Ayreon (NL) – Transitus

Ayreon (NL) – Transitus

📁 Allgemein, Musik, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔25.September 2020
Ayreon (NL) – Transitus

Wenn es um anspruchsvollen Progressive Rock mit deutlichem Hang zum Metal geht, dürfte der Name Ayreon wohl ganz oben auf der Liste stehen. Arjen „Anthony“ Lucassen schafft es seit einem viertel Jahrhundert ein Meisterwerk nach dem anderen abzuliefern und sich dabei niemals selbst zu wiederholen. Massgeblich daran beteiligt sind vor allem die Scharen an hochrangigen Gästen, bei denen man sich so manches mal fragt, wie der niederländische Hüne es jedes Mal wieder hinbekommt Künstler wie James LaBrie, Bruce Dickinson oder Fish dazu zu bewegen an seinen Projekten teilzuhaben. Nach drei Jahren Vorbereitung und quasi nach dem Motto „Ein bisschen mehr geht immer” lässt Lucassen nun sein neues Ayreon-Opus „Transitus” auf die Welt los.

In der Vergangenheit zog Arjen Lucassen seine Inspiration häufig aus Wissenschaft und Science Fiction, doch hier ist es anders. Das „Transitus”-Konzept basiert auf einer mit Gothic- und Horror-Elementen angereicherten, im Jahr 1884 spielenden Geschichte um Leben, Tod und allerlei übernatürliche Phänomene. Als prominenter Storyteller fungiert der britische Schauspieler Tom Baker, der in den 1970er-Jahren als Star der von der BBC produzierten Kult-Fernsehserie „Dr. Who” Berühmtheit erlangte. Die „Transitus”-Storyline weist Reminiszenzen an Mystery- und Psychothriller wie „The Others”, „Das Grauen” und „Ghost – Nachricht von Sam” auf. In der Musik spiegeln sich neben Einflüssen großartiger Komponisten wie John Carpenter („Halloween”), Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod”) und Jerry Goldsmith („Das Omen”) auch solche aus Lucassens liebsten Rockopern wie „Jesus Christ Superstar”, „Tommy” und „Krieg der Welten” wider. Arjen selbst beschreibt „Transitus“ als das bisher filmischste Werk: „Der Spirit von Progressive Rock besteht darin, zu experimentieren und immer wieder Neuland zu betreten. Genau das hatte ich mit ‘Transitus’ im Sinn. Deshalb ist es anders geworden, als man es von Ayreon bisher kennt – theatralischer und ein bisschen wie ein Musical.”

Mit ungeheuerer Wucht knallt das Album dann aus den Boxen, lässt erneut diesen wohl nur Ayreon innewohnenden Bombast auffahren, der dennoch immer harmonisch und organisch klingt. Dabei ist die Nähe zu einem Musical diesmal größer als jemals zuvor. Wobei sämtliche bisherigen Alben ja auch eine Story zu erzählen hatten, ist der Bombastanteil diesmal noch ein wenig höher, passt damit perfekt zur düsteren Story, die übrigens in einigen Versionen mit einem speziellen Comic daher kommt, in dem man die Story nacherleben kann. Das nenne ich mal innovativ und dürfte wohl eine absolute Seltenheit sein. Spontan fällt mir nur Alice Cooper ein, der ähnliches mit dem Release von „The Last Temptation“ gemacht hatte. Besonders hervorstechend sind diesmal die langen, teils ausufernden Instrumentalparts, die zum Gesamtkonzept aber wie die Faust aufs Auge passen. Zu keiner Sekunde kommt hier Langeweile auf, muss man sich mit dem Album ohnehin beschäftigen. Der Ayreonkosmos wird erneut mit einem weiteren Meisterwerk veredelt.

Die folgenden Gastmusiker sind diesmal vertreten:

Tommy Karevik (Kamelot) als Daniel
Cammie Gilbert (Oceans Of Slumber) als Abby
Simone Simons (Epica)
Dee Snider (Twisted Sister)
Joe Satriani
Marty Friedman
Johanne James (Threshold)
Noa Gruman (Scardust)
Marcela Bovio (MaYan)
Caroline Westendorp (The Charm The Fury)
Paul Manzi (Arena)
Michael Mills (Toehider)
Amanda Somerville (Avantasia, Trilium)
Tom Baker als Storyteller

Fazit: Mehr Bombast, mehr Story und ein weiteres Meisterwerk des Hünen.

  1. Fatum Horrificum
  2. Daniel’s Descent Into Transitus
  3. Listen To My Story
  4. Two Worlds Now One
  5. Talk Of The Town
  6. Old Friend
  7. Dumb Piece Of Rock
  8. Get Out! Now!
  9. Seven Days Seven Nights
  10. Condemned Without A Trial
  11. Daniel’s Funeral
  12. Hopelessly Slipping Away
  13. This Human Equation
  14. Henry’s Plot
  15. Message From Beyond
  16. Daniel’s Vision
  17. She Is Innocent
  18. Lavinia’s Confession
  19. Inferno
  20. Your Story Is Over!
  21. Abby In Transitus
  22. The Great Beyond

Label: Mascot Label Group

VÖ: 25.09.2020

Laufzeit: 80:49 Min.

Herkunft: Niederlande

Stil: Prog Rock/Metal

Webseite: https://www.arjenlucassen.com

Facebook: https://www.facebook.com/ArjenLucassenOfficial/

 

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