Subway to Sally – HEY!

Subway to Sally – HEY!

📁 News, Reviews 🕔13.März 2019
Subway to Sally – HEY!

||Rezension||

Am 8. März, nach nunmehr 5 Jahren, haben die Brandenburger endlich ihr neues und damit 13. Studioalbum vorgestellt. Pünktlich zum Release flatterte die CD in die Redaktion und als alter Subway to Sally Fan, freue ich mich umso mehr, diese Rezension zu schreiben.

Ja, also alter Fan. Da kommen wir wieder zu einem wichtigen Fakt, was die STS angeht. Entweder man liebt se oder man hasst se. Dazwischen gibt es eigentlich nicht viel. Die Band schafft es übrigens auch, von Album zu Album so sehr zu polarisieren, dass bei dem ein oder anderen Fan aus Liebe gerne mal Hass wird oder das Kleid aus Rosen im Knochenschiff versenkt wird. 2003 war die „Engelskrieger“ das letzte STS Album, was richtig Zunder in der Fanbase gelegt hat. Und heute, 16 Jahre später, wird HEY! von Ally und Simon eben mit jenem Album verglichen. Das war auch leider schon alles, was ich während des 70K auf Haiti aus den beiden herausbekommen habe. Da ich aber eben zu den Fans gehöre, die schon die Engelskrieger hart gefeiert haben, war meine Vorfreude seitdem umso größer.

Und um die Katze direkt aus dem Sack zu lassen:
HEY! kann sich locker mit der „Engelskrieger“ messen! Was Subway to Sally abliefern ist durch die Bank ein gelungenes Album. Nicht zum Konsumieren, sondern zum Genießen. Klar, es ist zu alledem noch ziemlich tanzbar – richtig spannend wird es aber erst, wenn Du dich auf die Reise einlässt und dich von den Vibes von HEY! durch eine charmante Mischung verschiedener Stile, Einflüsse, Zitate, Pointen und sehr ernsten Gedanken tragen lässt.

Island. Der Opener von HEY! wird direkt unbequem. „Dann wander doch nach Island aus…“ richtet sich an all jene, die einfach nicht begreifen wollen, wie gut es uns – gerade hier in Deutschland – geht und die mit all dem Überfluss, den sie haben, immer noch unzufrieden sind. Unterstrichen mit ordentlich Blechgebläse zu Beginn und den mittlerweile schon nicht mehr ganz neuen Dubstep-Elementen, walzt Island schon ordentlich was weg. Es ist angerichtet!

Back to the roots geht’s dann auf Lateinisch mit „Imperator Rex Greacorum“ weiter. Da ich mich mit einer Gnadenfünf von dieser etwas toten Sprache getrennt habe, kann ich nur musikalisch was dazu sagen. Und das passt. Eher klassische Instrumentenwahl mit eingängiger Melodieführung. Und auch, wenn ich kein Freund von „na na na na“ Mitsingstellen in Songs bin – wir sind ja schließlich nicht im Schlager – passt eben jene doch erstaunlich gut. Für alle mit großem Latrinum, die sich berufen fühlen, mir auf die sprachlichen Sprünge zu helfen: Bitte gerne!

„Königin der Käfer“ und „Messias“ (Track drei und vier) wurden bereits vor dem Release ausgekoppelt. Knapp 350.000 YoutTube-Aufrufe von „Königin der Käfer“ sprechen eine deutliche Sprache. Und wer Erik mit Haaren und im goldenen Glitzersakko sehen will, sollte sich das Video von Messias nicht entgehen lassen. Der Song groovt sehr eingängig und gefällig daher und verliert dabei – fast schon nebenbei – harte Worte an und gegen die Konsumgesellschaft. Coole Nummer!

Mit „Die Engel steigen auf“ geht es nun endlich zum Kern von HEY!. Passend zum Vorwort der CD im Booklet, malt der Song das Bild einer düsteren Gegenwart. Wir können nur noch klagen. Um jetzt einzulenken ist es zu spät. Selbst die Engel steigen auf und kehren uns den Rücken, für die Menschen bleibt nur noch der Sturz auf die Erde. Im eingängigen Ref gibt es eine schöne Hook von der Drehleier auf die Ohren. Insgesamt eine runde Nummer.

Mit dem darauffolgenden „Anna’s Theme“ bauen STS eine spannende orchestrale Überleitung zum Song „Am tiefen See“ auf. Hierbei ist der Kontrast des klassischen Arrangements zum schon fast triphoppig losgehenden Folgesong eine spannende und neue Variante. Wie zuletzt auf dem 1997er Album „Bannkreis“ übernimmt Syrah Qntal den weiblichen Part des Duetts mit Eric. Eine würdige Fortsetzung! Übrigens finde ich die sonst eher hektisch und anstrengend wirkende und aus dem HipHop bekannte Highspeed-Highat am Anfang des Songs sogar ziemlich passend. Was den Aufbau betrifft, ist „Am Tiefen See“ der spannendste Song des Albums, der sich ohne große Wiederholungen aufbaut und entfaltet. Hierbei nehmen Dich Subway to Sally mit auf eine Reise durch verschiedene Genres, um schlussendlich mit einem amtlichen Sally-Brett den Sack zuzumachen.

