FROM WILLOWS – „Holoparasitic“ (EP)

FROM WILLOWS – „Holoparasitic“ (EP)

📁 Allgemein, Reviews, Tipp der Redaktion 🕔21.Oktober 2019
FROM WILLOWS – „Holoparasitic“ (EP)

FROM WILLOWS – „Holoparasitic“ (EP)

Label: Eigenveröffenbtlichung

Laufzeit: 28:45 min

VÖ: 04.10.2019

Genre: brachialer, emotionaler Melodic Sludge Metal – grandios!

FROM WILLOWS sind ein Duo aus den beiden Herren Johannes Horas Möllers und Richard Meier. Die legen nun mit ihrer neuen EP „Holoparasitic“ ihr viertes Lebenszeichen vor. Und das vorab: Das ist ein wahrhaft mächtiger Koloss geworden.

Zu hören gibt es ein heftiges Gemisch aus Doom und Sludge. Dazu gibt es zunächst gewohnt fette Riffs, tonnenschwer, dreckig, zähfließend und turmhohe Granitfelsen stoisch langsam zermahlend. Das schleift, das drückt, das malmt sich in einer fast meditative Kraft entwickelnden Beschwörung breit und schnaufend voran. Als vermeintlichen Gegenpol dazu gibt es melodische Leads, feingliederig und grazil, voller dunkler Melancholie, Trauer und Gram. Die schlängeln sich Äpfel anbietenden Schlangen gleich verführerisch in unsere Ohren, um uns zu betören. Kraftwerk der Musik ist Herr Meier, der mit seinem wuchtig vorantreibenden Schlagzeug dafür sorgt, dass die Lieder bei allem wabernden Wahnsinn jederzeit nachvollziehbar bleiben. Das ist Groove, das ist brutale Geschwindigkeit, das ist Struktur, das ist überraschend und spannend. Das ist einfach großartig. Und darüber entblößt sich Herr Möllers bis auf sein wahres Inneres. Sein wütendes Bellen, Röhren, Krächzen und Klagen erzeugt dabei in diesem auf- und niederschwellenden Fluss aus massiven Riffs und wuchtiger Perkussion nicht nur einen Strudel aus purer und roher Aggressivität, sondern lässt durch feine Nuancierungen tiefe Emotionen erstehen. Das sind dann allerdings keine Gefühle von Freundlichkeit oder menschlicher Wärme. Das ist kein Optimismus oder Wohlbefinden. Hier umarmt mich Hoffnungslosigkeit, Verbitterung, Angst und die Seele fressender Schmerz. Und diese Umarmung ist keine liebevolle, kein sanftes Umgarnen, nein, das umschlingt mich mit kaltem Atem, presst mich an sich und drückt mir mit grimmiger Erbarmungslosigkeit die Luft und das Leben aus Brust, Herz und Verstand.

Aus all diesem Können, dieser aufrichtigen Ehrlichkeit erschaffen FROM WILLOWS einzigartige und mitreißende Musik. Hier ist zu jeder Sekunde zu hören, dass Ziel all der Arbeit, all der Bemühungen, des Handwerks und des Fühlens gute Lieder sind. Hier geht es um ein Ganzes, das sich aus all den Einzelteilen erheben soll. Das ist so eingängig wie progressiv. Da beginnt „To Kill a Bird With Two Stones“ mit diesem unsagbar brachialen Riff, und ist doch nichts ohne den repetitiven Gesang, der den Song weiter treibt in das schwarze Nichts, immer weiter und weiter hinab in die dunklen Kerker, die wir gerne fest verschlossen und gut verschüttet in uns verstecken. Und wie sich „Black Star on the Firmament“ langsam aus der Lava emporschält, die Muskeln schwellend, zähnefletschend aufbäumt, plötzlich innehält, um dann noch einmal in einem zuckenden Finale zu explodieren, das ist einfach große Kunst. Das ist die Epik von Trauer und Nacht. Und ja, mir fehlt ein Bass. So weit und raumgreifend die beiden Herren auch agieren, ein wummernder, pumpender Bass gäbe diesem feisten Brocken noch deutlich mehr Energie, Rost und scmutzverschmierten Beton. Das soll allerdings die Leistung und den insgesamt druckvollen Sound – perfekt eingefangen von Hatespheres früherem Brüllwürfel Jacob Bredahl – nicht schmälern, und ist letztlich ja eh immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Fazit: FROM WILLOWS legen mit „Holoparasitic“ ein aufregendes und herausragendes Werk vor. Das ist hart, emotional und fesselnd. Das ist intensiv, authentisch und aufwühlend. Hier ist sie in jedem Ton zu spüren, die Hingabe, die Leidenschaft, die Liebe zu harter Musik. Für mich stehen FROM WILLOWS nah bei solchen Epigonen wie Mastodon, High on Fire, Baroness oder Kylesa. Wer diese Bands mag, der sollte sich sofort „Holoparasitic“ besorgen. Und dann auflegen. Und sich dann einfach fallen lassen. Ihr werdet belohnt werden. Versprochen!

Liederliste:

1. Slave : Away (6:05)
2. To Kill a Bird With Two Stones (5:22)
3. Black Star on the Firmament, Pt. 1 (1:39)
4. Black Star on the Firmament, Pt. 2 (5:36)
5. The Collector (3:37)
6. Rakyat (6:26)

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