ZAUNPFAHL + NO EXIT, LEBENSLAENGLICH – 01.03.2019, Rostock Mau

ZAUNPFAHL + NO EXIT, LEBENSLAENGLICH – 01.03.2019, Rostock Mau

📁 Allgemein, Live, Tipp der Redaktion 🕔02.März 2019
ZAUNPFAHL + NO EXIT, LEBENSLAENGLICH  – 01.03.2019, Rostock Mau

ZAUNPFAHL + NO EXIT, LEBENSLAENGLICH – 01.03.2019, Rostock Mau

Die Bilder gibt es in der Galerie!

25 Jahre ZAUNPFAHL – Eine Party unter Freunden

Alle Gratulanten haben sich an diesem Abend die größte Mühe gegeben. Das Mau zeigt sich wie immer perfekt organisiert, die Mitarbeitenden sind so freundlich und gelassen wie immer, und vor allem der Sound und das Licht sind so hochklassig, wie man das seit Jahren nicht anders gewohnt ist: Glückwunsch daher zunächst an das Mau und sein Personal. Aber auch die Geburtstagskinder haben bereits vorab oredntlich geklotzt und zeigen sich vor dem Konzert gut gelaunt und (noch) entspannt. Sie begrüßen die Gäste am Eingang persönlich und haben eigens ein Geburtstagshirt entworfen, das für schmale Taler als einzigartiges Erinnerungsstück zu erstehen ist.

Es beginnt mit einem schicken Intro: Über „25 Years“ von The Catch sind Sprachsamples zu ZAUNPFAHL gelegt – und dann fällt der Vorhang und es geht los. Der Sound ist perfekt, ausgewogen, natürlich, druckvoll und knackig. Kraftvoll vorangetrieben von einem wuchtigen Schlagzeug und einem stoisch pumpenden Bass zeigen die beiden Herren Goethe und Ole, wie man harte und eingängige Riffs tight und sägend zu mitreißenden und berührenden Liedern zusammenbaut, die jederzeit abwechslungsreich und überraschend vorgetragen werden. Beide legen zudem in ihren Gesang all das, was die Lieder brauchen, von rotzig angepisstem Lamentieren über wütendes Fauchen bis zu melancholisch berührenden Melodielinien. Dabei treffen ZAUNPFAHL immer wieder perfekt dieses magische Dreieck, in dem sich Punk, Metal und Deutschrock begegnen und sich gemeinsam zu großartigen Hits verbinden. Und davon haben ZAUNPFAHL eine ganze Menge zu bieten: Von „Wie es weiter geht“, „Lilo Meyer“ (Was für ein fettes Riff!), „Terrorist“, „Du“ bis zu „Tote tanzen keinen Pogo“ bricht es über uns Geburtstagsgäste herein und haut uns allen ein breites Grinsen in die Gesichter. Aber ZAUNPFAHL sind eben auch noch viel mehr. Sie sind ebenso Sprachrohr und Verfechter klarer Botschaften von Menschlichkeit und Toleranz, und diese schlagen sie uns nicht mit dem platten Holzhammer in die Schädel, sondern verpacken sie in feine Ironie und intelligenten Sarkasmus. Davon zeugen etwa „Hätte“, „Wasser & Wein“, „Baum gepflanzt“ und „Polizisten“. Immer wieder holen sich ZAUNPFAHL Gäste auf die Bühne, alte Weggefährten, Freunde, Künstler, die mit Gesang, Saxofon oder an der Gitarre gemeinsam mit der Band den Moment genießen (etwa Herr Rio mit Ole bei „Ob sie will oder nicht“).

Am großartigsten und mitreißendsten sind ZAUNPFAHL aber für mich immer dann, wenn sie ihre Männerseelen öffnen und sich verletzbar zeigen, wenn man in ihnen das spürt, was wir uns alle nicht zu sagen wagen: Ich brauche Liebe. Das zeigt sich im mit Gästen veredelten wunderschönen Finale mit „Warum sind schöne Tage so schnell um“, für mich allerdings im berührendsten Moment des Abends, dem Duett „Angst vor dem Moment“. Das ist die pure Magie! Der Abend will nicht enden, und es folgt Hit auf Hit, bis sich schließlich auf, vor und neben der Bühne Menschen feiernd in den Armen liegen. ZAUNPFAHL haben alles richtig gemacht, vor allem aber ihren Gästen und sich selbst ein gute Zeit verschafft. Und was will man mehr, als Glück geschenkt zu bekommen!

