RED DEATH – „Sickness Divine“

RED DEATH – „Sickness Divine“

📁 Allgemein, Reviews 🕔23.Januar 2020
RED DEATH – „Sickness Divine“

RED DEATH – „Sickness Divine“

Label: Century Media Records

Laufzeit: 34:14 min

VÖ: 28.11.2019

Genre: knackiger Thrash Metal mit Hardcorewurzeln

Der Rote Tod kommt aus Washington D. C. und klopft mit „Sickness Divine“ das dritte Mal an die Türen der Fans harter Gitarrenmusik. Die hohen Erwartungen an finsterstes Grauen und tödlichen Schrecken, den ein solcher Bandname unweigerlich in mir erstehen lässt, können die vier Herren allerdings nur bedingt erfüllen.

Das liegt jedenfalls nicht am Sound. Der ist schön fies und rau und weit weg von dem heute oftmals im Thrash gehörten sterilen Kompressionsinferno. Die Gitarren sägen und schneiden sich mächtig aggressiv in meinen Schädel, das klingt knochentrocken und äußerst prägnant. Es ist aber vor allem das Schlagzeug, das mit einer präzisen Schärfe und zwingenden Knackigkeit für eine druckvolle und energetische Direktheit sorgt. Das klingt brachial und massiv – und genau so muss das sein. Denn so impfen RED DEATH ihrer Musik immer wieder eine gehörige Gewalttätigkeit ein, die den Liedern verdammt gut zu Gesicht steht. Denn der runtergezockte ruppige Metal, der tief im Thrash der 80er wurzelt, sich aber auch immer wieder fröhlich feixend wohlig im Hardcore suhlt, lebt ja gerade von einer rohen und ungestümen Intensität und Hitzköpfigkeit.

Auch die Riffs selbst wissen zu gefallen, die sind klar, eindeutig und vor allem packend und brutal. Damit wissen mich RED DEATH sofort zu begeistern. Zudem werden die Lieder nicht überladen, hier regiert die Reduktion, und es ist stets das Riff, dass den Song bestimmt. Das ergibt dann begeisternden Thrash wie das hart rockende „Sword Without a Sheath“ mit seinen wild gniedelnden Leads und seinem verhallten Soloduell oder das gnadenlos voranhetzende „Ravage“ mit seinem kurzen Basssolo. Das erinnert in seinen besten Momenten an verdiente Heroen wie Anthrax, Heathen, Forbidden oder Death Angel. Dazu gesellen sich mit den schwer groovenden Wutbrocken „Path of Discipline“ und dem Titeltrack Lieder, bei denen vor meinen Ohren Bands mit einer muskelbepackten Attitüde wie Pro Pain, M.O.D., die Cro-Mags oder Merauder vorbeiziehen. Hit der Scheibe ist aber ganz klar das treibende und zwingende „“Face the Pain“, ein geradliniger Dampfhammer.

Leider wird der zunächst äußerst positive Gesamteindruck dann von zwei Dingen nachhaltig gestört. Da sind zunächst die überflüssigen Zwischenstücke, die sich nicht nur als zähfließende Dudeleien entpuppen, sondern für mich auch völlig konzeptlos zwischen die anderen Lieder gepappt wurden. Größeres Ärgernis ist jedoch der Gesang von Mr. Chad Troncale. Dessen Stimme klingt ja wirklich frappierend nach Rob Flynn von Machine Head – aber wo der schon keine wahre Goldkehle ist, da unterbietet Mr. Troncale mit seinem gleichförmigen, ewig das Riff zu Tode reitenden Gebrüll die Thrash-Grasnarbe noch um etliche Klafter. In den schnellen Stücken ist das alles noch erträglich, aber im Midtempo werden die Worte am Versende so dermaßen kaumgummiartig zerdehnt, dass mir die Freude am Lied vermiest wird. Exemplarisch sei hier das abschließende „Exhalation of Decay“ genannt. Hier macht der breiig langgezogene Gesang im Mittelteil die zum Beginn Danzig heraufbeschwörende melancholische Düsterkeit ebenso konsequent zunichte wie den unglaublichen Bassteil zum Ende. Und das ist einfach nur schade, sehr schade sogar.

Fazit: RED DEATH legen mit ihrem neuen Album „Sickness Divine“ knackigen Thrash mit einem feisten Hardcoregroove vor, der immer wieder mit Tempo, Spielwitz, Geradlinigkeit, Aggressivität und einem verdammt druckvollen Sound zu überzeugen weiß. Die vier Herren gefallen mir dann am besten, wenn sie ordentlich Gas geben und mit hoher Geschwindigkeit über den Asphalt brettern. Dann verbreitet ihr Thrash perfekt dieses heiß geliebte Gefühl des freundlich gewalttätigen Spaßes, den wir Fans so lieben. Im Midtempo kann der Gesang nicht überzeugen, das trübt den Spaß dann doch immer wieder. Es gilt also zukünftig, sich auf die schnellen Reißer zu konzentrieren – oder aber am Gesang zu feilen.

Liederliste:

  1. Sickness Divine (4:39)
  2. Face the Pain (3:11)
  3. Sword Without a Sheath (2:37)
  4. The Anvil’s Ring (1:33)
  5. Sheep May Unsafely Graze (3:05)
  6. Path of Discipline (3:39)
  7. (Refuse to Be) Bound by Chains (3:26)
  8. Dreadful Perception (0:50)
  9. Ravage (3:37)
  10. Exhalation of Decay (5:47)
  11. Death Comes Ripping (Misfits cover) (1:50)
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