Bewitched (SE) Diabolical Death Mass
Was ist eine „Diabolical Death Mass“? Im Fall von Bewitched ist die Antwort kein Rätsel, sondern ein brennendes Pentagramm
Was ist eine „Diabolical Death Mass“? Im Fall von Bewitched ist die Antwort kein Rätsel, sondern ein brennendes Pentagramm aus Black Metal, Thrash Metal, Speed Metal und räudiger alter Schule. Die schwedische Formation aus Umeå kehrt mit „Diabolical Death Mass“ nicht einfach zurück, sie tritt die Tür zur Gruft mit voller Wucht ein. Das am 24. April 2026 über Osmose Productions veröffentlichte Album ist das erste Studioalbum seit „Spiritual Warfare“ aus dem Jahr 2006 und wirkt dennoch nicht wie eine Band, die sich nach zwanzig Jahren erst wieder sortieren muss. Bewitched klingen sofort fokussiert, hungrig und herrlich unversöhnlich.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1995 stehen Bewitched für eine Mischung aus schwarzmetallischer Bosheit, traditionellem Metal-Riffing und thrashiger Direktheit. Genau diese DNA pulsiert auch auf „Diabolical Death Mass“. Statt moderner Überproduktion gibt es einen Sound, der roh, laut und dennoch erstaunlich klar zupackt. Die Gitarren schneiden, der Bass drückt, das Schlagzeug peitscht, und über allem liegt diese satanisch-theatralische Aura, die bei Bewitched nie wie billiges Halloween-Schmierentheater wirkt, sondern wie ein bewusst gepflegter Gegenentwurf zu steril poliertem Extrem Metal. Die Texte kreisen um Blasphemie, Teufelskult, okkulte Rituale, Tod, Gewaltfantasien und die klassische Rebellion gegen christlich-moralische Ordnungssysteme. Das ist nicht subtil, aber genau darin liegt die Kraft: „Diabolical Death Mass“ ist keine philosophische Fußnote, sondern eine schwarze Messe mit Faustschlag-Qualität.
Schwarze Messe mit altem Feuer
Der kurze Einstieg „Sanguinis Altare“ funktioniert wie das Öffnen eines Ritualraums. Das lateinisch anmutende Bild vom blutigen Altar bereitet den Boden für ein Album, das seine okkulte Symbolik nicht versteckt, sondern stolz vor sich herträgt. Schon hier wird klar: Bewitched wollen keine lange atmosphärische Exposition, sondern eine unmittelbare Beschwörung. Der eigentliche Angriff beginnt mit dem Titeltrack „Diabolical Death Mass“, und der macht keine Gefangenen. Marcus „Vargher“ Norman führt das Stück mit giftigem Gesang und scharfem Gitarrenspiel an. Seine Stimme klingt rau, fanatisch und herrlich angefressen, ohne im Chaos unterzugehen. Er predigt nicht, er spuckt die Worte in den Raum.
Gitarristisch ist der Titeltrack ein Paradebeispiel für das, was Bewitched auf diesem Album so stark macht. Vargher und Hellfire liefern keine überladenen Griffbrett-Eskapaden, sondern Riffs, die sitzen, schneiden und sofort wiedererkennbar sind. Diese Gitarrenarbeit lebt vom Gefühl für alte Schule: ein bisschen Venom-Dreck, ein bisschen Bathory-Bosheit, ein bisschen Slayer-Biss und dazu eine gehörige Portion schwedischer Präzision. Der Song ist schnell, direkt und hymnisch genug, um sofort hängen zu bleiben. Textlich erhebt er die schwarze Messe zum zentralen Bild des Albums: Tod, Teufelskult und rituelle Entweihung werden nicht erzählt wie eine Geschichte, sondern herausgebrüllt wie ein Glaubensbekenntnis gegen jede Form von Frömmigkeit.
Feuer, Styx und okkulte Gitarrenhiebe
„Into The Fire“ hält das Tempo hoch und wirkt wie ein knapp zweieinhalbminütiger Höllenritt. Hier zeigen Bewitched, dass Kürze kein Mangel sein muss. Der Song ist kompakt, aggressiv und auf den Punkt gespielt. Wrathyr hält am Bass das Fundament zusammen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gerade seine Arbeit ist wichtig, weil sie dem rauen Gitarrensound zusätzliche Körperlichkeit verleiht. Während die Gitarren sägen und der Gesang keift, sorgt der Bass dafür, dass die Nummer nicht dünn, sondern fleischig und gefährlich klingt.