Auf der Bühne steht eine Band, die das Publikum in bestem Sinne repräsentiert. Da stehen alte Säcke neben jungen Hüpfern, da tanzen junggebliebene Damen neben bunthaarigen Schülerinnen. Herr Goethe hat als letztes verbliebenes Gründungsmitglied eine Band um sich geschart, die hochprofessionell agiert, dabei aber zu jeder Sekunde authentisch Spaß und Leidenschaft vermittelt. Herr Goethe selbst ist Motor, Legende, Tausendsassa, Kämpfer, Entertainer, Dinosaurier, Mastermind, Akkumulator, Stimmungskanone, vor allem aber: Mensch. Wie er da oben steht, gelassen, freundlich, zurückhaltend, strahlt er eine tiefe und warme Geschlossenheit aus, gestählt in schweren gesundheitlichen Kämpfen, immer wieder im Leben und in der Musik zurück und zu Boden geworfen – aber stets wieder aufgestanden, voller Mut und Hingabe. Und das sieht und spürt man zu jeder Sekunde, diese Aura der Wahrhaftigkeit, eine Präsenz, die nicht durch theatralische Gesten oder laute Worte lebt, sondern durch eine stille Unerschütterlichkeit und feinfühlige Würde. Ich kann nur ganz groß und laut Danke sagen, vor allem aber von ganzem Herzen wünschen, dass diese Band weiter lebt, atmet, kämpft, lacht! Glückwunsch, und bis bald!

Hendrik

LEBENSLAENGLICH – Mit Riffs und Rockröhre zum Erfolg

LEBENSLAENGLICH sind eine junge Band aus Pribbenow, gut versteckt im Nirgendwo zwischen Rostock und Neubrandenburg. Für Musiker muss das aber ein verdammt fruchtbarer Boden sein, denn die Herren liefern eine dynamische und knackige Mischung aus hartem Rock, Metal und Deutschrock. Diese Band steht auf drei Beinen: einem druckvollen und wuchtigen Schlagzeug, brachial bratenden Metalgitarren, und einer Stimme, für die man den Namen Rockröhre erfunden hat. Vor allem die Gitarren wissen mit ihrem prägnant kratzenden Sound zu gefallen, der für Härte und Schub sorgt. Dazu werden immer wieder schön melodische Soli eingestreut, die die Lieder nochmals veredeln. Herr Manu am Gesang verfügt über eine wahrlich machtvolle Stimme, dunkel und rauh, mit der er ebenso wütend agieren wie melodisch glänzen kann. Das passt dann alles wunderbar organisch zusammen und ergibt in der Summe so durchdachte wie mitreißende Lieder. Diese werden so konzentriert wie mitreißend dargeboten, und man merkt der Band zu jeder Sekunde an, mit welchem Herzblut sie ihre Musik leben. Am besten agieren LEBENSLAENGLICH, wenn sie die Metalriffs auspacken und hart rocken. Ihr Gassenhauer „Arbeitslos“ schlägt da voll aus der Art, weiß aber mit seiner Vorschlaghammer-Ironie zu gefallen. Überraschend tauschen dann die Herren Manu und Luki ihre Plätze. Das sorgt zwar für kurzweilige Abwechslung und bringt Schwung in die Bude, geht aber klar zu Lasten der Qualität. Denn Manu ist ein eindeutig besserer Sänger und Luki der ebenso bessere Schlagzeuger. Und das ist dann leider auch deutlich zu hören. Nun ja, das werden die Herren sehr wohl wissen, aber das gehört wohl zum Konzept. Und letztlich frisst das Publikum LEBENSLAENGLICH aus der Hand, also kann es ja nicht ganz so verkehrt sein. Die gute Laune der vier Herren überträgt sich schnell auf das Publikum, welches die Band gebührend abfeiert und am Ende sogar nach Zugaben verlangt. Chapeau!

NO EXIT – Berliner Jungs auf Wandertag

NO EXIT sind sogar noch 3 Jahre älter als die Teterower Geburtstagskinder – und das mag man ihnen vielleicht (aber nur vielleicht!) in manchen Momenten ansehen, aber niemals spüren. Denn die Herren geben vom ersten Augenblick an Vollgas. Ihre Mischung aus Punk und hartem Rock mit so intelligenten wie lustigen Texten wird schnell und kurzweilig dargeboten. Die Gitarren braten uns herrlich sägende Riffs um die Ohren und werden von den arschtight trümmernden Schlagzeug und Bass schön brachial vorangetrieben. Und auch wenn die Rostocker Zuhörerschaft nicht immer vor Begeisterung zu platzen scheint, Herr Rio am Mikrofon holt sie alle ab, mit einer so sympathischen wie lockeren Art, na ja, eine echte Berliner Schnauze eben. Die gute Stunde vergeht wie im Flug, und so werden NO EXIT am Ende mit kräftigem Applaus in das verdiente Feierabendbier verabschiedet.

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