VRÎMUOT – „O Tempora, O Mores!“

VRÎMUOT – „O Tempora, O Mores!“

📁 Allgemein, Musik, Reviews 🕔01.Oktober 2020
VRÎMUOT – „O Tempora, O Mores!“

VRÎMUOT – „O Tempora, O Mores!“
Label: Prophecy Productions
Laufzeit: 50:52 min
VÖ: 25.09.2020
Genre: Neo Folk

VRÎMUOT ist die Schöpfung des deutschen Künstlers T. S. (aka Lupus Viridis). Der lebt sich hier in bester Alleinunterhalter- und macher-Attitüde als Komponist, Sänger und Bediener aller Instrumente aus. Herr T. S. verpasst seiner Musik das Etikett „Mythopoeic Darkfolk / Neofolk“, also eine Musik, die neue Mythen erschafft. Nun ja, ich nenne das ganz einfach Folk. Der ist dunkel. Und in seiner Instrumentierung und seinen Themen kann er auch ganz getrost den Zusatz „Neo“ tragen.

VRÎMUOT führen in uns in sechs langen Stücken zwischen knapp acht und über neun Minuten tief hinein in ihren Kosmos. Die Musik wird bestimmt vom dunklen und leicht angerauhten Gesang des Meisters. Der kommt zumeist sanft daher, kann sich aber auch energetisch hoch hinaus in die Welt erheben. Dazu gesellen sich sparsam eingesetzte Instrumente, neben einer akustischen Gitarre meine ich auch ein Akkordeon zu erkennen, dazu allerlei Blasinstrumente und Trommeln, Schellen und Becken, die marschähnliche Rhythmen erzeugen. Die Instrumente sind vermutlich ohne jede Effekte aufgenommen, alles wirkt sehr direkt, natürlich, und für mich auch etwas trocken und spröde. Die instrumentale Reduktion erschafft eine seltsam anmutende archaische Stimmung, und beim Hören bauen sich in mir Gedanken an etwas entrücktes, an weit zurückliegende Zeitalter auf. Zusammen mit den Texten ergibt sich so insgesamt eine düstere, melancholische Atmosphäre. Die braucht es aber auch, denn die Musik an sich wirkt für sich genommen wenig spannend und abwechslungsreich. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Lieder viel zu lang sind und es Herrn T. S. mit dem dargebotenen Minimalismus zu keiner Zeit gelingt, die aufgebauten Stimmungen über längere Zeit zu halten. Auch hier wäre weniger deutlich mehr gewesen.

Fazit: VRÎMUOT liefern mit „O Tempora, O Mores!“ ein recht durchwachsenes Debüt ab. Auf der dunklen Sonnenseite gelingt es Herrn T. S., mit geschickt eingesetzten Mitteln eine mystische, ja manchmal geradezu magische Aura zu erzeugen. Auf der leider ebenso dunklen Schattenseite fehlt es an packenden, eingängigen Melodien und spannenden, überraschenden Elementen, mit denen sich die langen Lieder tragen lassen. So verliert sich nach einer Weile alles in einer gewissen Ereignislosigkeit und eben nur vorgetäuschten Bedeutungsschwere. Wer aktuell Neofolk sucht, der sollte lieber zur neuen Orplid greifen.

Liederliste:
1. Aufbruch (8:08)
2. Nymphaea Alba (9:18)
3. Palingenese (7:36)
4. Erwachen (7:43)
5. Wolffsangel (8:12)
6. Ewiger Mond (9:27)

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