PALLBEARER – „Forgotten Days“

PALLBEARER – „Forgotten Days“

📁 Allgemein, Musik, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔24.Oktober 2020
PALLBEARER – „Forgotten Days“

 

PALLBEARER – „Forgotten Days“

Label: Nuclear Blast

Laufzeit: 52:55 min

VÖ: 23.10.2020

Genre: So schön kann nur Doom sein!

PALLBEARER haben uns nach ihrem fordernden „Heartless“ drei lange Jahre auf „Forgotten Days“ warten lassen. Und mit dem Album sind die langen Tage des Wartens tatsächlich schnell vergessen, denn mit ihrer neuen Musik umarmen uns PALLBEARER erneut mit melancholischer Liebe und hoffnungsfroher Dunkelheit.

Dabei holen sich die vier Gentlemen Kraft und Innovation aus einer Reise, die zunächst weit zurück in ihre Vergangenheit geht, bevor sie sich zu neuen kosmischen Ufern aufschwingt. Aus allen Liedern atmet die Atmosphäre des Erstlings „Sorrow And Extinction“, flimmert es rauh, unbehauen und ehrlich aus den Boxen tief hinein in meine Seele. Der Band gelingt es eindrucksvoll, ihre düsteren Themen musikalisch wunderbar leichtfüßig zwischen himalayahoch aufgetürmten breitwandigen Riffgebirgen und reduzierten Melodiebögen voller anmutiger Sanftheit hin und her schwingen zu lassen und so in mir einen fast meditativen Fluss zu erzeugen. Dabei walzt sich zunächst der eröffnende Titelsong mit einem tonnenschweren Riff unbarmherzig voran und erzeugt eine Aura dunkler Bedrohlichkeit. Die wird dann gekonnt konterkariert durch den Gesang von Mister Campbell. Der konnte sich nochmals deutlich steigern, und bei aller zarten Verletzlichkeit ist deutlich zu spüren, dass der Mann mittlerweile sich seiner selbst und der Macht seiner Stimme sehr bewusst ist. Das ist bewundernswert selbstbewusst und vor allem uneingeschränkt mitreißend und emotional. Dazu gesellen sich immer wieder wunderschön sanftmütige Gitarrensoli und fließende Leads, welche die Polarität von Riffs und Stimme zusätzlich mit eigenen Akzenten ergänzen. Das bewegt sich dabei zwischen fast symbiotischer Verbindung von Gesang und Gitarren in „Stasis“ und einem erfrischend aggressiv solierenden Zähnezeigen in „The Quicksand of Existing“.

Mit „Riverbed“ und „Silver Wings“ bieten PALLBEARER dabei zwei überragende Lieder an – je nachdem, was gewünscht ist. Während „Riverbed“ all die dunklen Gefühle fokussiert wie in einem Atomkern auf den Punkt zu bringen vermag, ist „Silver Wings“ für diejenigen erschaffen worden, die sich gerne ganz tief in ihre Musik fallen lassen und am liebsten nie wieder aus dieser auftauchen möchten. Das ist pure Magie und das Geschenk eines selten so perfekt erfühlten Weges in eine gänzlich andere, faszinierende Welt. Kein Lied enttäuscht, jedes hat seine Daseinsberechtigung und ist Teil der Erfüllung, die PALLBEARER nicht nur zu versprechen, sondern mit grandioser Musik zu erfüllen vermögen. Dazu passt ein Sound, der sich so offen wie dunkel und raumgreifend erhebt. Ein wenig mehr Druck und Power hätte ich mir allerdings gewünscht, denn auch DOOM kann bitte auch mal schön brachial und fett daherkommen (ich denke da wehmütig an Candlemass und „Black Dwarf“ und „Born in a Tank“).

Fazit: PALLBEARER kratzen mit „Forgotten Days“ ganz gewaltig an der Spitze des Genres. Das ist Gefühl, Dunkelheit, Authentizität, das ist Schwere, Aura und vor allem auch ein großes Stück Hoffnung und Schönheit. PALLBEARER fordern und beschenken, packen und umarmen, würgen und liebkosen. Und mehr kann niemand erwarten. Auflegen – fallen lassen – genießen. Ihr werdet es genießen.

Liederliste:

1. Forgotten Days (6:28)
2. Riverbed (6:24)
3. Stasis (4:00)
4. Silver Wings (2:18)
5. The Quicksand of Existing (3:59)
6. Vengeance & Ruination (6:53)
7. Rite of Passage (4:55)
8. Caledonia (7:58)

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