmt und fotografiert werden kann, baute man diese Containerwand hin. Nur nichts vom Camp filmen, hieß die Abmachung. Daran spiegelt sich sich auch so ein bisschen die hohe Sicherheitsstufe. Nichts militärisches sollte auf Kameras gelangen. Das widerum hat diese Geschichte so exklusiv gemacht. Wir waren also in einer Art Top Secret Area quasi, um hier zu spielen…dazu passend mit dem militärischen Gerät, passt auch irgendwie zur Mucke, hahaha… Es war mega-gewaltig, einfach stark.

Nina, Dir haben die Leute ja von Beginn an, regelrecht aus der Hand gefressen.

Nina: Wie bitte???

Die Zuschauer waren vom 1. Moment an, sehr auf dich fokussiert.

Nina: Ach so…

Gehst Du immer mit diesen Elan auf die Bühne und weißt Du schon von vornherein, was Du gibst?

Nina: Es ist immer eine Frage der Stimmung. Ich versuche immer auf die Leute einzugehen, um Energien auszutauschen. Trotz Moskitos und keinem Alkohol, hahaha… Es war wirklich schwierig, weil wir wirklich Bock hatten, einen Super-Gig zu spielen. Doch die Moskitos und Käfer waren auch die ganze Zeit da und wurden immer mehr und gefressen haben wir dabei auch ein paar, hahaha…

Nils: Das mit den Moskitos war eindeutig ´ne Extremsituation, so was habe ich auch noch nie gesehen. Aber mal zur Aufklärung: das waren keine Moskitos sondern zig Millionen Käfer aller Größen, Heuschrecken,…

Nina: Und wir haben die echt gegessen…aber ich liebe das Spielen vor Publikum, ich liebe Publikum! Und deswegen hat es mich dabei weniger gestört, als danach!

Bernd: Es waren Tausende…und wir waren natürlich vollkommen falsch angezogen, hahaha…Aber die Mühen haben sich ALLE gelohnt.

Wenn man euch jetzt nochmal zu so einer Aktion einladen würde, gäbe es eine sofortige Zusage oder eher ein „Nein“ oder gar „nie wieder“?

(alle zusammen, durcheinander): Immer, sofort, sofort, immer wieder, gern,…

Nils: Bei mir ist das doch etwas anders, ich würde das jetzt nicht mehr mitmachen. Einfach, weil es wirklich sehr anstrengend ist. Ich möchte diese Erfahrung jetzt auf keinen Fall missen, das war wirklich super. Aber: ich habe diese Erfahrung jetzt gemacht!

Antonio: Es war auch wirklich anstrengend, für Körper und Gehirn schon extrem.

Bernd: Also wenn wir das nochmal angeboten bekommen, würden wir zusagen, aber versuchen, einiges davor organisatorisch besser zu regeln. Vllt. doch 1-2 erfahrene Aufbauhelfer mitnehmen, denn diese Aktionen und kurz danach spielen, ist schon ´ne harte Nuss. Man liefert auch eine bessere Performance, wenn man sich auf das konzentrieren kann, worauf man als Musiker auch Wert legt, um frei aufspielen zu können. Ein kleines bisschen mehr Entspannung vor den Gigs, hätte an der Stelle einfach allen geholfen.

Nina: Ja, dann vermeidet man auch mehr Verspieler, hahaha…

Ihr seid jetzt hier in Mali, in einem UN Camp mit höchster Sicherheitsstufe. Gibt es Länder, die ihr doch ablehnen würdet?

Antonio: Deutschland, hahaha…(großes Gelächter)

Nic: Ich denke, Afghanistan ist doch ´ne andere Nummer. Man hört auch viel von den Soldaten hier…es scheint wohl dort noch etwas kritischer zu sein. Aber es juckt nun natürlich in den Fingern, durch den Besuch hier. Man war zu jeder Zeit um unsere absolute Sicherheit bemüht. Gepanzerte Fahrzeuge, Schutzwesten, Shock Proofed Container-Fahrzeuge holten uns hier in Gao direkt vom Rollfeld ab,…da fühlt man sich wirklich sehr sicher. Wir wurden als Schutzbefohlene eingestuft, und genau so wurden wir auch behandelt. Man überließ da nichts dem Zufall oder irgendeinem Risiko. Und deshalb könnte ich mir auch gut vorstellen, doch in Afghanistan zu spielen. Das muss man aber aber dann sehen, wenn es soweit ist… ansonsten weiß ich gar nicht, wo es noch Bedrohungslagen dieser Art gibt…

Bernd: Im Baltikum gibt es wohl noch Möglichkeiten, im Kosovo, Zypern,…muss man mal gucken. Es ist ja auch immer eine Frage der Politik, wo die Bundeswehr denn nun eingesetzt wird. Und wir müssen ja nicht nur für die Bundeswehr spielen. Jetzt haben uns auch die Holländer, Belgier und Kanadier gesehen…ich hätte auch kein Problem damit, vor anderen Truppen zu spielen. Aber mal generell gesagt, finden wir es toll, im Ausland zu spielen. Ob nun vor Militärangehörigen oder vor zivilem Publikum. Ich kann mir dabei viele Sachen vorstellen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, mal im Heimatland von Nina zu spielen. In Kolumbien gibt es auch tolle Rockbands, gibt es tolle Festivals und vor allem auch tolle Fans. Grundsätzlich gibt es ja in Süd-Amerika viele Rock- und Metalfans. Brasilien…ich glaube, man könne schon eine Tour nur im Großraum Sao Paolo machen, Clubs gibt es dort unendlich viele.

Antonio: Genau, wir spielen nur noch dort, wo wir leicht sterben können, hahaha…Mali, Brasilien,…hahaha…Afghanistan, dann Iran / Irak…gefällt mir, hahaha

Auf den Punkt gebracht: es hat euch hier echt Spaß gemacht?

Alle zusammen): Ja, mega, war echt geil hier.

Wie geht es mit euch als Band in naher Zukunft weiter, neues Album, Konzerte?

Bernd: Erstmal wollen wir diesen Mali Trip PR-mäßig etwas ausschlachten, endlich mal aktuelle Videos fertig machen. Wir haben auch schon mit Songs für das neue Album angefangen doch auch unabhängig von der Mali Geschichte, müssen wir in Sachen Videoclip mal endlich Gas geben, präsenter werden. Damit Leute, die uns noch nicht live gesehen haben, wissen, was sie bekommen. Man kann uns zwar von CD hören und geil finden, aber man sieht nicht, wie wir unsere Musik live ausleben…wie wir performen, wie wir abgehen.

Ich danke euch, es war eine sehr coole Zeit mit euch hier!

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