Aretha Franklin: Amazing Grace (OmU)

Aretha Franklin: Amazing Grace (OmU)

📁 Allgemein, Film, Musik, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔17.April 2020
Aretha Franklin: Amazing Grace (OmU)

Fast 50 Jahre hat es gedauert bis eine der beeindruckendsten Performances der jungen Aretha Franklin endlich das Licht der Welt erblicken darf.

Zum Inhalt: 1972 steht Aretha Franklin im Zenit ihrer Karriere. Doch nach 20 Studioalben, inklusive elf Nummer-eins-Hits, beschließt die Queen of Soul zu ihren musikalischen Wurzeln zurückzukehren: In der Missionary Baptist Church in Watts, Los Angeles, gibt sie zusammen mit dem Southern California Community Chor und der Gospellegende Reverend James Cleveland ein Konzert und lässt einen Mitschnitt für das Album aufnehmen. Das Ergebnis „Amazing Grace“ ist bis heute das meistverkaufte Gospelalbum aller Zeiten. Festgehalten wurde das Konzert von einem Filmteam unter der Regie von Sydney Pollack. Aufgrund technischer und juristischer Schwierigkeiten, wurden die Aufnahmen jedoch nie öffentlich gezeigt. AMAZING GRACE ist mehr als ein Konzertfilm. Er ist pure Soul-Energie, ein mitreißender musikalischer Gottesdienst und ein faszinierendes Zeitdokument. Noch nie hat man die begnadete Sängerin so hautnah, so konzentriert und voller Demut erlebt. Ein einmaliges Kinoerlebnis!

Man spürt die knisternde Magie, die an diesem Abend in der Baptist Church in der Luft gelegen haben muss, sieht zum ersten Mal die Begeisterung des Publikums, die bisher nur als LP- oder CD-Mitschnitt zu vernehmen war. Diese fast göttliche Stimme, die nicht umsonst als die Queen of Soul gilt, in dieser Andacht, dieser ungewohnten Art nun auch endlich bildlich zu erleben, sich nicht nur imaginäre Bilder ins Hirn zaubern zu müssen, ist schon etwas ganz besonderes. Dass die Qualität des Films nicht mit heutigen Aufnahmen mithalten kann, dürfte jedem Enthusiasten klar sein. Man merkt eben, dass im Jahr 1972 die Aufnahmemöglichkeiten noch gänzlich anders waren als heutzutage. „Amazing Grace“ ist also alleine schon deswegen ein Relikt und gleichzeitig auch Beleg für Präsenz, Authentizität und pure Hingabe. Es ist aber auch gleichzeitig das Feiern, das Tanzen der Anwesenden und die Rückkehr der Soul-Queen zu ihren eigenen Wurzeln. Als Tochter eines Baptistenpredigers wurde ihr diese Musik in die Wiege gelegt und immer wieder wollte sie zu diesen Wurzeln zurück. Es wird zwar auch deutlich, dass Regisseur Sidney Pollack an diesem Abend nicht mit ekstatischer Verzückung und der lebendigen Art des Publikums gerechnet hatte. Häufig kann er sich den teils chaotischen Umständen nicht entziehen, was in eine mehr als grandiose Kameraführung mündete, in der Pollack auch immer wieder versucht ein Augenmerk auf die anwesenden Mick Jagger und Charlie Watts zu legen. Doch genau dadurch ist ein Zeitdokument entstanden, das wie keine andere Dokumentation berührt, fesselt und Emotionen hervorruft, die nicht selten den Griff zum Taschentuch bedeuten.

Wer also schon immer darauf gewartet hat, dass dieses Zeitzeugnis auch endlich in der filmischen Umsetzung seinen Weg in das Heimkino findet, ist nun endlich in der glücklichen Lage genau das nachzuholen.

 

Fazit: Eine der wohl grandiosesten Performances aller Zeiten der Queen of Soul in einem mehr als ergreifenden Zeitdokument.

Label: Weltkino

VÖ: 17.04.2020

Laufzeit: 89:00 Min.

Herkunft: USA

Stil: Gospel/Dokumentation

Webseite: https://www.weltkino.de/filme/aretha-franklin-amazing-grace

 

 

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