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Tinkicker (DNK) The Forbidden Fruit

Die dänische Heavy Prog Metal Formation Tinkicker gilt außerhalb ihrer Heimat Kopenhagen noch immer als viel zu gut gehütetes

Tinkicker (DNK) The Forbidden Fruit

Die dänische Heavy Prog Metal Formation Tinkicker gilt außerhalb ihrer Heimat Kopenhagen noch immer als viel zu gut gehütetes Geheimnis, was angesichts der Klasse dieser Band längst nicht mehr nachvollziehbar ist. Mit ihrer neuen EP The Forbidden Fruit, die über NRT-Records erscheint, servieren die Dänen ein kompaktes Konzeptwerk, das Verlockung, Schuld, emotionale Verwüstung und zwischenmenschliche Vergiftung in einen düsteren, druckvollen Rahmen gießt. Das Quintett um Sänger Klaus Bastian, die Gitarristen Søren Lindberg und Kristian Møller, Bassist Anders Oehlenschlæger und Drummer Klaus Herfort fährt dabei alles auf, was man sich von Heavy Prog mit Tiefgang erhofft: starke Melodien, packende Dramaturgie, klug aufgebaute Arrangements und Gitarrenarbeit, die nicht bloß glänzen will, sondern den Songs tatsächlich Gewicht verleiht. Schon nach wenigen Minuten ist klar: Hier will niemand ziellos frickeln, sondern mit Substanz, Atmosphäre und echtem Spannungsaufbau treffen.

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Schaut die Clips zu den Songs und kostet The Forbidden Fruit von Tinkicker

Giftige Verlockung mit Tiefgang

Musikalisch bewegt sich The Forbidden Fruit genau in jener Schnittmenge, in der Progressive Metal, klassischer Hard Rock und ein angenehm finsterer Heavy-Rock-Unterbau zusammenfinden. Das Schöne daran: Tinkicker klingen komplex, ohne verkrampft zu wirken. Die EP will nicht mit verschachtelter Technik beeindrucken, sondern mit einem Gespür für Wirkung. Riffs, Leads, kleine Synth-Flächen und akustische Einsprengsel greifen sauber ineinander, während die Songs trotz ihrer düsteren Grundstimmung erstaunlich eingängig bleiben. Gerade kompositorisch sitzt hier fast jede Schraube: Refrains bleiben hängen, Spannungsbögen werden sauber aufgebaut und die Soli wirken nie wie bloße Zierde, sondern wie organische Fortsetzungen der Stücke.

Druckvoll, düster, erstaunlich elegant

Was diese EP aber endgültig trägt, ist ihr Sounddesign. Die Produktion ist satt, warm und druckvoll, ohne die düstere Aura glattzubügeln. Die Gitarren von Søren Lindberg und Kristian Møller liefern Schwere, Kante und feine melodische Akzente, während Anders Oehlenschlæger am Bass das Fundament mit genau jener dunklen Dichte legt, die diesem Material die nötige Gravitas gibt. Klaus Herfort trommelt mit Nachdruck und Übersicht, treibt an, setzt Akzente und hält die Stücke auch dann zusammen, wenn die Arrangements kleine progige Haken schlagen. Über all dem thront Klaus Bastian, dessen tiefe Stimme wie gemacht ist für diesen düsteren, druckvollen Sound. Sein Bariton liegt nicht einfach auf den Songs, sondern ist regelrecht in ihnen aufgebettet, was den Stücken zusätzliche Wucht, Wärme und eine herrlich theatralische Note verleiht.

Fünf Kapitel einer schleichenden Vergiftung

Der Opener „He Said She Said“ eröffnet mit psychedelischer Schattierung und kippt dann in einen herrlich drückenden Midtempo-Track, dessen Ohrwurm-Refrain und bissige Gitarrenarbeit sofort zünden; textlich zeichnet der Song das Bild einer Beziehung, in der Manipulation, Gerüchte, Besitzanspruch und emotionale Gewalt längst jede Form von Nähe vergiftet haben. „Mother Valium“ beginnt akustisch, fast trügerisch sanft, bevor sich der Song immer tiefer in finstere Prog-Metal-Gefilde schraubt; inhaltlich geht es hier um religiöse Fassade, familiäre Verdrängung und die verstörende Erkenntnis, dass moralischer Schein und seelische Verwüstung erschreckend nah beieinanderliegen können. „Spitting Venom“ zieht das Tempo an, rockt mit Biss und dunklem Drive nach vorne und wirkt wie eine kleine Heavy-Prog-Oper unter Hochspannung; lyrisch geht es um toxische Prägungen, familiären Druck und den schmerzhaften Versuch, eine zerstörerische Erbschaft endlich zu durchbrechen.

Copyright Tinkicker – Gepostet mit freundlicher Genehmigung durch Label und Band

Besonders stark gerät „There’s Not Enough Drugs In The World“, weil Tinkicker hier Melancholie, Schwere und feine Akustikmomente zu einem schwermütigen Sog verbinden; die Textaussage kreist um Selbstmedikation, Erinnerungsschmerz und die bittere Einsicht, dass sich manche Verluste weder wegsaufen noch wegbetäuben lassen. Der Bonustrack „Neon Lights And Transvestites (Live)“ bringt zum Schluss noch einmal Bühnenluft in die Sache und zeigt angenehm ungeschönt, dass die Band ihre Dramaturgie auch live überzeugend umsetzen kann; inhaltlich wirkt das Stück wie ein schillernder nächtlicher Blick auf Exzess, Rollenbilder und urbane Außenseiter-Energie. Genau dieser Mix aus Atmosphäre, Handwerk und emotionaler Schärfe macht The Forbidden Fruit so hörenswert: progressiv, aber nie verkopft, dunkel, aber nie stumpf, eingängig, ohne beliebig zu sein.

Unser Fazit:

Tinkicker liefern mit The Forbidden Fruit eine EP ab, die kompositorische Klasse, starke Arrangements und eine durchgehend dichte Atmosphäre vereint. Der düstere, druckvolle Sound sitzt, die Gitarrenarbeit ist stark und Klaus Bastian veredelt das Material mit einer tiefen Stimme, die perfekt zu diesem finsteren Heavy-Prog-Kosmos passt. Wer melodischen, schweren und intelligent gebauten Rock/Metal schätzt, sollte hier unbedingt reinhören.

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