Vier Meter Hustensaft (DE) – Weltuntergang
Der Rechtsruck gewinnt an Fahrt, soziale Ungerechtigkeit wird achselzuckend hingenommen und politische Versprechen besitzen mitunter die Haltbarkeit einer offenen
Der Rechtsruck gewinnt an Fahrt, soziale Ungerechtigkeit wird achselzuckend hingenommen und politische Versprechen besitzen mitunter die Haltbarkeit einer offenen Packung Milch. Gründe, sich aufzuregen, gibt es derzeit jedenfalls reichlich. Vier Meter Hustensaft haben daraus vier neue Punkrocknummern gemacht und ihrer EP den wenig optimistischen Titel „Weltuntergang“ verpasst. Seit ihrer Gründung im Jahr 2020 hat die Düsseldorfer Formation einige Besetzungswechsel und musikalische Veränderungen hinter sich gebracht.Auf ihrer brandneuen EP präsentiert sich das Quartett allerdings ausgesprochen eingespielt. Zwei selbstbewusste Sänger, melodische Gitarrenarbeit und Refrains mit ordentlichem Mitgröhlfaktor bestimmen die rund zehneinhalb Minuten. Gesellschaftskritik gibt es selbstverständlich obendrauf.
Wenn die Apokalypse plötzlich verlockend klingt
Der Titelsong „Weltuntergang“ macht aus allgemeiner Politikverdrossenheit eine bitterböse Satire. Statt sich vor dem Untergang zu fürchten, betrachtet die Band das bevorstehende Chaos mit einer gehörigen Portion Zynismus. Philipp „Phil“ Altenhofen übernimmt den Gesang und zeigt sich dabei wesentlich selbstsicherer als auf früheren Veröffentlichungen. Seine rotzige, aber melodische Darbietung harmoniert ausgezeichnet mit den treibenden Gitarren und dem griffigen Refrain. Besonders die verspielten Leadgitarren sorgen für Abwechslung, während Bassist Philipp Wachter und Schlagzeuger Dirk Löber das Stück mit ordentlich Schub nach vorne bringen. Für Punkrockverhältnisse fällt die Gitarrenarbeit erstaunlich abwechslungsreich aus.
Bei „Keiner Wird Euch Vermissen“ übernimmt Thiemo Schröder das Mikrofon und beweist, dass ihm sein frecher Schreigesang ausgezeichnet steht. Seine leicht kratzige, stellenweise regelrecht herausgebrüllte Stimme besitzt eine sympathische Unverschämtheit und verleiht der Nummer zusätzlichen Biss. Die Refrains laden geradezu zum kollektiven Mitgröhlen ein. Inhaltlich zieht die Band Parallelen zwischen der nationalsozialistischen Vergangenheit und gegenwärtigen rechtsextremen Strömungen, bevor sie eine hoffnungsvollere Zukunft entwirft. Dazu liefern die Gitarren ausgesprochen eingängige Melodien. Der gemeinsame Gesang von Schröder und Altenhofen funktioniert hervorragend und dürfte insbesondere auf Konzerten für ordentlich Bewegung vor der Bühne sorgen.
Politische Seitenhiebe und eine erfreulich spielfreudige Rhythmussektion
Auch „Das Ganze Schwarz“ verteilt politische Ohrfeigen. Die Kritik richtet sich gegen gebrochene Wahlversprechen, opportunistische Machtspiele und eine zunehmende Annäherung an rechte Positionen. Dank der deutlichen Farbsymbolik bleiben die Adressaten trotz fehlender Namensnennung kaum verborgen. Musikalisch setzen Vier Meter Hustensaft auf ein ordentliches Tempo, kernige Rhythmusgitarren und melodische Leadpassagen. Besonders erfreulich ist das Zusammenspiel von Philipp Altenhofen und Thiemo Schröder, die sowohl gesanglich als auch an den Gitarren überzeugend zusammenarbeiten. Beide treten mit einer Selbstverständlichkeit auf, die der Band hörbar guttut.
Das abschließende „Wir Stehen Zusammen“ verlagert den Schwerpunkt auf gesellschaftliche Solidarität. Obdachlosigkeit, soziale Ungleichheit und die Gleichgültigkeit wohlhabender Zeitgenossen werden ohne große Umschweife angesprochen. Der gemeinschaftlich ausgerichtete Refrain passt zur Botschaft, erreicht musikalisch allerdings nicht ganz die Eingängigkeit der vorherigen Stücke. Als Abschluss funktioniert die Nummer dennoch ordentlich. Überhaupt verdient die Produktion Lob: Dirk Löber, der auch Mixing und Mastering übernahm, hat den Gitarren genügend Druck verliehen, ohne den deutlich wahrnehmbaren Bass zu vernachlässigen. Das Schlagzeug klingt kräftig, die Stimmen setzen sich gut durch und die melodischen Details bleiben erhalten.
Unser Fazit
Vier Meter Hustensaft haben mit „Weltuntergang“ einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Die vier Stücke verbinden bissige Gesellschaftskritik mit flottem Deutschpunk, überraschend melodischen Gitarren und einem kräftigen rhythmischen Fundament. Besonders die beiden Sänger hinterlassen einen ausgezeichneten Eindruck. Während Philipp Altenhofen mit souveränem, rotzigem Gesang überzeugt, verleiht Thiemo Schröder den Songs durch seine freche, ungestüme Stimme eine zusätzliche Portion Charakter. Der hohe Mitgröhlfaktor macht die EP zudem ausgesprochen konzerttauglich. Lediglich das Finale fällt kompositorisch etwas weniger markant aus. Insgesamt liefern die Düsseldorfer aber vier unterhaltsame Punkrocknummern mit klarer antifaschistischer Haltung, die sich auch vor bekannteren Vertretern des Genres keineswegs verstecken müssen.

Trackliste
- Weltuntergang
- Keiner Wird Euch Vermissen
- Das Ganze Schwarz
- Wir Stehen Zusammen
Credits
Interpret: Vier Meter Hustensaft
Titel: Weltuntergang
Herkunft: Düsseldorf, Deutschland
Format: EP | Digital | Hi-Res-Download
Veröffentlichung: 30. Oktober 2026
Genre: Punkrock | Deutschpunk | Politpunk
Label: NRT-Records
Spielzeit: ca. 10:30 Minuten
Besetzung
Philipp „Phil“ Altenhofen – Gesang, Gitarre
Thiemo Schröder – Gesang, Gitarre
Philipp „Wachtel“ Wachter – Bass, Hintergrundgesang
Dirk „The Lobster“ Löber – Schlagzeug, Hintergrundgesang
Produktion
Dirk „The Lobster“ Löber – Mixing und Mastering
Philipp Altenhofen, Philipp Gottfried und Geo Hilse – Artwork
Philipp Gottfried und Geo Hilse – Digitales Booklet und Bonusfeatures



