Live-Review: G3 Tour 2018, U.J.Roth / J. Petrucci / J.Satriani jammen in der Offenbacher Stadthalle

Live-Review: G3 Tour 2018, U.J.Roth / J. Petrucci / J.Satriani jammen in der Offenbacher Stadthalle

📁 Allgemein, Live, Musik, Reviews 🕔01.April 2018
Live-Review: G3 Tour 2018, U.J.Roth / J. Petrucci / J.Satriani jammen in der Offenbacher Stadthalle

Freunde des gepflegten und filigranen Gitarrenspiels, kommen auf der aktuellen G3 Tour wieder einmal voll auf ihre Kosten. Der Initiator des inzwischen jahrelangen Spektakels, Joe Satriani, hat für die 2018er Runde John Petrucci von Dream Theater und Uli Jon Roth für den Europa-Törn ins Boot geholt. In den USA sieht der Abfahrplan etwas anders aus: dort spielt Phil Collen von Def Leppard die Tour mit, anstatt Uli. Und mit dem Ausnahme-Musiker startet der Abend hier und heute in der Offenbacher Stadthalle auch recht pünktlich.

Sein im Fusion, Hard Rock, Heavy Rock und epischen Hard Rock verwurzeltes virtuoses Gitarrenspiel verhalf auch den jungen Scorpions auf 5 Alben zu weiteren Höhenflügen. Er klinkte sich aus, gründete seine eigene Band Electric Sun und veröffentlichte weiterhin auch Solo-Alben, die nicht nur weit über die Grenzen des einfachen Hard Rocks gingen sondern auch wegweisend progressiv, aber auch klassisch-beeinflusst die Diskografie des inzwischen knapp 65jährigen Gitarristen füllen und Fans weltweit dazu beflügeln, die Gitarren in die Hand zu nehmen und das Instrument zu erlernen. Dementsprechend waren meine Erwartungen an das Songmaterial, was wird es auf einem „Fricklertreffen“ zu hören geben? Scorpions-Knaller, die die Scorpions heute selbst nicht mehr spielen? Gibt er uns die komplett klassische Kante? Lt. meinen unleserlichen und hektischen Aufzeichnungen, startet er den Reigen mit der „Sky Overture“, spielt sich virtuos-verträumt durch Songs aus der Scorpions-Ära, wobei die Songs vom „Taken By Force“ Album (u.a. „we´ll burn the sky“) unglaublich episch und heavy in die Gehörgänge gingen, bevor „Earthquake“ von Electric Sun sein knapp 45-50 minütiges Set beendet. Zwischendurch fragte Herr Roth, ob denn Zeitzeugen anwesend wären, denn vor knapp 40 Jahren stand er bereits hier auf der Bühne und spielte die Songs…haben sich aber nicht viele gemeldet…. Überhaupt war es schade anzusehen, dass die Stadthalle nicht ausverkauft war. Da ich keine genauen Zahlen habe, schätze ich, dass die Halle ungefähr zu 4/5 ausgelastet war. Gut für mich, denn es gab Platz und Sicht von beinahe überall und der wirklich brillante Sound klang im Eingangsbereich ebenso sauber, wie im Fotograben oder im Publikum vor der Bühne. Dickes Kompliment an die Tontechnik. Neben und auf der Bühne tobte auch eine wahre Materialschlacht…ich glaube, ich sah Extra-Security nur für´s Equipment zuständig. Was noch wichtig zum Set von Uli Jon Roth zu erwähnen wäre: er war der einzige Gitarrist, der auch einen Sänger mit auf der Bühne hatte, macht auch bei einigen Scorpions-Songs Sinn. Niklas Turman heißt der Gute, und spielt somit nicht nur die 2. Gitarre. Wenn er nicht in Ulis Diensten steht, dann ist er mit seiner Band Crystal Breed am Mikro und an der Gitarre auf Trebe. An dem Drums habe ich bei Uli Jon Roth Michael Ehre von Gamma Ray / The Unity / Love.Might.Kill erkannt, was für powervolles präzises Drumming steht. Zu den weiteren begleitenden Musikern im Team U.J.Roth kann ich leider nicht viel sagen…doch in allem zusammengefasst: Uli Jon Roth ist immer ein Konzertbesuch wert. Der Mann weiß genau, was Musikfreunde hören wollen und schafft es, rechtzeitig auf die Bremse zu treten, bevor man einen Song kaputt oder gar totfiedelt. Durch die Ruhe die der Mann auf der Bühne ausstrahlt, herrscht auch im Publikum eine gechillte Stimmung und jeder Song wurde regelrecht mit Ovationen belohnt, wobei sich das Publikum auch viel Zeit liess, bis es endlich auftaute…