Mit „Crossing The Styx“ greifen Bewitched ein starkes mythologisches Bild auf. Der Styx ist in der griechischen Mythologie der Fluss zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Toten. Im Kontext des Albums wird daraus ein Übergangsritual: Der Song klingt wie eine Fahrt ins Jenseits, aber nicht melancholisch oder ehrfürchtig, sondern dreckig, wild und auf Krawall gebürstet. Zoidor verrichtet an den Drums einen verdammt effektiven Job. Er spielt nicht klinisch glatt, sondern treibend, druckvoll und mit genau jener ungeschliffenen Energie, die diese Musik braucht. Double-Bass-Passagen und geradeaus peitschende Beats geben dem Song eine körperliche Wucht, die sofort in die Nackenmuskulatur fährt.
„Black Spells & Unclean Spirits“ macht danach bereits im Titel deutlich, wohin die Reise geht. Hier wird der okkulte Charakter des Albums besonders greifbar. Die Songtexte sind keine psychologischen Innenansichten und keine sozialen Kommentare, sondern Beschwörungsformeln. Das Böse wird nicht analysiert, sondern inszeniert. Genau das passt zu Bewitched. Der Song arbeitet mit eingängigen Riff-Salven, bissigem Gesang und einer Atmosphäre, die nach Kerzenwachs, Schwefel und Bierdunst riecht. Hellfire ergänzt Vargher dabei mit einer Gitarrenarbeit, die weniger auf technische Schaustellung als auf Wirkung setzt. Jeder Akkord soll treffen, jede Lead-Passage soll den Song anheizen, nicht dekorieren.
Ripper, Rache und satanische Hymnen
„(Fear The) Revenge Of The Ripper“ ist einer der Stücke, bei denen Bewitched ihren Hang zum klassischen Horror besonders genüsslich ausspielen. Der Titel ruft natürlich sofort die Figur des Rippers auf, also jenen morbiden Archetyp des nächtlichen Schlächters, der im Metal seit jeher bestens funktioniert. Die Bedeutung des Textes liegt weniger in einer historischen Auseinandersetzung als in der Zuspitzung eines Schreckensbildes: Angst, Gewalt, Rache und blutige Legendenbildung verschmelzen zu einer finsteren Miniatur. Musikalisch passt das hervorragend, denn der Song besitzt diesen leicht wahnsinnigen Vorwärtsdrang, der zwischen Horrorfilm-Charme und Black-Thrash-Abriss pendelt.
„By Satan Enslaved“ zählt zu den stärksten Hymnen der Platte. Hier verbinden Bewitched ihre satanische Bildsprache mit einem Refrain-Charakter, der sofort greift. Der Text arbeitet mit Unterwerfung, Pakt und anti-christlicher Umkehrung. Satan erscheint dabei weniger als theologische Figur, sondern als Symbol der radikalen Gegenmacht: gegen Demut, gegen Reinheit, gegen gesellschaftlich domestizierte Moral. Genau deshalb funktioniert der Song so gut. Er ist nicht kompliziert, aber wirkungsvoll. Vargher klingt wie ein Zeremonienmeister, der seine Gemeinde nicht tröstet, sondern anstachelt. Wrathyr pumpt darunter eine Basslinie, die dem Stück Schub gibt, während Zoidor das Tempo mit konsequenter Härte nach vorne prügelt.
„Vicious And Wild“ trägt seinen Charakter bereits im Namen. Das Stück ist wild, bissig und angenehm ungehobelt. Hier kommt die Speed-Metal-Schlagseite der Band besonders deutlich zum Vorschein. Die Gitarren sind schneidend, die Rhythmik ist direkt, und die gesamte Nummer wirkt wie ein bewusst überdrehter Angriff auf jede Form von Zurückhaltung. In solchen Momenten merkt man, dass Bewitched nicht versuchen, modern zu klingen. Sie setzen auf Energie, Attitüde und dieses herrliche Gefühl, dass ein Song auch dann funktionieren kann, wenn er nicht jede Kante wegfeilt. Gerade das Solo zeigt, wie souverän die Gitarrenfraktion agiert: kurz, effektiv, giftig und absolut songdienlich.
