The Crown Of Yamhad (D) What Ghosts Reveal
Mit der EP „What Ghosts Reveal“ liefern The Crown Of Yamhad (das Duo aus Mastermind EL und Sängerin Finna
Mit der EP „What Ghosts Reveal“ liefern The Crown Of Yamhad (das Duo aus Mastermind EL und Sängerin Finna Björnsdottir) ein düster-opulentes Statement ab, das Gothic Doom Metal mit symphonischer Wucht und einem feinen orientalischen Schattenriss verbindet. Entstanden ist das Projekt bereits 2015, als EL (deutscher Musiker syrischer Herkunft) und der Oud-Spieler Muhammad Shehadeh sich in Aleppo begegneten – die heutige Inkarnation ist seit 2020 konsequent als Duo gedacht, mit EL für Komposition, Texte und Produktion und Finna Björnsdottir am Mikrofon. Release: 30. Januar 2026, self-produced, vertrieben via RecordJet – und klanglich so sorgfältig geschichtet, dass man die Kälte zwischen den Akkorden beinahe anfassen kann.
Doom-Gothic mit cineastischer Kante
Schon nach wenigen Takten ist klar: Hier wird nicht einfach „düster“ behauptet, hier wird düster gebaut – Stein für Stein. EL stapelt Gitarren zu einer druckvollen Soundwall, lässt Streicherfanfaren wie kaltes Mondlicht darüber gleiten und setzt Klaviermotive so punktgenau, dass jeder Akkord wie ein weiterer Riss im Porzellan wirkt. Das Sounddesign ist auffallend sauber: Bass und Kick drücken, ohne zu matschen; Hallräume öffnen sich, ohne die Konturen zu verschlucken; und die Arrangements atmen trotz epischer Breite. Darüber thront Finna Björnsdottir mit klarem Sopran – nicht als „Feature“, sondern als erzählerisches Zentrum, das Schmerz und Trost gleichzeitig transportiert. Diese Frau ist nicht nur eine fantastische Ergänzung: Sie macht aus der Finsternis etwas, das unter die Haut geht.
Tracks im Fokus: Wunden, Flammen, Abschiede
Eröffnend mit „What Ghosts Reveal“ zeigt das dynamische Duo eindrucksvoll, wo die Reise hingeht: im gemäßigten Tempo, stoisch im Puls, aber emotional maximal aufgerissen. Inhaltlich kreist der Song um inneren Widerstand gegen den eigenen Verlust – Verdrängung, Trauer, die Suche nach Sinn, während Hoffnung langsam erodiert. Genau dieses Ziehen zwischen Festhalten und Loslassen übersetzt EL fast schon progressiv in die Dramaturgie: treibende Drums, satte Bassriffs, Gitarren, die düster und episch aus den Boxen kommen, dazu bittersüße Streicher, die Gänsehaut provozieren. Und ja: Ein kleiner Funke kann hier heilen – oder als Brandmal bleiben.
„Keeper Of The Flame“ leitet gotisch ein: Synth-Flächen, Cello-Schwere und ein melodisches Riff, das wie ein Schwur klingt. Der Text zeichnet eine selbstzerstörerische Hingabe – eine Figur, die sich als Schutzschild für andere begreift und dabei Ausdauer mit Bestimmung verwechselt. Die Flamme führt und frisst zugleich; das „Heldsein“ wird zur stillen Erosion. Musikalisch sitzt das: Powerchords geben die Statik, Lead-Figuren setzen die Ornamente, und der Gesang hypnotisiert, weil er nicht schreit, sondern standhält. Das ist Dramaturgie statt Pose – und genau deshalb so packend.
Das bittersüße „Before It Blooms“ trifft den wunden Punkt frontal: Akzeptanz eines Verlusts, der etwas Zerbrechliches beendet, bevor es überhaupt leben darf. „Ein Morgen, dem der erste Atem verweigert wurde“ – diese Idee spiegelt sich in den orchestralen Wogen und griffigen Gitarren, die nie ins Kitschige kippen. Stattdessen wirkt jeder Refrain wie ein Echo in einem leeren Raum: Hoffnung wurde zu früh getötet, übrig bleiben Abwesenheit und Isolation. Die Komposition hält das alles zusammen, als hätte jemand Trauer in Noten gegossen und sie dann mit einem schwarzen Band versiegelt.
„Renascence“ beginnt pur: Klavierakkorde, akustische Gitarren, dann ein leidenschaftliches Lead – inklusive Solo, das wie ein letzter Lichtstrahl durch dichte Wolken schneidet. Inhaltlich geht es um Erschöpfung nach langem mentalem und emotionalem Leiden: das Verlangen nach Erlösung, während man zugleich spürt, dass der Schmerz längst Teil der eigenen Form geworden ist. Heilung scheint nicht zu passieren, die Wunde wird zum Zustand. Und doch trägt Finna Björnsdottir diese Dunkelheit mit solcher Klarheit, dass es paradox tröstlich wirkt. Diese Frau könnte mir auch ihre Einkaufsliste vorsingen, ich würde ihr gebannt zuhören.
Finale mit Widerhaken: Krieg, Schuld, orientalischer Schatten
Zum Abschluss hebt die EP mit „The Progeny of Evil“ noch einmal die Perspektive: weg vom Innenraum, hinein in die moralische Katastrophe der Welt. Der Song konfrontiert die „Logik“ des Krieges – das Töten von Unschuldigen und Kindern, die Vererbung von Hass, Ideologien, die Menschen entmenschlichen, bis ganze Generationen zu Feindbildern werden, bevor sie überhaupt wissen, wer sie sind. Musikalisch passt die Härte: Doublebass treibt, Streicherfanfaren schneiden, Gitarren drücken, und die orientalische Note – hier auch wieder mit hörbarer Oud – wirkt nicht wie exotische Deko, sondern wie Herkunft und Erinnerung. The Crown Of Yamhad zeigen: Sie können Divers, ohne ihre DNA zu verraten; der rote Faden bleibt, aber er ist mit Stacheldraht umwickelt.
Wertung
9 von 10 Punkten
Fazit
„What Ghosts Reveal“ erfindet das Rad nicht neu – aber es lässt sich verdammt gut drehen. Weil hier Komposition, Arrangement und Produktion aus einem Guss kommen; weil Atmosphäre nicht nur „dunkel“ ist, sondern strukturiert, dynamisch und druckvoll; und weil Finna Björnsdottir mit ihrer Stimme Schmerz nicht dekoriert, sondern erzählt. Für Fans von Gothic-getränktem Doom mit symphonischem Atem ist diese EP ein Pflichttermin – finster, episch, und genau deshalb so lebendig.
Titelliste:
- „What Ghosts Reveal“
- „Keeper Of The Flame“
- „Renascence“
- „Before It Blooms“
- „The Progeny of Evil“ (re-released)
Credits:
Interpret: The Crown Of Yamhad
Titel: „What Ghosts Reveal“
Herkunft: Deutschland (Projekt-Wurzeln: Aleppo, Syrien)
Format: EP
VÖ: 30. Januar 2026
Genre: Gothic Doom Metal
Label/Vertrieb: Self-Released (Vertrieb: RecordJet)