Nach einer ca. 15 minütigen Umbaupause bestieg John Petrucci wie ein Sieger die Bühne. Und als ich an den Drums Mike Mangini entdeckte (sehr ungewohnt, ihn an einem doch recht abgespeckten Kit zu sehen), ging auch gleich die Fantasie mit mir durch…Dream Theater Light vor mir auf der Bühne: wird es vielleicht auch etwas von seiner Hauptband zu hören geben oder spielt er sich durch sein ganz eigenes Programm? Am Bass erkenne ich Mike LaRue (u.a. Steve Morse, Vinnie Moore, Flying Colors, uvm.), der in der Vergangenheit auch Bestandteil des John Petrucci Live Ensemble war, aber auch schon Engagements für Joe Satriani hatte. John Petrucci startete sein Programm mit dem Song „Wrath Of The Amazons“, ein Coversong des Filmmusikkomponisten Rupert Gregson-Williams (u.a. Wonder Woman). Vom ersten Moment an, herrschte eine Art Magie auf und vor der Bühne; die Menschen sahen dem Hünen auf die Finger während der Meister himself ganz cool und mit viel Spaß im Gesicht sein Posing sowie natürlich sein hartes, filigranes und progressives Spiel durchzog. Weiter ging es mit den Songs „Jaws Of Life“ („Suspended Animation“, 2005) sowie dem bis dato unveröffentlichten „The Happy Song“, der auch als „Cloud Ten“ bekannt ist. Ein weiterer bisher unveröffentlichter, aber bereits live gespielter Song ist „Glass-Eyed Zombies“, der sich problemlos in den Songflow einfügt. „Damage Control“ & „Glascow Kiss“ kennen wir vom 2005er Solo-Album „Suspended Animation“ und schon sind wieder 50 Minuten wie im Flug vergangen. An dieser Stelle nochmal fetten Respekt an den / an die Tontechniker: auch John Petrucci hatte einen astreinen, glasklaren Klang der zu den richtigen Zeitpunkten mit dem passenden Druck aufwarten und überzeugen konnte. Ok, es gab nun keinen Dream Theater Song aber es steht ja auch John Petrucci auf der Karte und nicht DT… Einfach nur Wahnsinn, was dieser Mann aus seiner Gitarre holt. Notiz am Rand: durch seine Körpergröße, wirkte manch Gitarre in seinen Händen von der Größe her wie eine Ukulele…war komisch anzusehen, aber fazinierend zugleich! Die Verabschiedung auf der Bühne wirkte wie ein nicht-enden-wollendes-Abschiedsfest. Hier kamen wieder alle Musikfreunde auf ihre Kosten, übrigens: auch visuell. Zu den Programmen der einzelnen Künstler, wurden passende Animationen im Hintergrund abgespielt die bei Uli Jon Roth eher romantisch-verträumter Art waren, bei Herrn Petrucci aber eindeutig die Handschrift seiner Hausband trugen.

