CALLEJON – „Hartgeld im Club“

CALLEJON – „Hartgeld im Club“

📁 Allgemein, Reviews 🕔01.März 2019
CALLEJON – „Hartgeld im Club“

CALLEJON – „Hartgeld im Club“

Label: Century Media Records

Laufzeit: 38:51 min

VÖ: 04.01.2019

Genre: krude Mischung aus Metalcore, Modern Metal, Groove Metal und Crossover – und das Ganze macht mächtig Spaß!

Aus CALLEJON wird mal wieder der böse Zwilling KALLEJON! Viele schreien laut Hurra, viele wenden sich genervt und schimpfend ab. Und was sagt uns das: Mission erfüllt!

In der Hitparade der am meisten die Gemüter spaltenden Bands belegen CALLEJON seit Jahren einen, wenn nicht den Spitzenplatz. Und den haben sich sich verdammt hart erarbeitet. Ihre recht krude Mischung aus Metalcore, Modern Metal, Crossover und Groove Metal forderte schon immer heraus und scheint irgendwie tief in sich den Keim der ständigen Provokation zu tragen. Nicht anders sind die teile heftigen hochemotionalen Reaktionen der Leute zu verstehen – denen man gerne zurufen möchte: Entspannt Euch, es ist doch nur Musik! Nun kann man ja über das Konstrukt der Objaktivität als philisophisches Ideal an sich trefflich streiten, aber bei einem Mindestmaß an Neutralität muss festgehalten werden, dass CALLEJON ihre eigene Nische gefunden haben, in der sie hochwertig agieren, was Sound, Struktur und die Verbindung von Eingängigkeit und Brutalität angeht.

Den Beweis liefern sie auch dieses Mal wieder – wenn für mich auch nicht uneingeschränkt – ab. Neuen deutschen HipHop zu zerlegen und als brutalen Metalcore wieder zusammenzusetzen ist eine Idee, die von vornherein eine gewisse künstlerische Richtung vorgibt, vor allem aber schön schräg und einzigartig ist. Wie immer ist der Sound fett und brachial, die Gitarren braten und sägen, der Bass pumpt und faucht, und das Schlagzeug treibt den aufgemotzten Crossover gnadenlos vor sich her. Allerdings klingt das alles nicht nur transparent, breit und druckvoll, sondern gemeinsam mit den so geschickt wie prägnant süßlich wabernden Keyboards auch so künstlich wie die besungenen „Palmen aus Plastik“. Vor allem die Bassdrum verliert ob der zu Tode getriggerten Sterilität jeden Punch. Das soll wohl so, ist aber dennoch schade. Musikalisch ist das alles schwer einzuordnen. Manchmal wirkt das sehr eigenständig und erfrischend rotznasig umgesetzt, wenn luftige Metalriffs kreisen und melodische Refrains Melancholie und Seelen-Sonnenuntergang erzeugen („Palmen aus Plastik“). Da wird brutal riffgestoppt und neue deutsche Härte gebetet („Arbeit nervt“) oder einfach mal eine fette Schippe Gewalt, Dynamik und Diskoblitz ausgekübelt („Willst Du“). Und dann wirkt das in einigen Momenten auch arg um eben jene Massivität und Härte bemüht, wenn manisches Geschrei („So perfekt“) oder statt Groove hektische Raserei („Schlechtes Vorbild“) für eine gewisse plumpe Dumpfheit sorgen. Und „Ich rolle mit meim Besten“ ist leider nichts weiter als ein Stück billige Labbrigkeit von der Resterampe der Neuen Deutschen Härte. Schick und im besten CALLEJON-Style kommen dann die beiden neuen Stücke daher, arschtight, fett, groovend, walzend und verdammt eingängig, dazu gibt sich mit Ice-T ein Urgestein die Ehre. Letztlich gilt es für jeden die eine Fage zu beantworten, die Musik ausmachen sollte: Macht das Spaß? Und ja, verdammt, und wie!

Fazit: CALLEJON hauen mit „Hartgeld im Club“ eine Scheibe raus, die wie immer spalten wird. Aber bei allen sinnloesen Fragen nach dem Sinn haben CALLEJON wie immer hochprofessionelle Arbeit abgeliefert, die vor allem eines bringt: Spaß! Wer hier kein Grinsen im Gesicht hat, dem ist nicht zu helfen. So, und ich mache jetzt Schluss und hör mir in Dauerrotation „Willst du“ und „Palmen aus Plastik“. Yeah!

Liederliste:

1. Von Party zu Party (3:44)
2. Schlechtes Vorbild (3:31)
3. Kids (2 Finger an den Kopf) (3:37)
4. Palmen aus Plastik (3:13)
5. Was Du Liebe nennst (3:46)
6. Willst du (3:29)
7. Arbeit nervt (3:30)
8. Urlaub fürs Gehirn (3:34)
9. So perfekt (2:43)
10. Bros (3:19)
11. Ich rolle mit meim Besten (3:19)
12. Hartgeld im Club (feat. Antifuchs & Pilz) (3:49)
13. Porn from Spain 3 (feat. K.I.Z. & Ice-T) (4:05)

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