Mad Max (DE) Stories Of Destiny
Ein Bandgeburtstag muss nicht zwangsläufig mit einer weiteren Best-of-Sammlung gefeiert werden. MAD MAX durchsuchen zum 45-jährigen Bestehen lieber die
Ein Bandgeburtstag muss nicht zwangsläufig mit einer weiteren Best-of-Sammlung gefeiert werden. MAD MAX durchsuchen zum 45-jährigen Bestehen lieber die eigene Vergangenheit und stoßen dabei auf Material, das bislang unvollendet, unterschätzt oder in anderer Form veröffentlicht war. „Stories Of Destiny“ erscheint am 4. September 2026 über ROAR – A Division Of Reigning Phoenix Music und ist deshalb nur bedingt ein klassisches neues Studioalbum. Die elf Aufnahmen reichen kompositorisch von 1981 bis in spätere Schaffensphasen, wurden jedoch von der aktuellen Formation gemeinsam neu eingespielt. Mit dem britischen Sänger Alan Clark beginnt zugleich ein Abschnitt, der den melodischen Hard Rock der Münsteraner wieder näher an seine frühen europäischen Wurzeln führt.
Keine Resterampe für alte Songs
„Silver“ eröffnet mit großen Melodien, kräftigen Gitarren und einem Refrain, der Alan Clarks klare, hoch angesetzte Stimme wirkungsvoll vorstellt. Jürgen Breforth schrieb das Stück bereits 2001 gemeinsam mit Andreas Bruhn für eine Produktion mit Gary Barden. Die neue Version reduziert die Keyboards und wirkt dadurch deutlich entschlossener. Das 1991 entstandene „Weapons Of Love“ folgt als unbekümmerter AOR-Rocker, dessen Alter vor allem an der geradlinigen Hook erkennbar bleibt. „Keep You Alive“ schlägt anschließend härter zu. Das gemeinsam mit Helloween-Gitarrist Sascha Gerstner entwickelte Hauptriff gehört zu den schwersten des Albums, ohne den melodischen Charakter der Band zu verdrängen. Dagegen zeigt „Far Behind“ Clark von seiner gefühlvolleren Seite und überzeugt mit einem weit geöffneten Refrain.
Zwei Sänger treffen sich an einem Riff
Die entscheidende Verbindung zur Frühzeit liefert „Piece Of Candy“. Das Stück basiert auf Breforths erstem Riff für MAD MAX und wird in der 2026er-Fassung zum Duett zwischen Clark und Gründungssänger Andreas Baesler. Dessen rauerer Vortrag bildet einen reizvollen Gegenpol zu Clarks britisch gefärbter Stimme. Auch „’Til The End Of Time“ stammt aus dem Jahr 1991, wurde vollständig neu aufgenommen und bewahrt seinen damaligen Aufbau. Breite Akkorde und klassische Leadgitarren tragen einen Refrain, der problemlos aus der großen Zeit des melodischen Heavy Metal stammen könnte. „Bullet“ erhöht mit schwerem Groove den Druck, während „Mad Gone Blind“ als kompakter Bühnenrocker funktioniert, neben den stärkeren Melodien aber etwas gewöhnlich bleibt.
Große Gefühle und ein spanischer Abschluss
„She Was Mine“ behandelt verlorene Liebe ohne komplizierte Umschreibungen und bereitet den Boden für die Powerballade „Wings Of Freedom“. Deren langsamer Aufbau und hymnischer Refrain bedienen die Regeln des Genres sehr sicher, bleiben allerdings vorhersehbar. Interessanter fällt der Abschluss aus: „Dulces Falsos“ überträgt „Piece Of Candy“ ins Spanische und richtet sich an die wachsende lateinamerikanische Fangemeinde. Baesler, der viele Jahre in Kuba lebte, verfasste den neuen Text selbst. Musikalisch wiederholt das Stück zwar bereits Bekanntes, im Zusammenhang mit den Konzerten der Band in Kolumbien und dem von Maestro Arturo Said gezeichneten MAD-MAX-Comic ergibt die Zugabe dennoch Sinn.
Rolf Munkes verbindet die unterschiedlichen Entstehungszeiten mit einer druckvollen, sehr sauberen Produktion. Die Gitarren von Breforth und Dethy Borchardt bleiben das Zentrum, während Fabian Watermann und Axel Kruse für ein stabiles Fundament sorgen. Gelegentlich hätte etwas weniger Glätte den Songs gutgetan. Außerdem folgen mehrere Titel demselben Weg vom kontrollierten Vers zum breiten Refrain. Dass „Stories Of Destiny“ trotzdem nicht wie eine willkürliche Archivsammlung klingt, ist der geschlossen auftretenden Band und vor allem Clark zu verdanken.
Unser Fazit
„Stories Of Destiny“ macht aus liegen gebliebenen Kompositionen ein schlüssiges Jubiläumsalbum. MAD MAX bleiben ihrem melodischen Hard Rock treu, gewinnen mit Alan Clark jedoch eine Stimme, die der Band neue Energie gibt. „Silver“, „Keep You Alive“, „Far Behind“ und das Sängerduell in „Piece Of Candy“ ragen heraus. Nicht jede Nummer entkommt bekannten Mustern, doch die Verbindung aus ehrlicher Rückschau und überzeugender Gegenwart trägt über 45 Minuten.

Trackliste
- Silver – 04:10
- Weapons Of Love – 03:24
- Keep You Alive – 04:02
- Far Behind – 04:37
- Piece Of Candy (2026 Version) – 03:22
- ’Til The End Of Time – 04:29
- Bullet – 04:51
- Mad Gone Blind – 03:49
- She Was Mine – 04:42
- Wings Of Freedom – 04:32
- Dulces Falsos – 03:23
Credits
Interpret: MAD MAX
Titel: Stories Of Destiny
Herkunft: Münster, Deutschland
Format: Studioalbum | CD | Vinyl | Digital
Veröffentlichung: 4. September 2026
Genre: Melodic Hard Rock | Heavy Metal | AOR
Label: ROAR – A Division Of Reigning Phoenix Music
Spielzeit: 45:21 Minuten
Produktion: Rolf Munkes und MAD MAX
Aufnahme, Mix und Mastering: Rolf Munkes
Studio: Empire Studios, Bensheim
Cover-Artwork: Kai Brockschmidt
Comic-Artwork: Maestro Arturo Said
Fotografie: Stephanie Kruse | RocKShot Photography
Besetzung
Alan Clark – Gesang
Jürgen Breforth – Gitarre und Begleitgesang
Dethy Borchardt – Gitarre
Fabian Watermann – Bass und Begleitgesang
Axel Kruse – Schlagzeug
Andreas Baesler – Gastgesang bei „Piece Of Candy“ und „Dulces Falsos“