Bei Joe Satriani gab es das natürlich auch. Nach einer etwa 20 minütigen Umbaupause betritt der Guitar-Wizard mit seinen Mannen die Bühne und nimmt uns auf eine groovige, funky, heavy-rockende Reise durch sein Gitarrenuniversum mit und fesselt jeden anwesenden Zuschauer mit seiner locker-freundlichen Sunnyboy-Art, gibt sich auch gern für das ein und andere Späßchen mit Fotografen und Zuschauer her. Was kann man zu Joe Satriani sagen? Einfach zuviel! Und das ist nicht übertrieben denn der Herr führt ein sehr erfolgreiches Musikerleben und heimste Preise und Edelmetallplatten jeder Art ein. Er brachte sich das Spielen selbst bei und gab heute gestandenen Größen wie z.B. A.Skolnick (Testament) K.Hammett (Metallica), Tom Morello (Audioslave, Rage Against The Machine) und auch Steve Vai Gitarrenunterricht, der ja heutzutage auch zu den ganz Großen seines Fachs gehört. Zwischendurch ersetzte er noch R.Blackmore bei Deep Purple auf Tour. 2009 gründete er mit Michael Anthony, Sammy Hagar (beide Van Halen) und Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) die Band Chickenfoot und erobert regelmäßig die US Billboardcharts. Doch 1996 rief er die G3 Tour ins Leben, an der inzwischen alle namhaften Gitaristen des Planeten jeden Coleurs und jeder Marschrichtung teilnahmen. Desweiteren veröffentlicht er in regelmäßigen Abständen neue Alben, aktuell 2018: „What Happens Next“, von dem es heute gleich 5 (!) neue Stücke zu hören gibt. Passend zum Auftritt des unruhigen Geistes wird mit „Energy“ und „Catbot“ durchgestartet…gitarrenorientierter Funkmetal vom Allerfeinsten, der live bedeutend heavier klingt als von Platte. Seine fitten Mitmusiker tragen allesamt dazu bei, dass bei dem Klassiker „Satch Boogie“ jeder in der Halle irgendwie mitwippt, in steter Bewegung ist. Den Tieftöner bearbeitet Bryan Beller (u.a. Dethklok), an den Drums sitzt Joe Travers (u.a. Billy Idol, Duran Duran, u.v.m.) und die 2. Gitarre und das Keyboard wird von Mike Keneally bedient. Der war u.a. auch schon mit Frank Zappa, Steve Vai, James LaBrie´s Mullmuzzler, Dethklok unterwegs. Irgendwie alles Kumpels, alle irgendwie in den selben Bands verwoben und das macht sich natürlich auf der Bühne beim Zusammenspiel bezahlt: unglaublich gut eingegroovt rockt man sich durch das Programm, bei knalligen Background-Licht- und Videoanimationen und als die letzten Klänge des „Summer Song“ vom 1993er Album „Time Machine“ im Beifallsdonner und den obligatorischen Zugabenrufen untergingen, tat sich noch einiges auf der Bühne. Während sich ein Großteil der Band verabschiedete, rannten hektisch Technikgestalten mit anderen Verstärkern über die Bühne und es wurde klar: hier geht noch was! Aber was?

Der letzte Akt an diesem großartigen Abend, das finale Jam, oder: die Jamsession. John und Uli kamen zu Joe auf die Bühne und los ging der Spaß mit einer krachenden, und lasziv solierten Version des Deep Purple Klassikers „Highway Star“. Natürlich brilliert jeder Gitarrist mit seinem Einsatz und es klang auch großartig, die Soli von jedem Musiker zu hören die trotz der verschiedenen Spielweisen allesamt bestens ins Songbild passten, ohne extrem auszufern. Zur Final-Jam-Formation stiegen auch Sänger Niklas Turman, Bassist Bryan Beller und Drummer Joe Travers sowie Mike Keneally an den Keyboards auf die Bühne. Etwas ausschweifender wurde danach „All Along The Watchtower“ von Dylan / Hendrix zum besten gegeben. Hier wollte es sich Uli Jon Roth auch nicht nehmen lassen, selbst zu singen. Ein Song, bei dem sich jeder Musiker ausgiebig auslassen kann und das haben die Akteure auf der Bühne mitreissend getan. Man sah den Herren unglaublich viel Spaß im Gesicht an, besonders Joe Satriani und John Petrucci schritten, tobten und stolzierten breitgrinsend über die Bretter und gaben uns das, was wir wollten: zeitlosen, gitarrenlastigen Rock´n´Roll! Zur Krönung des Abends, musste Sänger Niklas seinen Oberkörper nochmal so richtig anstrengen denn unbedingt leicht ist der „Immigrant Song“ von Led Zeppelin nicht zu singen. Doch er hat es geschafft und liegt mit seiner Stimme gar nicht mal so weit weit vom Original entfernt… Das die 3 Griffbretthexer diesen Song auch ihren ganz eigenen Anstrich verpassen, war abzusehen aber dass das so eine fette Killernummer wird? Wirklich getreu dem Motto: das Beste zum Schluss, haben die G3 Teilnehmer auf der Bühne die wohl beste Led Zeppelin Performance abgeliefert, seit Led Zeppelin selbst. Traurig: der Abend ist vorbei…

