Allgemein Reviews Tipp der Redaktion

Sonic Panda feat. Oblique (CHN) – Silence Is In Vogue

Der nächste digitale Aufschrei wartet längst hinter dem nächsten unbedachten Halbsatz. Mit „Silence Is In Vogue“ reagieren Sonic Panda

Sonic Panda feat. Oblique (CHN) – Silence Is In Vogue

Der nächste digitale Aufschrei wartet längst hinter dem nächsten unbedachten Halbsatz. Mit „Silence Is In Vogue“ reagieren Sonic Panda darauf allerdings weder mit einem moralischen Vortrag noch mit betroffenem Stirnrunzeln. Gemeinsam mit Oblique verwandelt das sino-spanische Duo gesellschaftliche Überempfindlichkeit, öffentliche Selbstzensur und verhärtete Debatten in einen bissigen Industrial-Pop-Song, dessen Refrain wesentlich schneller im Kopf sitzt, als so mancher Kommentar wieder aus dem Internet gelöscht werden kann.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Seht hier das offizielle Musikvideo zu „Silence Is In Vogue“ von Sonic Panda feat. Oblique

Als erster Vorbote des kommenden Debütalbums „Neomelodrama“ erscheint der Titel in vier Fassungen. Neben dem Original enthält die EP eine von Matt Pop bearbeitete Version, eine härter ausgerichtete Interpretation von Carlsed sowie ein Instrumental. Das klingt zunächst nach klassischer Remix-Verwertung, entpuppt sich jedoch als durchaus schlüssige Demonstration davon, wie unterschiedlich ein einziger Song zwischen Gothic-Atmosphäre, Synth-Pop und Electro Rock wirken kann.

Der digitale Pranger tanzt

Die ursprüngliche Fassung von „Silence Is In Vogue“ lebt von einem reizvollen Widerspruch: Während der Text eine Kommunikationskultur beschreibt, in der jedes Wort zur potenziellen Stolperfalle wird, bleibt die Musik ausgesprochen direkt. Ein mechanisch vorwärtsdrängender Rhythmus, dunkle Synthesizer und ein bewusst kühl gehaltener Electro-Pop-Unterbau führen zu einem Refrain, der beinahe wie ein Werbeslogan funktioniert. Gerade diese demonstrative Eingängigkeit verleiht der Satire ihre Wirkung.

Sonic Panda besitzen ein gutes Gespür für theatralische Zuspitzung, ohne den Song mit überflüssigen Effekten zu überladen. Die Beteiligung von Oblique erweitert das Klangbild um eine melodisch geschmeidigere Synthwave-Komponente. Die unterschiedlichen Stimmen und Klangfarben wirken dabei wie mehrere Parteien derselben festgefahrenen Diskussion: Jeder möchte gehört werden, doch niemand scheint dem anderen tatsächlich zuzuhören.

Besonders gelungen ist die Balance zwischen düsterer Atmosphäre und körperlicher Tanzbarkeit. Die elektronischen Flächen besitzen eine frostige, leicht bedrohliche Qualität, während Beat und Hook konsequent auf Bewegung ausgerichtet bleiben. So klingt „Silence Is In Vogue“ zugleich nach dunklem Club, grell beleuchteter Medieninszenierung und einem gesellschaftlichen Gespräch, das jeden Augenblick vollständig entgleisen könnte.

Ein Song, drei neue Gesichter

Die von Matt Pop angefertigte Edit-Version rückt die Synth-Pop-Seite des Materials stärker in den Vordergrund. Die Produktion erscheint glänzender, offener und noch unmittelbarer auf den Dancefloor zugeschnitten. Dabei geht die dunkle Grundstimmung nicht verloren, sie wird lediglich unter einer farbenfroheren elektronischen Oberfläche versteckt. Der gesellschaftliche Seitenhieb lächelt hier besonders freundlich, bevor er seine Zähne zeigt.

Deutlich härter und kantiger arbeitet dagegen die Carlsed Version. Der Rhythmus wirkt massiver, die elektronischen Elemente schärfer und der gesamte Titel stärker im Industrial Rock verankert. Wo Matt Pop den Song in Richtung klassischer Clubmusik öffnet, verdichtet Carlsed ihn zu einem nervösen, beinahe klaustrophobischen Stück. Diese Fassung passt damit besonders gut zur im Text beschriebenen Atmosphäre aus Beobachtung, Vorsicht und ständig drohender Eskalation.

Das abschließende Matt Pop Instrumental legt schließlich offen, wie sorgfältig der Titel arrangiert wurde. Basslauf, Beat und Synthesizer tragen die Nummer auch ohne Gesang erstaunlich sicher. Trotzdem bleibt diese vierte Variante in erster Linie eine Ergänzung für DJs, Sammler und Produktionsinteressierte. Nach drei Fassungen desselben Songs stellt sich zwangsläufig ein gewisser Wiederholungseffekt ein, selbst wenn die einzelnen Bearbeitungen klar voneinander unterscheidbar bleiben.

Unser Fazit

„Silence Is In Vogue“ ist ein geschickt konzipiertes Paket aus Industrial Pop, Synthwave, Gothic-Ästhetik und schwarzem Humor. Sonic Panda und Oblique gelingt ein Song, der seine Botschaft nicht mit einem Megafon verkündet, sondern sie als tanzbare Hook in den Gehörgang schmuggelt. Die verschiedenen Fassungen besitzen genügend Eigenständigkeit, um das schmale Konzept der EP weitgehend zu tragen.

Ganz ohne Einschränkung funktioniert das Format dennoch nicht. Viermal dieselbe Komposition innerhalb von gut elf Minuten verlangt eine gewisse Begeisterung für Remixe, und die Instrumentalversion dürfte für Gelegenheitshörer verzichtbar sein. Das starke Original, die poppig zugespitzte Bearbeitung von Matt Pop und die härtere Carlsed Version rechtfertigen die Veröffentlichung jedoch deutlich.

Als Auftakt zu „Neomelodrama“ erfüllt die EP damit ihren Zweck: Sie präsentiert Sonic Panda als visuell denkendes und musikalisch selbstbewusstes Projekt, das gesellschaftliche Reibung in eine einprägsame Melodie verwandeln kann. Sollte das kommende Album dieses Niveau halten und zugleich mehr kompositorische Abwechslung bieten, dürfte das Schweigen um die Band schon bald endgültig vorbei sein.

Offizielle Website

Instagram

YouTube

Spotify

CD und Vinyl bestellen