MAïEUTISTE – „Veritas“

MAïEUTISTE – „Veritas“

📁 Allgemein, Reviews 🕔10.Januar 2020
MAïEUTISTE – „Veritas“

MAïEUTISTE – „Veritas“

Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions

Laufzeit: 54:33 min

VÖ: 04.10.2019

Genre: einzigartiger Black Metal – und doch so viel mehr: emotional, erhaben, groß

MAÏEUTISTE legen mit „Veritas“ ihren Zweitling vor. War ihr Debüt nicht nur wegen seiner 76 Minuten ein wahrhaft monströses Ungetüm voller Raserei und tonnenschwerer Wut, scheinen die jetzt vorgelegten 54 Minuten auf eine gewisse Fokussierung und Reduzierung hinzudeuten. Ich kann jedoch alle Fans beruhigen, denn weniger geworden ist allein die Spielzeit. Das experimentelle Moment, dieses avantgardistsiche Zucken und Rumoren, das schon ihr selbstbetiteltes Debüt aus der schwarzen Masse heraushob, blitzt auch auf „Veritas“ an allen Ecken und Enden aus der insgesamt wilden Mischung aus Black Metal, schwarzem Doom, trashigem Galopp und einem ordentlichen Schuss Post heraus. Insbesondere flechten MAÏEUTISTE immer wieder sphärische Flächen ein, in denen sich Töne tummeln, die sich weit hineindehnen in Ambient, Jazz, Klassik, Pagan, Folk, epische Erhabenheit und akustische Saitenperlerei. Das Tempo wechselt innerhalb der Stücke immer wieder zwischen gnadenloser Raserei und bleischwerer Massivität, da wird ein gestreckter Galopp gerne mal abrupt gegen eine meterdicke Betonmauer gerammt und diese dann mit schwerster Doomrifferei in ihre Atome zerbröselt. Ebenso abwechslungsreich zeigt sich der Gesang. Der fügt sich passgenau in die Stimmung der Lieder ein, so dass die Abfolge von filigran schwebendem Klargesang zu einem plötzlich aufbrausenden wuterfüllten tiefen Growlen als vollkommen natürlich und stringent erlebt wird. Ab und an erheben sich dazu noch voluminöse Männerstimmen, die dem ganzen nochmals eine sakrale Note verleihen.

So wirr sich das jetzt alles anhören mag, ich jedenfalls erkenne einen schwarzen Pfad, der mich durch dieses nahezu undurchdringliche Dickicht führt. Da sind diese sägenden Gitarren, die treibende Leads und massive Riffwände erschaffen, die bei aller überbordenden Dynamik stets das Lied vorantreiben und mir wie ein helles Licht erscheinen. Auch der pumpende Bass weist mir mit seinem präzisen und stoischen Spiel den Weg. Dazu kommt ein Sound, der zwar dem Gesang etwas viel Hall gönnt, ansonsten aber für ordentlich Druck uznd Volumen sorgt. Mann, ist das fett! Lieder wie das brachial marschierende „Universum“ oder das sich hoch auftürmende Monument „Vocat“ zeigen, zu was die Herren von MAïEUTISTE in ihrer kompositorischen Klasse fähig sind.

Fazit: MAïEUTISTE haben mit „Veritas“ Musik erschaffen, die fordert, die Aufmerksamkeit verlangt und Energie verbrennt. Aber dafür beschenken sie uns mit grandioser Musik voller emotionalem Glanz und epischer Erhabenheit, voller shensuchtsvoller Wanderungen durch den schwarzen Kosmos weit hinein in helles Licht. Das ist hart, das ist sanft, das ist groß und schwer, das ist Kunst. Lasst Euch fallen und genießt dieses großartige Stück Musik. Ich verneige mich uns sage aus vollstem Herzen: Danke!

Liederliste:

1. Veritas I (7:14)
2. Infinitus (7:44)
3. Spiramus (2:00)
4. Universum (7:37)
5. Vocat (15:28)
6. Veritas II (14:30)

Quelle Bild:

Diesen Artikel in einem Sozialen Netzwerk teilen

Ähnliche Artikel

KVELERTAK – Splid

KVELERTAK – Splid

KVELERTAK (N) "Splid" VÖ: 14.02.2020 Label: RISE RECORDS / BMG Spielzeit: 59 Min. Genre: Alternative-Metal-Punk Was für ein abwechslungs- und ereignisreiches Brett! KVELERTAK schaffen es trotz

Weiterlesen