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Film: Rammstein (D) – Live In Mexico City

Rammstein live zu erleben, ist selten einfach nur ein Konzertbesuch. Es ist eher eine Mischung aus Rockshow, Theater, Zirkus

Film: Rammstein (D) – Live In Mexico City

Rammstein live zu erleben, ist selten einfach nur ein Konzertbesuch. Es ist eher eine Mischung aus Rockshow, Theater, Zirkus und kontrollierter Katastrophe. Genau dieses Gefühl soll „Rammstein – Live in Mexico City“ ins Wohnzimmer bringen. Die Veröffentlichung dokumentiert die drei ausverkauften Konzerte im Foro Sol am 1., 2. und 4. Oktober 2022 und zeigt die Band beim großen Finale ihrer Nordamerika-Stadiontour. Knapp 200.000 Fans waren dabei – und schon diese Zahl macht klar, in welcher Größenordnung sich das Ganze bewegt.

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5 Jahre tourte die Band mit der selben Bühne, erreichte dabei viele Millionen Fans weltweit und bewies, dass Pyrotechnik und der Einsatz einer gigantischen Bühne noch immer globale Maßstäbe setzen kann. Der Konzertfilm setzt von Anfang an auf Größe. Sobald die Band mit „Armee der Tristen“ die Bühne betritt, wird nicht gekleckert: riesige Aufbauten, grelle Lichter, schwarze Lederklamotten und natürlich Flammen in allen erdenklichen Formen. Rammstein haben über die Jahre eine Bühnensprache entwickelt, die unverwechselbar ist. Die Musik ist hart, präzise und wuchtig, die Inszenierung dazu maximal übertrieben. „Live in Mexico City“ versteht es, diese beiden Seiten miteinander zu verbinden.

Live in Hamburg

Besonders gut funktioniert der Film dort, wo er die Reaktion des Publikums einfängt. Das mexikanische Publikum ist nicht bloß Kulisse, sondern ein eigener Bestandteil der Show. Die Rufe, das Mitsingen und die spürbare Begeisterung verleihen den Aufnahmen eine enorme Energie. Gerade bei „Du hast“, „Sonne“ oder „Deutschland“ entsteht der Eindruck, dass das Foro Sol kurz davorsteht, auseinanderzufliegen. Natürlich kann keine Aufzeichnung das Gefühl eines echten Stadionkonzerts vollständig ersetzen. Trotzdem kommt diese Veröffentlichung der Atmosphäre erstaunlich nahe.

Die Setlist deckt Rammsteins gesamte Karriere ab und bietet damit sowohl neuere Stücke als auch Klassiker. „Du riechst so gut“ klingt immer noch bissig und direkt, während „Sonne“ mit seiner gewaltigen Dynamik zu den stärksten Momenten des Abends gehört. „Deutschland“ wird durch die aufwendige visuelle Umsetzung beinahe zu einem kleinen Bühnenstück. Und „Du hast“ ist ohnehin ein sicherer Höhepunkt, bei dem praktisch das gesamte Stadion mitsingt.

Eine besondere Überraschung ist „Te Quiero Puta!“. Der Song wird live nur selten gespielt und passt natürlich besonders gut nach Mexiko. Der spanische Text, die treibenden Gitarren und die ausgelassene Stimmung sorgen für einen der lockersten Momente der gesamten Veröffentlichung. Hier zeigt sich auch eine andere Seite der Band: Rammstein können nicht nur bedrohlich, düster und brachial, sondern gelegentlich auch ziemlich verspielt sein.

Live in Hamburg

Musikalisch ist die Aufnahme erwartungsgemäß druckvoll. Die Gitarren haben Gewicht, der Bass schiebt ordentlich, und Till Lindemanns Gesang bleibt trotz der gewaltigen Produktion klar im Mittelpunkt. Allerdings wirkt die Perfektion der Show manchmal auch etwas steril. Rammstein spielen ihre Konzerte extrem präzise, was beeindruckend ist, aber gelegentlich auf Kosten spontaner Überraschungen geht. Wer rohe Clubatmosphäre oder improvisierte Momente erwartet, ist hier falsch. „Live in Mexico City“ lebt von Kontrolle – und genau darin liegt seine Stärke wie auch seine kleine Schwäche.

Als Konzertfilm überzeugt die Veröffentlichung vor allem durch die spektakulären Bilder. Die Kameras fangen die Pyrotechnik aus verschiedenen Perspektiven ein, ohne sich völlig in hektischen Schnitten zu verlieren. Flammenwerfer, Feuerfontänen, Raketen und die berühmte brennende Bühnentechnik wirken auch auf dem Bildschirm eindrucksvoll. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für die Band selbst. Rammstein werden nicht von der Show verschluckt, sondern bleiben deren Mittelpunkt. Durch die Nähe zur Kamera wird auch der eigene Wahnsinn der Band deutlich, der sich im Laufe der Jahre des Erfolgs zu steigern scheint, macht die Band doch vor keinerlei Tabus Halt, eckt damit natürlich auch immer wieder an. Genau das aber ist es auch, was den weltweiten Erfolg der Band ausmacht und dazu führt, dass die Fans, egal in welchem Land die Band gerade auftritt, die Songs inbrünstig mitsingen – egal ob sie der deutschen Sprache mächtig sind oder nicht.

Insgesamt ist „Rammstein – Live in Mexico City“ ein überzeugendes Dokument einer Band, die ihre Stadionproduktion über Jahre perfektioniert hat. Der Film zeigt die schiere Größe der Tour, die Leidenschaft des mexikanischen Publikums und eine Setlist voller Hits. Wer Rammstein bereits liebt, bekommt hier eine gewaltige Erinnerung an die Stadionära der Band. Neueinsteiger erhalten einen ziemlich guten Eindruck davon, warum Rammstein live weltweit eine solche Faszination ausüben.

Fazit: Ganz ersetzen kann der Konzertfilm den Besuch vor Ort natürlich nicht. Aber er macht deutlich, wie kompromisslos Rammstein ihre Musik in Bilder, Feuer und körperlich spürbare Energie übersetzen. „Live in Mexico City“ ist laut, bombastisch und manchmal völlig übertrieben – also genau das, was man von Rammstein erwartet. Wer den Film bisher noch nicht im Kino gesehen hat, sollte das schnellstmöglich nachholen, denn alleine der drückende Sound ist den Eintrittspreis wert.

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