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WRETCHED – „Decay“

Genre: Technical Progressive Melodic Death Metal Nach dem letzten Album „Cannibal“ von 2104 war bei den aus North Carolina

WRETCHED – „Decay“

Genre: Technical Progressive Melodic Death Metal

Nach dem letzten Album „Cannibal“ von 2104 war bei den aus North Carolina stammenden WRETCHED an der Veröffentlichungsfront Totenstille. Nun jedoch kommen die vier Gentlemen nach 11 langen Jahren mit „Decay“ um die Ecke. Und das ist ein echter Brocken geworden – im Guten wie im Schlechten. Zum Guten: Von den früheren Deathcore- und Metalcorewurzeln ist nicht mehr viel übrig geblieben. Zu hören gibt es waschechten Death Metal, der geprägt wird von herausragendem technischem Können, unerwarteten Wendungen und überraschenden Ausflügen in düstere Wildwestromantik und kosmische Weiten voller Melancholie und umarmender Düsternis („Clairvoyance“). Das ist an manchen Stellen, wenn die Gitarren Traurigkeit in wahrhaft ergreifende Melodien transformieren, so wunderschön, dass es fast wehtut („Behind the Glass“). Viele Riffs kommen wirklich hart und prägnant daher und setzen sich sofort mit dicken Widerhaken im Hirn fest. Zudem gelingen Mister Steven Funderburk an der Axt immer wieder Soli, die sich wunderbar in die Lieder hineinschmiegen und diese hell erstahlen lassen. Nichts ist vorhersehbar, und es bleibt jederzeit spannend, unvorhersehbar und wild.

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Leider (Leider!) wollen WRETCHED jedoch viel zu viel und das auch noch gleichzeitig. Das Album wirkt in zwei Teile zerrissen. Progressiver Übermut und technisches Können auf der einen finden nicht zusammen mit der emotionalen Eingängigkeit auf der anderen Seite, das passt sich nicht ineinander, sondern wirkt eher wie eine wüste Prügelei um die Vorherrschaft. Vor allem aber gelingt es den Herren nicht, ihr technisches Können und ihre Musikalität so in schlüssige Strukturen und einen nachvollziehbaren Fluss zu gießen, das am Ende spannende Musik entsteht, die mitreißt und begeistert. So blasen zum Einstieg zwar „Decay“, „Malus Incarnate“ und „The Royal Body“ alles härtetechnisch weg, sie wirken aber insgesamt seltsam leblos, blutleer und steril. In der Mitte dagegen wissen „Clairvoyance“ und „Behind the Glass“ dann zwar mit ihrer Emotionalität zu packen, kranken dann aber entweder am schwachen Gesang oder aber einer völlig überdimensionierten Länge. Dazu gesellt sich mit dem Gesang ein weiterer Schwachpunkt, das ist viel zu monoton, einförmig und phantasielos. Und nur die Band weiß dann wohl, was uns dieses arschlahme Synthiegesäusel „The Mortal Line“ sagen soll. Erst zum Ende hin gibt es mit den beiden abschließenden „Blackout“ und „The Golden Skyway“ endlich Lieder, in denen die Symbiose aus Härte, Technik und Eingängigkeit nahezu perfekt gelingt und die dann eben auch das Herz und die Seele zu berühren vermögen. Leider kommt das aber viel zu spät und vermag das Ruder nicht mehr herumzureißen.

Fazit: WRETCHED deuten leider mit „Decay“ ihr großes Potenzial nur an. Da gibt es neben wunderschönem Licht mit gnadenloser Härte, ergreifenden Melodien, umarmender Traurigkeit und melancholischer Weite dann leider viel zu viel Schatten. Zum Ende hin beweisen WRETCHED, zu was sie in der Lage sind, dazwischen ist „Decay“ der Beweis tiefster Zerrissenheit zwischen Technik und Gefühl. Dazu gibt es in der Mitte zwei Lieder, die irgendwie nicht auf die Platte gehören, sondern für sich selbst stehen sollten. Schade, da wäre viel mehr drin gewesen. So heißt es dann eben: Verschenkt. Dennoch gilt: Fans von technischer Grandiosität und einem Faible für Musik, die immer um mehrere Ecken gedacht werden muss, sollten sich gerne ein eigenes Urteil bilden.

Liederliste:

  1. Decay (5:26)
  2. Malus Incarnate (3:22)
  3. The Royal Body (4:54)
  4. The Crimson Sky (4:57)
  5. Radiance (4:24)
  6. Clairvoyance (4:23)
  7. The Mortal Line (3:29)
  8. Behind the Glass (16:00)
  9. Lights (4:42)
  10. The Golden Tide (4:30)
  11. Blackout (5:05)
  12. The Golden Skyway (3:49)

 

Label: Metal Blade Records

Laufzeit: 65:01 min

VÖ: 17.10.2025

Quelle & © Bilder/Info/Clips: Wretched / Metal Blade Records