CROWHURST – „III“

CROWHURST – „III“

📁 Allgemein, Reviews 🕔16.April 2019
CROWHURST – „III“

CROWHURST – „III“

Label: Prophecy Productions

Laufzeit: 34:47 min

VÖ: 05.04.2019

Genre: experimenteller Sludge Post Rock voller Tiefe

CROWHURST ist das Baby von Jay Gambit, der mit verschiedenen Künstlern seit 2011 gefühlt jeden Sonntag Musik herausgebracht hat und so bei nun über 30 Alben angelangt ist. Ja, Ihr habt Euch nicht verhört! Schon allein das nötigt den höchsten Respekt ab. Noch viel mehr aber fasziniert das, was Herr Gambit da künstlerisch zustande bringt. Zu hören gibt es eine so wilde wie mitreißende Musik, die einzigartig anders ist. Das ist experimentell im besten Sinne, das verlangt vom Hörer, sich nackt zu machen, alle engen Kleider abzulegen, in die er sich bisher musikalisch gewandet hat. Das verlangt einen offenen Geist, offene Ohren, ein offenes Herz. Das ist irgendwie Rock, hart, schwer, wild, fließend, aufrüttelnd, und immer: intensiv. Schon der Einstieg mit „I Will Carry You To Hell“ ist eine Nebelkerze, denn dieser fiese Brocken aus völlig entfesseltem Post Black Metal und manischem Wahnsinn führt auf eine geschickt ausgelegte falsche Fährte. Denn im Anschluss gibt es mit „Self Portrait With Halo and Snake“ und „The Drift“ zwei Stücke, und später wird sich auch noch „Ghost Topic“ anschließen, die unbarmherzig in eine tiefe emotionale Dunkelheit hinabreißen. Da gibt es einen wunderbaren düsteren Gesang, der zunächst an Johnny Cash erinnert, sich dann aber in eine aufwühlende schreiende Seelenpein hineinsteigert. Dazu erzeugen Schlagzeug, Bass und Gitarren mit wogenden Tongebirgen eine packende Atmosphäre voller Dröhnen, Wabern, schwebender Intensität. Höhepunkt ist „La Faim“, das einen unnachgiebigen Sog aus Trauer, Verzweiflung, Angst, Schmerz, Harm und Qual erzeugt, aus dem auch der schöne Frauengesang keinen Ausweg bietet – im Gegenteil, es ist die Sirene, die Dich anlockt und töten wird. Selten hat sich Hoffnungslosigkeit und Verderben so wunderschön angehört!

Aber CROWHURST lassen es natürlich nicht bei Schönheit bewenden, sondern stoßen uns mit dem abschließenden „Five Characters in Search of an Exit“, einem Noise-Massaker, dass sich im Vergleich zum sonoren Männergesang und Lagerfeuer-Rock zuvor weit ins Unhörbare hineindehnt, wieder zurück aus unserer Gefühligkeit in die trostlose Welt. Und darin sind CROWHURST richtig gut, das könnt Ihr mir glauben. Wer Nine Inch Nails, aber auch Johnny Cash, The Dark Red Seed und ähnliche Epigonen mag, der wird hier glücklich werden.

Fazit: CROWHURST legen mit „III“ ein Werk vor, das wahrlich Kunst ist. Das fordert, das ist nichts für jeden, das ist intensiv, sehr intensiv. Die Mischung aus hartem, düsteren Rock, Sludge, depessivem Songwriter und Noisegewitter muss sich jeder mit großer Kraft erhören, aber ich verspreche Euch: Es lohnt sich, auch wenn es Alpträume bringt, es bringt noch viel mehr Glück! Unbedingt reinhören!

Liederliste:

1. I Will Carry You to Hell (2:54)
2. Self Portrait With Halo and Snake (5:38)
3. The Drift (6:37)
4. La Faim (6:22)
5. Ghost Topic (6:16)
6. Five Characters in Search of an Exit (7:00)

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