Hexenzauber und Teufelsbrut
Mit „The Witch Spell“ schieben Bewitched einen der atmosphärischsten Songs des Albums nach. Der Titel deutet bereits an, dass es hier weniger um reine Geschwindigkeit als um Beschwörung geht. Der Song wirkt wie ein magischer Zirkel, in dem Wiederholung, Rhythmus und dunkle Stimmung wichtiger sind als permanentes Tempo. Textlich bewegt sich das Stück im Bereich von Hexerei, Zauberformel und ritueller Kontrolle. Das ist nicht subtil, aber konsequent. Gerade durch diese Direktheit erhält der Song seinen Reiz. Die Musik nimmt etwas Druck heraus, wird dafür schwerer und finsterer. So entsteht eine kurze, aber wirkungsvolle Atempause innerhalb eines Albums, das sonst kaum Luft lässt.
„Those Of The Devil Born“ knüpft thematisch daran an und formuliert die satanische Identität beinahe als Zugehörigkeitsgefühl. Der Titel lässt sich als Selbstbeschreibung einer Gemeinschaft lesen, die nicht erlöst werden will, sondern sich bewusst auf die Seite des Verbotenen stellt. Hier liegt die eigentliche Bedeutung vieler Texte auf „Diabolical Death Mass“: Sie erzählen nicht von individueller Selbstfindung, sondern von kultischer Gegenidentität. Bewitched machen aus dem Teuflischen ein Banner, unter dem sich Metal-Tradition, Provokation und Szene-Mythos versammeln. Musikalisch ist das Stück wieder rasend, kantig und mit genug melodischem Griff versehen, um nicht im bloßen Geballer zu verschwinden.
Das abschließende „Enforcer Of Evil“ setzt dann den letzten Nagel in den Sarg. Der Song wirkt wie ein finales Statement: Wer bis hierhin gekommen ist, bekommt keine Versöhnung, sondern noch einmal eine geballte Ladung Bosheit. Vargher klingt am Mikrofon weiterhin kompromisslos, Hellfire und Vargher schichten die Gitarren zu einer scharfkantigen Wand, Wrathyr gibt dem Ganzen die nötige Tiefe, und Zoidor hält den rituellen Prügelkurs bis zum Ende zusammen. Genau diese geschlossene Mannschaftsleistung macht „Diabolical Death Mass“ so stark. Hier klingt niemand wie ein angeheuerter Nebendarsteller. Die Musiker agieren wie ein eingeschworener Kult.
Unser Fazit
Bewitched liefern mit „Diabolical Death Mass“ ein Album ab, das seine eigene Vergangenheit kennt, aber nicht verstaubt klingt. Die Band bleibt ihrem alten Black-Thrash-Kern treu, wirkt dabei aber erstaunlich vital. Besonders stark ist die Leistung der Musiker: Marcus „Vargher“ Norman überzeugt als giftiger Sänger und riffstarker Gitarrist, Hellfire schärft die Gitarrenfront mit sauber gesetzten Attacken, Wrathyr verleiht dem Material am Bass die nötige Schwere, und Zoidor treibt die Songs mit einem Schlagzeugspiel an, das roh genug für den Untergrund und präzise genug für die Bühne ist.
Textlich bleibt „Diabolical Death Mass“ tief im klassischen Arsenal des satanischen Metal verwurzelt: schwarze Messen, Zaubersprüche, Ripper-Horror, Höllenfeuer, Teufelsdienerschaft und blasphemische Selbstermächtigung. Wer hier literarische Mehrdeutigkeit erwartet, sucht am falschen Altar. Die Stärke der Texte liegt in ihrer Funktion als Ritualsprache. Sie verstärken die Musik, geben ihr Symbolik und machen aus den Songs kleine Beschwörungen. Genau dadurch entsteht ein Album, das weniger argumentiert als angreift. „Diabolical Death Mass“ ist roh, eingängig, höllisch energiegeladen und eine klare Empfehlung für alle, die ihren Black Thrash Metal lieber mit Schwefelgeruch, Nietenarmband und erhobener Faust hören.

Trackliste
- Sanguinis Altare (Intro)
- Diabolical Death Mass
- Into The Fire
- Crossing The Styx
- Black Spells & Unclean Spirits
- (Fear The) Revenge Of The Ripper
- By Satan Enslaved
- Vicious And Wild
- The Witch Spell
- Those Of The Devil Born
- Enforcer Of Evil
Credits
Interpret: Bewitched
Titel: Diabolical Death Mass
Herkunft: Umeå, Schweden
Format: Album
VÖ: 24. April 2026
Genre: Black Metal | Thrash Metal | Black/Thrash Metal | Speed Metal
Label: Osmose Productions
Artwork: Morkh
Besetzung:
Marcus „Vargher“ Norman – Gesang, Gitarre
Hellfire – Gitarre
Kristofer „Wrathyr“ Olivius – Bass
Zoidor – Drums


