Blindead 23 (POL) – Deuterium
Konzeptalben sind immer was besonderes. Bei Blindead 23 gilt das sogar doppelt, denn „Deuterium“ ist nicht nur ein langer,
Konzeptalben sind immer was besonderes. Bei Blindead 23 gilt das sogar doppelt, denn „Deuterium“ ist nicht nur ein langer, schwerer Trip durch Seelenräume, sondern auch der erste vollständige Studio-Einstand dieser neuen Inkarnation von Blindead. Die polnische Avant-Metal-Formation um Ex-Behemoth-Gitarrist Mateusz „Havoc“ Śmierzchalski bringt dabei genau jene Mischung mit, die auf dem Papier schon nach Druckkammer klingt: Post-Metal, Sludge, Progressive Metal, düstere Elektronik und ein Gespür für große, finstere Bögen. Mit Roger Öjersson und Paweł „Pavulon“ Jaroszewicz steht hier zudem keine Zufallskapelle im Nebel, sondern ein Line-up, das weiß, wie man Schwere formt, ohne sie einfach nur laut in den Raum zu stellen.
Wenn die Dunkelheit atmet
„Immersion I“ öffnet das Album nicht wie eine metaphorische Detonation, sondern mit einer langsam aufziehenden Nebelwand. Erst dürfen Soundflächen und gespannte Ruhe den Raum füllen, dann brechen Riffs, Drums und Vocals wie eine schwarze Brandung herein. Gerade dieser Wechsel zwischen zerbrechlicher Atmosphäre und massiver Wucht macht sofort klar: Blindead 23 wollen nicht einfach Songs liefern, sie bauen Zustände. „Immersion II“ setzt noch mehr auf Länge, Bewegung und innere Spannung. Das Stück wirkt wie ein Korridor, der sich immer wieder verschiebt, während Growls, klare Stimmen, Gitarren und Elektronik gegeneinander arbeiten und doch nie auseinanderfallen.
Nach diesem knapp 18-minütigen Einstieg kommt „Wither“ fast wie ein notwendiges Ausatmen. Die Härte wird zurückgenommen, die Melancholie bekommt mehr Platz und der Klargesang legt eine Kälte über den Song, die garnicht nach Pause klingt, sondern eher nach dem Moment, in dem man merkt, dass der Sturm nur die Richtung gewechselt hat. „Worst Laid Plans“ reißt danach die Schleusen wieder auf. Fast elf Minuten lang arbeitet sich die Band durch Sludge-Schwere, progressive Brüche und finstere Dynamik. Das ist kein Song für nebenbei, sondern ein Brocken, der Geduld verlangt und genau diese Geduld dann auch belohnt.
Schwere mit Sternenstaub
Der Titeltrack „Deuterium“ bringt die Stärken der Platte besonders kompakt zusammen. Massive Gitarren treffen auf eine fast kosmische Weite, während die Band zwischen Death-Metal-Kante, Post-Metal-Sog und atmosphärsicher Trauer balanciert. Hier klingt nichts nach Nostalgieübung, obwohl die Verbindung zur alten Blindead-DNA deutlich spürbar bleibt. „Towards The Dark“ schiebt die Platte anschließend stärker in Richtung schwebender Düsternis. Man denkt kurz an Katatonia, vielleicht auch an späte Anathema-Schatten, aber Blindead 23 bleiben zu eigenwillig, um nur als Vergleichsregal zu funktionieren.
Mit „You Are The Universe“ findet „Deuterium“ schließlich einen Abschluss, der nicht einfach den großen Schlussakkord sucht, sondern die vorher aufgebaute Spannung langsam aus dem Körper zieht. Das Piano am Ende wirkt fast tröstlich, ohne die Dunkelheit der Platte zu verraten. Genau darin liegt die Stärke dieses Albums: Es ist schwer, aber nicht plump. Es ist lang, aber nicht leer. Und auch wenn einige Übergänge etwas kantig wirken und manche Passage sich bewusst Zeit nimmt, bleibt der Sog erstaunlich stabil.
Unser Fazit
Mit „Deuterium“ liefern Blindead 23 ein ambitioniertes, düsteres und beeindruckend vielschichtiges Debüt ab, das nicht auf schnelle Wirkung schielt. Die Produktion von David Castillo gibt dem Material Raum und Druck, während das Mixing und Mastering von Kuba Mańkowski die vielen Ebenen sauber zusammenhält. Nicht jeder Moment zündet sofort, und wer seine Metal-Alben lieber kurz, direkt und refrainsicher serviert bekommt, wird hier zwischendurch nach dem Notausgang suchen. Wer sich aber auf diese Reise einlässt, bekommt ein Album wie einen Tauchgang in kaltes, schwarzes Wasser: langsam, gefährlich, wunderschön und mit genug Tiefe, um auch beim dritten Durchlauf noch neue Deatils aus dem Dunkel zu ziehen.

Trackliste
- Immersion I [07:42]
- Immersion II [10:52]
- Wither [03:39]
- Worst Laid Plans [10:45]
- Deuterium [07:46]
- Towards The Dark [06:53]
- You Are The Universe [06:04]
Credits
Interpret: Blindead 23
Titel: Deuterium
Herkunft: Polen
Format: Album
VÖ: 22. Mai 2026
Genre: Avant-Metal | Progressive Metal | Post-Metal | Sludge Metal
Label: Peaceville Records
Besetzung
Patryk Zwoliński – Vocals
Mateusz Śmierzchalski – Gitarre, Synths, Piano & Soundscapes
Roger Öjersson – Gitarre, Keys & Vocals
Paweł Jaroszewicz – Drums
Produktion
David Castillo – Recording und Produktion
Studio Gröndahl, Stockholm – Studio
Kuba Mańkowski – Mixing und Mastering


