BAEST – „Venenum“

BAEST – „Venenum“

📁 Allgemein, Reviews 🕔12.September 2019
BAEST – „Venenum“

BAEST – „Venenum“

Label: Century Media Records

Laufzeit: 44:41 min

VÖ: 13.09.2019

Genre: grandioser Death Metal – fett, urwüchsig und packend

Immer wieder frage ich mich, was der Death Metal wohl ohne Century Media wäre. Und angesichts der derzeitigen Veröffentlichungen wie Entombed A.D., Vitriol oder eben BAEST ist die Antwort eindeutig: deutlich ärmer an verdammt fettem, brutalem, mitreißendem Death Metal. Denn genau den liefern die Herren aus Dänemark nur ein Jahr nach ihrem bereits famosen Debüt „Danse Macabre“ nun auch mit ihrem Zweitling „Venenum“ ab. Das ist für mich kein Wunder, denn auch wenn Dänemark auf der Death Metal Weltkarte nicht gerade eine Weltmacht darstellt, wenn man allein die Menge der Bands hernimmt, sind doch Namen wie Illdisposed, Panzerchrist oder Hatesphere echte Verpflichtung. Und derer entledigen sich BAEST mit einer solch lässigen Grandezza und kaltschnäuzigen Unbekümmertheit, dass ich nur staunend Applaus klatschen kann.

Das fängt beim Sound an. Schwer, düster, kompakt, druckvoll. State oft he art, wenn es um die zeitgemäße Art geht, brachialen, wuchtigen Death Metal zu kredenzen. Das geht weiter beim Können der Herren. Der Bass drückt, schiebt, zerrt und reißt, und die pumpenden Linien sind genau das, was gemeinhin mit dem Topos Fundament bezeichnet wird. Das Schlagzeug ist nicht nur technisch über alle Zweifel erhaben, wenn die Doublebass unaufhörlich marschiert oder spannende Breaks über uns hinwegrollen. In den stoisch groovenden Teilen entwickelt das einen alles zermalmenden Sog, der eine bedrohliche und sinistre Stimmung heraufbeschwört, die mir schier die Kehle zuschnürt. Vor allem aber die Gitarren sind es, die begeistern. Die sind so brutal sägend wie wandlungsfähig. Während sie uns im einen Moment zäh mahlende Riffs in den Schädel stampfen („Gula“), umflirren uns im nächsten filigrane Leads in hochtechnischer Profession („As Above So Below“). Das sorgt für gehörig Abwechslung und Spannung. Und dann gibt es immer wieder diese herrlich abgedrehten Soli, melodisch, dissonant, quiekend und quälend. Einfach wunderschön. Darüber legt sich der Gesang Herrn Olsens, der genretypisch mit brachialer Urgewalt seine machtvollen Growls in die Welt hinausrotzt, prügelt, schreit. Das passt.

Der Death Metal von BAEST ist bekannt, das ist die geliebte alte Schule. Aber die neuen Schüler bringen einen mächtig frischen Wind in die Szene, wenn sie wie die alten Hasen Musik erschaffen, die mal tief im typischen schwedischen Tod watet, um dann wiederum der amerikanischen Komplexität zu huldigen. Und zu jeder Sekunde wirkt das wie aus einem Guss und präsentiert sich als geschlossene, kompakte Einheit. Denn bei aller Variation macht genau das die Musik von BAEST aus: Das ist ein massiver stählerner Brocken, massig, undurchdringlich, kolossal, tonnenschwer, scharfkantig und unzerstörbar. Ein wahrhafter Monolith. Songs wie das eröffnende und brutal voranschiebende „Vitriol Lament“ und das folgende schwer walzende „Gula“ atmen den gleichen Geist, verströmen diese Aura von Bösartigkeit und Gewalt. Und das unbarmherzig marschierende „Nihil“, das mit grandioser Gitarrenarbeit versehene „As Above So Below“ oder das recht eingängige „Sodomize“ ragen wie gefährliche rostige Spitzen aus diesem schwarzen Klumpen heraus. Ich bedaure nur, dass es nicht einen eigenen kleinen Hit gibt, wie sie ihn mit dem von Bolt Thrower gecoverten „No Guts, No Glory“ an Bord haben. Aber das werden die Herren ja vielleicht bei der nächsten Scheibe nachholen.

Fazit: BAEST liefern mit „Venenum“ hochklassige Genrekost, das ist grandioser Death Metal, pur, unverfälscht, urwüchsig und packend. Fans von Bolt Thrower, Morbid Angel, Obituary, Asphyx oder Immolation werden das hier lieben. Denn das ist authentisch und die pure Leidenschaft für harte Musik. Ich sage: Bravo!

Liederliste:

1. Vitriol Lament (4:27)
2. Gula (4:26)
3. Nihil (6:28)
4. Venenum (3:51)
5. Styx (1:14)
6. Heresy (6:03)
7. As Above So Below (4:56)
8. Sodomize (3:55)
9. Empty Throne (5:30)
10. No Guts, No Glory (3:51)

Diesen Artikel in einem Sozialen Netzwerk teilen

Ähnliche Artikel

News: NOVEMBERS DOOM premiere not one but two singles from forthcoming album

News: NOVEMBERS DOOM premiere not one but two singles from forthcoming album

With Nephilim Grove, Novembers Doom celebrate their 30th anniversary in style, building upon the grandiose vision Paul Kuhr has developed

Weiterlesen