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GODTHRYMM (UK) Projections

GODTHRYMM waren nie eine Band für schnelle Belohnung. Ihr Doom braucht Raum, Geduld und die Bereitschaft, große Gefühle nicht

GODTHRYMM (UK) Projections

GODTHRYMM waren nie eine Band für schnelle Belohnung. Ihr Doom braucht Raum, Geduld und die Bereitschaft, große Gefühle nicht nur anzuschauen, sondern auszuhalten. Mit Projections schließen die Briten ihre mit Reflections begonnene und mit Distortions fortgesetzte Trilogie ab. Das klingt nach Konzept, vielleicht auch nach schwerem Abschlussritual. Tatsächlich wirkt das Album aber weniger wie ein endgültiger Schlussstrich, sondern eher wie ein mächtiges Ausatmen nach Jahren voller Last, Liebe, Verlust und Selbstbehauptung. Hier wird nichts klein geredet. Hier darf Schwere wirklich Schwere sein.

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Hört hier den Song Truth In My Own

Doom mit Geschichte

Trenches Deep öffnet das Album entsprechend massiv. Die Gitarren stehen breit im Raum, die Drums schieben mit Gravität, und Hamish Glencross singt nicht über Schmerz hinweg, sondern mitten durch ihn hindurch. Trotzdem versinkt die Musik nicht im Stillstand. GODTHRYMM verstehen Doom Metal als Bewegung in Zeitlupe, nicht als bloßes Verharren. Truth In My Own wirkt danach fast wie ein Faustschlag: kantiger, direkter, körperlicher. Gerade diese Dynamik macht Projections stärker als viele Alben, die sich nur auf Gewicht verlassen. Die Band weiß, wann ein Riff tragen muss und wann eine Melodie verletzen darf.

Zwischen Last und Licht

Besonders eindrucksvoll wird das auf The Sun Never Fell und Endure My Skin. Hier greifen Monumentalität und Verwundbarkeit ineinander, ohne dass eine Seite die andere erdrückt. Der Gastbeitrag von Aaron Stainthorpe auf Endure My Skin bringt natürlich eine Verbindung zur klassischen My-Dying-Bride-DNA mit, wirkt aber nicht wie ein Nostalgie-Trick. Er vertieft vielmehr jene alte britische Doom-Tragik, die bei GODTHRYMM ohnehin im Fundament liegt. Gleichzeitig sind die Arrangements weit genug geöffnet, um nicht bloß Vergangenheit zu beschwören. Projections blickt zurück, aber es lebt nicht rückwärts. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Jewels und Hope Is Eternal zeigen anschließend, dass GODTHRYMM nicht nur in tonnenschwerer Dramatik denken. Gerade dort, wo Keyboards, ruhigere Passagen und melancholische Linien mehr Luft bekommen, gewinnt das Album an Größe. Die Platte ist düster, aber nicht eindimensional. Sie kennt Wut, Erschöpfung, Trotz und eine Art Restlicht, das sich nie kitschig nach Hoffnung anfühlt, aber auch nicht völlig verschwindet. Das macht Projections emotional glaubwürdig. Die Songs suhlen sich nicht im Leid, sondern formen daraus etwas Standfestes. Doom als Last, aber auch als Haltung.

Unser Fazit

Projections ist definitiv kein Album für nebenbei. Es verlangt Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit Tiefe, Atmosphäre und echter Wucht. GODTHRYMM verbinden epische Schwere mit melodischer Klarheit und schaffen ein Werk, das nicht sofort alles preisgibt. Manchmal könnte die Platte etwas kompakter zupacken, doch ihre Langsamkeit ist meist Teil der Aussage. Wer Doom Metal als große, dunkle Erzählform versteht, bekommt hier ein starkes Kapitel. Kein leichter Gang, aber ein lohnender. Gerade deshalb wirkt der Abschluss der Trilogie nicht abgeschlossen, sondern wie ein Echo, das weiterzieht. Am Ende bleibt ein Album, das drückt, trägt und lange spürbar im Kopf nachhallt.

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