ABORTED – „La Grande Mascarade“ (EP)

ABORTED – „La Grande Mascarade“ (EP)

📁 Allgemein, Reviews 🕔14.Mai 2020
ABORTED – „La Grande Mascarade“ (EP)

ABORTED – „La Grande Mascarade“ (EP)

Label: Century Media Records

Laufzeit: 11:49 min

VÖ: 17.04.2020

Genre: eine wahrhaft grandiose Präzisionsmaschine des Brutal Death Metal

Erst im September 2019 haben uns die Herren von ABORTED mit ihrer “TerrorVision“ beglückt (seht dazu auch meine Rezension) – und nun erwartet uns Fans zur Silbernen Hochzeit ein kleines Geschenk. Das nennt sich „La Grande Mascarade“ und gibt sich – vielleicht etwas großspurig – als EP aus, wäre aber bei lediglich drei Stücken als echte Single deutlich besser dahergekommen.

Um es kurz zu machen, ich habe meinen Worten zum letzten Album nicht allzu viel hinzuzufügen. Auch die große Maskerade strotzt nur so vor Brachialität, Intensität und Komplexität. Die drei Lieder sind etwas kürzer als sonst, verlieren dabei aber nicht ein Gramm an Fett, Schweiß, Blut und Eisen. Jeder Song zeigt eine etwas andere Herangehensweise und Färbung. “Gloom and the Art of Tribulation” legt den Fokus auf einen abwechslungsreichen und spannenden Aufbau, getragen von Tempowechseln und dem Gesang des Meisters. Besonders gelungen ist hier der Mittelteil, der sich schwer und brutal vorwärts malmt. Demgegenüber geriert sich “Serpent of Depravity” als gnadenlos voranpeitschender Riffsturm, bestimmt von rasenden Gitarren und einem unfassbar agilen Schlagzeug. Das abschließende “Funereal Malediction” wiederum walzt sich eher als tonnenschwerer Groovepanzer durch meinen Schädel und wirkt dicht und kompakt.

Über allem stehen jedoch das Schlagzeug und die Soli. Oh Mann, dieses Schlagzeug. Ich bin hin und her gerissen zwischen tiefster Glückseligkeit (ob des wahnsinnigen technischen Niveaus und des bei aller Knüppelei knackigen, punktgenauen Grooves) und einer ebenso abgrundtiefen Abscheu (wegen der zwar erwartbaren, aber deshalb nicht minder unerträglichen Steriltriggerei). Und dann diese Soli. Was hier bei aller gewalttätigen Blutsudelei an Gefühl, Melodie und Melancholie erzeugt wird, das ist ganz große Kunst. “Gloom and the Art of Tribulation” und “Funereal Malediction” sind für mich Lieder, die allein durch ihre Soli, die den Song in einem magischen Glanz erstrahlen lassen, weit hinaus erhoben werden über die in diesem Genre übliche Standardkost der puren, unbarmherzigen Bösartigkeit, die dann oft als blutige Gleichförmigkeit an mir vorbeifließt.

Fazit: ABORTED öffnen ihr 25-jähriges Herz und beschenken uns mit „La Grande Mascarade“, mit toller Musik, mit Liebe und Zuneigung. Wer ABORTED mag, der darf hier ebenso zugreifen wie Fans von Dying Fetus, Exhumed und ähnlichen Präzisionsmonstern. Nur den grauenhaft klinischen Sound kann und will ich mir auch dieses Mal nicht schönhören…

Liederliste:

  1.       Gloom and the Art of Tribulation (4:38)
  2.       Serpent of Depravity (3:21)
  3.       Funereal Malediction (3:50)

Quelle Bild: facebook.com/Abortedofficial/

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