Fazit: Das ist eine verdammt fette Produktion mit der der G3 Tross unterwegs ist. Bester Sound, bestes Bild und vor allem: nur gute und spielfreudige Musiker. Grundsätzlich gibt es auch überhaupt nichts auszusetzen oder zu bemängeln. Wenn ich wirklich etwas schade finde: zum einen die etwas zu kurze Spielzeit von max. knapp 45-50 Minuten pro Gitarrist (Joe Satriani natürlich knapp 60 Minuten). Ich denke, eine Stunde wäre pro Gitarrist eine gute Zeit gewesen. Und was mich persönlich etwas störte: das Final-Jam wirkte mir zu einstudiert. Wahrscheinlich war es das auch. Für ein sog. Jam war da echt zu wenig Spontanität im Spiel. Vorgestellt hatte ich mir 3 Gitarristen, die sich mehr oder weniger die Bälle zuspielen, anstatt auf seinen Part zu warten. Das sehe ich aber bei der Dimension der Show nicht wirklich als Makel. Das Jam war ein ganz feiner Bonus in dem sich die Musiker nochmal mit einer ordentlichen Visitenkarte die Ehre gaben. Ist die G3 Tour wieder in unseren Breitengraden unterwegs, werde ich da sein! Natürlich auch, wenn sich die Herren Gitarristen allein auf Tour begeben, werde ich da sein. Ich empfehle einen Blick in unsere Galerie…

Setlist Uli Jon Roth (Spielzeit: ca. 45 Min.)

Sky Overture (Uli Jon Roth – Transcendental Sky Guitar, 2000)

Sun In My Hand (Scorpions – In Trance, 1975)

We´ll Burn The Sky (Scorpions – Taken By Force, 1977)

Fly To the Rainbow (Scorpions – Fly To The Rainbow, 1974)

The Sails Of Charon (Scorpions – Taken By Force, 1977)

Earthquake (Electric Sun – Earthquake, 1979)

Setlist John Petrucci (Spielzeit: ca. 50 Min.)

Wrath Of The Amazons (Rupert Gregson-Williams Cover Song, inkl. Theme von Wonder Woman, 2017)

Jaws Of Life (John Petrucci – Suspended Animation, 2005)

The Happy Song / Cloud Ten (John Petrucci – unreleased, not on album, only live)

Damage Control (John Petrucci – Suspended Animation, 2005)

Glass-Eyed Zombies (John Petrucci – unreleased, not on album, only live)

Glascow Kiss (John Petrucci – Suspended Animation, 2005)

Setlist Joe Satriani (Spielzeit: ca. 60 min.)

Energy (JS – What Happens Next, 2018)

Catbot (JS – What Happens Next, 2018)

Satch Boogie (JS – Surfing With The Alien, 1987)

Cherry Blossoms (JS – What Happens Next, 2018)

Thunder High At The Mountain (JS – What Happens Next, 2018)

Super Funky Badass (JS – What Happens Next, 2018)

Cataclysmic (Shockwave Supernova, 2015)

Circles (JS – Surfing With The Alien, 1987)

Always With Me, Always With You (JS – Surfing With The Alien, 1987)

Summer Song (JS – Time Machine, 1993)

Setlist Final Jam (Spielzeit: ca. 25 Min.)

Highway Star (Deep Purple – Machine Head, 1972)

All Along The Watchtower (B.Dylan – John Wesley Harding, 1967 / J.Hendrix – Electric Ladyland, 1968)

Immigrant Song (Led Zeppelin – III, 1970)

G3 Tour 2018 im Netz:

FB – https://www.facebook.com/G3tour/

HP (Joe Satriani) – http://www.satriani.com/

HP (John Petrucci) – http://johnpetrucci.com/

HP (Uli Jon Roth) – http://www.ulijonroth.com/

Galerie der Show in Offenbach: https://www.metalglory.com/gallery/g3-tour-2018-27-03-2018-offenbach-stadthalle/

 

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