Mit dem achten Song „Selbstbetrug“ holen sich Subway to Sally mit dem Oomph!er Frontmann Dero Goi den nächsten Gast auf die Scheiben, der dem Ref eine interessante und raue Note gibt. Hier hat Simon übrigens im Ref. schon wieder eine HipHop-Highat versteckt 😉

„Bis die Welt auseinanderbricht“ beschreibt wohl am besten die Message, die STS mit HEY! auf den Weg geben wollen. „Pissen wir noch schnell unsere Namen in den Schnee, bis wir diese Welt zerschlagen“ – Kaputt isse eh, jetzt isset auch egal. Die Folge des maßlosen Konsumlebens einer Gesellschaft führt zwangsläufig zu dem Punkt, an dem es „nichts mehr zu retten gibt“. Und wenn dieser Punkt überschritten ist, macht es auch keinen Sinn mehr zu jammern. Also: Lasst uns tanzen, bis die Welt auseinanderbricht, alles zusammenbricht. Die Nummer hat sowohl textlich als auch musikalisch – mit ratzigen Gitarren, einem straighten Grove und gut mitsingbaren Part – das Zeug zu einem Clubklassiker. Wobei sich beim Mixing der gesamten Scheibe, in dem alle Songs „ab Werk“ ineinander gemischt sind, der ein oder andere DJ etwas ärgern wird, denn schwubs, sind wir auch schon mitten in „Alles was das Herz will“.

Macht aber nix – der Flow bleibt. In bekannter STS Manier treffen eingängige Geigenmelodien auf ein stampfiges Fundament aus Gitarre, Bass und Drums. Also lieber DJ – lass ruhig laufen, es darf weitergetanzt werden.

Und wenn wir gerade eh schon tanzen, bitte weitermachen. Klassisch trifft am Anfang von „Aufgewacht“ eine eingängige Geigenhookline auf eine pfundige Riffklampfe. „Aufgewacht, es wird Zeit zu leben. In der Nacht, die das Licht verbannt. Also aufgewacht, lasst die Erde beben. Stecken wir die Welt in Brand“. Machen wir – auch wenn das Sirenensample am Anfang schon böseste Schlagererinnerungen geweckt hat, entwickelt sich der Song prächtig und geht sauber nach vorne.

Triphoppig geht es mit „Ausgeträumt“ weiter. Zwischen Geburt und Tod, gibt es nur ein Leben. Wir sind noch nicht besiegt und erst der letzte macht am Schluss die Lichter aus. Mit dem vorletzten Song, gibt es nochmal eine ordentliche Portion Aufbruchsstimmung. Denn auch, wenn es ausweglos scheint, zu Ende ist es noch nicht! Der Triphop gerät schnell in den Hintergrund und macht Platz für eine klassische (etwas angeglamte-) Rocknummer.

Alles in allem haben Subway to Sally ein sehr solides Studioalbum abgeliefert. Die Zeiten, dass man den Brandenburgern ein klares Genre zuweisen konnte, sind eh schon lange vorbei und genau das macht den Sound der Band auch aus. HEY! ist nicht der „Schocker“ für die Fangemeinde, wie es „Engelskrieger“ war. Das liegt aber nicht an der fehlenden Innovationskraft der Band oder der neuen Platte, sondern schlichtweg daran, dass sich der gemeine Fan mittlerweile an die Experimentierfreudigkeit der Band gewöhnt hat. Und für meinen Teil ist es genau das, was Subway to Sally immer ausgemacht hat.

Von mir gibt es damit eine klare Kaufempfehlung mit der Bitte das Album zu hören und nicht zu konsumieren!

  1. Island
  2. Imperator Rex Graecorum
  3. Königin der Käfer
  4. Messias
  5. Die Engel steigen auf
  6. Anna’s Theme
  7. Am tiefen See
  8. Selbstbetrug
  9. Bis die Welt auseinanderbricht
  10. Alles was das Herz will
  11. Aufgewacht
  12. Ausgeträumt

Label: STS Entertainment/Universal Music

VÖ: 08.03.2019

Laufzeit: 51:54 Min.

Herkunft: Deutschland

Stil: Mittelalter Metal

Webseite: https://subwaytosally.com/

Facebook: https://de-de.facebook.com/subwaytosally/

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